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HiFi-Lexikon: Akustischer Kurzschluss

Der akustische Kurzschluss ist dafür verantwortlich, dass Lautsprecher Gehäuse benötigen: Schwingt nämlich die Membran eines Lautsprechers nach vorn, wird vorderseitig die Luft verdichtet (höherer Druck), während sie lautsprecherrückseitig „dünner“ (geringerer Druck) wird. Die Druckzustände vor und hinter dem Lautsprecher sind also genau entgegengesetzt: Es herrscht eine Phasendifferenz von 180 Grad (siehe auch Interferenz). Die Luft findet in einem solchen Rahmen – gerade bei tieffrequenten Schwingungen – also ausreichend Zeit, druckausgleichend zwischen Vorder- und Rückseite hin und her zu strömen. Die gegenläufigen Wellen eliminieren sich, der gewünschte Grad an Schallabstrahlung kommt entsprechend nicht zustande.

Um Lautsprechervorderseite und -rückseite akustisch zu isolieren, ist eine einfache offene Schallwand (eine Platte, in der die einzelnen Lautsprecher eingebaut sind) theoretisch ausreichend. Allerdings müsste deren Rand, um Auslöschungen effektiv zu vermeiden, einen Abstand zur Membranmitte der eingebauten Lautsprecher aufweisen, der ¼ der Wellenlänge der Frequenz beträgt, die noch deutlich abgestrahlt werden soll. Bei 80 Hz wäre beispielsweise über 1m Abstand zum Rand erforderlich. Die Schallwand hätte entsprechend über 2m große Gesamtausmaße.

Letzteres ist der Grund, warum (meistens) Gehäuse verwendet werden: Sie vermeiden, dass druckausgleichend Luft zwischen Lautsprechervorderseite und -rückseite strömen kann, ohne dass gleich überdimensionale Größenordnungen im Lautsprecherbau notwendig werden (siehe Bassreflexlautsprecher, Transmission-Line-Lautsprecher).


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