Klassiker neu gedacht: Michell überarbeitet den Gyro-Plattenspieler
von Jochen Reinecke
Bereits in den 1960er-Jahren zunächst als Zulieferer gestartet, entwickelt Michell Audio mit dem Gyro seit den 80ern einen der bekanntesten Plattenspieler im High-End-Bereich kontinuierlich weiter. Nun präsentiert J. A. Michell Engineering Limited, wie die nördlich von London ansässige Firma formal heißt, eine umfassend überarbeitete Generation – technisch neu konstruiert, optisch jedoch unverkennbar ein Gyro.
Michell Gyro: Altes und Neues
Der Michell Gyro hat sich über Jahrzehnte hinweg zu einer festen Größe der analogen High-End-Wiedergabe entwickelt. Seit seiner Einführung wurde das Konzept stetig weiterentwickelt, ohne dabei die charakteristische Konstruktion oder die ikonische Erscheinung des Laufwerks zu verändern. Mit der aktuellen Evolutionsstufe verfolgen die Engländer diesen Ansatz konsequent weiter: Der neue Michell Gyro sei keine komplette Neuerfindung, sondern eine grundlegende technische Überarbeitung nahezu aller Bauteile.

Trotz der zahlreichen Änderungen bleibt der Plattenspieler auf den ersten Blick eindeutig als Gyro erkennbar. Erst bei genauerem Hinsehen und -Hören soll sich zeigen, wie umfassend das Laufwerk neu konstruiert wurde – mit Verbesserungen bei Resonanzkontrolle, mechanischer Stabilität und Bedienkomfort – heißt es vom Vertrieb Input Audio.
Neu entwickeltes Chassis mit Luftfahrt-Anleihen
Im Zentrum der Überarbeitung steht das komplett neu gestaltete 19 Millimeter starke Hauptchassis. Während frühere Gyro-Versionen auf Aluminiumguss oder Acryl basierten, setzt Michell nun auf präzisionsgefertigte Aluminiumplatten in Luftfahrtqualität mit einer Stärke von 12 Millimetern. Diese Konstruktion soll eine deutlich höhere Steifigkeit sowie eine besonders geringe Resonanzanfälligkeit gewährleisten.

Zusätzlich integrierte Messinggewichte dienen der Balance der Tonarmbaugruppe und helfen dabei, unerwünschte Vibrationsenergie zu absorbieren. Ergänzt wird dies durch spezielle Dämpfungselemente rund um die Tonarmbasis, die Reflexionen im Material reduzieren und so verhindern sollen, dass feine musikalische Details verloren gehen.
Überarbeitete Mechanik und Aufhängung
Auch die Aufhängung des Laufwerks wurde neu abgestimmt. Sie arbeitet nun mit einer Resonanzfrequenz von rund 3,5 Hz und nutzt eine Federarchitektur namens Equilibria, das Bewegungen stabilisiert und die Isolation gegenüber äußeren Einflüssen verbessern soll.
Weitere konstruktive Änderungen betreffen unter anderem die Grundplatte, die nun aus Aluminium gefertigt ist und den bisherigen Acrylrahmen ersetzt. Große Sorbothane-Isolationsfüße sorgen zusätzlich für mechanische Entkopplung. Auch die Tellerkante wurde überarbeitet: Die frühere Riemennut entfällt zugunsten einer glatteren, optisch reduzierten Gestaltung.
Motor und Lager neu konstruiert
Das Antriebssystem folgt weiterhin dem Prinzip eines freistehenden Motors. Das schwere Motorgehäuse ist vollständig vom Plattenspieler getrennt; die einzige Verbindung besteht über den Antriebsriemen. Diese Konstruktion reduziert bekanntlich die Übertragung von Motorvibrationen auf das Laufwerk erheblich und unterstützt so eine besonders ruhige Wiedergabe. Im Inneren des Laufwerks arbeitet zudem ein invertiertes Lager mit einer Doppelhelix-Ölpumpe, die für einen konstanten Schmierfluss sorgt und langfristige Stabilität gewährleisten soll.
Preise und Varianten
Der neue Plattenspieler Michell Gyro ist mit Rega-T8-Tonarm für 7.400 Euro erhältlich – und mit TecnoArm für 8.000 Euro. Das reine Laufwerk kostet 6.400 Euro.
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