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Aoife Nessa Frances – Protector

Für ihr zweites Album hat die irische Musikerin Aoife Nessa Frances Dublin verlassen und ist ins Ländliche gezogen. Umgeben von den Hügeln und dem Meer der Westküste Irlands, fand sie im County Clare die Ruhe, um die Songs für Protector zu schreiben. So erklären sich wohl auch die ruhigen Instrumentalbreaks, die langgezogenen Töne und die „erdende Atmosphäre“ dieses fantastischen Albums, das vor rund zwei Jahren entstand und nun veröffentlicht wurde.

Aoife Nessa Frances Protector

Zusammen mit Brendan Jenkinson, der das Album produzierte und die Tasteninstrumente, den Bass, die Synths und Klarinette beisteuerte, sowie Brendan Doherty am Schlagzeug entstanden Songs, deren Melodien sofort eine gewisse Intimität kreieren. Die Musik ist so fließend und natürlich, dass das Gefühl aufkommt, man wäre mit den Songs schon vertraut, bevor man sie richtig gehört hat.

Bei „Emptiness Follows“ passiert das zum Beispiel durch die Vocals, die so nah an einen heranproduziert sind, als hätte man die Sängerin direkt vor sich stehen. Der verhaltene, aber beschwingte Pop-Song wurde als erste Single des Albums bereits im Mai veröffentlicht und ist mit einem jazzigen Bläsersolo aus langgezogenen Tönen, die sich zu einer regelrechten Welle aufbauen, ein Highlight des Albums.

„This Still Life“ ist mit deutlichem Schlagzeugbeat und einer in Arpeggien spielenden E-Gitarre eine typische Band-Nummer, die durch Synthie und weitere Tasteninstrumente einen klassischen, zeitlosen Touch erhält. Der melodiöse Gesang von Aoife Nessa Frances wurde so platziert, dass die Instrumente über die viereinhalb Minuten des Stücks ihre eigenen Passagen bekommen. Dieser Song ist ein perfekter Einstieg, um das Gefühl von Raum und Besinnung in sich wirken zu lassen, das die Musikerin auf dem gesamten Album so wunderbar vermittelt. Klare Empfehlung!

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June McDoom

Die Musikerin June McDoom hat jamaikanische Wurzeln und zog vor über sechs Jahren nach New York, um Jazz zu studieren. Über die Jahre sammelten sich Lieder an, die neben verträumten Folk- auch Reggae-Einflüsse zeigen. McDoom beschloss, die Musik zusammen mit ihrem Partner Evan Wright zu Hause aufzunehmen, doch so ganz pur funktionierten die Songs nicht. Sie selbst sagt in einem Interview, sie hätten daraufhin mit der Produktion experimentiert und „went crazy“. In der Tat – diese außergewöhnliche Produktion lässt ihre Musik so strahlen, dass eine andere Präsentation nur schwer vorstellbar ist.

June McDoom

Der erste Song „Babe, You Light Me Up“ beginnt langsam mit einer gezupften Akustikgitarre und McDooms souligem Gesang. Nach und nach baut sich das Stück auf. Es kommen Reggae-Bläser hinzu, die einige Passagen ganz verhalten rhythmisieren und zum besonderen Sound beitragen, der als gekonnter Balanceakt zwischen alten Soul-Platten, Dub-Musik und Folk durchgeht.

Auch das Songwriting von McDoom ist interessant, denn sie schrieb die Stücke nicht wie standardisierte Singer/Songwriter-Werke. Man weißt einfach nie, was in McDooms Kompositionen als nächstes passiert. Nach der Hälfte von „Babe, You Light Me Up“ setzt zum Beispiel eine Drum-Machine ein, die das Tempo anzieht und ein gelungenes, stimmiges Encore des Songs einleitet. Hier ist McDooms Gesang im Vordergrund und Electro-Effekte bauen eine belebtere Stimmung als zuvor auf.

In jedem Stück hört man Details, die zur Besonderheit der EP beitragen. In „On My Way“ wirken die Gitarrentöne leicht verstimmt, was die Musik wärmer und gemütlicher klingen lässt. McDoom’s Stimme säuselt über Sphären von Sounds, die sich Schicht um Schicht aufbauen und zu einer warmen Wolke werden. Der Gesang ist mehrstimmig, langgezogen und mit Echo und Hall belegt. Kurze Dub-Effekte mischen das verträumte Lied auf – die Musik und Produktion von McDoom sind schlicht einzigartig.

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Björk – Fossora

Ende September erschien Björks neues Album Fossora. Wie bei den Vorgänger-Alben der isländischen Musikerin ist die aktuelle Platte ein Abbild ihres Lebensgefühls. Während der Pandemie ging sie zurück nach Island und verarbeitete mit den neuen Songs den Tod ihrer Mutter. Viele Texte sind direkt an sie gerichtet beziehungsweise ihr gewidmet. Auch die eigene Rolle als Mutter wird durch das Mitwirken ihres Sohns Sindri und ihrer Tochter Ìsadóra zum Thema. Das Album klingt – wie für Björk üblich – recht eigen, mal modern choral, mal vibrierend bassig.

Bjoerk Fassora

Das hört man zum Beispiel auf dem ersten Song „Atopos“, bei dem ein Bassklarinetten-Sextett die mal dissonanten, mal hüpfende Komposition spielt und die Lautsprecher vibrieren lässt. Zusammen mit dem krachenden Beat des indonesischen DJs Kasimyn und Björks abgehakten Sprechgesang klingt die Singleauskopplung wie eine Neuerfindung des Technos.

Choral wird es auf „Mycelia“. Der Song gehört zu den instrumentalen Werken des Albums. Hier experimentiert Björk mit Vocal-Loops, die durch ihre Aneinanderreihung und Produktion wie ein eigenes Instrument klingen. Der Titel deutet übrigens auf pilzartige Strukturen hin. Interessant wird es auch bei den Stücken, in denen beides zusammenkommt – das Chorale und die Bassklarinetten. So vermischt Björk in „Sorrowful Soil“ kirchliche Gesangsmelodien mit den bassigen Akzenten der Klarinetten und gibt dem Vortrag dadurch Tiefe.

Wie von dieser Musikerin nicht anders zu erwarten, spielt sie hinsichtlich der Songstrukturen und Kompositionen in ihrer eigenen Liga. Sie erschafft mit dem Album eine Wunderwelt, die durch ungewöhnliche Klänge und liebliche Melodien, wie dem Hinzufügen von Glocken und einem Orchester in „Ancestress“, bezaubert und inspiriert.

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Kircher HiFi

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