Esme Emerson – Applesauce
Auf der jüngsten EP Applesauce hört man mehr von den erfrischenden Indie-Sounds des Geschwister-Duos, das als Projektnamen seine Vornamen Esme Emerson benutzt. Auf den vier neuen Songs zeigt das Bruder-Schwester-Paar, dass sie weiterhin mit nostalgischen Lyrics sowie gitarrenlastigen und melodiösen Hits gute Laune verbreiten wollen. Dass die beiden viel über ihre Kindheit, Teenager-Jahre und gemeinsame Erfahrungen schreiben, kommt schon im Titel der EP durch. Die „Applesauce“, von der hier die Rede ist, ist angelehnt an den Apfelbaum, der in ihrem Kindheitsgarten stand und jedes Jahr ungeerntet seine Äpfel verlor. Dieses Jahr machte ihre Mutter jedoch Apfelmus daraus, was im Titel der EP verewigt werden sollte.
Die Songs, alle im Familien-Zuhause im englischen Essex geschrieben, aufgenommen und produziert, hören sich oft wie ein Dialog zwischen Freunden oder Geschwistern an, die sich auch im Alter noch nahestehen. „Together“, zum Beispiel, ist eine eher langsame Pop-Nummer auf der Esme „I’ve been down, you’ve been down, let’s be down together“ singt. Damit verleiht sie dem Gefühl von Nostalgie, dem sie sich davor lyrisch hinwendet, eine aufmunternde Note. Nach dem Motto „zusammen ist man weniger allein“, simplen Akkustikgitarren-Akkorden und einer fast kitschigen Solo-Geige gen Ende, hat der Song so trotz eher traurigen Themas aufmunternde Qualitäten.
Die poppige Leichtigkeit von „Too Far Gone“, dem ersten Track, ist hingegen pure gute Laune und besonders charmant. Hier überzeugt der leichte 00er-Jahre-Indie-Touch mit ohrwurmartigen Gesangsmelodien und einem Care-Free-Gefühl, das sich schön überträgt. Die leichten Gitarrensounds, fuzzige Snare und später auch verzerrte Gitarre mischen den Bubblegum-Pop erfrischend auf. Der Mix aus Verzerrung und klaren Sounds in der Produktion ist bereichernd und macht das Stück komplexer. Auch die Gesangseinlage von Emerson am Ende, zu dem später auch Esme einsteigt, bildet einen interessanten Höhepunkt im Song, den man so nicht erwartet. Wenn man sich nach neuem, luftig-leichten Pop sehnt, kommt man diese Tage um Esme Emerson nicht herum!
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HotWax – Hot Shock
HotWax, die alternative Rockband aus England, die aktuell in aller Munde ist, entsprang eigentlich einem Schul-Projekt. Sängerin und Gitarristin Tallulah Sim-Savage wurde da im Musikunterricht mit der Bassistin Lola Sam in eine Gruppe eingeteilt, worauf sich eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden entwickelte. 2017 hießen sie noch anders, doch später, auf der Musikhochschule in Brighton, wurden sie mit Drummer Alfie Sayers zum hotten Trio, das nach zwei EPs sein Debütalbum Hot Shock veröffentlichte.
Darauf ist der Opening Track „She’s Got A Problem“ ein echter Hit. Mit schrammelnden Gitarren, donnernden Drums, die zwischen Jungle-Beat und schepperndem Blech wechseln und einem Gesang, der stark an Tallulah Sim-Savage’s Vorbild Karen O der Yeah Yeah Yeahs erinnert, überzeugt die Band auf voller Linie. Dass der Song nicht nur auf dem fetzigen Gitarrenriff beruht, sondern auch in einen unterwarteten Part übergeht, der wie eine Handbremse das Tempo herunterfährt, macht ihn umso besser. Die Gitarrensaiten unterlegen hier unisono und mit viel Hall-Effekt den Gesang.
Das Album geht turbulent weiter – fette Gitarrenriffs, dynamischer Gesang und interessante Song-Strukturen dominieren hier. Dabei sticht „Dress Our Love“ heraus, weil der Song an sich verschachtelter ist. Er baut sich durch eine E-Gitarrenmelodie auf, die die Strophe dominiert und im Chorus in ein Riff explodiert. Hier reihen sich neben Sim-Savage’s typisch langgezogenen Gesang auch Background Vocals ein, die zur Vielschichtigkeit des Sounds beitragen. Dass die Strophe auch mal mit einem dröhnenden Bass anstatt vertrackter Gitarrensounds gespielt wird, macht den Song abwechselnd und weniger straight forward, als man es von der Band gewöhnt ist. Was man bei HotWax aber trotz allem immer bekommt, ist eine volle Ladung Energie, also unbedingt reinhören, wenn man einen Ruck braucht!
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FKA Twigs – EUSEXUA
Mit ihrem vierten Studioalbum scheint FKA Twigs angekommen zu sein. Sie verkündet mit Eusexua nicht nur ein neues Album, sondern auch Lebensgefühl und präsentiert dazu futuristische Visuals, auf die sie schon länger zusteuert. Die neue Platte scheint die künstlerische Vision der Londoner Musikerin vollends zu verwirklichen. Musikalisch gesehen bewegt sich FKA Twigs in ihrem eigenen Mix aus Pop, House, Techno und Drum and Bass.
Der albumeröffnende Titeltrack beginnt pulsierend. Über die in Vierteln hämmernde Bass-Drum und einer Synthie-Melodie steht Twigs Sopran-Stimme im Vordergrund. Sie singt teilweise fast piepsig, ist manchmal mit Effekten belegt und baut über ihre Vocals Melodien auf, die komplex sind und sich lang hinziehen. Der Song ist deshalb nicht unbedingt ein Pop-Hit, hat aber mit dem Elektro-Beat, der sich um die Minute drei in eine pushende Untermalung verwandelt, ordentlich Tanzpotenzial. Dass Twigs schon immer etwas experimenteller geschrieben hat, ist hier wahrnehmbar, weil sie das typische Radioformat sprengt und eher ihrer Vision folgt.
In „Room Of Fools“, einem House-Track, der mit poppigen Vocals überzeugt, kommt es zu einem interessanten Break im Song. Zuvor geht es eher strukturiert zu: In der Strophe treibt der Beat den Song an, die Gesangsmelodie ist einfach nachzuvollziehen und bleibt im Ohr. Besonders der housige Chorus, in dem sich Twigs‘ hoher Gesang über Synthie-Akkorde aufbaut, während der Beat aussetzt, hat es in sich. Doch nach den vielen Details, die den Song ausmachen, wie dem charakteristischem Gröhlen im Gesang, der stark an Björk erinnert, den vielen Effekte im Beat und dem catchy Gesang, endet der Song unerwartet – in der letzten Minute übernehmen Glocken die Oberhand, eine fremde Stimme säuselt darüber und die Atmosphäre wandelt sich ganz automatisch und wird zu einer fernöstlichen Meditationsuntermalung.
Diese gut platzierten Dynamikwechsel und Komplexitäten in vielen Songs wie „Sticky“ oder „Keep It, Hold It“, machen Eusexua besonders. Und dass FKA Twigs für jeden Song Visuals in Schwarz-Weiß aufgenommen hat, macht das Album noch besser. Unbedingt reinhören, und wenn möglich, auch die Videos anschauen!
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