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Klang Ascendo C6 (Teil I)

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  1. 2 Klang Ascendo C6 (Teil I)

„Hüfthoch der Lautsprecher, gut handtellergroß die Treiberfläche, da werden Pegelorgien, Grenzdynamik und physisch erlebbare Tieftonwelten wohl nicht ganz oben auf der Tagesordnung stehen“, so mein erster Gedanke angesichts der neuen, kleinen Ascendo-Säule. Und natürlich verhält sich das auch so, auch Ascendo C6nach wochenlangem Hören kann ich Ihnen leider nicht berichten, die C6 stelle die Regeln der Physik auf den Kopf. Sind Ihnen die genannten Aspekte besonders wichtig, gibt es Alternativen, auch in dieser Preisklasse.

Gleichwohl hat mich die Ascendo C6 spontan überrascht, und zwar im Bass. Zwar ist fürs Geld mehr Schub & Schmackes zu haben, aber angesichts der übersichtlichen Physis und des Konzepts ist es mehr als erstaunlich, was die C6 an Bassvolumen und vor allem -tiefgang herausholt. Verglichen mit der ebenfalls Koax-bestückten Kompaktbox Thiel SCS4 (preiswerter, aber, kalkuliert man ein paar vernünftige Ständer mit ein, nicht um Welten) gibt sich die Ascendo jedenfalls in beiderlei Hinsicht – Punch und Tiefgang – erwachsener. Ja, deutlich ausgewachsener als ich ihr in meinem 30-qm-Hörzimmer zugetraut hätte. Was sich also schon mal festhalten lässt: Wer mehr/tieferen Bass will, muss sich in der Regel größere Kisten ins Zimmer stellen. Oder umgekehrt: In dieser Größenklasse fallen einem als Alternative meist Kompaktlautsprecher ein, und die bieten basstechnisch häufig (deutlich) weniger.

Qualitativ sind die unteren Lagen übrigens eher „halbtrocken“ geraten. Es geht konturierter und es geht weicher – letztlich darf man diese Abstimmung also als einen ganz guten Mittelweg erachten. Vor allem aber spielt die C6 tonal balanciert, keinesfalls leicht oder gar ätherisch und ohne Fundament. Wenn die Ascendo vom neutralen Pfad abweicht – und das tut sie kaum –, dann geht’s tendenziell eher ins Sonore als ins Helle.

Zweite spontane Entdeckung, neben dem Bass der Kleinen: Mit etwas Saft will die Ascendo C6 schon versorgt werden, sie klingt deutlich leiser als besagte Thiel bei gleicher Lautstärkeeinstellung. Kein Problem, wenn der Verstärker Reserven hat. Ascendo selbst spricht davon, dass es ab 2 x 30 Watt gut funktioniert. Mit kleinen, leistungsseitig limitierten Verstärkerpreziosen à la Mastersound Dueundici wird man diesen Lautsprecher jedenfalls nicht komplett ausreizen. Es darf vermutet werden, dass die relativ geringe Sensitivität die Kehrseite der recht tiefen Abstimmung bei übersichtlich großem Gehäusevolumen (16,5 Liter) darstellt.

Ansonsten fällt auf die Schnelle noch auf – dass nichts auffällt. Und paradoxerweise ist genau das das Wesentliche. Die Ascendo C6 stellt ein Klangbild auf die Beine, welches sich als so richtig, komplett und natürlich in die Ohren schleicht, dass kein bestimmter einzelner klanglicher Charakterzug als solches heraussticht. Ein gutes Zeichen, hilft das doch dabei, die Musik als organisches Ganzes zu vermitteln. Allein, es macht die Beschreibung nicht gerade einfacher. Und ein bisschen mehr wollen Sie wahrscheinlich schon noch wissen. Also gut:

Koax der Ascendo

Bleiben wir beim Tonalen. Wurde schon erwähnt, dass man sich bisweilen fragt, wo das kleine Teil eigentlich den Bass hernimmt? Ach ja, ich glaube schon … Trotzdem, das fiese, rohe E-Bassknurren bei „We Real Cool“ auf Nick Caves neuem Album Nick Cave Album Push The Sky AwayPush The Sky Away, es erstaunt mich schon wieder. Egal. Viel mehr passiert in diesem Song eigentlich nicht, ab und an wird eine mehr oder minder dramatische Streicherfläche gereicht, ein paar Klavierakkorde dazu und natürlich Caves Gesang (und rüttelt da einer leise im Hintergrund ein Metallblech?). Aber das Wenige reicht schon, um deutlich zu machen, dass die Ascendo C6 insgesamt zwar balanciert agiert, sich obenrum aber ein wenig milder, nicht maximal ausgeleuchtet gibt. Milder jedenfalls als die Dynamikks Monitor 8.12 mit ihrem Hochtonhorn, die zuvor spielte. Und auch in Relation zur kompakten Thiel, die einen adäquateren Vergleichsmaßstab abgibt?

Schnell ist die Amerikanerin wieder aufgebaut – und ja, jetzt „strahlt“ es in den obersten Oktaven mehr, doch nicht nur dort, eigentlich geht das schon ab den oberen Mitten los: Die Stimme wirkt nun eine Spur weiter noch vorne gezogen und eine Nuance kehliger. Nicht besser oder schlechter, sondern anders. Vielleicht passt’s hier sogar ganz gut, die kehligere Note verleiht dem La Chirurgie des Sentiments, Francioz BreutsGanzen einen etwas raueren Anstrich, was mit Nick Cave & The Bad Seeds durchaus harmoniert. Dass das aber ein zweischneidiges Schwert ist, ahne ich schon, und lege zur Überprüfung La Chirurgie des Sentiments, Francioz Breuts aktuelle Platte auf (sehr nett übrigens, aber die ersten drei Alben gefielen mit besser). Wenig überraschend, wirkt Breuts spröde, bisweilen elektronisch noch spröder gemachte Stimme, wie zum Beispiel bei „L’Ennemi Invisible“, mit der Thiel … tja: spröder. Was nicht gerade als Gewinn durchgeht. Die Ascendo C6 packt nun keinesfalls alles in Watte – interessanterweise habe ich sogar den Eindruck, mehr Details mitzubekommen –, es wirkt aber gefälliger und definitiv langzeittauglicher, gerade wenn man mit höherer Lautstärke hört.

Ascendo C6

Also, was haben wir bisher? Ausbalanciert, dabei erstaunlich basskräftig für die Größe, im Präsenzbereich minimal milder abgestimmt, dazu ein perfekt angebundener Hochton, der zwar nicht mit 1000 Watt brennt, aber auch nicht „funzelt“. Wer es heller braucht, lege einfach einmal probehalber den Knebelschalter auf der Rückseite um, der, wie erwähnt, ab 600 Hertz 2 dB mehr „Gas gibt“. Die Wirkung ist sanft genug, dass man auch bei frei stehender Aufstellung damit experimentieren darf. Ich fand es bei gewissen (dunkleren) Aufnahmen so besser, ganz überwiegend zog ich aber die reguläre Einstellung vor. Das wird aber zum einen wohl jedem anders gehen. Zum anderen meine ich da noch so eine Art Nebenwirkung gespürt zu haben – später mehr dazu. Schön jedenfalls, dass sich wählen lässt.

Test: Ascendo C6 | Standlautsprecher

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