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Yael Naim

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  1. 1 Yael Naim

April 2008 / Victoriah Szirmai

Unmerklich, aber beständig schleicht sich ein simples Folk-Pop-Liedchen durch den Gehörgang ins Gehirn, und ehe man sich’s versieht, ist man Wirt eines ultra-hartnäckigen Ohrwurms:

I’m a new soul I came into this strange world hoping I could learn a bit bout how to give and take / but since I came here I felt the joy and the fear finding myself making every possible mistake / La-la-la-la-la-la-la-la-la-la-la-la-la-la-la …

Nun, den Mitsinger aus der aktuellen Werbung für das MacBook Air von Apple kennt mittlerweile wohl tatsächlich jeder: Eingängist bleibt er mit der Akkordabfolge C-F-a-G-C in der simplen C-Dur-Kadenz verhaftet – einzige Ausnahme: der a-Moll-Vorhalt zur Dominante, wobei es sich im Grunde schlicht um die Tonika der parallelen Molltonart handelt und somit keine sonderlich überraschende Abweichung bildet -, die von wirklich jedem, der eine Gitarre zu halten oder drei Klaviertasten gleichzeitig niederzudrücken in der Lage ist, begleitet werden kann. Die Melodie umfasst kaum einmal mehr als 6 Töne und bewegt sich nie über das eingestrichene A hinaus. Kein Wunder, dass die Noten von New Soul in den einschlägigen Amateurmusikerbörsen zurzeit an oberster Stelle kursieren. Dass Yael Naims Hit Teil eines Gesamtkunstwerkes ist, geht hierbei leider völlig unter. So listet dann auch Versandriese Amazon das neue Album der Musikerin als „Yael Naim (mit dem Song aus der Apple Werbung)“.

Yael NaimDoch würde man der in Paris geborenen und in Tel Aviv aufgewachsenen Sängerin und Komponistin keinesfalls gerecht werden, reduzierte man sie auf diesen einen – wenngleich sehr charmant daherkommenden – Lalala-Erfolg à la Emilia’s Big Big World. Vielmehr sticht das kommerziell-eingängige New Soul auf auffallende Weise aus einem Album heraus, das vor allem durch verträumt-legeren, aber dennoch anspruchsvollen Franco-Pop in reduzierter Instrumentierung und autobiographisch-philosophische Texte besticht.

Wollte man denn nun unbedingt Schubladen öffnen, dann könnte man es am ehesten irgendwo zwischen Carla Bruni (ja, bevor sie unter großem Medienecho Frankreichs neue First Lady wurde, hat Madame Sarkozy bereits zwei CDs gemacht – und das gar nicht mal so schlecht: Quelqu’un m’a dit 2002 und No Promises 2007, beide auf naïve) und der israelischen Ethno-Pop-Musikerin Achinoam Nini, die dem deutschen Hörer wohl vor allem durch die Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen musikalischen Begleiter Gil Dor unter ihrem Kurznamen Noa bekannt ist, verorten – gepaart mit der musikalischen Sturheit einer Tori Amos und der Zerbrechlichkeit einer Fiona Apple.

Yael NaimUnd so reicht das Spektrum auf Yael Naim, dem Album, vom auf hebräisch intonierten französischen Chanson Paris über Lonely, einem Song in bester Gloomy-Sunday-Manier für lebensmüde Liebeskummergeplagte (gegen den sich chronisch übellaunige Depri-Bands wie beispielsweise Portishead wie Shiny Happy People ausnehmen), bis hin zum hypnotisch-reduzierten Toxic, einem Britney-Spears-(!)Cover. Überraschenderweise ist das Album jedoch weitestgehend frei von Jazz-Einflüssen, obgleich Naim im Alter von 18 Jahren ihre musikalische Karriere begann, indem sie in einem Tel Aviver Jazz-Club mit Musikern von Wynton Marsalis, einem der bedeutendsten Jazztrompeter der Gegenwart, auftrat.

Doch erst der Multi-Instrumentalist und Elektro-Magier David Donatien ermutigte die 29-Jährige, ihren ganz eigenen musikalischen Weg zu gehen. Er ist es auch, der für Produktion und Arrangements verantwortlich zeichnet. Ohne ihn, so die Sängerin, wäre dieses Album nie entstanden und die Songs für immer in der Schublade verschwunden …

Plattenkritik: Yael Naim

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