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Sophie Hunger – Halluzinationen

Die Schweizer Musikerin Sophie Hunger veröffentlicht mit Halluzinationen ein Album, das frisch und innovativ klingt – und einige Überraschungen mit sich bringt. So singt Hunger nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Deutsch. Deutsche Texte sind für Hunger aber kein Neuland: Auf einigen ihrer sechs früheren Studioalben hatte sie bereits damit wie auch mit dem Französischen und mit Dialekten experimentiert. Musikalisch bleibt Hunger ebenfalls vielseitig – war ihr letztes Album Molecules elektronisch angesiedelt, findet man diese Einflüsse neben jazzigen und folkigen Elementen auf Halluzinationen erneut wieder. Hunger selbst nannte ihren Musikstil einmal „minimalistischer, elektronischer Folk“.

Sophie Hunger Halluzinationen

Der Eröffnungstrack Liquid Air klingt genau so, ist aber auch vom Jazz beeinflusst. Er überzeugt mit einer interessanten Produktion, die Hungers Stimme mal trocken, mal mit Hall in Szene setzt. Die Instrumentierung besteht größtenteils aus Synthies und einem zurückhaltenden, rauschenden Schlagzeug. Dabei kommt es immer wieder zu Harmoniewechseln, die wie der Titel es andeutet, so fließend passieren, dass man sie kaum wahrnimmt. Den Flow, der sich daraus ergibt, findet man auf dem ganzen Album. Die Songs laufen ineinander über, Sprachen vermischen sich und die Kompositionen entwickeln sich ganz natürlich. Das kann nicht zuletzt daran liegen, dass das Album als einzelne Session in den Abbey Road Studios in London aufgenommen wurde. Sechsmal spielte Hunger das komplette Album mit ihrer Band durch, bis sie zufrieden war. Mit im Studio war Produzent Dan Carey, der auch an Hungers vorheriger Platte Molecules mitwirkte.

Der nächste Song Finde mich überzeugt mit einer jazzigen Komposition. Der deutsche Songtext wirkt durchdringend und bedacht – Hunger wählt ihre Worte vorsichtig. So klingt die Sprache weder kitschig noch dünnhäutig. Auf dem Titeltrack Halluzinationen geht es wild her. Der experimentelle, elektronische Beat sprüht vor guter Laune. Die Sprache ist schnell, mit kurzen Einwürfen abstrakt und passt perfekt zum gefühlten Aufschwung, den der Track mit sich bringt. „Das Leben zieht an mir vorbei“, singt Hunger, die Harmonien fließen mal wieder ineinander über und nehmen einen ein.

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All We Are – Providence

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Auf Providence von All We Are geht es groovy zu. Der Titeltrack eröffnet das Album, das wie eine musikalische Wundertüte aus Sounds klingt. Providence beginnt mit einem quirligen Bass-Riff, zu dem sich schnell ein Disko-Schlagzeug, 80er-Jahre-Keyboard-Akzente und die poppigen Falsetto-Gesänge von den drei Bandmitgliedern Richard O’Flynn, Guro Gikling und Luis Santos mischen. Alle drei singen hier nicht nur in bekannter Bee-Gees-Manier, sondern sind auch an ihren Instrumenten aktiv. So übernimmt Gikling ihren Part als Bassistin, Santos spielt an der Gitarre und O’Flynn sitzt an den Drums.

Die drei Wahl-Liverpooler aus Norwegen, Brasilien und Irland haben sich an dem Institute for Performing Arts während des Musikstudiums kennengelernt. Providence ist ihr inzwischen drittes Studioalbum und sie sind ihrem selbst-ernannten Psychedelic-Boogie-Stil treu geblieben. Providence liefert verträumte Melodien in den oktavierten und mehrstimmigen Gesängen und poppige Beats aus Synthies und rhythmischen Bass-Motiven. Das kann schnell überlagert klingen, doch gelingt es All We Are, dass in den Songs stets noch Freiräume entstehen. Das kann man zum Beispiel auf Not Your Man hören – obwohl selbst in den instrumentalen Abschnitten mit poppigen Melodien um sich geworfen wird, ist das Arrangement so gestrickt, dass immer eine Balance an Melodien im Vordergrund und Zurückhaltung an den Instrumenten im Hintergrund besteht. Auf L Is For Lose wird es gesangstechnisch interessant. Die mehrstimmigen Passagen in der funkigen Komposition sind komplexer, besonders die langgezogenen Vokale werden zu clusterartigen Stimmenwolken. Hier wird deutlich, dass All We Are nicht nur Pop-Sternchen sind, die an schnellen Hits Interesse haben. Obwohl das Hit-Potenzial immer durchscheint, hört man hier, dass sie mit ihren Songs nach Innovation und Andersartigkeit streben.

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Armin Küpper – Röhrensound

 

Armin Küpper Röhrensound

Der Künstler Armin Küpper verfolgt viele Bestimmungen – die Malerei, Bildhauerei, das Bearbeiten von Holz und anderen Materialien – aber eben auch die Musik. Seine EP Röhrensound hat diesen Sommer im Internet große Aufmerksamkeit erlangt. Sein Saxophon-Konzert, bei dem er vor einer meterlangen Röhre im Freien steht und improvisiert, wurde millionenfach angeklickt auf YouTube. Allein das sich ergebende Bild ist schon spektakulär. Doch am überzeugendsten sind die Improvisation und das Spiel Küppers mit dem Echo-Sound. Das macht die EP mit den drei Tracks, die auf Streaming-Kanälen und anderen Stellen im Web veröffentlicht wurde, zu etwas besonderem.

Pipelinefunk, dessen Entstehung man im Netz anschauen kann, ist eine vierminütige Komposition, die nur mit Saxophon auskommt und nie langweilig wird. Im Video stellt sich heraus, dass Küpper lediglich von einem Klatschen geleitet wurde, um den Takt zu halten. Durch das Echo scheint es jedoch, als spiele Küpper nicht allein. Seine Motive werden von der Röhre gespiegelt, sodass sie zum Gegenpart Küppers wird. Die bluesigen Tonleitern Küppers, am Anfang noch in längeren Läufen gespielt und dann immer langsamer werdend, finden stets eine Antwort in der Pipeline. Ab der ersten Minute kommt es zu einem groovigen Austausch, das Echo scheint wie losgelöst und autonom – fast könnte man meinen, es übernehme einen Bass-Part in der funkigen Nummer. Das Stück endet mit immer holziger werdenden Sounds von Küpper. Das Echo schwindet und die Komposition geht über in den Song Worker. Auch hier hört man Küpper mit dem Echo experimentieren.

Im ersten Song der EP gesellt sich der Gesang von Natasha Djapjas-Hay zum Saxophon-Sound. Der bluesige Song, der improvisiert anmutet, funktioniert genauso gut wie die anderen beiden Stücke. Djapjas-Hays experimentiert mit Motiven, Melodien und Wiederholungen. Küpper am Saxophon spielt begleitend und setzt teilweise ganz aus. Hier wird deutlich, dass verschiedene Konstellationen mit der Pipeline möglich sind. Der Song gibt deshalb einen Vorgeschmack auf das Album, das bald mit der Pipeline entstehen soll. Man darf gespannt sein.

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