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Musik-Rezension: Compilation CD-Kritik Erotic Lounge 7

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Odysseus’ Untergang

Erotic Lounge 7

Okay, es ist spät geworden. Gut, man hat dem einen oder anderen Getränk zugesprochen. Die Stimmung war gelöst, die Luft flirrte, alles fühlte sich mit einem Mal so leicht an, als könne man noch einmal von vorn beginnen, als müsse man morgen nicht wieder zurück in den Alltag, nicht dieselben alten Kollegen sehen, nicht die gleichen alten Probleme wälzen … Und dann steht man da, zu zweit, ganz neu, bei ihm, bei ihr, was spielt das schon für eine Rolle … und weiß nicht mehr weiter. Noch einen Kaffee? Ich schau mal, ob ich noch welchen habe. In der Küche rumort es, im Wohnzimmer kehrt langsam aber sicher Ernüchterung ein. Oder aber man hat clever vorgesorgt, und sich zum Erscheinungstermin am 17. Oktober schleunigst das Doppel-CD-Set Erotic Lounge 7 – Finest Pleasure gesichert, das man jetzt lässig auflegt – steht die in Kooperation mit dem Herrenmagazin Penthouse (Claim: männlicher, intelligenter, erotischer) von Sony herausgegebene Compilation-Reihe doch seit ihrer ersten Ausgabe für „die sanfteste Art verführt zu werden“, wie der Plattenmulti wirbt.

So weit die Theorie. Ich persönlich würde wohl eher einen Lachanfall kriegen, wenn jemand derart offensichtlich-plump versuchte, auf das Bevorstehende zuzusteuern. Die intendierte romantische Stimmung jedenfalls wäre beim Teufel. Echte Sinnlichkeit bedarf ohnehin keiner Hilfsmittel, auch keiner „hochglänzende[n], erotisch prickelnde[n]Lounge-Musik für Männer und Frauen“. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Katharina März

Zweckentfremdet gehört, ist Erotic Lounge 7 allerdings eine sehr schöne Compilation – endlich mal wieder eine! Gleich Track Nummer 2 auf der Soft and Lazy gehaltenen CD 1 ist eine Entdeckung: Die Nürnbergerin Kathrina März, besser bekannt als Trinah, haucht sich supersexy, aber dennoch nie platt, durch Take My Hand. Auch die folgenden, zumeist schwer basslastigen Stücke wissen zu überzeugen; getragen werden sie größtenteils von sirenenhaften Frauenstimmen. Gewusst, warum. Schon Odysseus erlag bekanntlich deren hypnotischen Gesängen.

De-PazzIn diesem Sinne immer verlassen kann man sich auch auf die nahezu quälend-langsamen Beats der Heidelberger Easy Listener De-Pazz, deren Sängerin Pat Appleton auch mit ihrem Solo-Track Mellow zu überzeugen versteht. Das Gleiche gilt für die TripHopper Morcheeba mit Sleep On It Tonight. Eine betörend schöne Stimme hat auch die spanische Sängerin Surya vorzuweisen, die mit dem Produzenten DLads als Duo Seeders den NuJazz-Track Crazy For You beisteuert. Eher klischeehaft kommt dagegen Goldfingas Le vie en Rose daher. Der Gesang natürlich französisch, natürlich gestöhnt … das konnten Gainsbourg und die Birkin definitiv besser.

Morcheeba

Noch ein Kritikpunkt: Ab Track 12 wird klar, Erotic Lounge 7 ist definitiv zu lang! Die Songs werden sich immer ähnlicher, sie gehen mittlerweile derart nahtlos ineinander über, dass man dieser Art von Musik inzwischen überdrüssig wird und sich nach einem deftigen Rocksong sehnt. Glücklicherweise kommt genau in dem Moment Edel-Crooner Maxwell mit Reunion um die Ecke gebogen, schmeichelt sich noch einmal so richtig in die Gehörgänge und trägt dafür Sorge, dass sich die CD dann doch nicht im Beliebigen verläuft, sondern einen würdigen Abschluss findet.

Kylie

Dem Wunsch nach mehr Tempo entspricht die zweite, unter dem Motto Quick and Dirty firmierende CD mit einem Mix aus Deep-House, Slow-Funk und Jazz-House. Gekonnt eröffnet sie mit Bossasonics raffinierter Version von Chris Isaaks Wicked Game. Musikalisch wie liebestechnisch spannend geht es mit Jazzamors Love Track und Waldecks Love Dub weiter. Und Love On A Rainy Day von Tape Five macht einfach nur richtig froh! Ähnlich wie bei CD 1 allerdings, wird der Stil bald eintönig; und ähnlich wie bei CD 1 reißt der Schlusstrack – hier mit Kylie Minogues Falling ein echter Longe-Leckerbissen – wieder einiges raus.

Kylie

Fazit: Eine Doppel-CD mit zweimal 17 Tracks ist zu lang. Würde man beide je um die Hälfte kürzen und nur die echten Perlen (die sich auf beiden CDs seltsamerweise in der ersten Hälfte häufen, was aber auch daran liegen kann, dass das Hören mit der Zeit ermüdend wird) auf einer einzigen CD versammeln, wäre Erotic Lounge 7 vielleicht weniger Hochglanz-Digipack, aber musikalisch wie atmosphärisch wertvoller.

Plattenkritik: Ofrin | Everlast | Peter Fox | Erotic Lounge 7 | Lisa Bassenge

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