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Nik Bärtsch’s Ronin – Holon

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  1. 1 Nik Bärtsch's Ronin - Holon

Februar 2008 / Ralph Werner

„Move your ass, your mind will follow!“ Nein, auf dieses sympathische Sprüchlein lässt sie sich nicht reduzieren, die Musik der Schweizer Gruppe um Frontmann, Pianist und Komponist Nik Bärtsch. Und doch ging mir der Spruch sofort durch den Kopf, als ich das Booklet der neuen CD „Holon“ aufschlug und dort einige Worte des Herrn Bärtsch niedergeschrieben fand, die mit „Move your ears …“ betitelt waren.

Diese Assoziation fiel freilich nicht vom Himmel, denn die Stücke der Band haben etwas dezidiert Physisches, einen Groove und harten Funk in sich, der den „Ass“ durchaus in Bewegung setzen kann. Und gleichwohl ist diese Musik sehr durchkomponiert, streng – Kopflastigkeit werden ihr bestimmt einige vorwerfen – und intellektuell in dem Sinne, dass auch dem, der keine zehn Semester Musiktheorie studiert hat, bewusst wird, wie bewusst durchgestaltet hier noch das kleinste Element ist.

Nik Bärtsch's Ronin / Holon: Booklet

„Mind“ – Absicht, Verstand, Seele. Das letzte Wort könnte man auch mit „Spirit“ übersetzen und sich so den geistig-spirituellen Dingen, die Herrn Bärtsch wichtig sind, annähern: Verbindlichkeit, Respekt, Zen als „ästhetischer Entscheid zum Ritual“. In gewisser Weise merkt man dies auch seinen Stücken an – freilich zeigt sich es nicht in einen Wischi-Waschi-Eso-Sound, sondern in Reduktion, Repetition und Spannungsaufbau – bis dann der Umschlag kommt und tanzen keine schlecht Idee wäre … Wer jetzt noch nicht weggeklickt hat, dem sei gesagt, das Bärtsch diese Musik gern (wenn auch ironisch gebrochen) als „Zenfunk“ bezeichnet oder als „Ritual Groove Music“. Au weia.

Nik Bärtsch ist dem östlichen Denken zugewandt – genauer gesagt, dem japanischen. Seine Formation nennt sich nicht umsonst „Ronin“. Dieser Begriff bezeichnet im Japanischen einen herrenlosen Samurai. Und so sieht sich die Gruppe auch eher als freie Formation mit einem gemeinsamen „Ehrenkodex“, denn als streng hierarchischer Zusammenhang (in Abgrenzung zum „normalen“ Samurai, der einem Herrn dient). Die asiatische Kampfkunst wird ebenfalls als Metapher zur Beschreibung der eigenen Musik verwandt: In beiden Fällen ginge es um „die Vereinigung von Verstand, Herz und körperlicher Geschmeidigkeit und Spannung“. Gut, dass ich die erste Platte der Gruppe „blind“ gekauft habe, denn hätte ich dies vorher gelesen … Kommt mir jemand mit „asiatischer Edelprosa“, schalte ich gewöhnlich sofort ab. Im Nachgang muss ich allerdings konzedieren, dass sie in diesem Fall durchaus ihre Berechtigung hat.

Nik Bärtsch

Plattenkritik: Nik Bärtsch's Ronin - Holon

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