Demnächst im Test:

Billboard
Pure

Mogwai – The Bad Fire

Dass die Bandmitglieder von Mogwai durch eine dunkle Zeit gingen, erfährt man schon im Titel ihres neuen Albums The Bad Fire. Das ist nämlich ein schottischer Ausdruck für die Hölle. Und so kommt die sphärische Musik mit einigen krachenden Höhepunkte, die es in sich haben.

Mogwai - The Bad Fire

Los geht es mit „God Gets You Back“, einem Song, der sich über ein langes Synthie-Motiv instrumental aufbaut und dann mit im Sound fast untergehenden Gesang angereichert wird. Die aufstrebende Richtung des Stücks, das immer lauter wird und immer voller instrumentiert klingt, zieht sich über knapp vier Minuten. Dann kommt es zu einem ruhigen Mittelpart, in dem Synthiemelodien vertrackt ineinanderlaufen und wieder Spannung aufbauen. Dass Mogwai Meister der Dynamik sind, hört man auch den anderen Songs ihres inzwischen 11. Studioalbums an.

„Hi Chaos“ startet mit dissonanten Gitarrenmelodien, die von der Snare des Drummers zusätzlich akzentuiert werden. Nach einer Minute gehen die Instrumente, inzwischen sind es mehrere Gitarren, in einen neuen Part über, der Chorus-Qualitäten hat. In der neuen Strophe kommt ein bassiger Synthie hinzu, die Drums scheppern in dem Chorus-Part gewaltig drauf los und Mogwai kreiert ein gewaltiges Cluster an Sounds, die mit Noise unterlegt zu zerfetzen scheinen. Obwohl der Song im Titel das Chaos anspricht, kommt er doch immer wieder zu seiner anfänglichen Strophe und dem Chorus zurück. Er erscheint eher organisiert, doch wartet in einzelnen Parts mit chaotischen Sound-Elemente auf, die zu einer Wand an Klang und Noise führen. Der Höhepunkt kommt hier zum Schluss, wenn der Noise-Regler immer weiter aufgedreht wird, die Gitarren fast darin verloren scheinen und die Drums mit viel Blech von sich hören machen.

Andere Songs mit Krach-versprechenden Namen wie „Volcanoes“ erweisen sich mit lautem Gesang, Gitarre und atmosphärischen Noise als erstaunlich sanft, bieten aber trotzdem die typische, von Fans so heiß begehrte hypnotische Wirkung, die Mogwai mit ihrer Musik entfalten können.

Mogwai – The Bad Fire auf Amazon anhören

Valeria Stoica – Go Outside And Hug A Tree

Valeria Stoica - go outside and hug a tree

Dass Moldau auch musikalisch einiges zu bieten hat, beweist die Indie-Überraschung des Landes Valeria Stoica. Angefangen als kleines Singer-Songwriter-Projekt, erreicht die Musikerin mit ihrem zweiten Album Fans in ganz Europa und der Welt. Ihr Mix aus funky Basslines, englischen Lyrics, zurückgenommenen Arrangements und poppigen Melodien überzeugt auch auf Go Outside And Hug A Tree. Das Album, ganz dem Titel nach zu urteilen, ist außerdem ein Plädoyer an die Natur, in der Stoica aufgewachsen ist.

Einen interessanten und herausstechenden Basslauf hört man gleich auf dem Opener „The Will“. Hier dröhnt der knarzige Sound des Basses als dominantes Instrument in der Komposition, die musikalisch sonst nur von Synthesizern begleitet wird. Die poppigen Gesangsmelodien kontrastieren dabei den eher komplexen Basslauf, der mal ganz tief wandert, oft ausharrt und dann wieder schwungvoll Tempo aufnimmt. Der nächste Song wird von einer Drum-Machine rhythmisiert und wirkt deshalb auch zugänglicher. Obwohl der Bass immer noch hervorsticht, liegt hier der Fokus auf den poppigen Chorus-Melodien, die von metallischen Synthie-Klängen untermalt werden. Dass sich hier und dort auch dissonante Töne verirren, reichert die sonst glatte Komposition interessant an und zeigt Stoicas musikalisches Feingefühl.

Dass andere Songs Singer-Songwriter-Wurzeln haben, sieht man an „a love song“, der akustisch nur mit Gitarre und Gesang und ohne die sanften Drums und Synthies ebenfalls funktionieren würde. Auch auf dem letzten Song „Wonderfool“ singt Stoica mit bezirzender Stimme, die in der Drum-losen Nummer mit Gitarren- und Synthie-Begleitung gut zur Geltung kommt. Damit strahlt das Album eine Leichtigkeit aus, die bei gutem Wetter noch bessere Laune macht!

Greentea Peng – Tell Dem It’s Sunny

Greentea Peng - Tell Dem It's Sunny

Das neue Album der UK-Musikerin Aria Wells, die unter Greentea Peng auftritt, offenbart neben relaxten Reggae-Vibes eine gehörige Menge Selbstreflexion. Obgleich der Albumtitel Tell Dem It’s Sunny eher poppige, „bedenkenlose“ Melodien liefert, herrscht auf Greentea Pengs Platte mit groovigen Beats, Spoken Word und einem betörenden Mix aus Psychedelic und Soul eine eher nachdenkliche Stimmung vor.

Nach dem trippigen Intro „Bali Skit, Pt. 1“, das mit einem Reggae-Beat und viel Echo und Hall anfängt, und dem groovigen „TARDIS (hardest)“, auf dem Greetean Peng mit Spoken Word über den Beat aus Schlagzeug und Effekten spricht, geht bei „One Foot“ gefühlt die Sonne ein bisschen auf. In dem Song, der mit einem perligen E-Gitarren-Arpeggio und punktiertem Bassspiel startet, lässt Wells lyrisch jedoch eher dunklere Gedanken durchscheinen. Sie singt „I’m (…) messed up, distorted (…)” und fragt im Chorus „Is it too late for me?”. Dass sie hier mit der Chorus-Frage endet und kein Happy End findet, wirkt wie eine Suche, die für Greentea Peng nicht abgeschlossen ist.

Das Gefühl bekommt man auch in anderen Songs. In „Green“ zum Beispiel geht es um die Heilung und „shedding one’s Skin“, der wörtlichen Häutung. Der Prozess des Neubeginns, den Aria Wells hier beschreibt, ist unterlegt von einem Laid-Back-Hip-Hop-Beat mit Klavierakkorden und echten Drums. Etwas experimenteller in Sachen Musikeinflüsse geht es in „Stones Throw“ zu: Die gesampelten Drums erinnern an einen clubbigen Jungle-Beat, die Gitarre mit viel Hall und punktierten Anschlägen an Reggea – und Greentea Pengs Gesang mutet poppiger an.

In Richtung Clubsound zielt auch der nächste Song „The End (Peace)“, wobei der Bass ebenfalls ganz tief droppt. Die melancholische Stimmung, die viele der Songs auf dem Album ausstrahlen, wird aber auch hier durch Wells starke Stimme und einer Art Bestimmtheit in den Lyrics getragen.

Wells, deren Vocals warm, manchmal kratzig und rauchig über den Arrangements schweben, verarbeitet hier Persönliches. Weil man ihre Stärke in den Songs wirklich spürt, macht das die Platte zu einem lohnenden, nicht zuletzt authentischen Statement.

Greentea Peng – Tell Dem It’s Sunny auf Amazon anhören

Billboard
Sonoro Meisterstück Gen2

Über die Autorin / den Autor