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Randy Crawford & Joe Sample / No Regrets

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  1. 2 Randy Crawford & Joe Sample / No Regrets

Randy Crawford and Joe Sample / No Regrets

Trägt eine künstlerische Kollaboration erst einmal Früchte, versteht sich wohl von selbst, dass der Nachfolger – getreu der Devise „never change a winning team“ – nicht lange auf sich warten lässt. Und lassen konnten es auch Randy Crawford und Joe Sample nicht: Ihre Kollaboration geht nun also in die zweite Runde. Schon Feeling Good, die erste Platte des Duos, vor zwei Jahren pünktlich zur Weihnachtszeit mit großem Brimborium als „lang erhoffte Reunion“ veröffentlicht, ließ kommerzielleCrawford & Sample Langeweile erwarten: glattpolierten Radio-Soul(jazz) à la Love Remembers von George Benson oder Back to Front von Lionel Richie oder Force Behind The Power von Diana Ross (wobei der von Stevie Wonder geschriebene Titelsong wirklich mal der Hammer ist) – eben wie all die großangekündigten Comeback-Platten von in die Jahre gekommener Soul-Legenden, die man sich lediglich aus Mitleid mit und in Erinnerung an ihre Großleistungen vergangener Tage anhört. Bestimmt aber nicht wegen der Musik.

Doch ebenso, wie sich Miss Ross vor zwei Jahren berappelte und mit Blue ein ganz hervorragendes Billie-Holiday-Tributalbum vorlegte, überraschten Crawford und ihr ehemaliger Crusaders-Mitstreiter mit der vielschichtigen Interpretation von Nina-Simone-Klassikern, mit der sie auch den griesgrämigsten Kritiker zu überzeugen wussten.

Logisch eigentlich, dass man bei Emarcy (Universal) diesen Erfolg wiederholen wollte und mit No Regrets ein zweites Album nachlegte. Nun, um es kurz und möglichst schmerzlos zu machen: Das erste war um Klassen besser. Crawford und Sample geben auf diesem gefälligen, heiter-beschwingten, nie aneckenden Album zwei mithin zahnlose Tiger, die es unbedingt noch einmal wissen wollen. Nur leicht angejazzt spielt man sich unter Begleitung von Samples Trio mit Christian McBride am Bass und Steve Gadd an den Drums gelangweilt-routiniert durch das Album. Natürlich stehen diese versierten Traditionalisten spieltechnisch auf höchstem Niveau, doch hilft dies den zu zahmen Arrangements, deren Leitsatz in erster Linie „Bloß niemandem wehtun“ gewesen zu sein scheint, auch nicht weiter. Auf Überraschungen jedenfalls wird man hier vergeblich warten: No Regrets hat nichts Weltbewegendes zu erzählen, fordert nichts vom Hörer, eröffnet keine neuen Perspektiven auf bereits bekannte Songs.

Crawford & Sample

Einzige Ausnahme dürfte das Sarah McLachlan-Cover In The Arms Of An Angel, bekannt aus dem Der Himmel über Berlin-Remake-Movie City of Angels, sein. Einmal mehr wird klar, weshalb die Crawford mit dem beneidenswert lockeren Kehlkopf eine große Balladensängerin ist und bleibt.

Ansonsten aber lässt die Songauswahl zu wünschen übrig, was vielleicht damit zu erklären ist, dass die Songs vorgeblich nicht unter (markt-)strategischen Gesichtspunkten ausgewählt wurden (und das will schon etwas heißen, wenn ich so etwas bedaure!), sondern es sich hierbei um Crawfords & Samples ganz persönliche Lieblingssongs handeln soll. Nun, auch Musikerlegenden muss man ihren persönlichen Geschmack zugestehen. Dessen trauriger Tiefpunkt allerdings wird im Titelsong erreicht: Die englische Version von Piafs Je ne regrette rien. Zwar bin ich weit davon entfernt, eine Chanson-Puristin zu sein, aber diese Nummer hätte nun wirklich nicht sein gemusst. Ein Song, der Rückschau auf die Höhen und Tiefen eines reich bewegten Lebens hält und – dennoch! trotz allem! – zu dem Schluss kommt, nichts zu bereuen – nein, den kann man nicht in harmlosen Gefälligkeitssoul kleiden. Was dann noch folgt, ist Jazziges von Billie Holiday (Me, Myself, And I) und Dinah Washington (This Bitter Earth), Souliges von Ray Charles (Don’t Put All Your Dreams In One Basket) und Aretha Franklin (Today I Sing The Blues), Bluesiges von Memphis Slim (Everyday I Have The Blues) sowie der Randy-Newman-Song Just One Smile.

Joe Sample

Zwar zollt man auch hier dem fünfzigjährigen Bestehen von Stax Tribut und gibt, aufgerüstet um den Gitarristen Anthony Wilson oder Ray Parker Jr., eine Hornsection sowie ein verhaltenes Streicherensemble, gleich drei Songs aus dem Katalog des in Memphis beheimateten Kultlabels zum Besten: Respect Yourself von den Staples Singers, Starting All Over Again von Mel Hardin & Tim McPherson und Lead Me On von Bobby „Blue“ Bland – Letzteres eines der wenigen Albumhighlights. Dessen guter Eindruck allerdings wird postwendend zerstört vom dümmlichen Angel Of The Morning im Pseudo-Karibik-Style (Original von Chip Taylors).

Ich gebe zu, dass das von Produzentenlegende Tommy LiPuma produzierte Crawford/Sample-Album zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt auf meinem Plattenteller landete: Im direkten Vergleich zum vorangehend besprochenen Mavis-Staples-Album muss dies hier zwangsläufig an Kritikergunst einbüßen. Selten konnte man den Gegensatz „rockt – rockt nicht“ so unmittelbar erleben. Das Randy Crawfordist ähnlich der Situation, bei der Musikhochschulprüfung direkt nach dem Meisterschüler vorspielen zu müssen. Man kann nur verlieren. Wer jedoch das Angenehme, Gepflegte, Perfekte sucht – nun, diesbezüglich unterhaltsam ist No Regrets allemal.

Allen anderen bleibt nur zu hoffen, dass das Programm live mehr rockt. Gelegenheit, dies zu überprüfen, bietet sich demnächst, befindet sich das Duo doch zurzeit mit dem No Regrets-Repertoire auf Deutschland-Tournee. Die beiden werden hierbei von Joe Samples Sohn, dem Bassisten Nick Sample, und Ausnahme-Schlagzeuger Steve Gadd begleitet. Wenn diese beiden dem altbackenen Programm kein frisches Leben einzuhauchen verstehen, dann kann es keiner.

Plattenkritik: Mavis Staples | Randy Crawford & Joe Sample

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