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Test: Ascendo C6 | Standlautsprecher

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  1. 1 Test: Ascendo C6 | Standlautsprecher

April 2013 / Ralph Werner

Zu Besuch bei unserem Autor Martin sitze ich regelmäßig vor einer Geithain ME 150, die einen Koaxtreiber besitzt. Geht’s dann weiter zum Kollegen Jörg, erwartet mich eine Thiel CS 3.7, die ebenfalls ein Chassis solchen Prinzips beherbergt. Daheim angekommen, empfängt mich die Dynamikks Monitor 8.12 mit ihrem Horn-Koaxialsystem, es sei denn, die Thiel SCS4 ist gerade aufgebaut – die mit ’nem Koax ohne Horn aufwartet. Das ist ja fast schon unheimlich! Erfreut sich die koaxiale Bauweise denn einer solchen Beliebtheit bei uns?

Koax-Lautsprecher
Koaxial-Lautsprecher von Ascendo, Dynamikks und Thiel

Vielleicht ist es Zufall, jedenfalls hören andere Autoren und Kollegen – durchaus glücklich – gänzlich koaxialfrei. Wie auch immer: Anstoß zu obiger Betrachtung war der aktuelle Testkandidat, die Ascendo C6 (www.ascendo.de). Ein Koaxiallautsprecher, wie Sie unschwer erraten werden.

Ein reinrassiger obendrein, soll heißen: ohne separate Basstreiber-Unterstützung wie bei der Geithain, der großen Thiel oder der Dynamikks. Oder auch der Ascendo C8, die wir vor fast fünf Jahren im Test hatten. Die kommt mit dem exakt gleichen Seas-Koax auf der Schallwand daher wie die C6, besitzt aber noch einen Tieftöner im Inneren, welcher via Bandpass die unteren Oktaven stemmt. Bei der Ascendo C6, der jüngsten und kleinsten Standlautsprecherentwicklung der Schwaben, handelt es sich dagegen um ein ZweiwegeBassreflexdesign.

Ascendo C6Manche glauben freilich nicht an Zufälle, und tatsächlich bringt das koaxiale Prinzip ja durchaus Vorteile mit sich. Zum Beispiel einen einheitlichen Ort der Schallentstehung, da Tiefmittelton- und Hochtoneinheit nun einmal integriert sind, also sozusagen aus einem Punkt abstrahlen, was insbesondere die Fähigkeit zur akkuraten räumlichen Abbildung der Musik unterstützen soll. Zudem können Interferenzerscheinungen, die aus einem vertikalen räumlichen Versatz der Treiber zueinander und der Position des Hörers zu ihnen entstehen, nicht auftreten – da ein solcher Versatz eben nicht besteht. Man könne sich, wie bei einem Monitor, auch direkt vor die C6 hinsetzen, das Klangbild bleibe intakt, gibt sich Stefan Köpf von Ascendo überzeugt.

Des Weiteren herrsche bei diesem Koax auch „zeitliche Kohärenz“, so Köpf, denn der Laufzeitunterschied zwischen Hochtöner und Tiefmitteltoneinheit werde durch den Versatz der Kalotte nach hinten ausgeglichen, sodass im Ergebnis beiden in Phase laufen, und dies ebenfalls unabhängig von Hörhöhe und -entfernung. Wäre auch komisch, spielte das Thema „Zeitrichtigkeit“ bei einem Ascendo-Lautsprecher keine Rolle.

Seas-Koax der Ascendo C6

Als zusätzliche Vorteile dieses Chassis sehen die Schwaben nicht nur die Kombination aus Polypropylenmembran und „spezieller adaptiver“ Gummisicke an, welche einen resonanzfreien und somit neutralen Frequenzgang zeitige, sondern auch den Umstand, dass der Konus für die 25-mm-Gewebekalotte quasi einen Hornvorsatz bilde. Klar, er dürfte schallführend wirken und auf Achse den (Hochton-)Wirkungsgrad erhöhen, freilich geht das mit dieser Bauform ja fast zwangsläufig einher. Dass das nicht alle Entwickler als Vorteil ansehen, sei ebenfalls nicht verschwiegen. Anschaulich wird dies beispielsweise bei Geithain-Lautsprechern, ich verweise an dieser Stelle auf den Bericht zur ME 150, wo der Grund, warum die Sachsen den Hochtöner „aus dem Trichter holen“, dargestellt wird.

Welche Besonderheiten zeichnen die schmale, lediglich 90 Zentimeter hohe und 17 kg schwere C6 sonst noch aus? Im Wesentlichen sind es zwei Dinge: Die Ascendo-Säule soll auch wandnah gut tönen. Zu diesem Zweck gibt es einen Knebelschalter beim Terminal auf der Rückseite, der einen zwischen „Freifeld“ und „Wand“ wählen lässt. Letzteres senkt nicht etwa den Bassoutput, wie man, zwecks Ausgleichs zur Bass-Grundtonanhebung durch die nahe Rückwand, vermuten könnte, sondern hebt den Frequenzbereich ab 600 Hertz aufwärts um 2 dB an. Na klar, auch so kann die tonale Balance wieder hergestellt werden.

Zweitens: Es wäre keine Ascendo, hätte man sich zur Resonanzbedämpfung und -ableitung keine weiteren Gedanken gemacht: Das fängt beim Gehäusematerial an: Die 19 mm starken MDF-Platten seien „heterogen“, soll heißen, sie besitzen einen – relativ zur „Außenhaut“ – weichen Kern. So soll die Schwingungsenergie schnell (von der Haut) aufgenommen und breitbandig (vom Kern) bedämpft werden. Ein durchaus gängiges Konzept, Ulf Moning beispielsweise verwendet bei seinen Dynamikks-Monitoren zwar kein MDF, aber die Parole „außen hart, innen weich“ gilt auch bei ihm.

Kunststoff-Spike der Ascendo C6
Die Kunststoff-Füßchen der Ascendo C6 weisen zum Boden …

Es geht weiter mit der Lautsprecherbasis, die für eine homogene Entkopplung vom Boden zuständig ist und zu diesem Zwecke aus dem gleichen heterogenen Material gefertigt wird. Spezielle Kunststoffspikes schonen nicht nur den Boden, sondern verhalten sich auch resonanztechnisch besser als übliche Lösungen aus Metall, glaubt man bei Ascendo. Auf der Oberseite der Basen befinden sich Aufnahmen für die je Lautsprecher vier Finite-Elemente-Ceraball-Dämpfer.

Ceraball-Füße bei der Ascendo C6
… die Ceraball-Füße dagegen …

C6-Base mit Finite Elemente Ceraball-Fuß
… in Richtung Base

Das geht dann wohl als schwäbisches Understatement durch: Der C6-Käufer wird die kostspieligen Füßchen (acht Stück circa 400 Euro) wohl nur einmal zu sehen bekommen, nämlich beim Aufbau der Lautsprecher, und dann sind sie aus seinem Gesichtsfeld. Aus den Augen, aber nicht aus dem Hörsinn, glaubt man Herrn Köpf, schließlich seien die Ceraballs ein wesentlicher Baustein zur Resonanzminimierung …

Test: Ascendo C6 | Standlautsprecher

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