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Gary Clark Jr. – This Land

Einer der bekanntesten Blues-Vertreter aus den USA meldet sich wieder. Mit This Land gibt Gary Clark Jr. seine eigene Auffassung vom Rassismus in Texas wieder, die roh und appellierend klingt. Das Leben im „Trump Country“, wie er es im Songtext nennt, ist für ihn seit Jahren wunderlicher geworden. In Interviews beschreibt er, dass man früher vor dem Unterricht in seiner Schule „This Land Is Your Land“ sang. Rassismus existierte für ihn und seine Mitschüler nicht. Dass er in späteren Jahren immer wieder aufgefordert wurde, nach Afrika zurückzukehren, ohne Grund von der Polizei aus dem Verkehr gezogen wurde oder durch seine Hautfarbe nicht als US-Amerikaner wahrgenommen wurde, all das kommt in den direkten Lyrics des Songs hervor. Doch nicht nur im Text mit dem eingängigen Chorus der Worte „This land is mine“ hört man Clarks Frust – seine Gitarre schreit mit heulenden Gitarrensoli auf und überträgt die Rage, die der Musiker fühlt.

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Mit 17 Songs auf dem Album, hat der Gitarrist und Sänger viel zu erzählen. In dem ruhigeren I got my eyes on you kommt Clarks Trademark, die extrem mit Fuzz verzerrte E-Gitarre zum Einsatz. Die Story über Trennung und Anziehung bekommt in den Strophen dieses Songs durch Synthesizer und Clarks souligem Gesang Züge von R’n’B. Insgesamt experimentiert der Blues-Boy auf seinem dritten Studioalbum mit Genres, die ihn allesamt beeinflusst haben. Seien es Hip-Hop-Beats, ein Reggae-Feeling durch die hintergründigen Gitarrenanschläge in This Land oder dem klassischen Blues, für den Clark bekannt ist. Auf dem letzten Track des Albums Dirty Dishes Blues kehrt Gary Clark Jr. ganz heruntergebrochen mit dominanter Gitarre, Gesang und leiser Rhythmisierung zu den Wurzeln des Blues zurück. Schmerz und Kummer vereinen sich hier – auch wenn Clark in den anderen Genres genauso zuhause ist, der Blues wird ihn nicht verlassen.

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Solange – When I Get Home

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Das neue, vierte Studioalbum von Solange kam ganz überraschend am 1. März ohne Vorankündigung auf den Markt. Die Musikerin und Produzentin bleibt sich auf dem Album treu und bringt ihren Afro-Futurismus ein ganzes Stück nach vorn. Anders als ihre Schwester Beyoncé verfolgte sie noch nie den populären Weg und entwickelt sich in ihrer Musik auf dem neuen Album weiter. Das letzte Album klang nach Soul und Pop. Nun sind die Klänge dichter, flächiger und atmosphärischer geworden. Solange säuselt zwar wie gewohnt über die Synthesizer und Fender-Rhodes-Piano-Soundwolken, doch verabschiedet sie sich vom typischen Popsong-Konzept. Mittels sich wiederholender Gesangspassagen, meistens mit mehreren Stimmen bekräftigt, überbringt sie ihre Message. Schon der erste Song Things I imagined lässt darauf schließen, dass sie ihre Visionen für die Gesellschaft thematisiert. „Ich sah Dinge, die ich mir vorgestellt hatte“, heißt es dort immer wieder. Der Song hat keinen Chorus, keine poppige Struktur und bleibt doch im Kopf. Wie ein Bewusstseinsstrom verläuft das Album genau so weiter. Teilweise fühlt man sich an psychedelischen Free Jazz oder in Way to the Show an die stolpernden Rhythmen und Harmoniewechsel eines Stevie Wonders erinnert. Doch selbst, wenn die Songs einen Dekaden in der Musikgeschichte zurückwerfen, so gibt es immer Elemente in der Musik wie ruckartige Cuts in Down With the Clique, die an neue Produktionstechniken erinnern.

Zwischen vielen Tracks gibt es Interludes als Übergänge, die das Album zusätzlich narrativ unterlegen. Das deutlichste Statement dürfte man in Almeda hören – ein verträumter Song, der nach einer Gegend in Houston, Solanges Heimat, benannt ist. „Black faith still can’t be washed away“ ist eine bestärkende Message und eine Prophezeiung. Diese Art von Visionen dürften sie auch in Dreams wiederaufgenommen haben. „Dreams they come a long way not today“ singt sie darin. Obwohl das nicht ermutigend klingt, ist das Ende aus durchbrochenen Echo-Stimmen, die psychedelisch den Song übernehmen, zuversichtlich. „Got my dreams and my eyes wide“, heißt es dort. Sie träumt noch immer und ist ganz wach dabei, trotz der politischen Situation in den USA oder gerade deshalb.

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Methyl Ethel – Triage

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In Australien ist die Projektband Methyl Ethel längst schon einem größeren Publikum bekannt. Aber in Deutschland warten die Rocker um Jake Webb auf ihren Durchbruch. Obwohl sie seit drei Jahren regelmäßig in Großbritannien und ihrer Heimat ausverkaufte Konzerte spielen, ist ihr Erfolg im Rest von Europa noch nicht angekommen. Das könnte durch Webbs regelmäßige Präsenz in London und Perth kommen. Der Frontmann, der das musikalische Projekt plant und zusammenhält, nimmt Musik in seiner Heimat auf und reist regelmäßig für die Produktion nach London. Für Live Gigs holt sich dort weitere vier Musiker ins Team.

Nun erscheint das dritte Album Triage, das durch einen Mix aus Rock, Psych-Pop und einem Hauch der progressiven Bands der 70er überzeugt. Beim Song All The Elements fühlt man sich schließlich in Peter Gabriels Solo-Songs der 80er zurückversetzt, so schön klimpert der Beat aus Drums und Synthie-Elementen. Jake Webbs Stimme klingt generell androgyn, aber auf diesem Song durch die tiefere Tonlage eher maskulin. Das kann sich auf dem Album aber schnell ändern. Im ersten Track Ruiner kommen die weiblichen Klangfarben seiner Stimme durch. Die Upbeat-Nummer lädt mit 80s-Drums und eingängiger Strophe zum Tanzen ein – das kann man eigentlich für fast alle Tracks des Albums sagen. Neben drolligen Gitarrensoli, Disko-Synthi-Spuren und ein bisschen Dramatik in den Akkordverläufen möchte man, wenn kein Platz zum Tanzen ist, doch wenigstens mit dem Fuß im Takt mitwippen. Richtig Tanzen kann man dann spätestens auf der aktuellen Tour– im Mai kommt die Band nach Hamburg und Köln.

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