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Mongrel / Better Than Heavy

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Mongrel / Better Then Heavy

Apropos Hund: Bei Mongrel – frei übersetzt „Promenadenmischung“ – ist der Name Programm. So viele haben diese wunderliche Kreuzung bereichert, dass die Ausgangsrassen kaum noch zu erkennen sind. Heraus kommt ein auf den ersten Blick eher bizarrer (wenn nicht gar ziemlich hässlicher), aber nichtsdestoweniger liebenswerter Mix, etwas strubbelig vielleicht, etwas unförmig, aber unglaublich lebhaft und verspielt. Den muss man einfach lieb haben!

Das gilt auch für die Musik des 2008 gegründeten Seitenprojekts aus ehemaligen oder noch aktiven britischen Musikern, die sich aus den Reihen der Babyshambles (Drew McConnell), Artic Monkeys (Andy Nicholson und Matt Helders) oder Reverend and the Makers (Jon McClure und Joe Moskow) rekrutieren. Komplettiert wird die wilde Mischung vom halb-irakischen Rapper Lowkey und Produzent Jagz Kooner, der schon für die Manic Street Preachers, Primal Scream, Massive Attack oder gar Rammstein die Regler schob, zurzeit hauptsächlich aber im Dunstkreis von Reverend anzutreffen ist.

Wohl nicht zuletzt den verschiedenen musikalischen Ursprüngen geschuldet, mixt der umtriebige Köter auf seinem Debüt Better Than Heavy die unterschiedlichsten Stile, ohne aber – und das ist der große Vorteil ähnlichen Versuchen gegenüber! – zum totalen Genre-Clash auszuarten. Zwar findet sich auch hier Elektronik und Indie-Rock neben Dub, Reggae und HipHop, Mongrelallerdings nie innerhalb eines einzelnen Songs, sondern vielmehr innerhalb des Albums. Die Absicht dahinter ist, als primär politisch motivierte Band die verschiedenen Genres ebenso zusammenbringen wie die Völker verschiedener Kulturen. Des Weiteren soll die Musik auch jenseits von Party-hier-und-Party-da etwas aussagen über die Welt, in der die Musiker zu Hause sind: „Es ist cool“, so der Mongrel’sche Grundsatz, „sich um die Welt zu sorgen, in der man lebt“. Diese Maxime eint die verschiedenen Musiker, und soll nun eben auch die verschiedenen Stile einen.

Ist Better Than Heavy also ein Konzeptalbum, Botschaft über alles, hinter der selbst die Musik zurückstecken muss? Mit Sicherheit (und glücklicherweise) nicht. Mongrel beweisen, dass gute Absichten nicht immer nur gut gemeint, aber nicht gekonnt sind.

MongrelIm Gegensatz zu Kombos wie The Clash oder Razzia, beide ebenfalls am äußersten linken Rand des politischen Spektrums zu Hause, sind ihre recht unbequemen, zornigen Texte und die jeweils zugehörigen musikalischen Fusionen nicht so schwer verdaulich, wie man vielleicht glauben mag. Die Aktivisten, denn als solche wollen Mongrel in erster Linie gesehen (und vor allem gehört) werden, verstehen es zwar, fauchend und knurrend Alarm zu schlagen, gleichzeitig aber auch zu beschwichtigen und, nicht zuletzt, Hörnerv und Hirn zu stimulieren. Weiterhören, -lesen und -gucken unter www.myspace.com/wearemongrel.

Und wem das jetzt alles zu politisch und anstrengend ist, sollte mit der Bonus-CD gut bedient sein. Diese enthält chillige Dub-Versionen des regulären Albums. Da wird der Straßenköter zum Schoßhund.

Plattenkritik: Hotel Bossa Nova | Mongrel | Naïm Amor

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