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Messebericht NDHT 2018 – Fortsetzung

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Messebericht NDHT 2018 - Fortsetzung

Seit Jahren sind Blumenhofer Acoustics (www.blumenhofer-acoustics.com) aus Walkertshofen und Einstein Audio (www.einstein-audio.de) aus Bochum ein eingeschworenes Team auf den Norddeutschen HiFi-Tagen. Zuletzt haben die Laufwerke von TechDas aus Japan mit enormer Stabilität und unbestechlichem Timing den Boden für überdurchschnittliche Klangerlebnisse hoch oben im 16. Stock des Holiday Inn bereitet.

einstein-blumenhofer

Einiges hat sich geändert, denn nun ist es am originären Einstein-Laufwerk (um 8.000 Euro) zusammen mit Einsteins The Pickup (4.400 Euro) unter der Headshell des neuen, „kleinen“ Einstein-Tonarms (unter 3.000 Euro) für den notwendigen Drive zu sorgen. Blumenhofers Zweiwegelautsprecher Bookshelf 17 (ab 3.000 Euro) ist sicher keine schwierige Last für Einsteins Integrierten. Der enorme Durchzug, die Souveränität, mit der hier vor allem Blues und Rockmusik zelebriert werden, erinnern tatsächlich an die TechDas-Zeiten. Was für sich genommen eine kleine Sensation darstellt, gehören diese Laufwerke doch nach Meinung vieler mit zum Besten, was der Markt zu bieten hat.

Der für Elac tätige Lautsprecherdesigner Andrew Jones hat wieder zugeschlagen und für den Kieler Hersteller die Andante-Serie kreiert. Als Regalbox sicher etwas zu groß geraten, verfügt der Monitor AS 61 über interessante „innere Werte“. So findet sich ein innen liegender 16-cm-Basstreiber, der die außen sichtbare 20-cm-Passivmembran antreibt. Alle Konustreiber bestehen aus Aluminium. Mittel- und Hochtonbereich werden von einem Koaxialtreiber verantwortet. Die untere Grenzfrequenz liegt bei 41 Hz, der Preis pro Stück bei 1.499 Euro.

elac-as61

Und noch mal Elac: Nach dem erfolgreichen Debüt des Plattenspielers Miracord 90 (siehe Test) wurde im letzten Jahr die abgespeckte Version Miracord 70 auf den Markt gebracht.

Elac Miracord 70

Elac Miracord 70

Doch was heißt hier abgespeckt? Der Miracord 70 sieht mit hochglänzenden schwarzen Oberflächen und einer Zargeneinfassung aus gebürstetem Aluminium nämlich enorm gut aus. Das Laufwerk ist dabei auch noch richtig schwer und superb verarbeitet. Sein Aluminium-Tonarm wirkt auf mich sogar stabiler als der des großen Bruders und hat serienmäßig ein MM-System montiert. Alles zusammen lässt sich für 1.199 Euro erwerben.

Dass Innuos (www.innuos.com) hervorragende und bezahlbare Musikserver im Portfolio hat, ist spätestens seit unserem Test des Zenith Mk.II bekannt. Dennoch stellt sich die Frage, warum das in einer inzwischen nahezu ausverkauften Sonderserie gebaute Spitzenmodell Zenith SE Mk.II STD (5.699 Euro) mehr als doppelt soviel kostet wie der bisherige Top-Musikserver Zenith Mk.II (2.699 Euro). Sicher, andere Standfüße, ein verbessertes Netzteil und zwei statt einem TB Platz auf der SSD treiben die Kosten, doch was tut sich klanglich?

Im Holiday Inn kann man nun ganz in Ruhe beide Geräte an zwei aktiven Kii Three gegeneinander hören und vergleichen. Für mich die Überraschung: Es gibt keinen Verlierer. Der Zenith SE Mk.II STD ist das highendigere Gerät, bietet im Bass und Hochtonbereich mehr Energie und Auflösung. Mit ihm fällt es auch leichter, die Qualität einer Aufnahme sicher zu beurteilen. Der Zenith Mk.II STD hingegen darf für seinen Preis von 2.699 Euro (inkl. SSD mit 1 TB Kapazität, mit 2 TB 3.499 Euro) geradezu als „Bargain“ gelten, denn mit ausgesprochen farbstarken Mitten und einer Gangart, die vergleichsweise etwas mehr „laid back“ erscheint, ist genussvolles Musikhören jederzeit angesagt. Beide verfügen über dasselbe, fast intuitive Bedienkonzept und zeigen sich im Alltag absolut zuverlässig.

Beim für Elektrostaten bekannten Hersteller Sombetzki (www.sombetzki-elektrostaten.de) tut sich ja bereits seit einiger Zeit etwas in Sachen Röhrenelektronik. Nach den Röhrenmonos S509 (6.400 Euro) und dem passiven Preamp S Pre (2.200 Euro) folgt nun der aktive Röhrenvorverstärker S Pre aktiv.

sombetzki

Das Gerät bietet vier Hochpegel-Lineeingänge und zwei Paar unsymmetrische Ausgangsbuchsen. Trotz kompakter Bauweise finden in dem Preamp vier Röhren Platz. Die Konstruktion aus massiven, hochwertig verarbeiteten Aluplatten hinterlässt einen ausgesprochen guten Qualitätseindruck. Wozu passt, dass es im Inneren nicht wärmer als 38 °C werden soll. Der Preis von 3.200 Euro scheint kundenfreundlich kalkuliert.

KEFs (http://de.kef.com/) Dauerbrenner LS50 ist auch als Aktivlautsprecher mit der Möglichkeit des Wireless-Betriebs ein Erfolgsmodell (siehe Test). Klanglich wird zwar nicht unbedingt höchstes High-End-Niveau erreicht, doch es fasziniert zu hören, wie sich aus den Zwergen immerhin Frequenzen bis hinab zu 42 Hz herauskitzeln lassen. Mit an Bord ist ein DAC, der eine Signalverarbeitung mit einer Auflösung von bis zu 24 Bit/192 kHz ermöglicht, dazu die Steuerung mittels DSP und ein Streaming-Vorverstärker. Die LS50 aktiv sind bereits für Spotify und Tidal vorbereitet und Roon-ready. Sogar an einen analogen Eingang hat man in Steyning gedacht, womit sich allerdings die Einsatzmöglichkeiten noch lange nicht erschöpfen.

kef-ls50-aktiv

In Zusammenarbeit mit dem renommierten Designstudio Marcel Wanders wurde jetzt die limitierte Sonderserie „Nocturne“ aufgelegt. Ein wenig erinnern mich die coolen Kistchen in dieser Version an die Sternenkreuzer von Star Wars, vor allem, wenn sie im Dunkeln fluoreszierend zu leuchten beginnen. Der Preis für die Normalversion beträgt 2.299 Euro pro Paar, als „Nocturne“ 2.649 Euro.

Aufgepasst Analogfreunde, Technics (www.technics.com) scheint es nun richtig ernst zu meinen und das neue Top-Laufwerk Technics SP-10R und den baugleichen Plattenspieler SL-1000R demnächst ausliefern zu wollen. Mit dem allerbestens verarbeiteten Direkttriebler verweist Technics auf die eigene Markenhistorie, denn das legendäre Laufwerk SP-10 ist bis heute bei Audiophilen wie auch professionellen DJs sehr beliebt.

Technics SL-1000R

Der hier ausgestellte SL-1000R läuft an einer Midprice-Anlage, was eine wirklich ernsthafte Beschäftigung mit ihm nur bedingt möglich macht. Doch dankenswerterweise hat Technics dem Tonarm des SL-1000R das SteinMusic Aventurin 6 unter die Headshell geschraubt, ein MC-System, das ich gut kenne, denn schließlich spiele ich diesen Abtaster seit Jahren auf meinem Raven AC. Es fällt sofort auf, mit welcher Ruhe und Souveränität hier die Rillen abgetastet werden. Das klingt schwer nach Masselaufwerk, und tatsächlich wiegt der nicht übermäßig große SL-1000R gute 50 kg. Auflösung und Details sind ebenfalls da, und auch die für manche unerwartet forsche Dynamikentfaltung des Mülheimer Tonabnehmers wird vom Technics-Laufwerk nicht eingebremst. Womit sich Technics neuer Top-Plattenspieler klanglich ziemlich weit oben einsortieren lassen dürfte, was allerdings auch für die kolportierten möglichen Preise von knapp 20.000 Euro für einen SL-1000R und etwa 10.000 Euro für das nackte Laufwerk SP-10R gilt.

Björn Kraayvanger von Len-HiFi (www.lenhifi.de) hat sein Versprechen wahr gemacht und das polnische Spitzenlaufwerk J. Sikora Reference Turntable mit nach Hamburg gebracht. Leider nur zum Ansehen – aber immerhin.

sikora Plattenspieler

Das Laufwerk bringt gut und gerne 110 kg auf die Waage und nutzt das Drehmoment von gleich vier zentral gesteuerten Papst-DC-Antriebsmotoren, was man ja auch nicht alle Tage sieht. Zu bekommen ist Janusz Sikoras Reference Turntable ab 23.990 Euro.

Bester Klang empfängt mich beim Home-Ableger des Schweizer Studioausstatters Merging Technologies (www.merging.com). Der Merging+NADAC (Network Attached Digital to Analogue Converter, ab 9.950 Euro) spielt über eine Vor-End-Kombi von Mola Mola (Preamp Makua, Class-D-Monos Kaluga) an den Lautsprechern Vivid Audio Giya 4. Die dem DAC verabreichten Highres-Dateien stammen vom Label The Spirit of Turtle, dessen Inhaber, der niederländische Toningenieur Bert van der Wolf, persönlich anwesend ist. Gehört wird überwiegend klassische Musik, was beeindruckend ist, denn mitzuerleben, wie man ein Symphonieorchester in ein normales Hotelzimmer hineinbekommt und einen derartig realistischen Klangeindruck erzielt, war mir allein schon die Anreise in den Norden der Republik wert.

merging-vivid

Doch nicht nur die Raumabbildung gelingt allerbestens, auch die dynamischen Fähigkeiten dieser Kette geraten im Zusammenspiel mit den hochaudiophilen Aufnahmen von Bert van der Wolf zum Erlebnis. Ich vermute, dass diese Giyas hier zumindest im tonalen Untergeschoss teilaktiv spielen, denn anders kann ich mir die abgrundtiefen Bässe nicht erklären – und frage danach. Nein, spielt alles passiv, gibt der Toningenieur lächelnd zur Antwort …

Ein wenig später sitze ich unter den Zuhörern im Raum von Ingo Hansen und Phonosophie (www.phonosophie.de). Intuitiv erwarte ich, dass mir jemand einen Halbedelstein in die Tasche steckt und nachfragt, ob es jetzt besser klinge. Passiert aber nicht. Stattdessen gibt Cliff Baier, Digitalspezialist und Entwickler, Infos aus erster Hand zu Phonosophies Musikserver PAS-1 (ab 2.500 Euro).

phonosophie server

Von Lothar Kerestedjian, Inhaber von Highresaudio (www.highresaudio.com) ist zu erfahren, dass man demnächst ein Streaming-Abo für echtes, natives High-Res-Audio anbieten wird. Die Kosten des Streamingdienstes, für den der Phonosphie-Musikserver bereits vorbereitet ist, sollen monatliche 16,66 Euro betragen, allerdings muss ein Jahresabo erworben werden. Der Start soll im März erfolgen.

Cliff Baier (links) und Lothar Kerestdjian

Cliff Baier (links) und Lothar Kerestedjian

Die folgenden Musikbeispiele klingen über die von Phonosophie getunten Canton Reference 3K (5.200 Euro in Serienausführung, Tuningkosten nicht bekannt) tatsächlich wie „live“. Doch die Vorführung kann auch nach „normalen“ HiFi-Kriterien punkten. So sind Tiefenstaffelung und Raumabbildung herausragend. Eine grandiose Dynamikentfaltung und die ungemein lebensechte Stimmreproduktion sorgen dafür, dass dieser Klang im Ohr bleibt. Eine Performance übrigens, wie sie vielen der ultrateuren Superboxen an ebenso teuren Verstärkerbatterien häufig versagt bleibt. Auch dafür hat sich der Weg nach Hamburg gelohnt. Unbedingt.

Web: http://www.hifitage.de/

Messebericht: Norddeutsche HiFi-Tage 2018

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Über den Autor

Equipment

Analoge Quellen: Laufwerk: TW-Acustic Raven AC Tonarm: Analog Tools, Pyon Sound Iris SE Tonabnehmer: Dynavector XV-1S, Steinmusic Aventurin6, Lyra Titan i, Denon DL 103R Sonstiges: Plattentellermatten von Dereneville und Steinmusic

Digitale Quellen: D/A-Wandler: Abbingdon Music Research DP-777 CD-Player: Ensemble Dirondo (Laufwerk) Musikserver: Innuos Zenith Mk.II

Vollverstärker: Devialet D-Premier

Vorstufen: Hochpegel: Accustic Arts Tube Preamp II Mk.2 Phonoverstärker: Einstein The Turntables Choice

Endstufen: Dartzeel NHB-108 (Stereo), Tenor Audio 75 Wi (Monos)

Lautsprecher: Acapella La Campanella, Clockwork Event Horizon

Kabel: Lautsprecherkabel: Analog Tools Reference Serie NF-Kabel: Analog Tools Reference Serie Netzkabel: Steinmusic Highline Netzleiste: Nordost QRT QB4 und QB8 Sonstiges: Analog-Tools-Phonokabel (Reference Serie)

Zubehör: Stromfilter: Trenntrafos von Steinmusic und Moll-Audio, Furutech-Steckdose Sonstiges: AHP-Klangmodule, Steinmusic Harmonizer

Sonstiges: Racks von Copulare und Audio Lignum, Basen von Symposium Acoustics und Acapella

Größe des Hörraumes: Grundfläche: 23,4 m² Höhe: 2,64 m

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