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Pete Yorn & Scarlett Johansson / Break Up

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  1. 3 Pete Yorn & Scarlett Johansson / Break Up

Johansson & Yorn / Break Up

Sie hat es schon wieder getan: Kritiker allerorten überschlagen sich sabbernd und ich frage mich einmal mehr, lässt die – zugegebenermaßen überirdische – Schönheit Scarlett Johanssons sie allesamt plötzlich ertauben? Deren Stimme nämlich ist, mit Verlaub, dünn. Gewiss, die Johansson ist betörend sinnlich, nur schwerlich würde sie irgendwo von der Bettkante gestoßen. Ja, ich versteige mich sogar zu der Behauptung, dass sie eine recht passable Schauspielerin ist. Warum aber muss sie unbedingt Platten machen? Das fragte ich mich schon bei ihrem letzten Album Anywhere I Lay My Head wo sich die mittlerweile erdunkelte Ex-Blondine unbedingt am „Bukowski der Musik“ Tom Waits versuchen musste, und das frage ich mich jetzt einmal mehr.

Johansson & Yorn / Break Up

Machen wir es kurz: Frau Johansson kann nicht singen und wird es vermutlich auch nie können. Von Jung-Produzent und DJ Sammy Levine (dessen 2005er Solo-Abum Love Rhino ich nur empfehlen kann!), Sohn des bedeutenden Jazz- und Pop-Produzenten Stuart Levine und Enkel von Produzentenlegende Quincy Jones, in Anlehnung an die erotischen Zwiegesänge von Serge Gainsbourg und Brigitte Bardot als klassisches Duett-Album konzipiert, wird Break Up allein von der Originalität Pete Yorns vor der totalen Unerträglichkeit bewahrt. Denn was 1968 bei den Franzosen auf Bonnie and Clyde noch derart lasziv und provokant daherkam, dass es die nationalen Moralwächter auf den Plan rief, krankt bei Yorn und Johansson an einer seltsam konturlosen Schwurbeligkeit. Johansson & Yorn / RelatorAngelegt als ein Zyklus von Songs, die eine stürmische Liebesgeschichte samt deren Ende besingen, wechselt sich hier belanglos-fröhlicher Singsang-Country-Folk (Relator, I don’t know what to do) mit leicht elektrofrickeligem Gitarrenschrammel (Search Your Heart, Blackie’s Death) ab. Einzig die letzten drei Songs dieses knapp halbstündigen Desasters lassen aufhorchen, so das eingängige Shampoo durch sein Hitpotenzial. Auf Clean finden die Stimmen Yorns und Johanssons endlich zueinander, und Someday, recht eigentlich eine Solonummer des Singer-Songwriters, soll auch zu dessen Glanzstück auf dem Album werden.

Zugute halten muss man Scarlett Johansson, dass sie dieses Album nicht nach den teils vernichtenden Kritiken ihres Tom Waits-Tributes aufgenommen hat, sondern dass es, obgleich erst jetzt veröffentlicht, weit vorher entstanden ist. Die Geschichte von Break Up reicht bis 2006 zurück, als eine Trennung Pete Yorn in ein emotionales Loch fallen ließ. Zermürbt von liebskummerbedingten Schlafstörungen dämmerte ihm im Halbschlaf, „dass es etwas zu erledigen galt, dass ich ein Album wie Serge Gainsbourg und Brigitte Bardot machen müsste. Nicht vom Sound her, aber mit diesem Mädchen-und-Junge-Konzept. Und ich fragte mich: wer ist die heutige Brigitte Bardot? Es ist Scarlett Johansson!“ Ob dieser Vergleich nun zutrifft oder nicht, seine Berechtigung hat er in jener Hinsicht, dass beide Aktricen nicht singen können; doch haucht sich die Bardot trickreich durch die Gainsbourgh’schen Chansons, wo Scarlett Johansson unbedingt Stimme zeigen will. Diese aber passt einzig zum Track I Am The Cosmos mit seinem knarzenden Bass. Dass Pete Yorn eine extrem zarte, weiche, melodische Singstimme hat, macht die Sache nicht besser, denn gerade im unmittelbaren Vergleich, der sich logisch aus dem Wesen des Duettes ergibt, offenbaren sich die stimmlichen Defizite des Match Point-Stars vermehrt.

Johansson & Yorn / Break Up

So bitter es für Yorn sein mag: Verbuchen wir dieses Album unter „Jugendsünde“ der Schauspielerin und hoffen, dass nicht irgendwo noch eine weitere der Veröffentlichung harrt.

Plattenkritik: Hawthorne | Editors | Yorn & Johansson

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