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Bei den Stichwörtern „Update“ und „Upgrade“ wird der passionierte Audiophile sofort hellhörig. Diese Begriffe sind wohl tief in der DNA eines jeden musik-und technikbegeisterten Enthusiasten verankert. Da passt es ganz gut, dass der norddeutsche Lautsprecher- und Elektronikhersteller Abacus (https://www.abacus-electronics.de/) seit kurzer Zeit ein eher ungewöhnliches Mitteltöner-Treiberupgrade (320 Euro) für die Aktivmonitore Mirra 14 und Mirra 15 anbietet. Natürlich stellt sich da die Frage: Warum überhaupt ein Update?
Fangen wir von vorne an. Die Abacus Mirra 14 ist ein von fairaudio bereits getesteter 3-Wege-Aktivmonitor, den ich mir seinerzeit nach dem Test kaufte. Sein Anwendungsbereich zielt nicht nur aufs Profi- oder Heimstudio, sondern auch aufs heimische Wohn- oder Hörzimmer. Praktisch an der Mirra 14 sind nicht zuletzt die platzsparenden Abmessungen. Durch ihre „liegende“ Konzeption findet sie auch in der kleinsten Bude Platz, sei es im Regal, auf dem Sideboard, natürlich auf Boxenständern/-stativen (optimal) oder aufgrund ihrer entsprechend vorhandenen Vorrichtungen auch via Wandhalterungen. Nur stabil und standsicher sollte alles sein, denn die Mirra 14 ist trotz kompakter Abmessungen mit 13,5 Kilogramm kein Leichtgewicht.
Das Gewicht kommt nicht von ungefähr, sondern aus buchstäblich besonderem Grund. Genau genommen aus deren zwei: Hanno Sonder, Entwickler und Geschäftsführer, sowie Karl-Heinz Sonder, Senior-Ingenieur und Gründer von Abacus, haben hier jede Menge Know-how und Technik einfließen lassen. So finden sich auf dem rückseitigen Technikmodul hochwertige Bauteile samt hauseigener Dolifet-Verstärkertechnik wieder. Aber bevor ich mich wieder mal in die spannende Technik versteige und doppelt mopple verweise ich auf meinen ausführlichen Testbericht über die je Kanal 120 Watt starken Abacus Mirra 14.
Upgrade? Entstehung der Mirra Mk2
Die Frage, warum man sich für ein Upgrade entschieden hat, ist schnell beantwortet. Wie mir Hanno Sonder erklärte, war das eine Mischung aus Zufall und Neugier. Denn bei der Entwicklung eines andren Lautsprechermodells, der Pivota, überzeugte der neue Mitteltontreiber (dort in größerer Variante) stante pede. Rein aus Neugier installierte man ihn in die Mirra 14 und nahm noch ein paar Korrekturen an der Abstimmung vor. Voilá, das Ergebnis verblüffte derart, dass man es als Mk2-Version etablierte. Und klar: Die Mirra 14 und 15 wird es künftig nur noch in der Mk2-Variante geben. Wie so oft, gesellt sich zur guten Nachricht ein kleiner Wermutstropfen hinzu, die Preise mussten ein Stück nach oben korrigiert werden. Für ein Paar Abacus Mirra 14 Mk2 werden künftig 4.190 Euro abgerufen.
Schauen wir uns den neuen Wavecor-Mitteltöner genauer an. Äußerlich fällt der feststehende, metallisch leuchtende Phaseplug direkt ins Auge. Der neue Treiber, so erläutert Hanno Sonder, verfüge über einen stärkeren Magnetantrieb, während zugleich das Gewicht der beschichteten Papiermembran geringer ausfalle. Beides spiele, so Sonder, der Agilität des Treibers in die Hände, was gerade im besonders gehörempfindlichen Arbeitsbereich des Mitteltöners ein entscheidendes Argument sei, zumal das Abstrahlverhalten ebenso verbessert werden konnte. Aber so einfach „alter Treiber raus, neuer Treiber rein“ ist nicht, denn die Mirra 14 verfügt über einen Digitalen Signal Prozessor, der als Aktivweiche den Treibern exakt zugeschnittene Frequenz- und Leistungsbereiche zuweist. DSP-Anpassungen sind da obligatorisch, denn neue Treiber und alte Parameter laufen natürlich nicht rund miteinander. Und so klingt das Update im ersten Moment komplizierter, als es für den Besitzer der „alten“ Mirra-Variante tatsächlich ist, schauen wir uns die Lösungen, die Abacus parat hat, näher an …
Das Upgrade in praxi: Kosten und Handling
Wer zwei linke Hände, oder einfach keine Lust hat, in den Innereien der Mirra zu rumzufuhrwerken, der packt die beiden Abacusse in die Originalkartons und schickt sie ins nordniedersächsische Nordenham, zahlt 320 Euro für die neuen Mitteltöner zuzüglich Versandkosten und einem Obolus in Höhe von 60 Euro für die Montage. Wer sich den Umbau selbst zutraut, der bestellt einfach das hier vorliegende DIY-Upgrade-Kit. Für ganz hartgesottene Zeitgenossen gibt es überdies die Variante, nur die Treiber zu bestellen und die DSP-Programmierung selbst aufzuspielen, aber da bin ich raus.

Das von Abacus electronics frisch gelieferte DIY-Upgrade-Kit zum Umbau auf die Mk2-Version der Mirra 14
Schauen wir uns gemeinsam an, was sich im DIY-Upgrade-Kit zur Mk2 alles findet. Zunächst sind im Karton die beiden Mitteltontreiber zu sehen, gut geschützt von reichlich Schaumstoff. Aber was ist das? Die beiden blauen Schaumstoffstreben dienen nicht nur dem Transportschutz, sondern auch als Auflage für die Mirra 14, damit beim Austausch der Treiber keine Kratzer und Macken für Ärger sorgen. Dazu gesellen sich ein in Abacus-Farben gehaltener Cutter, ein Schraubwerkzeug sowie eine kleine Schachtel, die die neu programmierten EPROM für den DSP schützt. An alles wurde gedacht, damit die empfindliche Elektronik nicht leidet: Es gibt auch ein Werkzeug, um die Chips vom Sockel zu „stoßen“. Die beiden Mitteltöner verfügen über je zwei vormontierte Anschlussklemmen. Somit gilt es die Verkabelung des alten Mitteltöners mit einem Seitenschneider direkt am Lötpunkt abzuzwicken, sie abzuisolieren, sie neu anzuklemmen und das Chassis wieder ans Gehäuse zu montieren. Fertig.
Fast jedenfalls: Für den Austausch des programmierten EPROM muss noch das rückseitige Technikmodul raus. Auch das ist eher eine Fleißaufgabe, als dass Geschick und Intellekt an Grenzen stoßen – es sind viele Schrauben und entsprechend Zeit sollte man sich nehmen. Ist dies erledigt, kommt die beiliegende Zange zum Einsatz, vorsichtig lassen sich die Bausteine aus ihrem Sockel hieven und mit Bedacht die neuen Chips einsetzen. Erfreulicherweise hat Hanno Sonder auch ein kleines YouTube-Video hochgeladen, wer sich also unsicher sein sollte, kann sich jeden Schritt auch nochmal genauer anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=5dX4T0DsdJc
Abacus Mirra 14 Mk2 – Hörtest und Vergleiche mit der Vorgängerversion
Die Abacus Mirra 14 ist seit dem Test im Juni 2022 bei mir im Einsatz. Ich attestierte ihr seinerzeit ein stressfrei musikalisches Klangbild, welches sich nichtsdestotrotz auf der kernig-dynamischen und nicht heimelig-geschmeidigen Seite einordnet – bei beeindruckend kräftigem Bassvolumen wohlgemerkt. Weiteres Markenzeichen: Die konturierte Spielweise mit markant-griffigen, dennoch deckkräftigen Mitten. Lediglich im Hinblick auf die Tiefenstaffelung beziehungsweise Bühnentiefe ließ sie aufgrund ihres nach vorne bzw. zum Hörer hin orientierten Abbildungscharakters ein wenig „Raumgefühl“ vermissen. Letztlich ist das aber irgendwie auch Geschmacksache, es dürften sicherlich viele Gefallen an einer offensiveren Bühne finden, keine Frage.
Und logo: Nach dem Umbau war ich mehr als gespannt, zu hören, was der neue Mitteltöner tatsächlich bringt. Streng genommen, müsste man für einen Vergleich eine Mirra 14 Mk1 und eine Mirra 14 Mk2 zur Hand haben, denn ein unmittelbarer A/B-Vergleich ist nach erfolgten Umbau halt nicht möglich. Hoffentlich, so mein erster Gedanke, zeigen sich markante, gut hörbare Unterschiede.
Waldfee-Alarm?
Sie mögen es jetzt für ein vermeintlich übliches Holla-die-Waldfee-bin-ich-überrascht-Tester-Blabla halten, aber ich komme als valider Berichterstatter nicht drum rum: Nachdem ich den Mitteltönern mit Rage Against The Machines gleichnamigen Album und Erstlingswerk gehörig Einspielzeit gönne, klappt mir anschließend fast die Kinnlade herunter. Nur mit Mühe findet das helle Mooser Liesl den Weg zu den Lippen, um am Ende noch Gefahr zu laufen, schal und warm in meiner Hand zu werden. Vielleicht haben sich beim Umbau versehentlich die Regler für Raumanpassung und Basstiefgang verstellt? Ein kontrollierender Blick bestätigt das aber nicht.
Was hat sich klanglich also verändert? Beim Stück „Fistful Of Steel“ notiere ich ein deutlich offeneres und transparenteres Hochmittenband ins Hörprotokoll, das die eher gedeckte, erdigere Farbgebung speziell im Mittenband hinter sich lässt. Die Attack der Schlagzeugimpulse hat eindeutig noch mehr Dampf und Intensität und lässt mich fast – ja, auf einen Tester lauern viele Gefahren –, das guade Liesl verschütten, weil die impulsive Bewegungsreaktion beim zwangsläufigen Erhöhen des Lautstärkepegels nahezu unvermeidlich erscheint. Und, lassen wir es weiter eskalieren, bei „Township Rebellion“ befindet sich ab Minute drei der Pegelregler des Eversolo DMP-A8 irgendwo bei -16 dB – und mein Gehör im roten Bereich. Die Abacus Mirra 14 Mk2 zuckt aber nicht mal mit der Wimper und schüttelt die unverfälscht crunchy Riffs von Tom Morello mit reichlich Druck und Volumen derart authentisch aus den Membranen, das man vergeblich die große Röhren-Marshall-Kombi im Hörraum sucht.
Da geht noch mehr: die Raumabbildung
Das ist noch nicht alles: Die permanent antreibende Stimme von Zack de la Rocha ertönt nun nicht mehr direkt unmittelbar vor mir, was definitiv auch was hatte, nein, de la Rocha macht ein paar Schritte nach hinten und liefert seine infernalen Schrei-Kaskaden mit etwas mehr Abstand als gewohnt. Das Gebotene rückt mehr auseinander, schafft quasi mehr Luft im Kessel, da auch die restliche Instrumentierung sich weitläufiger sowie differenzierbarer auf die Seitenränder verteilt. Überhaupt ist der vormals festgestellte Umstand der geringer ausgeprägten Räumlichkeit mit der Mk II schlichtweg obsolet. Boten die Ur-Mirra akustisch eine direktere und offensivere Anmutung, führt die MK2 eine andere Stilistik ein. Diese geht mit einer präziseren Staffelung in die Tiefe einher, die beispielsweise beim Stück „Fratres (For 12 Celli) von Arvo Pärt (Album: Tabula Rasa) eindrucksvoll zulegt. Man erhält en passant ein plastischeres Bild, Töne bekommen, was ich immer sehr schön finde, eine körperlichere Definition zugesprochen. Dieser Moment, wenn die Streicher langsam an Kraft gewinnen, sich in einem mäandernden Crescendo in Richtung Forte bewegen, wenn das Sustain der ausklingenden Töne nicht nur Hallfahnen, sondern auch Gänsehaut erzeugt: Das ist Ausdrucksqualität anderer Prägung als zuvor.

Die frisch abisolierten Kabel lassen sich leicht mit den an den neuen Treibern vormontierten Verbindungsstücken verheiraten
Surprise, surprise: der Bass
Und ja, überraschend: der Bass. Auch im Süden stelle ich eine Veränderung fest, die mich dermaßen irritiert, dass Hanno Sonder sogar sonntags meinen Hagel elektronisch gestellter Fragen über sich ergehen lassen muss. Denn beim Stück „FI3AC2383010“ von Aleksi Perälä (Album: Alithia Γ) weicht die bisherige kraftvolle (wenngleich je nach Reglerstellung neutrale) Basswiedergabe, die bei dem Track schon leicht ins Wummrige neigt, einer strafferen, trockeneren Qualität. Nicht falsch verstehen, es befindet sich immer noch reichlich Fleisch am Knochen, die Tiefe ist noch da, aber das Bassvolumen regt meinen Raum weniger an, die Durchhörbarkeit untenrum legt zu, die Abacus Mirra 14 Mk2 wirken durchtrainierter, wenn man so will.
Hierzu konnte ich Hanno Sonder, der sich dann doch nicht all zu tief in die Karten schauen lassen wollte, lediglich entlocken, dass bei der Abstimmung des neuen Mitteltöners auch die gesamte Einbindung in den Übertragungsbereich feinjustiert wurde, der Arbeitsbereich des neuen Treibers wurde sowohl nach unten als auch nach oben hin erweitert. Die einhergehende Entlastung des Hochtöners erklärt vielleicht auch das beschriebene Plus an feinstofflicher Informationen obenrum, wobei ich meine, dass auch das akkuratere Mittenband hier eindeutig sein Scherflein beiträgt.
Test: Abacus Mirra 14 Mk2 (Update) | Aktivlautsprecher








