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Der Klang des Arcam CDS27

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Der Klang des Arcam CDS27

Wie aber schlägt sich der CDS27 klanglich und im Umfeld seiner Konkurrenten? Da Arcams Neuling ja ein Zwitterwesen – CD-/SACD- und Netzwerkplayer – und direkte Konkurrenz in seiner Preisklasse kaum vorhanden ist, habe ich den Hörparcours aufgeteilt. Seine klanglichen Meriten als Streamer musste er bei mir gegen Pioneers N-50 (um 600 Euro) und den NA-8005 von Marantz (um 1.300 Euro) unter Beweis stellen. Die CD-/SACD-Abteilung habe ich gegen einen Yamaha CD-S 1000 antreten lassen, der dem Briten preislich auf Augenhöhe begegnet.

Arcam CDS27

Mit den Silberscheiben habe ich auch meinen Hörtest begonnen, als erstes lag The Ghosts of Prypiat, das erste Soloalbum des Marillion-Gitarristen Steve Rothery im Laufwerk des Arcam. Und gleich der Opener „Morpheus“ stellte die „raumgreifenden Fähigkeiten“ des CDS 27 vorbildlich heraus. Aus dem sich ganz Steve Rotherylangsam, über fast zwei Minuten aufbauenden Synthesizergewölk des ersten Tracks schält sich Rotherys E-Gitarre weit aus der Tiefe des Raumes und scheint auf den Hörer, der sich ganz auf dieses Einzelereignis fokussiert, zuzukommen. Mit dem einsetzenden Spiel der Band – es handelt sich um ein Instrumentalalbum – entfalten sich Rotherys Mitmusiker halbkreisförmig um ihn herum und es entsteht ein weiträumiger, luftiger und dennoch dreidimensional erfassbarer Klangkosmos, der bei aller musikalischen Dichte und Vielschichtigkeit, die im Laufe von „Morpheus“ aufgebaut wird, in allen Details durchhörbar bleibt. Mit geschlossenen Augen ist jeder Musiker sehr gut zu orten, dennoch ergibt sich ein facettenreiches Ganzes.

Der nächste Track, „Kendris“, ist ein wenig perkussiver angelegt, der kompositorische Schwerpunkt liegt auf dem Zusammenspiel von Bass und Drums. Hier zeigt sich, dass der Arcam CDS 27 „untenrum“ ordentliche Reserven aufzuweisen hat, auch wuchtige Kickbässe pfeffert er mit Nachdruck und trockenem Punch in mein Daft PunkArbeitszimmer. Sie erreichen meine Magengegend treffsicher und pointiert, der E-Basslauf begleitet kernig und schlackenlos. Das verspricht ein sattes Fundament ohne „Schwabbeltendenzen“, das ich beim sehr tieftonreichen „Lose yourself to dance“ von Daft Punk (Album: Random Access Memories) bestätigt sehe. Der japanische Vergleichsplayer von Yamaha neigt in den tiefen Lagen zu einer eher „saftigen“ (sehr fülligen, dafür weniger strukturierten) Interpretation. Was durchaus, je nach gewähltem Wiedergabepegel, auch zu viel sein kann. Von solchen Tendenzen ist der Brite völlig frei.

Bei „Das Model“ von Stoppok (Album: Popschutz) präsentiert er eine ungemein lebendige und farbkräftige Darstellung um die Mittenlage herum, die ihn diesbezüglich deutlich vom Yamaha CDS 1000 absetzt. Wobei man anmerken muss: So ganz neutral sind sie hier beide nicht, sowohl Arcam als auch Yamaha neigen bei Stimmen und natürlichen Instrumenten (akustischen Gitarren, Kontrabässen etc.) zu einer eher warmen Abbildung, die bei Stoppokbeiden indes einen jeweils anderen Eindruck hinterlässt. So tendiert der Japaner ins Warm-füllige, was manchen – vor allem männlichen – Gesang zuweilen voluminöser darstellt als er ist. Der Brite nutzt seine leicht erhöhte „Mittentemperatur“ anders, Stimmen wirken nicht künstlich angedickt, sondern im Gegenteil eher ein wenig körperhafter, substanzieller, lebendiger. Das ist eine so feine Angelegenheit, dass ich von einem Effekt nicht sprechen möchte. Ein angenehmer Charakterzug. Das trifft es eher. Der ihm auch insgesamt zu einer plastischeren und agileren Abbildung verhilft. Wogegen der massiv gebaute Japaner gefühlt beziehungsweise gehört ein wenig unbeweglicher, stoischer spielt.

Man sagt HiFi-Komponenten von der Insel ja seit jeher eine gewisse Mittenzentrierung nach, doch soweit würde ich beim CDS 27 gar nicht gehen. Aber er hat eben eine Begabung, diesen Frequenzbereich besonders ausdrucksvoll zu präsentieren. Im positiven Sinn. Der sich im SACD-Betrieb bestätigt.

Arcam CDS27

Natalie Cole singt ihr „Ask a woman who knows“ (Album: KEF – ultimate resolution demonstration disc edition 2) sehr luftig-transparent und fein austariert, dabei ungemein flüssig. Ihre Stimme füllt den ganzen Hörraum, steht vor der vielbeschworenen tiefschwarzen Wand – was Umrissschärfe ausdrücken soll. Überdies präsentiert die Aufnahme ein ganzes Füllhorn an eher unterbewusst wahrnehmbaren Rauminformationen im Obertonspektrum, die ohne jede Bissigkeit vorgetragen werden. Die Raumabbildung ist in allen Dimensionen der virtuellen Bühne gut, es scheint, als halte Miss Cole ein privates Konzert in meinem Arbeitszimmer ab. Obschon im Charakter grundverschieden, kann auch der Yamaha im SACD-Modus punkten. Natalie Cole wirkt über den CDS 1000 aber minimal zugeschnürter, der Song insgesamt wieder etwas fülliger interpretiert, und zudem räumlich kompakter. Wem man hier den Vorzug gibt, ist Geschmackssache. Mir persönlich gefällt der Arcam besser.

Bei Musik, die ich über mein Netzwerk gestreamt habe, ließ der Brite seinen ersten Sparringspartner – Pioneers N-50 (um 600 Euro) erstaunlich schnell erstaunlich weit hinter sich. Dabei macht der Japaner für sich betrachtet nichts falsch, spielt flüssig, agil und druckvoll. In John Butlers „Hello“ (Album: Sunrise over Sea) etwa stellt der N-50 den dicht abgenommenen Kontrabass schön sonor in den Vordergrund, ohne aber damit John ButlerButlers Gesang übertönen zu wollen und entwickelt mit dem leichtfüßigen Drumbeat einen „anmachenden“ und swingenden Groove. Das hat was, es macht Spaß und zieht den Zuhörer ins Geschehen hinein. Über den Arcam CDS 27 aber wird deutlich, dass ein Preisunterschied von gut 400 Euro durchaus gerechtfertigt ist, denn der Brite versteht es, das Stück, welches trotz sparsamer Instrumentierung einen mitreißenden Duktus entwickelt, noch knackiger und dynamischer zu präsentieren, die Musiker noch konturenschärfer voneinander abzugrenzen – ohne damit den musikalischen Fluss zu bremsen, versteht sich – und insgesamt bemerkenswert plastischer in den Raum zu stellen. Es scheint fast, als habe die Band um den charismatischen Neuseeländer über den Pioneer N-50 auf einer Lkw-Bühne gespielt, dessen Seitenwände der Arcam nun aufklappt. Er agiert in Breite und Tiefe großzügiger, füllt die Dimensionen aber dennoch mit Leben. Es wirkt, als hole er Informationen aus der Musik, die dem Pioneer zuvor verborgen blieben. So deutlich, wie sich der Unterschied liest, so klingt er auch.

Arcam CDS27

Zum Marantz NA-8005, der mit seinen 1.300 Euro in meinem kleinen Vergleich den „Abfangjäger“ für den lebendigen Briten gibt. Wie bereits angedeutet: Im Klassenvergleich stellt sich der Marantz dem Arcam in den Weg, wirkt in den Konturen noch geschliffener, feiner, bringt Details noch einen Hauch prägnanter zu Gehör und spielt insgesamt in sich ruhiger und flüssiger, was einen noch souveräneren Eindruck vermittelt. Insgesamt steht der Arcam dem Marantz aber klanglich deutlich näher als dem Pioneer. Was ich im Grunde erwartet habe. Nur nicht in dieser Deutlichkeit. Allerdings sind – es sei noch einmal erwähnt – weder Pioneer noch Marantz Kombigeräte, sondern reine Netzwerkspieler.

Test: Arcam CDS27 | Netzwerk-Player

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