Die Musikbibliothek: Digital oder physisch?
von Joerg Dames
Die Musikbranche hat in den vergangenen Jahrzehnten einen radikalen Wandel erlebt. Während früher der Erfolg an verkauften Platten oder CDs gemessen wurde, ist es heute vor allem die Anzahl an Streams bei den großen Anbietern. Doch was bedeutet diese Entwicklung eigentlich für die Musikliebhaber von morgen? Wie lässt sich auch in naher Zukunft eine eigene Musiksammlung aufbauen und pflegen?
Dieser Artikel wirft einen Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre und beantwortet, welches Medium sich für eine moderne Musiksammlung besser eignen kann. Vieles davon hängt jedoch am Ende von den eigenen Vorlieben ab.
Musik-Streamingdienste dominieren heute den Markt
Streamingdienste sollen heute bis zu 70 % des Umsatzes der ganzen Branche generieren, während physische Medien wie CDs oder Schallplatten mittlerweile nur noch als kleine Einnahmequellen dienen. Besonders beliebt sind Dienste wie Spotify, Amazon Music, YouTube Music und Apple Music. Sie alle bieten eine riesige Datenbank zum direkten Abruf bereit.

Experten rechnen auch in Zukunft damit, dass die Umsätze durch Musikstreaming noch weiter ansteigen werden. Das zeigt, dass die meisten Menschen es als attraktives Gesamtpaket ansehen. Man zahlt eine monatliche Abogebühr und kann im Gegenzug auf das gesamte Sortiment an Künstlern und Songs zugreifen, meistens ohne weitere Zusatzkosten.
Doch was auf den ersten Blick als ausgesprochen praktisch erscheint, kann sich für Sammler als Falle erweisen. Denn wie so oft gilt beim Streaming: Man hat lediglich eine Lizenz, um auf die derzeit verfügbare Musik zuzugreifen. Ein Anbieter kann Inhalte jederzeit entfernen und zahlende Abonnenten haben bei dieser Entscheidung keinerlei Mitspracherecht.
Geografische Einschränkungen werden zum Problem
Abgesehen vom ständig wechselnden Katalog können geografische Einschränkungen oder sogenanntes Geoblocking ebenfalls zum Problem werden. Der Hintergrund: Streaminganbieter verfügen nicht über die Lizenzrechte, alle Musikstücke global bereitstellen zu können. Ein Nutzer in Deutschland hat also oft ein anderes Angebot als beispielsweise ein Nutzer in den USA.
Dieses Problem lässt sich durch den Einsatz einer VPN-App vermeiden, zum Beispiel wenn man im Ausland Urlaub macht und wie gewohnt seine Inhalte anhören will. Damit kann man sich dann einfach mit einem VPN-Server im Heimatland verbinden, um auf den lokalen Katalog des jeweiligen Streaminganbieters zugreifen zu können.
Viele VPN-Dienste bieten eine 30-Tage-Geld-zurück-Garantie an. Auf diese Weise lässt sich quasi ein VPN einrichten und kostenlos testen. Weitere Vorteile wie höhere Sicherheit und mehr Privatsphäre sind aber ebenfalls gute Gründe zur Nutzung eines VPN.
Digitale Musik: Legal kaufen und sicher verwahren
Streamingdienste sind am Ende eher zum Abruf geeignet, weniger zum Sammeln. Es gibt aber eine Alternative: Käufe bei Anbietern wie Apple iTunes gewähren eine dauerhafte Nutzungslizenz. Mit einem Kauf erhält man eine DRM-freie digitale Kopie, die man herunterladen und nutzen kann.
Da diese Käufe keinen Kopierschutz enthalten, darf man nach deutschem Urheberrecht (§ 53 UrhG) Privatkopien zur eigenen Sicherung anfertigen. Ob auf dem Laptop, in der eigenen Cloud oder als gebrannte CD spielt dabei keine Rolle, solange die Kopie ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt ist und nicht weiterverbreitet wird. Für Sammler kann digitale Musik also durchaus eine Alternative sein. Musik ist auf diese Weise sehr einfach zu beschaffen, zudem gibt es mittlerweile moderne Apps, die beim Verwalten einer digitalen Sammlung helfen.
Solche Apps dienen nicht nur zur einfachen Wiedergabe, sondern reichern die eigene Musiksammlung mit Bildern und Metadaten an. So lassen sich gekaufte Kopien von verschiedenen Anbietern perfekt unter einer einzigen Plattform verwalten. Weiteres Plus: Dank verlustfreiem Audio gibt es heute bei der Tonqualität keine spürbaren Abstriche zu machen.
Physische Medien: Für Sammler oft die erste Wahl

Für viele Liebhaber bleiben physische Medien aber nach wie vor die erste Wahl. Früher war der Grund hierfür die meist bessere Tonqualität, doch seitdem selbst Streamingdienste mit verlustfreier Qualität locken, gerät das immer mehr in den Hintergrund. Fans von Schallplatten schwören aber weiterhin auf den wärmeren Klang und eine höhere Dynamik dieses Mediums.
Abgesehen davon ist es vor allem der Sammleraspekt, der bei physischen Medien deutlich stärker greift als bei digitalen. Man hat etwas zum Ansehen, zum Greifen und zum Auflegen. Hinzu kommt der dekorative Aspekt einer Sammlung, wodurch auch der Geschmack eines Musikliebhabers deutlich wird. Die eigene Sammlung dient also auch als Statement.
Nachteile gibt es aber ebenfalls abzuwägen: Physische Medien sind manchmal schwierig zu beschaffen und kosten oft etwas mehr. Zudem besteht immer die Gefahr durch Schäden oder Verlust. Als wahrer Liebhaber kann es also sinnvoll sein, sowohl physische als auch digitale Medien zu nutzen. CDs und Platten lassen sich heute sehr einfach selbst digitalisieren.
Fazit: Beide Optionen haben Vor- und Nachteile, die man vorab berücksichtigen sollte
Streamingdienste dominieren heute die Branche, sind aber für Sammler keine Option. Digitale Musik lässt sich aber auch nach wie vor klassisch kaufen, herunterladen und verwalten. So gibt es keine Abhängigkeiten vom jeweiligen Anbieter, zudem ist dieser Prozess vollkommen legal. Moderne Apps helfen anschließend bei der einfachen Verwaltung einer digitalen Sammlung.
Viele Liebhaber schwören aber weiterhin auf physische Medien, weil digitale Musik den tatsächlichen Kontakt mit CDs und Schallplatten bzw. Vinyl nicht ersetzen kann. Außerdem dient eine physische Sammlung oft dekoratives Element im eigenen Zuhause. Deswegen werden Nachteile wie schwierige Beschaffung und höhere Preise gerne in Kauf genommen.
