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Tame Impala – The Slow Rush

Nach einer langen Band-Pause meldet sich Kevin Parker mit Tame Impala zurück und veröffentlicht das vierte Studioalbum The Slow Rush. Obwohl Tame Impala als Band begriffen wird, handelt es sich dabei um ein Musikprojekt Kevin Parkers. Die 12 neuen Tracks wurden alle von ihm selbst aufgenommen, produziert und gemischt. Der Musiker und Songwriter pendelte für die Aufnahmen zwischen seiner australischen Heimatstadt Femantle und Los Angeles.

Tame Impala

Nachdem er in den letzten Jahren unter anderem als Songwriter im Dienste Lady Gagas aktiv war und mit Mark Ronson zusammenarbeitete, wurde es Zeit, dass er sich auf seine eigene Musik konzentriert. Das letzte Tame-Impala-Album veröffentlichte er 2015. Dass die Zeit so schnell vergeht, beschäftigt den Musiker auf der Single Lost in Yesterday. Hier sinniert er über die unaufhaltsame Zeit und singt von Momenten, in denen das eigene Leben an einem vorbeizeiht. Dabei hinterfragt er, inwiefern man überhaupt im Gestern leben sollte und wie es sein kann, dass wir manchmal nostalgisch werden. Denn das eigene Gedächtnis verzerrt Erinnerungen, sodass selbst schlechte Erlebnisse nicht mehr als solche begriffen werden. Schmerzen vergisst man, davon singt er in den Zeilen „Eventually terrible memories turn into great ones“.

Der Song wird von atmosphärischen Synthies, verschachtelten Drums und Parkers hoher Gesangsstimme getragen, sodass eine Pop-Nummer mit elektronischen Discoelementen entsteht. Die treibende Bassline hält den verträumten Track zusammen und der Chorus bleibt noch lange im Ohr. Hier zeigt sich im wohldosierten Arrangement Parkers Songwritingqualität. Der Musiker liefert nicht nur in diesem Song, sondern auch im Synthie-reichen Instant Destiny oder dem groovigen Borderline charakteristische Pop-Melodien. Das Album kann gar nicht anders – es schreit einfach nach Hits.

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Wallis Bird – New Boots

Wallis Bird new boots

Die in Berlin lebende Musikerin Wallis Bird brachte im letzten Jahr ein vielbeachtetes Album heraus. Dass sie noch viel mehr in petto hat, zeigte sie auf ihren vielen Veröffentlichungen in der Vergangenheit. Ihr Werk New Boots erschien vor rund 10 Jahren und ist noch immer voller Energie. Der erste Song Can Opener beginnt mit mehreren Takten eines dynamischen Drum-Intros, bevor die verzerrte Gitarre einsetzt. Der Mix aus rockigen Riffs, Wallis Birds kratziger, hoher Stimme und energetischem Trommelwirbel lässt einen die Energie spüren, die wohl erst recht live mit dem Song entstehen muss. Die Musikerin singt und spielt Gitarre – das ist beachtlich, denn sie hatte mit 18 Monaten einen schweren Unfall mit einem Rasenmäher, der alle ihre Finger abriss. Sie wurden wieder angenäht und die Narben erkennt man noch immer. Das Spielen sei aber kein Problem und das hört man – Wallis Bird rockt als Gitarristin.

Ihr Album WOMAN – schon alleine durch den Titel ein Statement – hatte das matriarchale Erwachen in der Gesellschaft gefeiert, Geschlechtergrenzen aufgelöst und sich zusätzlich mit politischen Fragen auseinandergesetzt. Das fragende Naturell der gebürtigen Irin kommt auch auf New Boots nicht zu kurz. In Can Opener spricht sie die Abhängigkeiten von einem System an, deren Sklavin sie nicht sein möchte. Ihr Widerstand zeigt sich in ihrer Musik, denn sie veröffentlicht trotz schwerster Bedingungen für freischaffende Musiker*innen Alben, geht auf Tour und performt live. In ihren Songs hört man gleichwohl, dass die schweren Umstände Wallis Bird nicht verbittern, sondern sie beflügeln. In To My Bones kann man ihre irischen Wurzeln durch den Folk-Einfluss heraushören, doch das beste ist der Text. Der beschwingte Song mit Akustik-Gitarre und wirbelnden Drums ist eine Hymne an das Leben, die mit ihrer Positivität und übertragenden Wärme ein gutes Gefühl hinterlässt.

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Lola Marsh – Someday Tomorrow Maybe

Lola Marsh

Die neue Platte des israelischen Duos Lola Marsh sprüht nur so vor nostalgischem Sound. Wahrscheinlich bringt man den Bandnamen zuerst mit dem Pop-Hit Wishing Girl in Verbindung. 2017 war Lola Marshs Jahr, denn hier wurde der Song veröffentlicht, als Sommerhit des Jahres gehandelt und fiel durch die überall auftauchende Ebay-Werbung auf. Sängerin Yael Shoshana Cohen singt und pfeift darin unbeschwert und die Musik ist mit Akustik-Gitarre und raschelnden Drums folkig. Nach dem fulminanten Start in die Musikszene vor zwei Jahren wurde es ruhig um das Duo.

Am meisten dürfte die neue Single Only For A Moment an alte Zeiten erinnern. Mit gezupfter Gitarrenspur, schnipsenden Fingern, die den Rhythmus halten, und einer poppigen Melodie könnte der Song in die Fußstapfen von Wishing Girl treten. Trotzdem zeugen die Akkorde, die Gitarreneinstellung und die Produktion des neuen Songs von einer anderen Seriosität, die Lola Marsh mit dem Lied überträgt. Das Duo versprüht mit dem neuen Album einen erwachsenen Charme, den man ihm vormals nicht zugetraut hätte.

So zeigen auch die anderen Songs auf dem neuen Album Someday Tomorrow Maybe, dass sich die Musiker*innen in den zwei Jahren Auszeit um einiges weiterentwickelt haben. Von leicht-flockigem Folk ist auf der neuen Platte nicht allzu viel zu hören. Das Album klingt eher wie eine düstere, psychedelische Version des folkigen Indie-Pops, den das Duo zuvor veröffentlichte. Man spürt im ersten Song Echoes die Dramatik des alten Hollywoods. Cohen singt in der ausgekoppelten Single von Stimmen einer vergangenen Liebe, die sich wie Echos in ihr Leben einschleichen. Das nostalgische Flair wird durch das simple und beschwingte Gitarrensolo noch verstärkt und man kann sich die Musik gut bei einem Tarantino-Film vorstellen. Dass man sich so stark ans Kino erinnert fühlt, kommt nicht von ungefähr – die Referenz gibt einem die Band quasi selbst. In dem Song Like In The Movies singt Cohen nicht nur von filmähnlichen Handlungssträngen, sondern transportiert auch eine Portion Hollywood Glamour an den Hörer.

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