Demnächst im Test:

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Moon / Simaudio

Special Interest – Endure

Das neue Album Endure von Special Interest ist eine energetische Ladung röhrender Bass-, Punk- und Club-Kultur. Die Band aus New Orleans schafft es, eine rare Mischung aus House und Punk wie selbstverständlich abzuliefern. Dabei überzeugt auch die starke Stimme von Alli Lowe auf ganzer Länge – und durchdringt die Beats.

Special Interest Endure

Das Album beginnt mit „Cherry Blue Intention“ – ein housiger Beat mit viel Blech scheppert durch die Boxen, das Gitarren-Feedback heult auf und der dröhnende Bass setzt ein. Lowe singt mal melodisch, wie man es von House-Klassikern kennt, mal wird gerappt. Immer passt es jedenfalls zur Instrumentation, die meist auf dem Bass-Motiv verharrt und selten in eine Bridge übergeht. Hier kommt das Club-Gefühl der 90er Jahre auf, als House und Techno die Massen bewegten, und so kann man sich den Song in einem Club, aber – durch die Instrumente und Bandbesetzung – auch auf Festivals oder Konzert-Locations vorstellen.

„(Herman’s) House“ setzt dem House-Feeling noch eins drauf und brilliert mit den Piano-Klängen eines Keyboards. Der Beat ist hier technolastiger und der Bass geht durch alle vier Zählzeiten, was zum Bewegen anstiftet. Diesmal röhrt nicht nur der E-Bass, sondern auch Lowes Stimme, die hier bis aufs Äußerste strapaziert wird und teilweise kreischend durch die Boxen strömt.

Der Einstieg des Albums gerät am zugänglichsten, doch auch die anderen Songs sind atmosphärisch und überliefern stets ein Clubgefühl. „Love Scene“ zum Beispiel bleibt im Beat verhalten und der Bass betont nur einzelne Noten. Doch die Synthie-Sounds kreieren einen speziellen Vibe und der Gesang ist genauso charismatisch wie auf den vorher beschriebenen „Hits“ des Albums. Unbedingt reinhören!

Beatenberg – On the way to Beatenberg EP

Cape Towns größte Pop-Band Beatenberg vermischt in ihren angenehm zurückgenommenen Melodien spezielle Sounds aus Südafrika mit der Synthie-Abteilung, was ihrer Musik einen einzigartigen Touch verleiht.

Beatenberg On the way to Beatenberg EP

Die Band wurde in den Jahren vor der Pandemie immer erfolgreicher, trat dann aber einen Schritt zurück, als die Welt zum Stillstand kam. Frontmann Matthew Field ging nach London, um ein Solo-Projekt zu lancieren. Doch im Laufe der Zeit beschloss er mit seinen Bandkollegen, das Projekt Beatenberg wieder aufzunehmen. Ihre neue EP On the Way to Beatenberg ist die erste Veröffentlichung seit ihrem letzten Album, das 2018 herauskam.

Die Musik ist poppig geblieben, aber einen Tick experimenteller als zuvor. Der erste Track „Time Machine“ klingt zum Beispiel in den ersten Sekunden so, als hätte das Trio die Aufnahme verlangsamt und die Klänge dann wieder dem Original angepasst. Doch der kurze, experimentelle Moment wird schnell von den poppigen Sounds abgelöst, die den Song strukturieren. Hier steht der klare Gesang von Matthew Field im Vordergrund; der Frontman schlägt zusätzlich noch die unverzerrten Gitarrenakkorde an. Ross Dorkins Bass schlängelt sich dabei punktiert und relaxed durch den Song und die Drums von Robin Brink bleiben im Hintergrund und akzentuieren das Stück mit einer scheppernden Snaredrum. Dazu gesellen sich Synthie-Sounds, die zu einer ruhigen Atmosphäre beitragen.

Der Track „White Shadow“ folgt und den könnte man eventuell aus dem Radio kennen. Das Stück beginnt mit einem Akustik-Gitarren-Arpeggio und Fields Gesang, der (selten) von einzelnen Drum-Schlägen durchbrochen wird. Alles baut sich zum auflösenden Chorus auf, in dem die Musik gefühlt wie eine Welle von sanften Klängen fließt. Im Song vermischt Beatenberg große Melodien mit Afro-Beat-ähnlichen Rhythmen, was „White Shadow“ wohl zum größten Pop-Song und Ohrwurm der EP macht.

Die weiteren vier Stücke auf der Veröffentlichung experimentieren teilweise mit Genres: „Le Pain Quotidien“ ist zum Beispiel mit einem vom Hip-Hop beeinflussten Beat und Sprechgesang ganz anders als die Klavier-Pop-Ballade „Symposium“ mit ihren vielen Trommeln in den Zwischenspielen. Langweilig wird einem bei diesem Mix nie – das Trio hat viel zu bieten.

Yeah Yeah Yeahs – Cool It Down

Nach einer längeren Auszeit melden sich die Yeah Yeah Yeahs mit dem Album Cool It Down zurück. Die Band um Frontfrau Karen O zelebriert darauf elektrische Klänge und beginnt die Platte mit dem großspurigen Song „Spitting Off the Edge of the World“, der auch als Single veröffentlicht wurde.

Yeah Yeah Yeahs Cool It Down

Der Song klingt wie eine Hymne und entstand in Kollaboration mit dem experimentellen Popmusiker Perfume Genius, der sich in den Strophen mit O abwechselt. Musikalisch kommen breite Synthie-Flächen, ein Schlagzeugbeat, der viel Raum lässt, und Karen Os charakteristischer Gesang zusammen. Die Strophe ist ruhig und das Stück erwacht erst im pompösen Chorus zu neuem Leben – hier wiederholen sich charakteristische Melodien, die in der zweiten Hälfte des Songs von einem Chor unterstützt werden. Ab Minute drei wiederholt sich der Chorus nämlich immer wieder und baut sich mehr und mehr auf. Der Schlagzeugsound von Brian Chase wächst mit vielen Becken und Drumfills, die Synthies dröhnen und auch Gitarrist Nick Zinner bekommt eine Solo-Passage – das klingt nach großem Kino.

Insgesamt kreiert die Band, deren Hits in der Vergangenheit ein Mix aus Synthie-Pop und Rock waren, auf dieser Platte einen Sound, der nachdenklicher stimmt, als man es von den Yeah Yeah Yeahs gewohnt ist. Das Album zeigt, wo die Band heute steht. „Different Today“ beginnt mit einer Telefon-verzerrten Stimme von O, die „I feel different today“ singt und wiederholt. Anschließend setzt der Gesang mit starken Drum-Beats und Bass ein. O singt von der Welt, die sich immer weiterdreht. Die Synthies betonen ihren Gesang und reichern das Stück in der Strophe mit Akkorden an, bevor sie den Chorus mit elektronischen Arpeggien, die wie fluffig-leichte Soundpartikel klingen, untermalen. Das „I feel different today“ wird immer wieder gesungen. Es ist bewundernswert, wie gut O und ihre Bandkollegen dieses „Different“, dieses andere Lebensgefühl als noch zuzeiten ihres letzten Albums, das 2013 herauskam, einzufangen wissen. Eine sehr empfehlenswerte Platte!

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Lyravox Karlina & Karlsson Tower

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