Test: ASR Emitter 1 Exclusive HV | Vollverstärker
Das Urgestein
von Stefan Gawlick
Im Test: ASR Emitter 1 Exclusive HV - Vollverstärker mit externen Netzteilen
UVP zum Testzeitpunkt: 18.000
Web: https://asraudio.de
Ist es nicht etwas voreilig, etwas so Kurzlebiges wie moderne Unterhaltungselektronik – und nichts weiter ist selbst ein Highend-Vollverstärker wie der ASR Emitter 1 Exclusive HV (https://asraudio.de) – mit einem absoluten Begriff zu belegen? Wieder einmal einer jener klischeebehafteten Artikel, der bereits in der Überschrift auf Superlative setzt? Der Verdacht liegt nahe – auch wenn wir uns bei fairaudio nach Kräften bemühen, die Dinge beim Namen zu nennen und dem Leser verpflichtet zu sein. Also ein kurzer Blick auf die Fakten, um den Titel zu rechtfertigen. Das Lexikon sagt:
Ur·ge·stein
/Úrgestein/
Substantiv, Neutrum [das]
Gestein [vulkanischen Ursprungs], das weitgehend in seiner ursprünglichen Form erhalten ist.
Das mit der ursprünglichen Form können wir dem Emitter zugestehen. Sowohl das äußere Design als auch die technische Grundidee einer regelbaren Endstufe, bei der möglichst alle Störungen des Lichtnetzes durch externe Netzteile sowie den Einsatz von Akkus und Siebung von den Audioschaltungen ferngehalten werden, hat sich seit der Geburt der ersten Version nicht verändert.

Der Begriff Urgestein atmet auch den Subtext „alt“ und richtig: Urgestein nannte die frühe Wissenschaft jenes Gestein, von dem man annahm, es sei bereits bei der Entstehung der Welt geformt worden. In diesem Sinne ist der Emitter zweifellos eines meiner persönlichen HiFi-Urgesteine: Der erste Test eines Emitter-Vollverstärkers erschien 1985 – ungefähr zu jener Zeit, als mein eigenes audiophiles Interesse sich von der elterlichen Dual-Anlage aus aufmachte, die Welt zu erkunden. In meiner Wahrnehmung war der Emitter also schon immer da. Genau wie Transrotor, Thorens, Nakamichi, Conrad Johnson, Accuphase und JBL.
Und ja, das mag banal klingen, aber Gesteine sind schwer. Das „ASR Emitter 1 Exclusive HV“-Gerätetrio bringt mit seinen rund 80 Kilogramm (Amp: 22 kg, Akkunetzteil: 26 kg, Netzteil: 32 kg) eine Bodenhaftung mit, die kaum ein Wettbewerber überbietet – vom großen Bruder Emitter II (siehe Test ASR Emitter II Exclusive mit Akku-Netzteil) einmal abgesehen. Wenn wir den Wettbewerb betrachten und feststellen, dass es faszinierend gut klingende Verstärker gibt, die einen Bruchteil auf die Waage bringen, muss ein solcher Materialeinsatz auch einmal gerechtfertigt werden. Oder zumindest erklärt.
Aller guten Dinge sind drei

Friedrich Schäfers Grundidee eines idealen Verstärkers beschreibt er wie folgt: Ziel ist die absolute Reinheit und Entspanntheit. Stress und Störungen sind in unserer Welt allgegenwärtig, sie sollen nicht auch noch die schmalen Stufen in den Elfenbeinturm des Musikhörens erklimmen können. Der Aufwand beginnt ganz simpel und entscheidend bei der Auftrennung des Gerätes auf drei Gehäuse. Da Netztrafos auch bei aufwändiger Filterung das leichte mechanische Schwingen nicht abzugewöhnen ist und Schäfer hier Ungemach für die Audioschaltungen sieht, wird das Powerhouse halt von der musikalischen Abteilung räumlich getrennt. Über die beeindruckenden Industriestecker, mit denen Netzteile und Verstärker Kontakt aufnehmen, wurde wohl schon in jedem Test geschrieben (so auch in unserem Test des ASR Emitter I Basic), deshalb reicht hier die bloße Erwähnung.
Das konventionelle Netzteil mit massiven Philbert-Mantelschnitt Transformatoren versorgt die Ausgangsstufen und den Controller. Eine aufwändige und aktive Netzfilterung gegen HF-Einflüsse und Gleichspannungsanteile soll, so ASR, externe Lösungen wie Filter, Filterkabel oder Netzsynthesizer obsolet machen. Die Siebung in diesen Netzteil ist mit 80.000 μF schon ziemlich großzügig, allerdings für das Gesamtkunstwerk noch nicht ausreichend: Im Akkunetzteil kommen weitere 428.000 μF, im Hauptgerät 524.000 μF hinzu.

Sinn und Unsinn von Lautstärkeregelungen
Besagtes Akkunetzteil versorgt die Eingangsstufe, womit sich der Verdacht bestätigt: Der ASR Emitter 1 Exclusive HV ist wie alle Emittenten aus dem hessischen Herborn vor ihm eigentlich eine Endstufe mit Lautstärkeregelung. Schäfer geht dabei einen sehr eigenen Weg, indem er das Eingangssignal über Widerstände (die Relais sind nicht im Signalweg) abschwächt und auf eine mit geringer Verstärkung laufende Endstufe treffen lässt. Dreht man den Lautstärkeregler (1-dB-Schritte) auf über „51“, fällt die Abschwächung weg und die Verstärkung der Endstufe wird langsam hochgefahren. Das übliche Verfahren mit einer stets mit höchstem Verstärkungsfaktor arbeitenden Endstufe, die man dann mit kunstvoll abgeschwächten Signalen vom Vorverstärker versorgt, ist für Schäfer so sinnvoll, wie ein Auto immer im Vollgas zu fahren und die Geschwindigkeit über die Handbremse zu regeln.
Was ist schon normal?
Im Vergleich zum „normalen“ Emitter I Exclusive Akku wurde über eine Erhöhung der Betriebsspannung eine Verdoppelung der Ausgangsleistung erreicht, um selbst schwierigere Lautsprecher jederzeit mühelos kontrollieren zu können. Interne Reinsilberdrähte sind hauptsächlich für den Signaltransport zu den massiven Polklemmen verantwortlich.

Wem das angesichts der ohnehin schon ziemlich kräftigen Leistung des Basis-Emitters übertrieben vorkommen mag, dem sei gesagt: Herzlich willkommen in der Welt von Friedrich Schäfer. Und wem das immer noch nicht genug ist, der kann auch zum ASR Emitter II HV greifen. Bei einer anderen HiFi-Zeitschrift wurden Sinus zweimal 1.800 Watt an zwei Ohm gemessen, bevor die hausinterne Stromversorgung in die Knie ging.
Wie das auch bei den „normalen“ Emittern möglich ist, lässt sich der ASR Emitter 1 Exclusive HV klanglich an die eigenen Wünsche in Maßen über DIP-Schalter anpassen. Ich sah keinerlei Veranlassung, hier etwas zu ändern, die wunderbare Balance des ASR-Verstärkers wollte ich nicht stören.
Der neue Highflyer „HV“
Natürlich wurde die Betriebsspannung nicht einfach nur verdoppelt. Alle relevanten Stellen wurden entsprechend verstärkt oder neu entworfen, um mit dieser höheren Leistung umgehen zu können, ohne die Bauteile vorzeitig altern zu lassen. Was als Notlösung für schwierige Lautsprecher gedacht war, entpuppte sich als Volltreffer, weil die HV-Versionen in allen Belangen lockerer, feiner und präziser spielen als die kleineren Geschwister. In den letzten Monaten seien folglich fast nur noch die neuen Versionen verkauft worden, so ASR.

Sämtliche Möglichkeiten, die man als ASR Kunde hat, hier aufzulisten, würde zu weit führen. Man kann mit verschiedenen Farben, Ein- und Ausgängen – sei’s XLR oder Cinch – und vielen weiteren Parameter seinen eigenen Verstärker bauen lassen, den es so kein zweites Mal auf der Welt gibt. Kollege Michael Bruß gibt in seinem Test ASR Emitter I Basic einen schönen ersten Einblick in die Variantenwelt von ASR.
ASR Emitter 1 Exclusive HV: Hörtest und Vergleiche
Ein ASR Emitter wirkt in der persönlichen Hörwahrnehmung womöglich etwas verzögert, weil er so entspannt ist. Aber nachhaltig. Nachdem alle Bestandteile – Emitter-1-Hauptgerät, Netzteil für die Leistungsstufe und Akkunetzteil für die Eingangsstufe – platziert und verbunden, die Zuspieler und Lautsprecher verkabelt sind und der Hörplatz aufgesucht ist, warte ich in einem solchen Moment immer sehr gespannt auf den ersten Eindruck. Wie stellt sich die neue Komponente vor? Wie verändert sich die Anlage? Was höre ich?

Die letzte Frage ist schnell beantwortet: Musik. Und zwar nur. Denn der ASR Emitter 1 Exclusive HV agiert dank seiner Leistung dermaßen souverän, dank seiner Verzerrungsarmut gleichzeitig so „unsichtbar“, dass man im ersten Moment, in dem man von einer neuen Komponente Großes erwartet, zunächst einmal enttäuscht sein mag. Ihn danach jedoch binnen weniger Minuten komplett vergisst, was für einen Verstärker das größte Kompliment überhaupt ist.
Ziemlich unendliche Weiten
Was der Emitter-Verstärker räumlich leistet, fällt erst nach und nach auf. Einheitlich ist, dass die Bühne ein klein wenig hinter der Lautsprecherebene beginnt und keineswegs frontal wirkt, sich in allen anderen Dimensionen aber nur der Aufnahme unterordnet und sich keinen sonstigen Beschränkungen beugt. Vor allem nach hinten entwirft der Hesse Räume, die ich so tief tatsächlich noch von keinem anderen Verstärker erlebt habe.
Sir Simon Rattle hat mit den Berliner Philharmonikern eine erstklassige Einspielung von Gustav Mahlers neunter Sinfonie vorgelegt – sowohl klanglich also auch interpretatorisch (Warner, Qobuz HiRes Stream).
Nachdem die Musik eine Weile lang eher verhalten und mit gedeckten Farben ihren Weg zurück zur Harmonie sucht, von der sie sich in dieser Sinfonie so gründlich verabschiedet, kommt es nach ungefähr sechs Minuten zu einem ersten Ausbruch. Blechbläser und Pauken sorgen für eine erste dynamische Welle, die allerdings noch vor der inhaltlich fertig formulierten Botschaft bricht und in sich zusammenfällt. Danach spielen weit hinten auf der Bühne eher leise die Pauken das die Sinfonie durchziehende viertönige Motiv.
Mit dem ASR Emitter 1 Exclusive HV höre ich hier mehrere Dinge: Die Pauken stehen wirklich sehr weit hinten im Orchester, auf den Zentimeter präzise verortet. Und sind dennoch völlig klar zu verstehen, der Raumeindruck wird nicht durch den Einsatz von Nebelkerzen erreicht. Zu Beginn wirbelt noch leise die große Trommel mit, weshalb sich bei einigen Verstärkern nach deren Ausscheiden die Position der Pauke ändert. Nicht jedoch beim Emitter. Die Hörner spielen dann von rechts (nicht ganz so weit) hinten einige aggressive Töne ein, was auch nichts am Raumeindruck ändert. Faszinierend wird es dann ein paar Takte später, als die Pauken auf ihrer Aussage beharren und das gleiche Motiv deutlich lauter noch einmal spielen. Und fast immer, beispielsweise auch beim grandiosen Audio Analogue Puccini Aniversary, den ich vor einiger Zeit bei mir genoss, rücken sie damit ein wenig nach vorne. Was musikalisch involvierend wirken kann und daher nicht zu verurteilen ist, bleibt nüchtern betrachtet ein Eingriff ins Geschehen. Beim Emitter hat sich die Position der Instrumente um keinen Millimeter verändert. Sie sind nur lauter, voller, kerniger. Wow.
Bei einigen Aufnahmen dehnt sich die Bühne auch bis weit neben die als Schallquellen nicht auszumachenden Lautsprecher aus. Das allerdings nur, wenn es die Konserve vorgibt. Und einige der durch Phasenspielereien hervorgerufenen Effekte von Roger Waters „Amused to Death“ (Qobuz / HiRes) wandern derart glaubhaft durch den Raum, dass sich die zufrieden dösenden Katzen erschrecken und der Kauf einer Surroundanlage sinnlos erscheint.
Solides Fundament

Ganz sicher zählt der Bass mit zu den Schokoladenseiten des ASR Emitter 1 Exclusive HV. Ich habe weder meine noch die zu Testzwecken anwesenden Lautsprecher mit anderen Verstärkern derart über sich hinauswachsen hören. Der ASR-Vollverstärker scheint den Wirkungsbereich von Lautsprechern locker eine halbe Oktave nach unten zu erweitern, erledigt dies jedoch gleichzeitig mit einer solchen Kontrolle, dass das Klangbild dank neutraler Schlankheit und Kontrolle eher an einen aktiven und eingemessenen Subwoofer denn an einen durchaus geforderten Passivlautsprecher erinnert. Bis in die untersten Lagen herrscht Kontrolle, Zeichnung, Definition.
Besagte leise gewirbelte große Trommel in der Mahler-Aufnahme macht das offensichtlich: Auch bei einem durchaus kompetenten Verstärker wie dem Electrocompaniet ECI 6 Mk II höre ich ein ordentlich voluminöses Grummeln. Der ASR-Verstärker zeigt, dass selbst bei den besten Schlagzeugern mit weichen und gut eingespielten Schlägeln eben doch nicht alle Töne hundertprozentig gleich ausfallen: Die von anderen Verstärkern präsentierte Fläche schlüsselt der ASR Emitter 1 Exclusive HV in ihre Bestandteile auf, ohne indes die musikalische Bindung zu verlieren. Nach meinem Dafürhalten zeigt er tieftonseitig besonders gut auf, was tatsächlich passiert. Womit klar sein dürfte, dass der Emitter im Tiefton in Sachen Durchhörbarkeit einen Platz auf dem Referenzpodest verdient hat.

Mit dieser ehernen Haltung muss man freilich leben können und wollen. Denn bei bassaffinen Produktionen wie Flumes „HyperParadise“ könnte man sich durchaus einen in den Bauch tretenden Bass wünschen. Aber: Das Herborner Urgestein legt hier kein Schippchen drauf, auch wenn es gewünscht wird. Es ist die Entscheidung des Kunden, ob man genau damit leben möchte.
Sauberes Zentrum
Mit Blick auf die Mitten macht es keinen Unterschied, ob es sich um die feinst ausformulierten Klänge einer Wagner-Oper oder die eher weniger kultivierte Stimme eines Johnny Cash handelt. Der Emitter zeigt sich hier von seiner besten Seite: Er schafft sich eigentlich völlig ab. Mit dieser unglücklichen Formulierung will ich sagen, dass er weder warm noch hell, sondern einfach nur Diener der Musik ist; der Amp breitet wohl genau das vor uns aus, was Musiker und Tonmeister konserviert haben.
Nun ist es schwierig, dieses „Nichts“ an Qualität mit einer Preisklasse zu assoziieren. Sagen wir so: Wenn uns die Intention der Musiker, ihre klangliche Idee und das Tun des Tonmeisters wichtiger sind als unsere eigenen Ideen, wie so etwas zu klingen hat, kenne ich hier keinen besseren Verstärker.

Wenn zu Beginn von Wagners Götterdämmerung die Nornen sich ausführlich über die beklagenswerte Gesamtsituation auslassen, wirkt das auf nicht wenige Zuhörer zum einen verwirrend und zum anderen zu lang. Erst recht zu Hause, wenn die Bühnenhandlung fehlt. Oft aber – und das stelle ich bei komplexer Musik immer wieder fest – ist es die mangelhafte Differenzierung der Darstellung, die uns gedanklich abschweifen lässt. Musikalische Intensität ist bei Christian Thielemann und dem Ensemble der Bayreuther Festspiele (Opus Arte, Qobuz Stream) jedenfalls nicht das Problem.
Und ich komme fast nicht bis zu den Nornen, weil mich schon der Anfang fesselt: Nach einem ersten Aufschrei in den Holzbläsern und Hörnern schließt sich ein deutlich weicherer Akkord an, der allerdings nicht wesentlich leiser ist. Die Klangfarbe aber ändert sich dramatisch. Bei vielen Anlagen wirkt dieser zweite Akkord matter, weniger intensiv, leiser. Dass jedoch diese zweite Geste nicht von außen glänzt, allerdings fast noch stärker von innen glüht, zeigen die Musikerinnen und Musiker in Bayreuth. Der ASR Emitter 1 Exclusive HV steht wieder einmal nicht im Wege, sondern zeigt unaufgeregt und mir unbestechlicher Präzision, was uns die Künstler alles sagen wollen. Welche Welten sich hier schon zwischen den ersten zwei Tönen auftun, macht sprachlos.

Schließlich schaffe ich es doch und komme bis zu den Nornen, die tatsächlich etwas zu sagen haben und nicht nur, dröge an ihrem Zeitseil spinnend, vor sich hin singen. Jede noch so feine Änderung in der Luftführung, dem Stimmsitz, den Resonanzen wird dargestellt und damit das ganze Ausdrucksspektrum der Künstlerinnen. Wie sich die Luftführung und damit die Intensität des Tones in der Vorbereitung eines größeren Intervalls verändert, entgeht vielen anderen Verstärkern. Wie so oft wird es plötzlich ungemein spannend, sobald man über alle Informationen verfügt.
Die einfachen Aufgaben
Wenn eine Komponente solch komplexe Vorgänge meistert, sind vergleichsweise einfache Aufgaben wie die Darstellung einer Gitarre und einer trocken aufgenommenen Stimme ein kleineres Problem. Bei Billie Eilishs „Bury a friend“ sind wir nur noch auf unseren Geschmack zurückgeworfen. Der schon erwähnte Electrocompaniet präsentiert die Stimme etwas weiter vorne, separiert sie ein wenig von dem sie umgebenden Geschehen. Das schafft beim Hören einen intimeren Rahmen und einen sehr intensiven Zugang. Der ASR Emitter 1 Exclusive HV lässt die Stimme da, wohin sie vom Tonmeister wahrscheinlich gemischt wurde: etwas weiter hinten und mehr in die Band integriert. Natürlich sind auch hier alle Schallereignisse präzise platziert und klar umrissen, nichts verwischt. Allein schon deshalb nicht, weil der ASR mit exemplarischer Transparenz alle Spuren der Produktion aufdröselt und – eingebettet in den Gesamtklang – in allen Details erfahrbar macht. Spannend ist zum Beispiel, wie feinabgestuft Kompressoren und Hall in den unterschiedlichen Spuren eingesetzt wurden. Es ist müßig, hier über richtig und falsch zu diskutieren. Es muss gefallen, uns ansprechen und der aktuell kläglichen Welt abhandenkommen lassen. Welcher Weg bei einem wirkt, ist letztlich der richtige und das ist in keiner Weise zu bewerten.

Einfach da: die Höhen
In den Höhen zeigt sich die vielleicht deutlichste Abgrenzung zu vielen anderen Verstärkern. Denn der Emitter wirkt zunächst einmal recht „unoffensiv“. Defensiv wäre zu stark formuliert und würde ein falsches Bild vermitteln. Dank seiner ohrenscheinlich verblüffenden Verzerrungsarmut (Verzerrungsfreiheit gibt es auf dieser Welt nicht) wirkt er beim ersten Hören unspektakulär und gedeckt, was letztlich aber eine faszinierend selbstverständlich servierte Reinheit ist. Wo der Audio Analogue und ein zu Gast spielender Musical Fidelity (M8s 500Ss, dieser etwas dezenter) ein Feuerwerk abbrennen, scheint sich der Mittelhesse erst einmal deutlich zurück zu halten.
Bis man nach einiger Zeit merkt, dass sich der Verdacht der Detailarmut nicht aufrecht halten lässt. Im Gegenteil. Der Emitter präsentiert auch hier ein immenses Maß an Information, das allerdings wieder einmal bestens integriert und begeisternd geschmeidig „einfach nur da“ ist. Luftigkeit wird von dem Verstärker nicht geschaffen, sondern nur vermittelt, wenn sie auf der Konserve vorhanden ist. In diesem Bereich wirkt der Musical Fidelity einen Hauch offener, wobei ich nicht genau sagen kann, was denn nun die Wahrheit darstellt. Wahrscheinlich schlagen hier die Akkuversorgung und die mit enormen Reserven kalkulierte Verstärkung durch.

Der „Chant D´Amour I“ aus Messiaens Turangalila Symphonie (DGG, Myung-Whun Chung, Orchestre de l´Opéra national de Paris) bietet mit seinem massiven Einsatz an metallenen Schlaginstrumenten Obertöne im Überfluss. Und ich habe diese Aufnahme schon so oft gehört, nach einer Weile jedoch leiser gedreht, weil es auf Dauer wirklich anstrengend wurde. Mit einem Naim Supernait beispielsweise war es nur bei gedrosselter Lautstärke ein Genuss. Der ASR Emitter 1 Exclusive HV arbeitet mit seiner Reinheit und Geschmeidigkeit, klangfarbliche Unterschiede zwischen den einzelnen Instrumenten vorzüglich heraus, gleichzeitig drehe ich nach einer Weile genussvollen Hörens beherzt lauter – und gebe mir echte Konzertlautstärke. Sehr zu meiner Freude und zum Leid meiner Nachbarn. Wenn eine Anlage bei diesem Klirren, Schwirren und Scheppern die Übersicht behält, alles luftig und detailreich serviert, ohne dabei in irgendeiner Form zu belasten, ist eigentlich alles gesagt.
Noch ein Wort zur Dynamik
Ich habe es teilweise schon angesprochen, fasse es aber hier noch einmal zusammen: Feindynamisch ist der Emitter I Exclusive HV über alle Frequenzbereiche pfeilschnell und gleichzeitig so locker, dass man zunächst gar nicht merkt, wie schnell er wirklich ist. Hubraum entspannt! Bei der Grobdynamik kann man vielleicht noch am ehesten eine Tendenz attestieren: Bevor es zu irgendeiner Verzerrung, einem Stress, einer Unausgewogenheit kommt, wird eine Kante nicht mit aller Härte, sondern minimal verrundet in den Raum gestellt. Das geschieht aber in allen normalen Bereichen so gekonnt, dass man sich immer unweigerlich fragt, ob es nicht genau so eigentlich richtig ist. Denn stets merkt man, dass alle Informationen vorhanden sind. Der Emitter ist eben kein Marktschreier, sondern eher ein seriöser Bankier mit ungemein hohen Rücklagen.
Leserbrief


