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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Klang-Casanova
  2. 2 Advance Paris X-i1100: Klangtest & Vergleiche

Es gibt schöne Designs und weniger schöne, hässliche, belanglose, umwerfend schräge – und es gibt ikonische Designs. Meistens entstehen solche bleibenden, ewig jungen Meisterwerke der Gestaltung aus einem Form-follows-function-Ansatz heraus – und nicht umgekehrt. Denn wer würde schon aus rein gestalterischen Gesichtspunkten zwei technisch aussehende Skalen prominent auf die Front eines Verstärkers donnern? Eben, der Ingenieur. Weil es ihm Auskunft über den wichtigsten Parameter eines Verstärkers gibt: Sie zeigen an, wie viel Leistung er zu jedem gegebenen Moment an die angeschlossenen Lautsprecher abgibt. Höre ich jemanden hinter vorgehaltener Hand „HiFi-Porno“ rufen? Spalter!

Okay, mag sein, dass die Lust am Schauspiel hier ebenfalls eine Rolle spielt, aber bleiben wir für den Moment bei der rationalen Erklärung. In jedem Fall prägten zuckende Zeiger vor großformatigen Skalen viele Jahre und Jahrzehnte das Bild vor allem von Leistungsverstärkern. Marantz, Yamaha, Sansui, Technics … Nachdem der Formfaktor in den 1980er- und 1990er-Jahren an Einfluss auf die Gestaltung gewann und Zeigerinstrumente langsam in der Versenkung verschwanden, tauchen sie heute immer wieder auf, gerade bei Technics, Yamaha oder Luxman. Wo sie – zumindest bei mir – schwer zu ignorierende Haben-Wollen-Reflexe auslösen. Und da ist dann noch McIntosh. Bei den Amerikanern aus Binghamton (NY) hat sich höchstwahrscheinlich nie ein Marketing-Department ums Design geschert. Sehr löblich.

Advance Paris X-i1100 von vorne

Der Vollverstärker Advance Paris X-i1100

Reden wir nun nicht länger um den heißen Brei herum: Ich gehe davon aus, dass Sie sich den Advance Paris X-i1100 (Web: https://www.advance-paris.de | Preis: 3.490 Euro) angeschaut haben, bevor Sie voller Leselust diesen Text in Angriff genommen haben. Da ist Ihnen was aufgefallen, oder? Jap, mir auch.

Reminiszenz

Eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dem neuen Vollverstärker-Topmodell der Franzosen und den Geräten der Amerikaner lässt sich nicht leugnen. Das fängt beim Gewicht und den stattlichen Abmessungen an und zeigt sich auch im Layout der schwarz hinterlegten Glasfront. Advance Paris setzt auf eine sehr blaue Beleuchtung der Zeigerinstrumente und verpasst dem X-i1100 insgesamt ein moderneres, aufgeräumteres Design als die vergleichsweise barock gestalteten McIntosh-Geräte es mitbringen. Dazu gehört auch die Umfassung des Einschaltknopfes und des Dreh/Drück-Stellers für die Lautstärkewahl und Menünavigation mit weißen LED-Ringen. Hierzu eine Bitte an die Entwickler in Paris: Es ist toll, dass sich die Beleuchtung der Skaleninstrumente in drei Stufen dimmen und sogar ganz ausschalten lässt – beim introspektiven Hören ist totale Dunkelheit ein echter Segen. Nur nutzt das nix, wenn die beiden erwähnten LED-Ringe in jeder Einstellung ihre volle Strahlkraft entfalten. Vielleicht wäre das ja eine Idee fürs nächste Firmware-Update?

Advance Paris X-i1100 im Rack

Auch im Dunkeln eine Lichtgestalt: der Advance Paris X-i1100

Unter den beiden Skalen befinden sich zwei kleine, siebenstellige Anzeigen, die über die aktuell eingestellte Lautstärke oder den gerade angewählten Menüpunkt informieren. Sie lassen sich nicht dimmen und dürften für meinen Geschmack sogar ein wenig heller leuchten, gerade wenn die dB/Watt-Meter nicht gedimmt sind und es im Raum hell ist. Rechts unten auf der Front sitzt eine 6,3-Millimeter-Klinkenbuchse  für den Anschluss eines Kopfhörers.

Die Basis für das mit über 24 Kilogramm ziemlich gewichtige Topmodell von Advance Paris stellt ein Chassis mit fünf unterteilten Kammern dar, in denen die unterschiedlichen System- und Leiterplatten sowie der Ringkerntransformator sitzen. Die Konstruktion soll laut Hersteller sehr steif ausfallen. Durch den getrennten und starren Aufbau sollen Interferenzen und Vibrationen weitestgehend vermieden werden. Auch bei den Bauteilen will Advance Paris geklotzt und nicht gekleckert haben: Polypropylen-Kondensatoren und Metallfilmwiderstände, die sich für den Einsatz in hochwertigen HiFi-Komponenten besonders eigneten, seien hier zu finden.

Advance Paris X-i1100 Innenaufnahme

Der Advance Paris X-i1100 von innen

A-Klasse

Interessant wird es für mich spätestens dann, wenn das Stichwort „Class-A“. fällt. Einerseits freue ich mich gerade im Sommer über coole Class-D-Amps, andererseits habe ich immer noch den süßen, fließenden und herrlichen Klang der hitzigen Class-A-Schlachtschiffe von Pass Laboratories oder Accuphase im Ohr, wenn ich mich an meinen Studentenjob im HiFi-Studio zurückerinnere. Gibt es da keinen Kompromiss? Nun ja, vielleicht einen halben: Eine automatische und unmerkliche Umschaltung vom Class-A- in den Class-A/B-Betrieb ab einer gewissen Leistungsabfrage verhindert beim Advance Paris X-i1100 im sogenannten High-Bias-Modus die allerschlimmsten Hitzeschlachten. So kann der französische Vollverstärker laut Hersteller satte 220 Watt pro Kanal an 8 Ohm zur Verfügung stellen, wobei hinter der Front „nur“ ein 700-VA-Ringkerntrafo montiert ist. Mit einer solchen Leistungsfähigkeit gesegnet, dürfte er mit so ziemlich jedem verfügbaren Lautsprecher zumindest elektrisch ganz gut zurechtkommen. Und wenn es darauf ankommt – zum Beispiel bei genussvollen Spätnacht-Hörsessions bei gedimmtem Licht, gedimmten Displays und gedimmter Lautstärke –, profitiert man vom besonders verzerrungsarmen Class-A-Betrieb.

Anschluss-Polygamist

Advance Paris X-i1100 - Cinch-Anschlüsse

So richtig umfangreich wird es beim Thema Anschlüsse. Am bemerkenswertesten dürften für viele die Lautsprecherausgänge sein. Da gibt es nämlich gleich drei Paare pro Kanal. Einen getrennten und schaltbaren Abgriff für „Speakers A“ und „Speakers B“ kennt man ja, aber wer bitte braucht denn drei Paar Lautsprecher …?? Ah okay, Advance Paris hat ein Herz für Bi-Wiring-Fans und bietet für das erste Lautsprecherpaar entsprechende Ausgänge zur Doppelverkabelung an. Ein etwaiges zweites Lautsprecherpaar muss mit einem Standard-Ausgang auskommen. In meinem Fall betreibe ich zum Beispiel parallel die Bassreflex-Standlautsprecher Qln Prestige Three (7.500 Euro) und die kompakten, geschlossenen ATC SCM19 (2.900 Euro) und kann ohne viel Aufhebens hin- und herschalten, um die jeweiligen Charaktere dieser recht unterschiedlichen Boxen zu vergleichen. Sweet!

Digital Hero

Auch bei den Digitaleingängen klotzen die Entwickler von Advance Paris eher als dass sie kleckern. Der Advance Paris X-i1100 besitzt eine asynchrone USB-Schnittstelle von X-MOS. So lassen sich Computer, Laptops, Streamingbridges und Co. problemlos anschließen. CD-Spieler und andere digitale Audiogeräte finden nicht nur einen, sondern gleich zwei S/PDIF-Koax-Eingänge vor, und auch eine AES/EBU-XLR-Buchse empfängt Nullen und Einsen. Wer es braucht, kann zudem gleich vier Geräte über optische Digitaleingänge (Toslink) anschließen. Bluetooth findet sich nicht, auch auf eine Netzwerkschnittstelle muss der geneigte Käufer verzichten. Allerdings bietet Advance Paris leistbare Zuspieler dieser Kategorien an: Für 290 Euro gibt es den WTX-StreamPro fürs Netzwerkstreaming und für 229 Euro steht der Bluetooth-aptX-HD-Receiver WTX-1100 in den Regalen der Advance-Paris-Händler. Alle eingehenden PCM-Digitalsignale mit maximal 192 kHz Samplerate und 24 Bit Wortbreite werden von einem Burr-Brown-PCM1796-D/A-Wandler in die analoge Welt transformiert, auf DSD und MQA versteht sich der Advance-Amp allerdings nicht. Auch am USB-Eingang sind keine höheren Datenraten möglich – meiner Meinung nach ist dies aber auch praxisgerecht und vollkommen ausreichend.

Analoge Auswahl

Advance Paris X-i1100 - Kopfhöreranschluss

Ein Kopfhörerausgang gehört ebenfalls zur Ausstattung des Advance Paris X-i1100

Apropos analog: Auch hier gibt es quasi nichts, was es nicht gibt. Ein Paar XLR-Eingänge und vier Paar unsymmetrische Cinch-Eingänge mit Linepegel finden sich auf der Rückseite des Advance Paris X-i1100. Die Pflicht ist damit schon mehr als zufriedenstellend abgearbeitet, nun zur Kür: Der Phono-MM-Eingang und der im Pegel fixe Record-Output sind nichts wirklich Ungewöhnliches, doch schon auf den regelbaren Pre-Out zum Anschluss einer externen Endstufe oder eines Subwoofers muss man bei einigen Konkurrenzprodukten verzichten. Noch ungewöhnlicher ist der „Amp-In“, über den sich die Endstufensektion des Advance Paris X-i1100 mit einer externen Vorstufe betreiben ließe. Über die aufgeräumte und multifunktionale, auch für Player von Advance Paris geeignete Fernbedienung können viele Einstellungen ohne Umweg über die Menüstruktur durchgeführt werden. So lassen sich Bass und Hochton mit jeweils +/-10 dB variieren, die Balance in 1-dB-Schritten regeln und das Display dimmen. Zudem bietet sie vier Direktwahltasten für die wichtigsten Eingänge: CD, Optisch 1, USB und AUX 1.

Also alles in allem ein Paket, das auch den getriebenen HiFi-Tester auf der immerwährenden Suche nach maximaler Flexibilität glücklich machen kann. Und wie sieht’s klanglich aus? Schaun mer mal …

Advance Paris X-i1100: Klangtest & Vergleiche

Advance Paris X-i1100 mit Lautsprecher

Ich hatte in den vergangenen Monaten außergewöhnlich viele Vollverstärker, Streaming-Verstärker und -Receiver zu Besuch. Nur zweien gelang es, meiner besseren Hälfte mit ihrem Aussehen ein „Wow!“ zu entlocken: Das schaffte der ASR Emitter I Basic (6.800 Euro), und nun schafft es auch der Advance Paris X-i1100. Viel wichtiger ist aber, dass auch mir dieses unwillkürliche „Wow!“ entfährt – und zwar kaum, dass der Advance Paris X-i1100 seine ersten Töne von sich gibt.

George Gershwin - An American in ParisIm Hochton kennt der Advance Paris X-i1100 keine falsche Zurückhaltung. Und „falsch“ meine ich genau so: Dieser Verstärker hält sich obenrum nicht zurück – betont diesen Bereich aber auch nicht. Der X-i1100 kann das Hi-Hat- und Ride-Beckenspiel in „Lonesome Lover“ von Max Roach oder die Becken in „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin (Album: Rhapsody in Blue – An American in Paris, gespielt vom New York Philharmonic & Columbia Symphony Orchestra unter Leonard Bernstein; auf Amazon anhören) schneidig und metallisch rasselnd an die Hochtöner der Qin Prestige Three weiterleiten – exakt so klingen Schlagzeugbleche eben. Und das hat nichts vom bisweilen glatten, polierten Klang, den so mancher Class-D-Verstärker zeigt; selbst hochwertige Vertreter der PWM-Fraktion, zum Beispiel der Primare I25 (2.500 Euro), besitzen bisweilen eine irgendwie weniger texturierte, wenn auch beileibe nicht detailarme Qualität ganz oben. Davon ist beim Advance Paris X-i1100 nichts zu spüren. Glasklar und nach oben hin unbegrenzt erklingen dann auch die luftigen Glöckchen im „Theme from Jurassic Park“ von John Williams. Wenn der Advance Paris X-i1100 eins nicht tut, ist es, den Hörer über das Material von Schlaginstrumenten und deren Energieverteilung übers Spektrum im Unklaren zu lassen – ohne ihn andererseits damit unangemessen zu belästigen.

Freigeist

Tom Waits - Closing TimeIm Mittenbereich gibt der Advance Paris X-i1100 Tom Waits Organ in „I Hope That I Don’t Fall in Love with You“ (Album: Closing Time; auf Amazon anhören) schön frei, offen, detailliert und mit leichtem Fokus auf die Artikulations- und Atemgeräusche an die Ohren des Hörers weiter. Der Naim Supernait 3 (4.300 Euro) müht sich redlich um ein Patt, erscheint mir aber nicht ganz so offen. Dafür wirkt er in den Mitten einen Hauch vollmundiger. Der ASR Emitter I Basic (ab 6.800 Euro) und der Balanced Audio Technologies VK-3000SE (circa 9.500 Euro) boten in den Mitten noch mehr Transparenz, wobei Letzterer mit seinem „feinstofflichen, schwerelosen und unmittelbaren Mitteltonbereich“ dem Advance Paris X-i1100 ähnlicher ist als der vollmundiger und farbstärker aufspielende Deutsche. Apropos farbstark: Auch wenn der Advance Paris X-i1100 hier nicht Klassenbester wird, so behandelt er Obertöne und Harmonische nicht stiefmütterlich und wirkt nie fahl. Und man bedenke: Die genannten Amps sind deutlich teuer als der Advance Paris X-i1100 – und bringen keinen eigenen D/A-Wandler mit, sondern wurden vom hervorragenden Linnenberg Telemann (4.400 Euro) mit Analogsignalen beliefert. Den X-i1100 habe ich hingegen vor allem über seine eigenen digitalen Eingänge gehört, insbesondere über den USB-B-Eingang, der vom Auralic Aries und dem Waversa Wstreamer bespielt wurde. Zu den analogen Eingängen folgen später noch zwei, drei Worte.

Advance Paris X-i1100 - Siebkondensatoren

Faszinierend ist in diesem Kontext die Schnelligkeit des Advance Paris X-i1100 und wie er das aberwitzige Geschehen in „Uh Uh“ von Thundercat (Album: Drunk) fast schon beiläufig nonchalant und auf den Punkt gebracht aus allen Rohren, Entschuldigung, Transistoren feuert: Jeder Ton des ultraschnell gespielten E-Basses und des hypernervösen Schlagzeugs sitzt auf den Punkt und ist optimal nachvollziehbar – da entsteht kein Klangsumpf; keine Verschmierungen trüben den Blick auf Melodien und die erstaunlichen Leistungen der einzelnen Musiker. Dabei entstehen im Grundton bei aller Präzision genug Druck und „Grit“, um das Instrument des Bandleaders in seiner vollen Pracht aus den Lautsprechern erstehen zu lassen.

Sportlicher Tiefgang

Auch im (Tief-)Bass präferiert der Advance Paris X-i1100 eine straffe, kontrollierte Gangart. Den satten „Oomph“ eines ASR Emitter I Basic bei der Bassdrum von Saint Vitus‘ „Children of Doom (Album: C.O.D.; auf Amazon anhören) will er wahrscheinlich auch gar nicht sooo fett reproduzieren. Da hält er es lieber mit der energetisch fokussierten Spielart eines Naim Supernait 3. Tief runter geht der Advance Paris X-i1100 allemal, wie er mit Massive Attacks Hit „Angel“ vom Über-Album Mezzanine beweist. Hier zeigt er auch welche Kontrollfähigkeiten in ihm stecken, denn wenn ein Amp die Treiber eines Lautsprechers nicht im Griff hat, blubbert der Bass dieses Titels einfach nur vor sich hin und ist im schlimmsten Fall unangenehm aufgebläht. Kein Anflug dieser Gefahr beim Advance Paris X-i1100, der hat alles im Griff. Dafür offenbart der BAT VK-3000 SE, dass man noch mehr Struktur und feindynamische Schattierungen aus dem tiefschwarzen Bassgeschehen extrahieren kann. Wäre ja auch noch schöner, wenn da nicht noch etwas ginge!

Pfundig

Bei aller Direktheit und Luftigkeit im Bereich vom Grund- bis zum Hochton tut der Advance Paris X-i1100 zwei Dinge nicht: Er wird nie unangenehm hell oder scharf, und er dröselt nicht die allerletzten Details oder feindynamischen Abstufungen analytisch aus dem Signal heraus. Ein Norma Audio IPA-70 (mit USB-DAC 3.870 Euro) zum Beispiel kümmert sich etwas eifriger um Mikroinformationen und subtil changierende Signale, informiert etwas feinfühliger über das Rasseln einer Schnarrsaite unter einem Trommelfell oder das Quietschen eines Paukenfusspedals in „Montagues et Capulets“ aus Sergej Prokofievs „Romeo und Julia“. Auf der anderen Seite geht dem durchaus nicht schmalbrüstigen Italiener die Fähigkeit zu dieser Art von massiver Grobdynamik ab, die der Advance Paris X-i1100 beeindruckend demonstriert: Egal ob bei den Tutti des gerade genannten Stückes oder dem gänsehauterregenden Track „Pran’s Departure“ aus dem Soundtrack zu „The Killing Fields“ von Mike Oldfield – der Advance Paris X-i1100 scheint geradezu unerschöpfliche Kraftreserven mit Schnelligkeit, unverzerrter Sauberkeit und unerbittlicher Kontrolle zu vereinbaren. Hoher Anmachfaktor!

Advance Paris X-i1100 - Gehäusedetail

Ein ASR Emitter I Basic klingt, wie bereits angedeutet, weicher und satter, ein Naim Supernait 3 kann in Sachen Speed und Übersicht mithalten, nicht aber bei der körperlich spürbaren Vehemenz des Franzosen, und der Balanced Audio Technologies VK-3000 SE – bei aller Fähigkeit zu Druck und Kontrolle nicht unbedingt ein stadtbekannter „Hau-Drauf“ – schaut sich das Spektakel lieber aus der Halbdistanz an.

Häuslich eingerichtet

Seltsamerweise ist die Raumabbildung – oft einer meiner intuitiven Schwerpunkte bei der Klangbeurteilung von Geräten – beim Advance Paris X-i1100 für mich eher von nachrangigem Interesse. Das liegt sicherlich an seinen recht involvierenden tonalen und dynamischen Charakteristika, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Es liegt aber auch daran, dass er hier weder über- noch untertreibt, sondern einfach eine realistisch weiträumige, nicht auffällig großzügige Bühne aufzieht. Darauf befinden sich die Musiker gut geordnet und ordentlich voneinander getrennt, wenngleich allerkleinste Bewegungen und Bewegungsrelationen (das räumliche Äquivalent zur Feindynamik) im Vergleich zu ausgewiesenen Spezialisten auf diesem Gebiet etwas weniger deutlich herausgearbeitet werden.

Advance Paris X-i1100 - Detail der Front

Premium-Fütterung

Diese Eindrücke stammen, wie erwähnt, aus der Beschäftigung mit den digitalen Eingängen des Advance Paris X-i1100. Angesichts der Marktpositionierung des Vollverstärkers als „Almost-all-in-One-Paket“ dürfte der Wunsch, mit externen DACs zu arbeiten, auch eher selten aufkommen. Dennoch ist es interessant zu ergründen, wie sich der Advance Paris X-i1100 als analoger Vollverstärker schlägt. Auch um den Vergleich zu den oben genannten Amps noch fairer zu machen, die ja analog von einem hochwertigen externen DAC gespeist wurden.

Also flugs an die XLR-Ausgänge des Linnenberg Telemann mit ihm. Nicht ganz unerwartet tut sich noch was, und zwar vor allem in Sachen Auflösung und Raum. Letzterer vergrößert sich mit dem externen DAC in allen Dimensionen und schafft etwas mehr Luft zwischen den Akteuren auf Jacinthas Album Here’s to Ben. Die Schlagzeugbleche in Max Roach’s „Lonesome Lover“ funkeln minimal sauberer und vor allem feiner, aber auch etwas ätherischer aus den Hochtönern der Qln Prestige Three. Grobdynamisch hält sich der Telemann im direkten Vergleich mit dem internen DAC des Advance sogar minimal zurück, was zu der insgesamt entspannteren Diktion des deutschen D/A-Wandlers passt.

Ob der klangliche Zugewinn in Relation zum Preis steht? Nun, das kommt sicherlich auf den Willen des Nutzers zur Perfektion an. Das Gesamtpaket Advance Paris X-i1100 erscheint mir jedenfalls äußerst stimmig, nicht zuletzt, weil es eine sehr fähige Digitalsektion besitzt.

Advance Paris X-i1100 - Deckelplatte

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SoReal Audio

Test: Advance Paris X-i1100 | Vollverstärker

  1. 1 Klang-Casanova
  2. 2 Advance Paris X-i1100: Klangtest & Vergleiche

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