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Musik-Rezension: Keziah Jones / Nigerian Wood

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Blufunk: Keziah Jones / Nigerian Wood

Keziah Jones / Nigerian WoodGanz frisch aus dem Presswerk kommt der neue, mittlerweile sechste (oder fünfte, zählen wir den letzten, der eigentlich nur ein Best-of war, nicht mit) Silberling von Keziah Jones. Und obgleich in Deutschland offiziell erst am 19. September ausgeliefert wird, konnte der Mann mit dem ungewöhnlichen Anschlag schon einiges an Vorab-Beifall für Nigerian Wood einheimsen. So manch einer konnte es eben nicht abwarten und musste sich das Album schon vorab in England besorgen: Meisterhaft sei das Album, munkelten die Frühhörer, ein Juwel, und der Künstler ein echtes Original.

Keziah Jones

Seinen eigenen Kopf hatte der Sänger, Gitarrist und Poet schon immer: Obgleich er als Sohn eines nigerianischen Stammeshäuptlings und erfolgreichen Industriellen schon im zarten Knabenalter mittels Schulbesuch im vornehmen London auf die Nachfolge seines Vaters getrimmt wurde, übten Schulklavier und Gitarrespiel eine derartige Faszination auf ihn aus, dass er auf die sicheren Karriereaussichten pfiff und fortan lieber in der Londoner U-Bahn und kleinen Kaschemmen seine Lieder zum Besten gab, immer auf der Hut vor den Verwandten und der Polizei. Schwer zu sagen, welche von beiden für den Junior das kleinere Übel gewesen wären … Das aufreibende Tingeln durch die englischen Clubs schließlich formte Jones‘ ureigenes Musikverständnis, dessen hervorstechendstes Charakteristikum wohl in seinem perkussiv-druckvollen Spiel besteht – hervorgerufen durch die E-Bass-Technik des Slappens auf vorwiegend akustischen Gitarren. Seiner Begleitband wiederum wird eine „fast schon erschreckende Intensität“ attestiert.

Keziah Jones

Was also dem Vater noch als persönlicher Super-GAU erscheinen musste, sollte sich letztendlich nicht nur für Keziah selbst, sondern auch für sämtliche Soulfunkfans als Segen erweisen – hat der Mann ihnen doch schließlich den Blufunk, wie er seinen minimalistischen Stilmix irgendwo zwischen Jimi Hendrix, hartem Funk, ungeschliffenem Blues und einer Prise traditioneller afrikanischer Musik seit seinem ersten Album Blufunk Is A Fact! (1992) nennt, beschert. Und auch Nigerian Wood besticht vor allem durch die extrem tanzbare, stets leicht und elegant wirkende Mischung von treibendem Funk und afrikanischem Groove. Damit liegt Jones voll im Trend, erlebt doch die Popmusik nigerianischer Künstler zurzeit eine kleine Renaissance – man denke beispielsweise an die Best of-Veröffentlichung Sir Victor Uwaifos, Guitar-Boy Superstar. 1970 – 76, die unlängst bei Soundway erschienen ist.

Keziah JonesJones aber, der mit bürgerlichem Namen Olufemi Sanyaolu heißt, schwimmt nicht einfach nur auf der Trendwelle mit; vielmehr setzt er die Trends, entwickelt die afrikanischen Wurzeln weiter, indem er sie mit dem urban-europäischen Sound seiner Wahlheimat London verschmilzt. So bietet Nigerian Wood – der Titel bezieht sich bezeichnenderweise auf den Beatles-Song Norwegian Wood, dessen erste Takte erkennbar sind, worauf folgend der Track dann aber sehr schnell sehr groovig, eben „Nigerian“ wird – nicht nur spröden Funk-Soul vom Feinsten, sondern stets auch afrikanische Anklänge, die sich nicht nur in der Musik, sondern vor allem in den märchenhaft-poetischen Texten entfalten.Keziah JonesAufgenommen zwischen New York, L.A. und London, versteht sich der urbane Klang der Produktion fast von selbst, für die übrigens Karriem Riggins verantwortlich zeichnet, der auch schon Kanye West, Erykah Badu, Madlib oder J-Dilla den Groove auf den Leib maß. Die Single My Kinda Girl ist wohl bester Beweis, dass die Zusammenarbeit überaus gelungen ist.

Wer hiervon nicht genug bekommen kann, hat jetzt genau zwei Möglichkeiten: Auf die limitierte Edition von Nigerian Wood zurückzugreifen, die dem Fan eine Bonus-CD mit zehn bislang unveröffentlichten Songs beschert, oder aber sich Tickets für die anstehende Herbst-Tour zu besorgen, die Keziah Jones in verschiedene europäische Städte führen wird.

Keziah Jones

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