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Musik-Rezension: Everlast CD-Kritik Love,War and the Ghost of Whitey Ford

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Jedermanns Abgründe

Everlast

Mich als Großhunde-Afficionada freut es immer wieder ganz besonders, wenn es Neues vom Pitbull-affinen Everlast gibt. Diesmal hat es sein schicker Rednose-Rüde „Scott la Rock“ zwar nicht auf das CD-Cover geschafft wie noch bei White Trash Beautiful, doch kann sich jeder, der mag, auf der Myspace-Seite des Sängers vom Wohlergehen des Süßen überzeugen. Da kann meine Emma als fairaudio Pin-up kaum mithalten …

Everlast

Nun, ich bin heute nicht hier, um über Hunde zu reden. Das bedauere ich einerseits sehr, andererseits rede ich aber auch gern über meine andere Leidenschaft: über Musik. Immerhin kennen und schätzen nicht nur Hundeliebhaber den irischstämmigen US-Amerikaner, sondern vor allem die Kenner des intelligenten HipHop – und das völlig zu Recht. Als musikalisches Ziehkind von Altmeister Ice-T, in dessen berüchtigtem Rhyme Syndicate er schon im zarten Alter von siebzehn Jahren Mitglied werden sollte, erzielte der auf den bürgerlichen Namen Erik Schrody Getaufte seine ersten musikalischen Achtungserfolge in den frühen 1990er-Jahren mit der Band „House of Pain“. Nach deren Trennung sowie seiner Konversion zum Islam – die in den USA wohl größtmögliche gesellschaftliche Provokation – nahm er 1998 das Album Whitey Ford Sings The Blues auf, das nach wie vor sein größter kommerzieller Erfolg ist: In den USA brachte es ihm eine 3-fache Platin-Auszeichnung ein, und die Single What It’s Like wurde für den Grammy nominiert. Erhalten sollte er diesen allerdings erst ein Jahr später gemeinsam mit Carlos Santana für den Song Put Your Lights On.

Everlast

Mit Eat At Whitey’s erschien im Jahre 2000 das meiner Meinung nach beste Everlast-Album aller Zeiten – eines der überragenden Glanzstücke meiner Musiksammlung und definitiv eines der zehn Alben für die einsame Insel: Man denke hier nur an den Über-Song Black Jesus oder Love For Real mit der göttlichen N’Dea Davenport oder Babylon Feeling mit Gitarrenheld Carlos Santana oder Black Coffee oder oder oder – jeder Song eine potenzielle Single! Der Nachfolger, White Trash Beautiful, musste verglichen damit zwangsläufig enttäuschen.

EverlastNun aber meldet sich Everlasts Alias Whitey Ford – respektive dessen Geist – mit einem Fanfarenstoß zurück. Und er hat nichts verlernt: Gleich der Opener von Love, War, and the Ghost of Whitey Ford, das apokalyptische Kill The Emperor – ein Hammer. Doch Everlast kann mehr, als nur den coolen HipHopper raushängen zu lassen: Da trifft harter Electroclash (Die in Yer Arms) auf Country/Folk (Folsom Prison Blues) auf Singer-Songwriter (Friend) auf orientalische Klänge (Throw A Stone). Akut Liebeskummergeplagte hingegen werden sich mit dem fast schon zärtlichen Anyone beim masochistischen In-Selbstmitleid-Wälzen in guter Gesellschaft wissen. Ganz zum Schluss jimi-tenort die Platte mit The Ocean und Let It Go so vor sich hin, schwurbelt, wirbelt, steigt auf und steigert sich in ein furioses Finale!

Auch wenn Love, War, and the Ghost of Whitey Ford kein zweites Black Jesus enthält (solch ein Wurf gelingt vermutlich nur einmal im Leben), stehen Songs wie das hymnische Everyone – mit gewaltiger Chorklangwand und in charakteristischem Sechsachtel gehalten, fast schon ein klassischer Gospel -, das nicht minder hymnische Weakness, der chillig-breakbeatige Cruiser Dirty oder auch Let It Go für einen Everlast, wie man ihn kennt und liebt und dessen Mark und Seele berührende Stimme all jenen (Alltags-)Sündern, die sich danach sehnen, Heilige zu sein, Erlösung verheißt. Contemporary Blues for Contemporary People.

Everlast

Thematisch ist das Album düsterer als seine Vorgänger (wogegen ich ja bekanntermaßen nichts habe); es kreist um Gewalt und Krieg, Ignoranz und Gier, um Lug und Betrug, um Schein und Sein, um des Kaisers neue Kleider, kurz: um all die niederen menschlichen Regungen, die wohl jedermann innewohnen – und nicht zuletzt um die endgültige und, wenn nötig, waffenbewehrte, Revolution. Nun, Utopie hin oder her, Everlast hat, im Gegensatz zu vielen anderen heutigen Acts, wenigstens noch etwas zu sagen, das über ‚mein Schlitten, meine Schnitten, meine Klunker‘ hinausgeht. Live davon überzeugen kann man sich hierzulande im Dezember. Ich freue mich drauf!

Plattenkritik: Ofrin | Everlast | Peter Fox | Erotic Lounge 7 | Lisa Bassenge

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