Plattenkritik: GRÓA | Otto Benson | Angine de Poitrine
Reverb & Visionen
von Lorina Speder
GRÓA – Drop P
Mit ihrer Platte Drop P haben GRÓA aus Island ein richtiges Statement gesetzt. Das Album aus dem letzten Jahr überzeugt mit knarzendem Bass, kreischenden Gitarren und viel Punk-Attitüde.
Richtig schwer wiegt dabei der Opening Song „birdshit“ – hier dröhnt ein tiefer Basslauf, die Drums legen einen Jungle-Beat vor und der Gesang wirkt säuselig-hypnotisch. Besonders im Half-Time-Part gen Ende lässt das Trio es krachen – Drum-Fills mit viel Blech, die Stimmen der drei Musikerinnen wechseln zwischen Schrei- und Sprechgesang, eine fuzzy Gitarre trägt weiteren Noise hinzu. Dabei wird der Song gefühlt immer langsamer und schleppender, bis der Gitarrenkrach schließlich ausklingt und das Stück endet.
Noch explosiver geht es dann weiter mit „ugh“: Das mit knappen 40 Sekunden in klirrenden orchestralen Klängen angekündigte Gitarrenriff bricht wie ein Vulkan in den Song ein und lässt in fetter Verzerrung die Lautsprecher vibrieren. Das Motiv, das aus zwei Tönen besteht, durchzieht den ganzen Song und schleicht sich auch unter die zurückgenommene Strophe. Hier wiederholt die Sängerin: „I’m in them now, but you can’t see them“ und wird dabei immer ungeduldiger, bevor die brachiale Gitarre wieder dröhnend explodiert. Das verzerrte, wilde Saxofon-Solo, das GRÓA über die letzte Wiederholung des Gitarrenriffs legt, gibt dem Song dann sein Übriges. Hier zeigt sich die Kraft, die Noise, Punk, Alternative und Experimental haben können.
Dass die Frauen in der Band auf dem Album von klaren Songstrukturen absehen, in der Instrumentierung zwar grungig, aber auch experimentell mit Bläsern, Orchesterinstrumenten oder Synthies agieren und ihre Stimmen interessant einsetzen – in „drekk ekki kekki“ hört man die Gesangsstimme teils hoch gepitcht und mit unterschiedlichen Effekten belegt –, macht das Album zu einem starken Wurf.
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Otto Benson – Peanut
Mit Peanut, dem sechsten Album des New Yorker Sound-Engineers und Musikers Otto Benson, begibt man sich auf eine psychedelische Reise. Mit vielen Reverb- und Chorus-Effekten auf den Instrumenten plätschern die Sounds lieblich durch die Lautsprecher, während Benson mit Genres wie instrumentalem Ambient und Singer-Songwriter experimentiert.
Los geht es bei „Mr. Peanut“ mit einer Drum-Machine, die wie eine Ankündigung klingt und nach einem Trommelwirbel verstummt. Es übernimmt eine melodiöse E-Gitarre, die mit hüpfenden Basssounds harmoniert, dazu gesellen sich Synthie-Wolken aus dem Rhodes. Der verspielte und minimalistische Track bleibt instrumental, so wie man es von Bensons Vorgängeralben her kennt. Die träumerische Atmosphäre, die „Mr. Peanut“ kreiert, wird im Song dann aber aufgelöst.
„Red and Neon“ ist hingegen eine Singer-Songwriter-Nummer, auf der zwar auch wabernde und verträumte Sounds die Atmosphäre kreieren – doch eigentlich stehen hier eine Akustikgitarre und Bensons zurückhaltender Gesang im Vordergrund. Die Sounds, auch die der Solo-Gitarre, die den Gesang unisono unterstützt, sind mit viel Reverb versehen worden. Die liebliche Gesangsmelodie wird nur einmal durch ein Gitarrensolo unterbrochen, das die Perfektion des Lieds mit disharmonischen Tönen durchbricht und ein Highlight auf dem Album setzt.
Der nächste Song „Raisin“ fließt direkt über – die Anschläge der Akustikgitarre geben hier wieder den Rhythmus vor, die Rhodes-Sounds fügen eine träumerische Note hinzu und Bensons Stimme hört sich an, als würde er fast vor einem stehen. Auch sphärische Breaks mit Synthie-Clustern kommt vor. Ähnlich wie der Opening Track, gibt es mit „Soy Beans“ aber auch noch eine minimalistische Instrumental-Nummer, auf der Benson die Akustikgitarre zur Seite legt. So oder so klingen seine Songs durch die Effekte wie Tagträume, die sowohl etwas Rätselhaftes als auch Wärme ausstrahlen.
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Angine de Poitrine – Fabienk
Das experimentelle Duo Angine de Poitrine aus Quebec fällt durch seinen knackigen Math-Rock-Sound und seine eigenwilligen Kostüme auf: Beide Mitglieder treten vollständig maskiert und mit Punkten übersäht auf. Nach der EP „Vol. l“ haben die beiden nun „Vol.ll“ mit sechs Stücken veröffentlicht, die im Schnitt sechs Minuten andauern. Der Song „Fabienk” leitet das explosive Werk mit krautigen Passagen, scheppernden Drums und beeindruckenden Gitarren- und Bassgrooves ein. Da das Stück mehrere Motive und Ideen durchläuft, fühlt es sich an, als wären mehrere Werke hintereinander, ja fast wie eine kurze EP, zu hören.
„Fabienk“ beginnt mit einer eigenwilligen Melodie, die sich mit vielen Effekten präsentiert und dann vom Bass und den Drums aufgenommen wird. In einem zweiten Part, der vom geraden 4/4-Takt in ungerade Zählzeiten wechselt, geht es fließender weiter. Die Drums tragen hier den Beat. Die Gitarre, in mehreren Loops übereinandergelegt, kreiert ihre eigenen Melodien zu dem tighten Drum-Pattern.
Ungefähr in der Mitte des Songs kommt es dann zu einem richtigen Bruch: Nach einem dramatischen Crescendo stoppen die Instrumente, der Bass setzt mit einer funky Line ein und hat seinen Solo-Moment. Manchmal hört man bei Angine de Poitrine auch Stimmen, hier erscheinen sie als Worteinwürfe über den Bass und tragen zur Jazz-Funk-Fusion-Craziness bei, die die Band so gut beherrscht und damit an Frank Zappa, Les Claypool oder Don Caballero erinnert.
In feinster Math-Rock-Manier reichern Angine de Poitrine das Bass-Motiv dann weiter durch Loops an – live spielt Mitglied „Khn de Poitrine“ alle Saiteninstrumente auf einer Doppelhals-Gitarre und steuert seine Beiträge per Loop-Pedal. Und am Ende von „Fabienk“ wird es dann noch einmal rockig: Hier klirren die Becken, während der Bass und die vielen Gitarrenspuren unisono spielen. Man kann sich die Live-Energie des Duos schon vorstellen – hier sind zwei Visionäre am Werk!
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