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Clearaudio, Aura HiFi mit Avid auf dem 30. Analogforum – Messerundgang fairaudio

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Clearaudio, Aura HiFi mit Avid auf dem 30. Analogforum - Messerundgang fairaudio

Messerundgang: 30. Analogforum in Krefeld, Teil 3

Als einer der wenigen großen Plattenspielerhersteller war Clearaudio in Krefeld vertreten. Man hatte der Versuchung widerstanden und nicht das ganz große Besteck mitgebracht, sondern führte den kleinsten Tangetialtonarm, den TT5 zu 2.200 Euro, auf einem Performance Wood DC vor (im Komplettpaket mit Tangentialarm, Swingbase und Tonabnehmer: 6.330 Euro).

Performance Wood DC mit Tangentialtonarm
Performance Wood DC mit Tangentialtonarm

Mit Icon Audios integrierter Röhre Stereo 60 MkIII (4.500 Euro) und an Ascendos kleinen Standlautsprechern C6 (3.400 Euro/Paar, siehe Test) keine Spur mehr von der häufig übertriebenen Analytik vergangener Zeiten, dafür stand ganz entspanntes Musikhören auf dem Programm.

Nun wurde es langsam Zeit, sich im Saal „Ausdauer“ einzufinden, wo der Veranstalter die Mehrzahl der geplanten Workshops angesiedelt hatte. Wally Malewicz ist beinahe schon eine Institution auf den Analogforen, denn seit vielen Jahren reist der in den USA lebende Experte für Tonabnehmerjustage nach Krefeld, um die Fallstricke rund um die Einstellung der winzigen Diamanten zu erläutern und natürlich zu demonstrieren, wie es besser geht.

Wally Malewicz hält einen Workshop zur Tonabnehmerjustage
Wally Malewicz hält einen Workshop zur Tonabnehmerjustage

Auch dieses Jahr wurde sein Workshop wieder gut besucht. Wer Englisch konnte, war dabei klar im Vorteil, denn Mr. Malewicz pflegt seine Vorträge in Englisch abzuhalten. Für Interessierte gibt es Workshops mit Wally Malewicz auf Youtube. Auch die anderen Vorträge, unter anderem mit Themen wie Schallausbreitung und ihre psychoakustische Perzeption, Einmessung von Bandmaschinen oder Vergleiche verschiedener Pressungen, fanden ihre Besucher und sind seit Langem ein nicht unwesentlicher Bestandteil eines jeden Analogforums.

Der Weg zu den größeren Konferenzsälen des Hotels führte mich auch durch das sogenannte „Händlerdorf“, wo es reichlich Zubehör für die analoge Sache zu bestaunen gab. Doch die meisten Besucher lockte natürlich das Angebot der vielen Schallplattenhändler und deren Auswahl an neuen und gebrauchten Scheiben. Die quantitative Präsenz der Händler war meinem Bauchgefühl nach noch nie so massiv wie in diesem Jahr. Ein gutes Omen für den anhaltenden Trend zum analogen Musikhören.

Jörg Seiffert von Aura HiFi war guter Dinge
Jörg Seiffert von Aura HiFi war guter Dinge

Genau wie die Tatsache, dass der Essener HiFi-Spezialist Aura HiFi den gar nicht so kleinen Saal „Kreativität“ bis zum letzten Platz füllen konnte. Allerdings gab es auch wirklich Interessantes zu sehen und zu hören.

Conrad Mas von Avid
Conrad Mas von Avid

Conrad Mas, Chef beim englischen Laufwerkshersteller Avid hatte sich extra nach Krefeld-Traar begeben, um unter identischen Bedingungen zu demonstrieren, was man erwarten darf, wenn man sich vom günstigen Avid Divall SP zu 4.000 Euro über das Sequel SP für 7.900 Euro zum Spitzenlaufwerk Acutus hocharbeitet, das mit 14.500 Euro schon ein sattes Loch im Budget hinterlässt. Die mächtigen Hornlautsprecher Mezzo stammten von Avantgarde (38.000 Euro/Paar) und die Verstärkung von Chord. Die Phonovorverstärkung besorgte Avids eigene Elektronik. Wer bislang annahm, dass der Tonabnehmer den wesentlichen Part der Performance zu verantworten hätte, sah sich angesichts der doch recht deutlichen Unterschiede beim Aufstieg in der Avid-Hierarchie eines Besseren belehrt. Nicht umsonst lautete das Thema der von Conrad Mas souverän moderierten Demo: „good, better, best“.

Avid Acutus
Avid Acutus

Dachte man, mit dem großen Laufwerk Acutus sei nun der klangliche Gipfel bei Avid endgültig erreicht, setzte im Raum das große Staunen ein, als Mr. Mas zum Schluss die Stromversorgungseinheit seines Spitzenlaufwerks gegen eine spezielle, zugegeben gigantisch größere Power-Supply ersetzte. Vorsicht, wer jetzt mit der Börse zuckt, das Riesending schlägt mit 30.000 Euro (!) zu Buche.

Laufwerke von Sperling Audio
Laufwerke von Sperling Audio

Über die Laufwerke von Sperling Audio habe ich bereits zu anderen Gelegenheiten berichten können. Leider hatten sie sich bislang auf den Analogforen häufig mangels adäquater Schallwandler unter Wert verkaufen müssen. Diesmal gelang es mit den gar nicht so teuren Valvet-Verstärkern von Knut Cornils an Silberstatics Top-Elektrostaten Nr. 8 großformatige, breitbandig homogene Klangbilder mit exzellenter Durchzeichnung in den Raum zu projizieren. Gehört wurde mit den Masselaufwerken L-2 und L-3 (26.180 Euro bzw. 15.700 Euro). Wer in der komfortablen Lage ist, unter den besten noch bezahlbaren Laufwerken des Landes seine Wahl treffen zu können, sollte die „Sperlinge“ unbedingt in die engere Wahl ziehen. Punkt.

TAD-Elektronik und -Lautsprecher, Well-Tempered-Plattenspieler mit Decca-SystemTAD-Elektronik und -Lautsprecher, Well-Tempered-Plattenspieler mit Decca-System

Moving-Iron-Systeme von Decca haben Kultstatus. Das Top System Reference zählen einige meiner schreibenden Kollegen gar zu den besten der Welt. Logisch, dass ich sehr gespannt war, das AEC Decca London Professional (1.025 Euro) auf einem nicht weniger kultigen Well Tempered Lab Amadeus MkII mit Kupferzarge hören zu dürfen. Über die extrem hochwertige und sündhaft teure Kette von TAD inklusive des Schallwandlers Reference Compact Monitor für 40.000 Euro pro Paar wollte allerdings der Funke nicht so recht überspringen. Auch wenn sich die Kette formal keinen Schnitzer zu erlauben schien, wirkte die Musik seltsam blutleer und wenig involvierend. Den interessanten Well Tempered Recordplayer und das quietschgelbe Decca würde ich aber zu gerne noch einmal unter anderen Bedingungen spielen hören.

Das Reed-Laufwerk spielte dynamisch auf
Das Reed-Laufwerk spielte dynamisch auf

Bei Andrejs Staltmanis und Ultraudio war es dafür schlichtweg nicht möglich, sich dem „involviert werden“ zu entziehen. Laufwerk Reed Muse 3c und Tonarm Reed 3P sahen nicht nur beeindruckend aus, sondern schienen auch sämtliche in den Tiefen der Rille verstecken Dynamikreserven mobilisieren zu wollen. Der mir bis dato unbekannte Röhrenvollverstärker Legat von Retro Sound Audio Laboratory, welcher es mit vier Endröhren des Typs GU-50 im Gegentakt auf respektable 2 x 100 Watt brachte, durfte seine ohne jede Frage vorhandenen Bärenkräfte an den Standlautsprechern Reflector Audio Touch F10 austoben.

Reflector Audio

Lautsprecher, die mit einem an Selbstbauprojekte der 1990er Jahre erinnernden Design zumindest für geteilte Meinungen sorgen dürften und pro Paar 7.500 Euro kosten sollen. Intern verfügen die in Litauen gebauten Schallwandler über hochwertige Bauteile, unter anderem von Mundorf und Cardas. Man gab mir zu verstehen, dass die angegebene Empfindlichkeit von 93 dB immer und bei allen Frequenzen gewährleistet sei, woran ich nicht eine Sekunde gezweifelt hätte, angesichts eines extrem gitarrenlastigen Hardcore-Spektakels, dass eine möglicherweise ebenfalls litauische Progrockcombo in diesem Moment zu veranstalten schien.

Martina Schoener und ihr Transcription-Reference-Laufwerk
Martina Schoener und ihr Transcription-Reference-Laufwerk

Auf der anderen Seite des Lichthofes ging es wieder deutlich ruhiger zu, was zum einen an dem eher gemäßigten Musikmaterial lag, welches im Raum von L’Art du Son, Loricraft Audio (www.garrard.de) und Joachim Gerhards Suesskind Audio gespielt wurde, zum anderen an den Erläuterungen Martina Schoeners zum Thema Plattenspieler, die sich kaum einer der Anwesenden entgehen lassen wollte. Die modular aufgebaut wirkende Lautsprecherkonstruktion namens L’Art du Son No 5 machte zwar einen optisch eher halbfertigen Eindruck, kam aber akustisch unmittelbar auf den Punkt.

Optisch eigenwillig, aber akustisch auf den Punkt spielend: ein Lautsprecherprojekt von Joachim Gerhard
Optisch eigenwillig, aber akustisch auf den Punkt spielend:
L’Art du Son No 5

Und zwar genau an den Punkt, an dem sich Musikreproduktion jeder Kritik entzieht und auch ein Berichterstatter eigentlich nur noch zuhören möchte. Besonders da als Quelle das inzwischen fast legendäre Laufwerk L’art du Son Transcription Reference von Martina Schoener diente. Übrigens, die eingesetzte Phonostufe war eine Entwicklung Gerhards und soll demnächst in verschiedenen Ausbaustufen zu recht fairen Preisen erhältlich sein.

Leider hatte ich das Souterrain noch nicht besucht und ich musste daher wieder einmal viel zu schnell weiterziehen. Allerdings nicht, ohne zuvor die auf dem Flur installierte Ausstellung zum Thema 25 Jahre AAA und 30. Analogforum gewürdigt und dem Raum der AAA einen kurzen Besuch abgestattet zu haben. Auch hier wurde Musik gehört, und zwar die zum 30. Analogforum produzierte Jubiläumsplatte der AAA, die es standesgemäß auch als Tonband zu erwerben gab. Jazzstandards mit Greetje Kauffeld – über die Qualität der Platte braucht man sich keine Gedanken zu machen, an der Schneidemaschine saß kein Geringerer als Gunter Pauler von Stockfisch-Records.

Jubiläumsplatte der AAA

Endlich im ersten Raum des Souterrain angekommen, durfte gestaunt werden. Hier spielten weder das Clearaudio-Laufwerk noch die, zugegebenermaßen recht beeindruckenden, Piega Master Line Source 2 zum Paarpreis von wenig bescheidenden 65.000 Euro die Hauptrolle, sondern der Raum selbst.

Rechts im Bild: Piega Master Line Source 2
Rechts im Bild: Piega Master Line Source 2

Das Team von Audiophile Architektur hatte zu Demozwecken einiges aufgefahren, womit sich Hörräume akustisch optimieren lassen. Die Akustikprofis haben nicht nur private oder kommerzielle Hörräume im Visier, auch der Probenraum der Berliner Philharmoniker wurde von ihnen bereits klanglich aufgewertet. Eine gute Gelegenheit, mal wieder auf den oft unterschätzten Klangeinfluss des Raumes hinzuweisen. Verbesserungen lassen sich oft bereits mit wenig Aufwand realisieren und müssen keineswegs das Wohnumfeld optisch beeinträchtigen. Richtig schicke Absorber hat Audiophile Architektur bereits ab 600 Euro im Programm.

Zum Schluss gab es doch noch mal „Plattenspieler satt“, denn im weitläufigen Raum „Klarheit“ stand nicht nur ein Pärchen Live Act LAS 115, welches die Location prima im Griff hatte, sondern auch Entwickler Rainer Horstmann vom AVDesignhaus an seinem Laufwerk Dereneville Modulaire MkII, diesmal bestückt mit zwei Tonarmen, einem Dynavector 507MkII und dem vollautomatischen Tangentialtonarm Dereneville DTT-01-S.

Rainer Horstmann und sein Plattenspieler Dereneville
Rainer Horstmann und sein Plattenspieler Dereneville

Horstmann wollte mit dem Klassiker „Fields of Gold“ der tragisch früh verstorbenen Eva Cassidy demonstrieren, wie sich die Performance seines Armes von der des gemeinhin als erstklassig eingestuften Dynavector unterscheidet. Als sich mit dem DTT-01-S der Raum vor einem extrem ruhigen Hintergrund weit zu öffnen begann, während Emotionalität und Ausdruck von Cassidys Stimme eine schwer zu beschreibende Steigerung erfuhren, ging ein erstauntes Raunen durch das Auditorium. Am Ende des Songs spendeten einige der Anwesenden stehend Applaus. Selten auf Vorführungen, aber angemessen. Nicht nur wegen der anrührenden Musik, sondern auch angesichts der enormen Entwicklungsarbeit, die Rainer Horstmann und zwei befreundete Elektronikexperten für den Tangentialtonarm mit seiner lasergesteuerter Führung in Echtzeit und weiteren, bislang nicht für realisierbar gehaltenen Features geleistet haben.

Lasergesteuerter Tangentialtonarm
Lasergesteuerter Tangentialtonarm

Natürlich fragte ich den Entwickler nach dem Preis des DTT-01-S, der womöglich auch auf meinem Raven AC genügend Platz hätte. Unter 40.000 Euro entgegnete er mir freundlich lächelnd, während ich beschloss zu versuchen, die Glücklichen, die sich solch einen Arm leisten können und wollen, künftig nicht all zu sehr zu beneiden.

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Messebericht: Analogforum 2016

  1. 3 Clearaudio, Aura HiFi mit Avid auf dem 30. Analogforum - Messerundgang fairaudio

Über den Autor

Equipment

Analoge Quellen: Laufwerk: TW-Acustic Raven AC Tonarm: Analog Tools, Pyon Sound Iris SE Tonabnehmer: Dynavector XV-1S, Steinmusic Aventurin6, Lyra Titan i, Denon DL 103R Sonstiges: Plattentellermatten von Dereneville und Steinmusic

Digitale Quellen: D/A-Wandler: Abbingdon Music Research DP-777 CD-Player: Ensemble Dirondo (Laufwerk) Musikserver: Innuos Zenith Mk.II

Vollverstärker: Devialet D-Premier

Vorstufen: Hochpegel: Accustic Arts Tube Preamp II Mk.2 Phonoverstärker: Einstein The Turntables Choice

Endstufen: Dartzeel NHB-108 (Stereo), Tenor Audio 75 Wi (Monos)

Lautsprecher: Acapella La Campanella, Clockwork Event Horizon

Kabel: Lautsprecherkabel: Analog Tools Reference Serie NF-Kabel: Analog Tools Reference Serie Netzkabel: Steinmusic Highline Netzleiste: Nordost QRT QB4 und QB8 Sonstiges: Analog-Tools-Phonokabel (Reference Serie)

Zubehör: Stromfilter: Trenntrafos von Steinmusic und Moll-Audio, Furutech-Steckdose Sonstiges: AHP-Klangmodule, Steinmusic Harmonizer

Sonstiges: Racks von Copulare und Audio Lignum, Basen von Symposium Acoustics und Acapella

Größe des Hörraumes: Grundfläche: 23,4 m² Höhe: 2,64 m

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