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Norddeutsche HiFi-Tage

fairaudio: Firmenbericht Ocellia (2)

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Firmenbericht Ocellia: PHY-Produktion

Die oben schon zitierte Ausgabe der Haute Fidelite beschreibt auch, wie Herr Salabert von PHY einen Hörraum der üppig dimensionieren Sorte konstruierte: Insgesamt wurden 144 Tonnen Material (davon allein 16 Tonnen Sand für das Dach …) verbaut, um so dem Ideal der akustischen Neutralität möglichst nahe zu kommen. Als er dann mit einem 8-Zöller experimentierte – ihn also in eine 16-Tonnen-Wand einbaute, die ihm als „offene Schallwand“ dient -, musste er feststellen, dass der Boden zu vibrieren anfing! Und das schon bei einer normalen Abhörlautstärke. Dieses Erlebnis gab seiner Ansicht, dass eine hohe Masse gut zur akustischen Dämpfung sei, einen empfindlichen Knick. Und führte schließlich zu der Überzeugung, dass bewusst eingesetzte Gehäuseresonanzen den Klang weder töten noch glanzlos machen, ihn weder verschmieren noch aufdicken müssen. Anstatt: „Das Signal, nicht die Box!“, sollte es vielleicht richtiger heißen: „Tötet das Signal nicht durch die Box!“ Ich denke, dies ist eine recht interessante Geschichte, sie ist es wert, erzählt zu werden. Freilich bin ich etwas spät dran, sogar „The Absolute Sound“ hat schon vor fünf Jahren der Ocellia Tilia einen Golden Ear-Award verliehen …

Als „Gizmo“ starb, hinterließ er ein ziemlich großes Paar Schuhe – nicht jedem passen sie. In der US-Presse war es die Crew um das Magazin „Listener“, die den Faden wieder aufnahm. Art Dudley – der heute bei Stereophile arbeitet – trägt Gizmos Alnico-Glaubensbekenntnis weiter: Wenn er sich nicht gerade mit „normaleren“ Dingen beschäftigt, dann gibt es von ihm immer mal wieder farbenfrohe Variationen zum Thema „röhrenbetriebene Hochwirkungsgrad-Breitbänder“. Eine Sache, die auch Harvey Rosenberg verfolgt hätte.

Neuer Absatz. Es ist wichtig, alles mit der richtigen Einleitung zu versehen. In jeder guten Story gibt es einen überlegt gewählten „Fluchtpunkt“: Hierfür muss vieles ausgeschlossen werden, denn die Konzentration auf den roten Faden der Geschichte ist wichtiger. Nichts sollte hiervon ablenken. Werde vertraut mit den handelnden Charakteren. Wenn man es richtig angeht, dann beginnst du so wie sie zu fühlen und zu denken: Ja, du wirst dich um sie kümmern müssen! Für einen Augenblick denkt man, es seien die wichtigsten Leute auf dieser Welt.

Und genauso verhält es sich mit enthusiastischen Audio-Besprechungen. Besonders dann, wenn Du im Besitz von etwas sehr seltenem und besonderem bist. Freilich sollte man sich aber immer dessen bewusst bleiben, dass das Ganze nur ein Kapitel eines ziemlich langen Buchs ist … Es gibt viele „richtige“ Wege in der Audiowelt, die es wert sind, gegangen zu werden.

Firmenbericht Ocellia: Modell CeliaAlso: Lasst uns in Richtung Picpoult/Panjas steuern, nach Süd-Frankreich, nahe der Grenze zu Spanien. Es ist ein bisschen so, als würde ich heimlich nach Paris fahren, um der Freundin den richtigen Ring auszusuchen. Nur mit dem Unterschied, dass ich dies Land aufsuche, um das richtige Lautsprechermodell für einen Testbericht herauszupicken. Auch Sie können Ihre eigene Recherchen zu PHY und ähnlich gelagerte Themen unternehmen: Die offene Schallwand und verwandte Konzepte, dünnwandige Lautsprechergehäuse, Alnico-Motoren, Hochimpedanz-Chassis, Coax, hoher Wirkungsgrad und die Renaissance der direktbeheizten Triode. Die Pioniertage der High Fidelity – und die Frage was bis heute denn passiert ist. Die Frage, ob wir einen Fortschritt gemacht oder uns ziemlich verfahren haben. Das Ziel dieser Reise ist zunächst einmal uninteressant – das Unterwegssein selbst ist das Wichtige. Es erweitert unseren Horizont und zeigt so möglicherweise auf, wohin wir noch gehen werden können … Chancen und Möglichkeiten zeichnen sich ab und das ist doch immer etwas Gutes.

Als ich noch in Taos/New Mexiko lebte, brachte mich meine persönliche „Lautsprecherreise“ zu den Leuten von Zu Audio – ziemliche Newcomer in der Wandler-Szene. Die jungen Eigentümer von Zu Audio sind besessen von „Retro-Werten“ wie Papiermembran und Breitbändern, hohem Wirkungsgrad und noch anderen Zutaten. Zutaten aus Rezepten vergangener Jahre des Lautsprecherbaus – die aber nicht vergessen werden sollten. Seitdem habe ich auch über einige Lautsprecher der österreichischen Firma WLM Testberichte verfasst (und auch einige Modelle erworben). Konzeptionell sind sie Zu Audio recht ähnlich – aber in der konkreten Ausführung unterscheiden sie sich dann doch deutlich. Und zur Zeit erforsche ich die Rethm Saadhana, ein Lautsprecher mit einem Lowther-Chassis. Breitbänder haben eine besondere Magie und ich gebe zu, ich bin dem Zauber etwas verfallen …

Das heißt nun nicht, dass solche Lautsprecher alle gleich klängen. Beileibe nicht. Von Zu bis Eminence, über Fostex zu Lowther, PHY und Supravox – es gibt viele verschiedene Geschmäcker und entsprechend ebenso viele Ausführungen. Und diese dünnwandigen Lautsprechergehäuse sind – zumindest für mich – noch relativ neu. Wenn Breitbänder etwas Esoterisches haben – Breitbänder in hochresonierenden Gehäusen sind der völlige Underground. Ganz, ganz altmodischer Stoff. Aber wieder zu haben, hergestellt unter modernen Produktionsbedingungen. Es ist also an der Zeit, wieder die Schulbank zu drücken und den Bleistift zu spitzen … Es gibt noch so Einiges zu lernen, bevor man diese HiFi-Geschichte begräbt.

Bevor ich es Samuel Furon selbst erklären lasse – lasst uns das „Lautsprecher-als-Musikinstrument“-Modell von einem, nun, „konzeptionellen Winkel“ her betrachten. Jede vernünftige Person wird das Argument, dass das letzte Glied in der Signalkette möglichst unverfärbt wiedergeben und dem Musiksignal nichts „Externes“ hinzufügen sollte, ziemlich überzeugend finden. Es ist sozusagen das „Verstärkendes-Stück-Draht“-Verstärkerkonzept, nur übertragen auf den Lautsprecher. Lasst es uns das „Neutralitätsgebot“ nennen. Für den Audiophilen mit einigen Erfahrungen in Sachen Resonanzkontrolle ist es kein Geheimnis, dass hohe Steifigkeit in Kombination mit hoher Masse ein sehr effektiver Weg ist, Vibrationen weiterzuleiten. Man muss nur an Eisenbahnschienen denken, die einen Morsecode weiterleiten; oder an einen Felsboden, der die anstürmende Kavallerie ankündigt; an Stahlträger, die den U-Bahnverkehr in den fünfzehnten Stock eines Gebäudes (leider) übertragen. Denken Sie an einen Bass, der durch ihre Füße pulsiert – nur weil ein Lautsprecher auf einem Betonboden angekoppelt wurde.

Um die rückseitig abgestrahlte Energie eines Lautsprechers tatsächlich völlig auszulöschen, müsste das Innere seines Gehäuses ähnlich dem eines schalltoten Raumes konstruiert worden sein. 100% absorbierendes Material wäre nötig – wie bei einer idealen Transmissonline. Das Problem ist aber, dass Musik in einem überdämpften Raum ziemlich „tot“ klingt. Und ein schalltoter Raum ist nun mal der ultimativ überdämpfe Raum. Es ist die rechte Umgebung für Messungen – aber nicht, um Musik zu machen und zu hören. Bleibt man zu lange in einem schalltoten Raum, kann man sogar krank werden …

Wenn ein Lautsprechergehäuse von annehmbarer Größe und bezahlbarem Aufwand also sowieso immer resoniert – wieso dann nicht diese natürliche Tendenz bewusst ausnutzen und sie in die gewünschte Richtung lenken? Statt (vergeblich) zu versuchen, die Resonanzen vollständig zu eliminieren (und dann mit dem – trotz allem – vorhandenen „Eigenleben des Gehäuses“ zu hadern) – denkt doch lieber an „Verstärkung“.

Was wir unter dieser Perspektive dann brauchen, ist ein Gehäuse, welches „sehr schnell“ ist. Es sollte sich wie ein perfektes Dielektrikum verhalten – mit minimaler „dielektrischer Absorption“. Sonst wird es unweigerlich zu Verzerrungen und „Aufblähungen“ tendieren. Es ist offensichtlich, dass so ein Gehäuse nicht mit einem Computerprogramm im Voraus genau berechnet werden kann. Es bedarf eines unendlichen „Prototypings“ und der Bereitschaft, einiges an Brennholz zu produzieren … Eine solche Arbeit hat viele Ähnlichkeiten mit der des Instrumentenbaus – insbesondere mit der eines Gitarren- oder Geigenbauers. Um nicht als Verzerrung wahrgenommen zu werden, muss das Gehäuse „linear schwingen“. Es darf nicht einmal „voll“ und ein anderes Mal „hohl“ tönen. Es sollte wie ein erstklassiges Parfüm wirken: sehr, sehr subtil, aber fehlt es, vermisst man es unheimlich. Es muss die Person, die es trägt, „unterstreichen“ – und nicht von ihr ablenken. Das ist eine ziemlich hohe Anforderung …

Auch die Firma Bösendorfer hat diesen Weg eingeschlagen. Deren Lautsprechermodelle verwenden eine Art Resonanzboden-Technologie, ein Nebenprodukt ihrer (sehr berühmten) Klaviere. Die Shun Mook Resonatoren weisen in eine ähnliche Richtung. Vielleicht gibt es noch ein paar andere Firmen und Personen, die diesen Weg eingeschlagen haben. Aber ich denke, es ist richtig zu sagen, dass dies eine ziemlich „vergessene“ Kunst ist – wenn sie denn überhaupt je richtig entwickelt war. Im Zeitalter der Massenproduktion, wo vollautomatisierte CNC-Maschinen entsprechende MDF-Stücke „ausspucken“ – da ist die manuelle Konstruktion solcher Tonmöbel eigentlich purer Atavismus …

Wer würde sich denn allein schon die Zeit nehmen, derer es bedarf, um das richtige Rezept für ein solches Lautsprechergehäuse zu finden? Musiker vielleicht, mit einem Hang zur Tischlerei …? Es könnte gut der Typ Mensch sein, der sich auf die Herstellung von Gitarren spezialisiert hat, nachdem es ihm leider nicht gelang, Konzertsäle zu füllen. Oder vielleicht gefiel ihm das ständige Leben unterwegs nicht; oder das dauernde sich Herumärgern mit den Konzertveranstaltern und den Musiklabels. Immer zu später Stunde in Clubs spielen?

Firmenbericht OcelliaWenn eine solche Person dann noch Einiges an handwerklichem Geschick mitbringt, könnte sie sich schnell zu einem Lautsprecherhersteller entwickeln, der seine Produkte als Musikinstrumente betrachtet. Wir werden es noch herausfinden, ob so etwas auch bei Samuel Furon der Fall ist. Wie auch immer, das Konzept des resonierenden Lautsprechergehäuses ist gar nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Einige Lautsprecherhersteller geben mittlerweile ganz offen zu, dass weniger (oder gar kein) Dämmmaterial im Gehäuse oft besser klingt, als wenn solches säckeweise hineingestopft wird. Was aber passiert, wenn jemand offen bekennt, dass er dem Gehäuse die Freiheit einräumen will, das zu tun, was es sowieso tun wird? Diese Tendenz also nicht auf Biegen und Brechen bekämpfen, sondern sie vielmehr in einer überlegten Art und Weise lenken möchte? Harvey Rosenberg glaubte daran, dass Ocellia in dieser Richtung etwas Einmaliges und sehr Überzeugendes zu sagen habe. Und das, obwohl er gar nicht mehr die Chance hatte, ihr neues Calliope Grandis-Modell zu hören. Lasst uns in seine Fußstapfen treten, bringen wir die Sache up to date: Herbst 2007.

Der französische Landstrich Gers ist das Herkunftsgebiet des „Armagnac“ (hier soll auch der berühmte Musketeer „d’Artagnan“ beheimatet gewesen sein). Und tatsächlich betrieb auch die Familie Samuel Furons seit Generationen das Armagnac-Destilleriegeschäft. Die Firma Ocellia residiert in den gleichen Gebäuden, in denen vormals Traube und Destillierkolben das 45%-Elixier erschufen … Hier ist Samuel groß geworden und hat über Jahrzehnte das Geschäft geleitet – bis er schließlich seien Kindheitstraum vom „HiFi-Hersteller“ verwirklichte und das Alkoholbusiness an den Nagel hängte. Sacre Bleu!

Firmenbericht Ocellia: Die geistige Grundlage ...

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