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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Kolossal kohärent
  2. 2 ATC SCM50ASLT: Klangtest & Vergleiche

Kennen Sie den „EmotionCode“ nach Dr. Bradley Nelson? Vermutlich nicht. Ganz kurz zusammengefasst, geht es um eine Methode, im Energiefeld des menschlichen Körpers eingeschlossene Emotionen aufzuspüren und vorhandene Blockaden aufzulösen. Klingt Ihnen jetzt zu esoterisch? Mag sein. Unstrittig dürfte indes sein, dass Musikwiedergabe auf hohem Niveau ähnliches bewirkt. Sie kann uns euphorisieren, zu Tränen rühren oder schlicht und ergreifend gut unterhalten. Am besten alles zusammen! Damit das gelingt, braucht es geeignetes „Werkzeug“. Und es ist davon auszugehen, dass die 1974 gegründete „Acoustic Transducer Company (ATC)“ nix dagegen hat, wenn ich ihre vollaktive Standbox ATC SCM50ASLT (19.800 Euro | www.audiotra.de) als ein solches bezeichne. Denn das britische Unternehmen, das ursprünglich „nur“ Chassis, keine kompletten Lautsprechersysteme anbot, hat seine Wurzeln im Pro-Bereich (siehe unseren ATC-Firmenbericht). Unter Studioausstattern und –betreibern ist der Name ATC seit Jahrzehnten ein Begriff, in der Home-HiFi-Welt spielt man indes bis heute eher die Rolle des exquisiten Underdogs.

Daran ist möglicherweise die klassisch zu nennende Optik des mit knapp 54 Kilogramm nicht eben handlichen Standlautsprechers nicht ganz unschuldig. Ein mainstreamtaugliches Design lässt sich der massiven Britin mithin nicht nachsagen. Allerdings war das auch nie vorrangiges Entwicklungsziel, wie mir Armin Kern, der für ATC zuständige Mitarbeiter des hiesigen Vertriebs Audio Trade, bei der Anlieferung der ATC SCM50ASLT mitteilte. Konkret wird dieser Lautsprecher zwar in diversen Evolutionsstufen, gleichwohl äußerlich praktisch unverändert, seit 1976 in zwei Varianten – aktiv und passiv – produziert, wobei ATC-Gründer Billy Woodman dem Vernehmen nach ein großer Verfechter der aktiven Technik sein soll. Vor allem die weitaus bessere Kontrolle und Kohärenz direktverstärkter Treiber sowie die vermehrte Beherrschung der Impedanzverläufe führt er als Vorteile gegenüber passiven Systemen an. Letzteres wird, so Woodman, auch durch die Bassreflexöffnung mitunterstützt, die man bei ATC als „Fließwiderstand“ versteht.

ATC SCM50ASLT Aktiv-Lautsprecher - XLR-Anschluss

XLR oder nix – nur ein Weg führt hinein in die ATC SCM50ASLT

Produziert wird in einer Fertigungsqualität, die erwarten lässt, dass die ATC SCM50ASLT ein Begleiter für ein ganzes Leben sein kann. Vor allem im soliden Nussbaumkleid meiner Testkandidaten ist sie etwa in Gegenwart eines gediegenen Chesterfield-Sofas mehr zeitloses Tonmöbel als schnöde HiFi-Box. Das Gehäuse makellos verleimt, Chassis und „Rucksackendstufen“ mit einer ganzen Armee Schrauben befestigt – die SCM50ASLT macht den Anschein als wolle sie Generationen überdauern! Aus dem Profibereich entlehnt sind ihre stabilen XLR-Terminals, mit denen sie Anschluss zu einem Vorverstärker sucht. Und zwar alternativlos: XLR oder nix. Wer keinen entsprechend ausgestatteten Preamp sein eigen nennt, muss adaptieren. Wofür es ja durchaus hochwertige Lösungen gibt.

Traditionsbewusst geben sich die Briten auch bei der Chassisbestückung, die ausnahmslos aus eigener Fertigung stammt. Das trifft sowohl auf die 25-Millimeter-Hochtonkalotte, den Neun-Zoll-Basstreiber, als auch insbesondere auf die 75-Millimeter-Mitteltonkalotte zu, die ATC seit 1976 (!) unverändert fertigt und die seither in allen größeren Modellen verbaut wird. Aufgrund der unverwechselbaren Formgebung des Softdomes haben Fans des Hauses diesem Wandler den Kosenamen „Bärennase“ gegeben. Sie deckt einen Frequenzbereich von 380 Hz bis 3,5 kHz ab.

ATC SCM50ASLT Aktiv-Lautsprecher - Mitteltöner/Bärennase

Wie niedlich: Eine Bärennase. Die Mitteltonkalotte der ATC SCM50ASLT ist für den Frequenzbereich von 380 Hz bis 3,5 kHz zuständig

Nun reden wir hier ja von aktiven Lautsprechern, was bedeutet, dass die treibenden Kräfte – sprich: Verstärker –, bereits an Bord sind. Hier hat jedes der drei verbauten Chassis seinen eigenen, optimal angepassten Amp. Es handelt sich um mit Mosfets bewehrte Class-AB-Endstufen, die den ATC SCM50ASLT im Betrieb einen ganz schön heißen Rücken bescheren. Insgesamt stehen je Lautsprecher 350 Watt Leistung parat, die sich wie folgt auf die Treiber aufteilen: 50 Watt für den Hochton, 100 Watt für die Mitten und 200 Watt für den Bass. Einen Standby-Modus, in den die Endstufen fallen, etwa wenn kein Signal anliegt, gibt es nicht. Nur „an“ oder „aus“ per Kippschalter.

ATC SCM50ASLT: Klangtest & Vergleiche

ATC SCM50ASLT Aktiv-Lautsprecher - Paar

Zum Hörtest hat mir Vertriebsmann Armin Kern mit dem CD-DAC-Netzwerk-Preamp-Kombigerät ATC CDA2 MK2 (3.750 Euro) eine kongeniale Quelle für die ATC SCM50ASLT mitgebracht, die nach meinem Dafürhalten sicher einen eigenen Test verdient hätte. Den vorliegenden Rahmen, den wir ausschließlich den Aktivlautsprechern widmen wollen, würde das sprengen. Die Erwähnung ist mir an dieser Stelle trotzdem wichtig, da ich den CDA2 MK2 aufgrund auch seiner symmetrischen Ausgänge im Hörtest als Vorstufe für die Lautsprecher verwendet habe.

Kolossal kohärent

Robert Cray - That's What I HeardNimmt man die in der Umgebung „normal dimensionierter“ Wohnräume optisch selbstbewusst anmutende Britin in Betrieb, fällt eine Eigenschaft sofort ins Ohr: ihre geradezu monitoreske Präzision und Kohärenz über das gesamte Frequenzspektrum. Bei „Comfortably Numb“ von Gov´t Mule (Album: Dark Side of the Mule) schien es mir gleich von den ersten Takten an, als kämen die verschiedenen Frequenzbereiche besonders „zeitkonsistent“, wie aus einem Guss am Hörplatz an, wodurch sich ein sehr unmittelbares, geradezu „fassbares“ Klangbild einstellt. Das musikalische Geschehen, etwa bei Robert Cray´s „Anything you want“ (Album: That´s what I heard; auf Amazon anhören), „floatet“ auffallend kohärent in den Raum und präsentiert sich so organisch-homogen wie ein lebendiger Körper, der sich von aller Technik loslöst und mit frappierender Präsenz vor dem Auditorium aufbaut. Nein! Besser: es in die Vorstellung einbindet. Zweiter Eindruck: Verdammt, spielt die auf den Punkt! Jeder Takt sitzt, jeder Impuls trifft – die ATC verschleppt nichts und lässt nichts anbrennen. Jan Delays Live-Version von „Feuer“ (Album: Mercedes-Dance live) kommt so mitreißend und zackig ´rüber, dass Stillsitzen zur Herausforderung wird.

ATC SCM50ASLT Aktiv-Lautsprecher - Rückseite Kühlrippen

Je Lautsprecher stehen 350 Watt Leistung parat

Zack, fertig!

Was auch durch ihr dynamisches Talent untermauert wird. Der volle Einsatz der Dave Matthews Band zu Beginn von „Shake me like a monkey“ (Album: DMB Live 2009) platzt wie eine Explosion in den Raum und setzt ansatzlos wie nachdrücklich Energien frei, die das Gehörte körperlich erleben lassen. Leise-Laut-Leise-Passagen erledigt die ATC wie Bud Spencer einst seine legendären Ohrfeigen verteilte – zack, fertig! Sollte man dabei gelegentlich zusammenzucken, war man eben nicht gut genug vorbereitet.

Wie es sich für eine echte Britin gehört, kann die ATC SCM50ASLT zwar jederzeit austeilen, ist aber ebenso in der Lage, im richtigen Moment Contenance zu wahren. Heißt: Wenn es nicht so hoch hergeht und grobdynamische Kraftmeierei nicht gefordert ist, widmet sich die ATC den leisen Tönen genauso akkurat. Klar macht das Laune, wenn man sie „von der Leine lässt“, auf pegelmäßiger Schleichfahrt ist sie indes ebenfalls hellwach und bildet sehr vollständig ab.

ATC SCM50ASLT Aktiv-Lautsprecher - Detail Schallwand

Von unten nach oben

Dabei sind Frequenzübergänge schlicht und ergreifend nicht zu hören. Deklinieren wir es doch mal von unten nach oben durch:

Bat for Lashes - Lost GirlsHier kommt mir die Bemerkung eines Bekannten in den Sinn, nachdem er sich vor einigen Jahren sein Traum-Sportcoupé gekauft hatte: „Die Kiste hat so viel Power, wenn ich auf´s Gas trete, kriege ich Angst!“ Die muss man vor der Bassperformance der ATC SCM50 ASLT natürlich nicht haben, ehrfurchteinflössend ist es aber schon, was der von 200 Watt im Rücken angetriebene Neunzöller an Druckwellen in den Hörraum schiebt. Die elektronisch generierten Tiefdruckgebiete in „Desert Man“ von Bat for Lashes (Album: Lost Girls; auf Amazon anhören) bahnen sich unaufhaltsam ihren Weg über die Fußsohlen und die Beine ins Mark und setzen lustvoll Glückshormone frei. Die ATC kann es nämlich nicht nur tief, sie kann es vor allem extrem definiert. Bei aller Massivität hat der Bass reliefartige Struktur, kommt absolut kontrolliert und „schwabbelfrei“ rüber. Reserven, um auf Wunsch so richtig nachzutreten, liefert die zuständige Endstufe genug. Lassen Sie mal den Metalklassiker „Warriors of the World united“ von Manowar (Album: Warriors of the World) mit gelöster (Lautstärke-)Handbremse in ihren Hörraum krachen, dann wissen Sie, was ich meine. Und genießen – wie ich – den trocken knarzenden E-Bass von Manowar´s Tieftöner Joey DeMaio, der Ihnen die Staubmäuse unter den Möbeln hervorjagt.

Tori Amos - Scarlet´s WalkGehen wir ein Stockwerk höher: Das besonders gehörsensitive Mittenband zählt zu den Paradedisziplinen der ATC SCM50ASLT. So bringt sie den mehrstimmigen Gesang in Agnes Obels „Familiar“ (Album: Citizen of Glass) so feinnervig-natürlich an die Ohren, dass es mir eine Gänsehaut bereitet. Die Stimmen und die Streichinstrumente im letzten Drittel des Stücks entfalten sich mit greifbarer Körperlichkeit. Es heißt, ATC-Gründer Woodman sei gelernter Konzertpianist und lege ausdrücklichen Wert darauf, dass sich ein Piano eben auch genauso anhört. Und so ist es auch: Vermutlich wird Woodman Tori Amos´ majestätischen Bösendorfer-Flügel in „I can´t see New York“ (Album: Scarlet´s Walk; auf Amazon anhören) auf Anhieb erkennen. Das Schöne ist aber: Ich kann das auch! Weil die ATC SCM50ASLT eben die volle Bandbreite des edlen Instrumentes zu transportieren weiß. Dabei gestattet die „Bärennase“ tiefste Einblicke in musikalische Strukturen, auch dann, wenn sie sich wie bei den Indierockern von Tool im 13-Minuten-Stück „Descending“ (Album: Fear Inoculum) zu einer hochkomplexen Gemengelage auftürmen. Die Britin wahrt sprichwörtlich den Durchblick, lässt nicht das feinste Detail liegen, kümmert sich gleichwohl aber ebenso darum, das organische „große Ganze“ nie in Einzelheiten zerfasern zu lassen. Es entsteht der Eindruck, dass sich der Lautsprecher selbst nicht wichtig nimmt – die Musik ist die Hauptsache und der Schallwandler das Werkzeug.

ATC SCM50ASLT Aktiv-Lautsprecher - Hochtöner

Es verwundert mich nicht, dass den Entwicklern die Integration der oberen Lagen genauso ansatzlos und stimmig gelungen ist. So zeigt sich das obere Frequenzende denn auch als selbstverständlich empfundene Fortsetzung des ohnehin detailverliebten und transparenten Mittenbandes. Im Hochton bestätigt sich mein bereits gewonnener Eindruck sehr neutral-natürlicher (kein Widerspruch!) Klangfarben von Stimmen und Naturinstrumenten, ohne grelle Glanzlichter setzen zu müssen, die etwa bissig-scharfe Sibillanten generieren würden. Derartige „Harshness“ ist der ATC SCM50ASLT fremd. Selbst bei weniger sorgfältig gemasterten oder stark komprimierten Aufnahmen aus dem Genre Alternative Rock präsentiert die Britin vollständige Hochtoninformationen, ohne jemals zu nerven. Was ihr eine ungemein elegante Souveränität und in der Folge Langzeittauglichkeit und Stressfreiheit bescheinigt. Ja, und einen Punkt gibt es in dieser Hinsicht auch zu bekritteln, wenn man denn möchte: Es mag Zeitgenossen geben, denen die ATC „obenrum“ zu geschmeidig auftritt. Die sich crispere und kristallinere Höhenlagen wünschen, die es bei dem einen oder anderen Wettbewerber durchaus gibt. Trotzdem rate ich auch jenen dazu, ein Ohr zu riskieren, bevor Ihnen das „Gesamterlebnis ATC“ durch die Lappen geht.

ATC SCM50ASLT Aktiv-Lautsprecher - Ein-/Aus-Schalter

Netzanschluss, Ein-/Aus-Schalter, Sicherungen

Unaufgeregt stark

Abschließend noch ein paar Worte zur Raumabbildung der ATC SCM50 ASLT. Ich stelle diese Disziplin bewusst ans Ende meiner Ausführungen, weil sie eine unaufgeregte Stärke der Box darstellt. Die aktive Britin ist sehr genau in ihrer Nachzeichnung von Tiefe und Breite des Bühnenraumes. Sie gibt das wieder, was die Aufnahme liefert. Nicht mehr, nicht weniger. Wurde ein Konzert in der Londoner Royal Albert Hall aufgenommen, transportiert die ATC dieses Erlebnis in Ihren Hörraum. Stets unter Beachtung der exakten Ortbarkeit einzelner Schallereignisse, versteht sich. Lauschen Sie hingegen dem Wohnzimmerkonzert eines Singer-/Songwriters am Kaminfeuer, wird Ihnen ob der Intimität der Situation warm ums Herz. Und genau das möchte man ja auch hören. Womit wir wieder bei den eingangs erwähnten Emotionen wären …

ATC SCM50ASLT Aktiv-Lautsprecher - Verstärker-Kühlrippen

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Test: ATC SCM50ASLT | Aktivlautsprecher

  1. 1 Kolossal kohärent
  2. 2 ATC SCM50ASLT: Klangtest & Vergleiche