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Diffus und HiFi – passt das zusammen?

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Diffus und HiFi – passt das zusammen?

Nun habe ich ausführlich auf den Reflektionen herumgehackt, dabei sind sie gleichzeitig zwingend nötig: Ein Raum ganz ohne Reflektionen ist als Hörort ebenfalls komplett ungeeignet – und er verwirrt: Als ich das erste Mal im „schalltoten“ Messraum der Mikrofonhersteller Sennheiser und Neumann stand, ist mir schwindelig geworden, weil die gewohnten Reflektionen komplett ausgeblieben sind. Auch eine Lautsprecherwiedergabe benötigt unbedingt Raumreflektionen, nur eben nicht solche mit negativen Eigenschaften. Erreichen uns Reflektionen beispielsweise erst, nachdem sie über Boden, Decke, erneut den Boden, eine Seiten- und die Rückwand gelaufen sind, werden sie – wie oben beschrieben – von uns nicht mehr als originäres Musiksignal analysiert, sondern als Teil des Diffusschalls wahrgenommen. Sind sie lange unterwegs und verlieren dabei an den Reflektionsflächen dennoch nur wenig Energie, wird der Hall recht lang.

Diffusion

Reflektionen können von manchen Materialien oder Formen besonders gut in verschiedene Richtungen diffundiert werden, dadurch verlieren die einzelnen Reflektionen an Energie und sind nicht mehr so stark gebündelt. Man kann Diffusoren als Akustikelemente berechnen und herstellen, doch in vielen Hörräumen erfolgt eine ausreichende Verteilung des eintreffenden Schalls in verschiedene Richtungen schon durch die Oberflächenmaterialien und vor allem die Möblierung. Ein üblicher Ort für zusätzliche Diffusion ist die den Lautsprechern gegenüberliegende Wand, also die Wand hinter dem Hörer, um Schallrückwürfe nicht weitestgehend zu verhindern/absorbieren, sondern zu verteilen. Unter den Diffusoren sind die sogenannten QRD beliebt, weil sie sich gut berechnen lassen und vertikal wie horizontal diffundieren. Zudem sehen sie durch ihre wie zufällig wirkende Struktur höchst interessant aus – ja fast schon künstlerisch!

Hallo Echo? Hallo HiFi!

Als angenehm empfunden wird ein möglichst homogener, gleichmäßig abebbender Diffusschall. Die Nachhallzeit (von den Akustikern wird meist die „RT60“ benutzt, nach dieser Zeitspanne beträgt der Schalldruck noch ein Promille des ursprünglichen Wertes) sollte in Regieräumen und Hörzimmern möglichst zwischen 200 Millisekunden und einer halben Sekunde liegen, im Bassbereich eventuell ein wenig darüber. In privaten Wohn-/Hörzimmern werden diese Werte eher selten erreicht, können aber dennoch quasi als Benchmark dienen.

Als simples, aber nicht ungeeignetes Stück zum Anregen des Nachhalls hilft ein Stück Musikgeschichte, für das sie die Anlage sogar einmal ausgeschaltet lassen können: „Backe, backe Kuchen“ in der häufig zitierten Instrumentalversion. Das Händeklatschen generiert einen genügend breitbandigen Impuls, achten Sie vor allem auf herausstechende Rückwürfe, vor allem aber Flatter– und Resonanzgeräusche. Deren Herkunft lässt sich oft durch unser Ortungssystem herausfinden, die schuldigen Flächen findet man meistens über Kopf – denn dort sind vor allem in Räumen mit Altbauhöhe Möbelstücke nur noch selten anzutreffen. Logisch erscheint, dass der Einfluss des Raumes abnimmt, je näher die Hörposition an den Lautsprechern ist: Der Anteil des Direktschalls ist dann schließlich größer. Wie bereits dargestellt, ist es aber nicht unbedingt das Ziel, den Raumanteil radikal zu unterdrücken!

Akustik: Grundlagen der Raumakustik

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