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Battles | Three Trapped Tigers | Radiohead

Juli 2016 / Lorina Speder

Battles – La Di Da Di (September 2015, Warp Records)

Auf dem dritten Longplayer „La Di Da Di“ von Battles kehrt das mittlerweile auch schon seit 13 Jahren aktive New Yorker Math-Rock-Trio zu seinen Ursprüngen zurück. Nach den vorherigen Veröffentlichungen „Mirrored“ und „Gloss Drop“, in denen Gesangsexperimente des ehemaligen Mitglieds Tyondai Braxton oder Gastauftritte von Sängern wie Mathias Aguayo oder Kazu Makino von Blonde Redhead den Songs einen poppigen Schliff gaben, besinnen sich die drei Musiker nun wieder auf ihre Instrumente und die Rhythmusspiele zurück, für die sie bekannt sind. Schon der Name der Platte „La Di Da Di“ erklärt die Struktur: Motive werden eingeführt und nur teils wiederholt. Das alles klingt wie die geniale „EP C/B EP“ von 2006, die bereits das Potenzial der Band deutlich machte.

Battles - La Di Da Di

Nun, zehn Jahre später, muss man die Weiterentwicklung anerkennen. Die Rhythmik ist ähnlich verschachtelt, nur finden wir heute weitaus mehr Instrumentenspuren als früher auf dem Album. Diese sind natürlich perfekt aufeinander abgestimmt und balanciert, sodass dem Hörer nie langweilig wird. Dabei wechseln sich die Songs mit verschiedenen Stimmungen ab und gehen von lässigen Beats wie im Track „Megatouch“ zu energiegeladenen Songs mit schnellen Schlagzeugspuren wie der Single-Auskopplung „FF Bada“ über. Der sich immer weiter aufbauende Track ist eines der Highlights des Albums. Jede einzelne Melodie der verschiedenen geloopten Gitarren- und Keyboardspuren ist so catchy und hitverdächtig, dass der Ohrwurm garantiert ist. Battles-typisch ist hierbei, dass die einzelnen Melodiespuren mal in den Vordergrund treten, aber genauso schnell wieder im Hintergrund in einer neuen Idee aufgehen.

Der darauffolgende Song „Summer Simmer“ mag am Anfang stark an eine in uptempo gespielte Weiterentwicklung von „TRAS“, der allerersten EP, erinnern, ist aber besonders aufgrund des langsamen Aufbaus mit immer neuen Elementen eigenständig.

Manchmal bleibt das Schlagzeug wie in „Cacio e Pepe“ aber auch ganz aus. Die atmosphärischen Klänge in dem Song lassen den Hörer aufatmen und sprechen ganz für das Geschmackserlebnis der italienischen Komposition von Käse und Pfeffer, die wir im Titelnamen lesen.

Das ganze Album wird dominiert vom präzisen und in immer ungeahnte Richtungen wandernden Schlagzeug von Drummer John Stanier. Dabei werden Motive aufgegriffen und verworfen, meist überraschend. Dass Stanier „Orchestral Percussion“ studiert hat und die Kompositionen der einzelnen Spuren wohl eher als Ganzes wie ein Orchester versteht, erklärt sein Spiel als Reaktion auf die Motive. Der Höhepunkt der Songs wird oft durch sein extrem hoch platziertes einziges Becken untermalt, wie die selten im Orchester eingesetzten Paarbecken.

„La Di Da Di“ ist ein notwendiger Schritt zurück in Richtung Basics, was in Battles Fall die Besinnung auf die Instrumente heißt. Die vertrackten Melodien machen Spaß und sind ein Muss für jeden Progressiv/Math-Rock-Liebhaber.

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Three Trapped Tigers – Silent Earthling (April 2016, Superball Music)

Das zweite Album der Londoner Noise/Math-Rock Band Three Trapped Tigers wurde am 1.4.2016 veröffentlicht und ist eine tolle Einführung in den Noise/Math-Rock für Musikliebhaber, die sonst eher Rock hören und Synthies nicht abgeneigt sind. Die typischen Mathe-Passagen, in denen das Trio ausbricht und in andere Takte übergeht, sind hörbar getrennt und verwirren deshalb nicht. Auch die Instrumentierung mit den vielen Synthesizer-Spuren neben der Gitarre, dem Klavier und dem mit viel Hall aufgenommenen Schlagzeug legen sich smooth übereinander. Trotzdem klingen die Songs sehr kräftig und treibend, als ob sie auch Stadien ausfüllen könnten. Die dunklen Riffs sind immer etwas härter und haben Power.

Three Trapped Tigers - Silent Earthling

Teilweise, wie in „Strebek“, einem Song, der in der Melodie stets nach oben strebt, erinnern sie klanglich sogar an Peter Gabriel in den besten Zeiten. Bei Three Trapped Tigers werden selten Vocals benutzt. Wenn dies doch passiert, wie zum Beispiel im Song „Kraken“, werden diese aber eher als Instrument wahrgenommen und bieten eine neue Klangfarbe im Aufbau des Lieds. In „Kraken“ markieren sie außerdem den Spannungsaufbau, der der in einen finalen Half-Time Part mündet, bevor das Lied in wenigen Akkorden endet. Derartige Aufbauten erinnern mit Adam Bretts Schlagzeugspiel stark an das Genre Metal.

Auch wenn dem Hörer einige Pausen wie zum Beispiel mit dem langsam aufbauenden „Engrams“ oder in „Hemisphere“ gegönnt sind, ist das Album eher antreibend als beruhigend. Die einzelnen Melodien werden stets zu Beginn vorgestellt, als Motiv entwickelt und immer wieder anders untermalt. Das Anfangsmotiv von „Tekkers“ zieht sich so durch den ganzen Song und präsentiert einige schöne Variationen darüber. Dabei wird immer auf die Dynamik geachtet und das Potenzial von verschiedenen Instrumentierungen deutlich gemacht. Insgesamt ist „Silent Earthling“ rasant und wirbelnd, wobei besonders das kraftvolle Schlagzeug die Richtung der Lieder bestimmt und in ungeahnte Höhen treibt.

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Radiohead – A Moon Shaped Pool (Juni 2016, XL Recordings)

Radiohead beweisen mit ihrem neunten Studioalbum, dass sie noch immer für Überraschungen gut sind und als eine der größten Bands derzeit die Musikwelt auf den Kopf stellen können. „A Moon Shaped Pool“ kam unangekündigt nach fünf Jahren der Stille auf den Markt und ging einher mit der Löschung von sämtlichen Homepage-Inhalten über Nacht. Nach dem Löschen der Internetinhalte wurden Schritt für Schritt die Singles des Albums als Videoprojekt vorgestellt.

„Burn the Witch“, die erste Single-Veröffentlichung strotzt vor interessanten und klangvollen Streicherarrangements, die gegen die ruhige, nie ausbrechende Stimme von Thom Yorke antreten. Fast clusterartig ballen sich die Klänge immer weiter auf, bis sie am Ende in den hohen Tönen ersticken. „A Moon Shaped Pool“ klingt wie eine abstrakte Traumwelt, die Elemente der vorherigen Erscheinungen wie dem genialen „In Rainbows“ aufgreift und diese weiterführt.

Radiohead - A Moon Shaped Pool

Die zweite Single „Daydreaming“ imitiert das Träumerische instrumental und lässt Raum für viele gesangslose Passagen. Kaum erkennbare, tiefe, verzerrte Stimmen fordern den Hörer am Ende auf, wieder ins Bett zu gehen. Thom Yorkes Falsett wird in der Klangwolke fast zum Instrument, so zart lässt er sich auf die Orchesterinstrumente und das Klavier ein. In fast jedem Song existieren Streicherpartien oder Klavierstimmen, die von den Percussion-Instrumenten aufgegriffen werden.

Im Song „Ful Stop“ kommt die Zusammenführung von bandtypischen Instrumenten wie Schlagzeug, Bass und Gitarre mit den neuen Sounds der Orchesterinstrumente und Synthesizern besonders schön durch. Alles in allem ist dies ein Werk, das hypnotisiert und wie eine träumerische Parallelwelt erklingt. Progressiv und modern gedacht, wirkt es trotzdem zeitlos. Wundervoll!

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