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fairaudio: Firmenbericht Ocellia (4)

Inhaltsverzeichnis

  1. 4 fairaudio: Firmenbericht Ocellia (4)

PHY-Chef Salabert

Man kann nicht über Ocellia schreiben, ohne PHY zu erwähnen – und damit auch den einzelgängerischen Chef des Hauses, Herrn Bernard Salabert. Er ist die Essenz des französischen Charakters. Denken Sie an selbstgebrannten Pastit, an selbstgedrehte, schwarze Zigaretten und einen reifen Roquefort; und an Verschwörungstheorien, die sich um die Vertreibung des wirkungsgradstarken Lautsprechers ranken: Ein durchtriebenes Audio-Kartell, welches den MidFi-Markt und sein Bedürfnis nach kleinen Lautsprechern gnadenlos befriedigt, arbeitet nämlich genau hieran!

Ob es nun einen Masterplan gibt oder alles vielmehr eine normale „De-volution“ ist – das Ergebnis ist unbestreitbar. Salabert betrieb einen HiFi-Laden in Montpellier. Das war vor dreißig Jahren. Er war dabei, als Hiraga, Piel, Mahul und Co. den französischen HighEnd-Audioansatz anstießen – und als dann später doch alles anders wurde … Er war bereit, Supravox zu kaufen, sollte der Besitzer eines Tages in Rente gehen. Aber er verpasste die Gelegenheit und eine andere Gruppe übernahm den Laden … Er wusste, welche Firma die Schwingspulen der ursprünglichen Supravox-Modelle herstellte; er sah, wie Supravox und Lowther etwas die Übersicht verloren. Salaberts Mission war die Wiederbelebung des hocheffizienten Breitbandchassis. Dessen übrig gebliebene Befürworter hatten die wichtigsten Dinge mittlerweile vergessen. Sachen, an die er sich gut erinnern konnte oder die sich zumindest durch persönliche Beziehungen recherchieren ließen …

Seine Membranen werden von den gleichen Leuten hergestellt, die seinerzeit die original Audax, Supravox und Triangle-Chassis bestückt haben. Seine Sicken sind aus erstklassigem, talkimprägniertem Latex. Der 16-Ohm-Motor besteht ausschließlich aus Alnico 5. Er spult die zugehörigen Schwingspulen auf seiner eigenen Maschine. Hierfür verwendet er 0,125 mm starkes Silber, welches von 15 Mikron „starker“ Seide ummantelt wird. Die fertigen Chassis dürfen maximal 1 Hz von der Resonanzfrequenz abweichen und höchstens um 0,1 Gramm bei der bewegten Masse …

PHY-Chassis

Er hat sich einen schalltoten Raum angeschafft, da es ihm sinnvoll erscheint, seine Treiber bis runter auf 40 Hz zu messen.

Schalltoter Raum von PHY

Und er hat diese berüchtigte Wand gebaut, eine leicht konkave, unendliche Schallwand, die aus achtzehn Tonnen trägen Materials besteht. An diese schraubt er die Chassis mittels einer massiven Messingplatte. So ist es ihm möglich, die „rohen“ Treiber zu hören – ohne Verfärbungen durch das Lautsprechergehäuse.

Salaberts schwerer Raum

Um die Nutzlosigkeit einer solchen Masse hinsichtlich der akustischen Dämpfung zu unterstreichen, spielt er ein Stück französischen Gesangs vor (ohne Basskompression bei der Aufnahme). Die Wände dieses riesigen, sandbefüllten Bunkers fangen an, zu vibrieren. Merde!

PHY-Chassis

Als Supravox schließlich ein aus eigener Produktion stammendes, sehr altes Treiber-Modell ausgrub und dieses mit den gegenwärtigen verglich, rief man Salabert an und bat ihn, die Schwingspulen herzustellen. Für den richtigen Preis würde er ihre Spulen spulen, bot er ihnen an – allerdings in Kupfer, nicht in Silber. Die Silberspulen sind ausschließlich für die PHY-Modelle vorgesehen. Und sie werden auf einem Träger aus Velin angebracht – nicht auf Kapton.

PHY-Chassis: Details Schwingspule

„Ich habe überhaupt nichts erfunden – ich habe nur nichts vergessen. Ich bin zurück zu den Wurzeln gegangen. Ich habe eine Kunst wiedererweckt, die in der Gefahr stand, auszusterben.“ Salabert wird zur Zeit von lediglich vier kleineren Lautsprecherherstellern unterstützt: Von Audition 23 aus Deutschland, Musical Affairs aus Holland, Ocellia aus Frankreich und schließlich Tonian Labs aus den USA.

PHY-Chassis

Salabert behauptet, dass die Entdeckung von Micro Discharge Interface (MDI)-Verzerrungen der einzige echte Fortschritt in den letzten vierzig Jahren der HiFi-Geschichte gewesen sei. Und diese Entdeckung wurde auch nicht in den „normalen HiFi-Zirkeln“ gemacht, sondern in einem vom französischen Staat finanzierten Projekt. Vereinfachend gesagt, geht es bei MDI um extrem steile und hohe Amplituden, um Ultraschallspitzen, welche im Audiobereich ähnlich wie Intermodulationsverzerrungen wirken sollen. Was hinzukommt ist, dass MDI Langevin-Ionen produziert, welche die Luft verändern und der Ausbreitung von Schallwellen entgegensteht. „Ob sie es nun wussten oder nicht: Die alten Japaner mit ihren Zimmerspringbrunnen neutralisierten einigen Nebenwirkungen des MDI-Effektes ganz instinktiv.“ Heutzutage bewirkt ein negativer Ionen-Generator ähnliches.

PHY-Bauteile

Salabert weist auf synthetisches Material hin – als dem Hauptverantwortlichen für MDI-Emissionen. Er selbst vertraut ausschließlich auf natürliches Material – so versucht er, den MDI-Effekt zu minimieren. Die Elektronik, die er persönlich verwendet, ist holzummantelt und die Kondensatoren werden wo überall möglich „ausgezogen“. Bei seinen PHY-Kabeln favorisiert er Silberleiter, Baumwolle und seine eigenen, versilberten Stecker – übrigens die besten auf der Welt, wie er behauptet, nur leider wisse das niemand …

PHY-Verbindungen

Vor diesem Hintergrund ist es sehr eigentümlich, dass Ocellia die einzige „PHY-nahe“ Firma ist, die Salaberts MDI-Konzept zur Gänze anerkennt. Überall, wo Elektronen sich bewegen, kommt es auch zur MDI-Emission. Deshalb produziert Ocellia selbst eigene Anti-MDI Elektronik und Kabel (und im nächsten Jahr dann auch einen röhrenbestückten Player). Es nützt nichts, nur bei den Lautsprechern MDI vermeiden zu wollen und den Rest der Kette zu vergessen …

Firmenbericht Ocellia Firmenbericht Ocellia Firmenbericht Ocellia Firmenbericht Ocellia Firmenbericht Ocellia Firmenbericht Ocellia Firmenbericht Ocellia Firmenbericht Ocellia

Man müsse synthetische Stoffe – wo immer möglich – vermeiden, um MDI-Verzerrungen aus dem Weg zu gehen, wird mir gesagt. Das ist auch der Grund, warum PHY-Verbindungen von Ocellia verwendet werden. Verwendung findet ebenfalls ein Papier-Dielektrikum – und nicht Teflon. Aus dem gleichen Grund sind die Ocellia-Kabel auch in Papier „gekleidet“. Die Terminals ihrer Verstärker sind zur Aufnahme blanken Drahtes vorgesehen – einer Verbindungsart, der sie ganz klar den Vorzug geben …

PHY-Firmensitz

Es ist so, als würden die anderen PHY-Anhänger die „rohen“ Chassis akzeptieren, aber das Gesamtkonzept, welches diesem Design zugrunde liegt, dabei vergessen. Insofern ist Ocellia einzigartig, sie setzten Salaberts Entwicklungsphilosophie vollständig ins Werk – es ist ein kompletter Anti-MDI-Entwurf.

Schöne Gegend

Ocellias Wandler sind auch die einzigen, die gegen „Salaberts Wand“ angetreten sind – um den Klangbeitrag des Gehäuses vom Klang des „nackten Chassis“ zu trennen und so das (fast unendliche) Prototyping zielgerichteter vornehmen zu können. Wird der rückwärtige Anteil des Schalls zur Beschallung genutzt, statt durch dämpfendes Material absorbiert zu werden, so gewinnt der Wandler cirka zwei bis zweieinhalb dB an Pegel. Resümierend sagt Salabert: „Als Samuel seinen Lautsprecher perfektioniert hatte, war es unmöglich, wieder zur Wand zurückzukehren und einfach die Musik zu genießen – freilich habe ich sie auch als Werkzeug gebaut und nicht zum Vergnügen!“

Firmenbericht: Ocellia

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