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Klangeindrücke: Adam Audio Artist 5

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Klangeindrücke: Adam Audio Artist 5

Adam Aritist 5

Abhöre
Mit ihren 17,5 x 22 Zentimetern Grundfläche sowie den gut 30 Zentimetern Höhe ist die ARTist 5 kein ausgesprochener Desktop-Lautsprecher, zumindest finden meine kompakteren Gibbons eher ein freies Plätzchen auf den meisten Schreibtischen. Gleichwohl sind für die Adam optional passende Aufsteller verfügbar, die auch für eine leichte Neigung in Richtung Ohrhöhe sorgen. Und für solch ein Set-up kann es auch Gründe geben: Die ARTist 5 sind aufgrund ihrer peniblen Wiedergabe nämlich richtiggehende Abhörmaschinen.

Neben ihren unbestechlichen Klangeigenschaften qualifizieren sich die Adams vor allem mit der direkten Anschlussmöglichkeit eines PCs als neutrale Abhörmonitore für Audio- und Video-Editing. Das Laptop, in meinem Falle das MacBook Air, ist schnell mit dem passenden USB-Kabel an eine der beiden Boxen angedockt, womit sich die entsprechende Box, wie schon geschrieben, als linker Kanal identifiziert. Die Verbindung zwischen den beiden Boxen übernimmt das Linkkabel. Im entsprechenden Programm – bei mir lief Audacity – muss nun nur noch der externe USB-DAC als Audio-Ausgabe aktiviert werden und schon hat man eine gelungene Abhörsituation.

Diese Konstellation habe ich mir dann tatsächlich auch gegönnt, um die Aufnahmen besagten Schulkonzertes abzumischen. Hilfreich war dabei insbesondere, dass die Adams in der Lage sind, die Stärken und Schwächen der unterschiedlichen Mikrofonierungen herauszuarbeiten, mit denen ich während der Aufnahme experimentiert hatte.

Artist 5 auf dem Schreibtisch

Bleibende (Klang-)Eindrücke
Für den eigentlichen Hörtest kommen die Boxen bei mir natürlich auf passende Ständer, so können sie sich prima entfalten, Position und Ausrichtung sind variabel und sämtliche Eingänge wie auch die Filter-Einstellungen auf der Rückseite sind zugänglich. Diese machen sich vor allem auch dann bezahlt, wenn die Lautsprecher statt auf Ständern auf der Kommode oder dem Sideboard stehen: Bei wandnaher Aufstellung, zumal wenn sich wie hier die Bassreflexöffnung auf der Rückseite befindet, ist eine entsprechende Anpassung der Tieftonwiedergabe ratsam. Mithilfe der Low-Shelf-Filter lässt sich die Amplitude der Frequenzen unterhalb von 300 Hz absenken, um übermäßigem Dröhnen im Bassbereich entgegenzuwirken. Andererseits lässt sich derselbe Bereich – beispielsweise bei freier Aufstellung – um bis zu 6 dB anheben, um die Boxen untenrum aufzubrezeln.

Die Rückseite der Adam Artist 5

Im Titel „Never Wrong“ auf dem Immortalized-Album von Disturbed (auf Amazon anhören) wird ordentlich geschrubbt, trotzdem schaffen es die Adams, den Überblick zu bewahren. Ganz besonders Spaß macht das temporeiche Spiel. Selbst wenn Disturbed wie getrieben spielen, kommt nie der Moment auf, in dem die Adams der Musik Disturbednicht mehr folgen können. Schon hier vermitteln die „Artisten“ einen Eindruck davon, wie analytisch sie Transienten aufdröseln und penibelst jedem Saitenschlag folgen, ohne die Musik dabei ihrer Emotionalität zu berauben. Zumindest im neutral abgestimmten Mittelhochtonbereich schöpfen sie auch dynamisch aus dem Vollen, schaffen die komplexesten Riffs, ohne die markante Stimme David Draimans dabei aus dem Fokus zu verlieren. Ein Wechsel zu Draimans Interpretation von „Sounds Of Silence“ treibt mir während der sukzessiven Steigerung eine Gänsehaut nach der anderen über die Schultern. Sogar im Bass können die Adams überzeugen, solange ein direkter Vergleich fehlt.

Dass die Adams diese geschickte Balance zwischen Analytik und emotionaler Musikalität auch genreübergreifend meistern, zeigt eine andere Kostprobe: Gleich beim ersten Stück „Seven to Four“ auf En Route von Klaus Doldinger’s Passport (auf Amazon anhören) spielt das Sax – Klaus Doldinger's Passportnach einigen kurzen markanten Flügelschlägen – authentisch sonor auf, um einige Takte später trotzig-rotzig weiterzumachen. Ein paar Stücke danach, in „Polysadness“, kann man so viel vom Blues spüren, den dieses Stück mitbringt, dass man förmlich in Melancholie schwelgt, während der Bass angenehm in der Magengrube grummelt. Das alles schaffen die Böxchen frei aufgestellt vor einem gefüllten Bücherregal und mit neutraler Klangeinstellung. Gerade der Wiedergabe im Tiefbassbereich sind aufgrund der Größe der ARTist 5 natürlich physikalische Grenzen gesetzt, dennoch schaffen sie gute 60 Hertz mit eindrucksvollem, kontrolliertem Pegel darzustellen. Ein Grund mit, warum das ARTist-5-Paar größer klingt als es eigentlich ist. In „Dreaming Far Away“, ebenfalls auf En Route von Doldinger, kommt die größere Raumfeld M zwar spürbar tiefer in den Basskeller – das ist deren größeren Bass-Chassis ebenso geschuldet wie dem größeren Volumen, was ihnen zur Verfügung steht. Dennoch hat man beim Sound der ARTist 5 keinesfalls das Gefühl, es fehle wirklich Entscheidendes.

Adam mit Mac

In der Live-Einspielung „Dark Flame“ desselben Albums vermögen die Adams das Anblasgeräusch zu Beginn des Stückes derart authentisch wiederzugeben, dass Klaus Doldinger mir leibhaftig gegenüber zu stehen scheint. Und hier zeigt die ARTist 5 auch noch einmal, wie ungeheuer räumlich sie abbilden kann, die Band ist sowohl in der Breite als auch in der Tiefe zielsicher zu verorten. Die Perkussion kommt spritzig und differenziert, jedoch ohne unnatürliche Schärfe rüber. Die Bongos in der „Playground Jam“ perlen locker-flockig aus dem Raum, als stünden die Boxen einfach so als Raumschmuck auf den Ständern und hätten mit der Musik nichts weiter zu tun.

Mittendrin
Die zum Vergleich herangezogenen Raumfeld Stereo M sind größer, die Monkey Banana Gibbon Air dagegen kompakter als die Adam ARTist 5. Dank ihrer deutlich geringeren Abmessungen eignet sich die Monkey Banana Gibbon Air besser als Desktop-Lautsprecher. Sie lassen sich auch problemlos auf den Hörplatz ausrichten und sind damit in der Lage, ein ähnlich plastisches Klangbild aufzustellen wie die ARTist 5 – als Nahfeldmonitore, wohlgemerkt. Anders wird das, wenn die Gibbons auf dem gleichen Ständer im Hörraum Platz nehmen dürfen wie die Adams; nicht nur optisch kommen sie ein wenig verloren rüber, auch akustisch sind sie längst nicht so raumfüllend und präsent wie die Adams. Bei entsprechender Neigung in Richtung des Hörplatzes können sie zwar eine recht eindrucksvolle Bühne abbilden, das schafft die Nr. 5 jedoch deutlich plastischer. Beim Abhören meiner eigenen Aufnahmen tun die Gibbons sich zudem schwer, die Unterschiede der Mikrofonierung so dezidiert herauszuarbeiten, wie die Adams das zuwege bringen.

Adam Artist 5

Anders wiederum die größeren Raumfeld-M-Lautsprecher. Gerade der angezupfte Bass zu Beginn von Doldingers „Dreaming Far Away“ kommt mit ihnen noch einen Tick souveräner rüber als mit den Adams, die im Untergeschoss einfach nicht die Dynamik der Berliner Boxen bieten können. Allerdings sind die Raumfeld M auf dem Schreibtisch schlicht indiskutabel, allein schon aufgrund ihrer Abmessungen sind sie als Nahfeldmonitore kaum einsetzbar. Auch die Hochtonauflösung gelingt der Raumfeld-Box nicht ganz so fein wie den Adams mit ihren AMTs. Zwar liefert die Kalotte genug Pegel und eine etwas ausgedehntere vertikale Abstrahlung als die ARTist 5, zwischen den feinen Beckenschläge der Percussion schwebt jedoch das eine oder andere Watteflöckchen – es gibt in den Höhen nicht diese feine, luftige Leichtigkeit, wie sie die Adams zustande bringen.

Test: Adam Audio Artist 5 | Aktivlautsprecher, Kompaktlautsprecher

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