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Digital-HiFi & Streaming-Audio auf der High End 2023

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Digital-HiFi & Streaming-Audio auf der High End 2023

mit Michael Bruß

Kennst du eine, kennst du alle? Nicht wirklich. Die Münchner High End zeigt sich jedes Jahr irgendwie anders – vor allem atmosphärisch. Nach dem fast schon enthusiastischen Post-Corona-Neustart anno 2022 hatte ich in diesem Jahr das Gefühl, dass alles ein wenig ernster, fokussierter und Business-orientierter ablief. Die am häufigsten gestellte Frage war: „Was denkst du, wie sich die Szene entwickelt hat und weiter entwickeln wird – in welche Richtung geht’s?“ Dahinter steckt vielleicht reine Neugierde, vielleicht aber auch etwas Unsicherheit. Kein Wunder also, dass auch die Hersteller im per se up to date sein müssenden Digitalsektor bei ihren Neuheiten eher auf die Verfeinerung existierender Konzepte denn auf allzu mutige Innovationen setzen.

Netzwerkplayer JBL MP350

JBL setzte auf der High End 2023 ein Ausrufezeichen, nahmen sie die Messe doch zum Anlass, ihre neue Elektronik-Linie vorzustellen

Dafür steht sicherlich auch die Verbreiterung des Programms bei Herstellern, die man im Allgemeinen nicht unbedingt mit Einsen und Nullen assoziiert, wie die Lautsprecherspezialisten von JBL (https://de.jbl.com/premium-audio/). Die bringen jetzt nämlich eine ganze Elektronik-Linie einschließlich Streamingplayer und CD-Player, die auf der High End ihre Europa-Premiere feierte und ab Juni 2023 ausgeliefert werden soll. Ganz nebenbei haben die Amerikaner damit eine der für meinen Geschmack attraktivsten aktuellen Elektroniklinien geschaffen. Die Designer haben den Geräten ein minimalistisches Design mit wertigen Metall-Frontplatten und handschmeichlerischen Holzwangen an den Seiten verpasst. Das sieht teuer aus – ist es aber nicht. Also, relativ betrachtet.

Streamingplayer JBL MP350 (unten) und der CD-Spieler JBL CD350

Streamingplayer JBL MP350 (unten) und der CD-Spieler JBL CD350

Mit einem anvisierten Verkaufspreis von 999 Euro für den Streamingplayer JBL MP350 und 899 Euro für den CD-Spieler JBL CD350 bewegen sich die Preise in einem humanen Bereich. Die Ausstattung der Geräte ist dabei durchaus konkurrenzfähig, wenn auch nicht umfassend. Der CD-Player besitzt analoge und digitale Ausgänge sowie eine USB-Schnittstelle für entsprechende Festplatten – und der MP350-Streamer kann sich über Wi-Fi oder Ethernet mit einem Heimnetzwerk verbinden und Musik direkt via Spotify Connect und Tidal Connect sowie eine Vielzahl zusätzlicher Musikdienste über Google Chromecast oder Apple Airplay wiedergeben. Mehr als konkurrenzfähig empfand ich den Klang der Kette an den JBL-L100-Lautsprechern: knackig, präzise, klar, dynamisch beeindruckend, energetisch mitreißend – sehr schön.

Auch im Atrium 4.2, im Raum von Wattson Audio (https://en.wattson.audio/), Enleum, XYZ und Apertura, klang’s hervorragend und das für nicht unbedingt abgehobene Preise. Die Digitalneuheit hier war der Streamer/DAC Wattson Madison in der exklusiven Lounge Edition, der als Prototyp den Ton in der Vorführung angab und gegen Anfang des vierten Quartals 2023 an die Kunden gehen soll, so ein sichtlich stolzer Guy Cheval von Wattson Audio. Auch hier geht es um die Verfeinerung einer bestens beleumundeten Lösung.

Guy Cheval von Wattson präsentiert den Madison Lounge Edition von Wattson Audio

Guy Cheval von Wattson Audio präsentiert den Madison Lounge Edition

Der „normale“ Madison-DAC ist ja schon seit gut einem halben Jahr Roon Ready, was sind also die Neuerungen und Verbesserungen? Nun, da wäre erst einmal ein etwas abgeändertes, klareres Design der Frontplatte, die nun ohne reliefartige Wülste auskommt und stattdessen eine Reihe von bernsteinfarbenen LEDs zur Anzeige der Lautstärke neben dem Drehregler aufweist. Das CNC-gefräste Aluminiumgehäuse bleibt in seinen Maßen jedoch dasselbe, das Finish heißt „White Sand“, man könnte auch sagen: silberfarben. Und dann steht die Madison Lounge-Edition aus Gründen der besseren Stabilität jetzt auf vier schwingungsdämpfenden Aluminiumfüßen.

Streaming-DAC Wattson Madison Lounge Edition

Streaming-DAC Wattson Madison Lounge Edition

Aber das allein würde den Aufpreis von fast 50 % zum Standard-Madison wohl nicht rechtfertigen. Die 4.890 Euro, die man für die Lounge Edition anlegen muss, resultieren vor allem aus einer neuen Topologie der Ausgangsstufen, der globalem Optimierung des Schaltplans, der Anpassung der internen Spannungsregler sowie einer robusteren Spannungsversorgung. Zudem will Wattson Audio noch exklusivere und hochwertigere Komponenten im analogen Bereich eingesetzt und die HF-Filterung verbessert haben. Die Madison Lounge Edition kann wie die Standard-Version auch als Vorverstärker mit „Lossless LEEDH Processing“ fungieren.

Marcin Hamerla, Gründer und Chefentwickler (links) und Chris Moshrif, Business Development von Ferrum Audio

Marcin Hamerla, Gründer und Chefentwickler (links) und Chris Moshrif, Business Development von Ferrum Audio

Beste Stimmung herrschte am Stand der polnischen Firma HEM, die mit der Marke Ferrum Audio (https://ferrum.audio/) eine kompakte Linie an Verstärkern, Netzteilen- und Filtern sowie eben auch Digitalgerätschaften eingeführt hat. Ganz neu ist der sinnigerweise „Wandla“ getaufte D/A-Wandler und Vorverstärker, der als Flaggschiff der Marke fungiert.

HEM-Gründer Marcin Hamerla kann sich den Stolz auf sein Wortspiel nicht ganz verkneifen, schwärmt aber vor allem von den Fähigkeiten des kleinen Geräts. Ferrum betont die nativen DSD/DXD-Fähigkeiten des Wandla (bis DSD256), sowie die clevere Nutzung der vorhandenen Hardware: „Wir haben unsere proprietäre ARM-basierte Plattform SERCE umgestaltet, sodass sie die Arbeit von fünf normalen Chips mit minimalen Signalwegen erledigen kann, und den ESS Sabre ES9038PRO DAC-Chip mit unserem neuen Strom-Spannungs-Wandler deutlich verbessert – er operiert in diesem Umfeld an seinem Maximum“, sagt Marcin. Zudem bietet der Wandla-Wandler standardmäßig drei ESS-Digitalfilter und zwei eigene Filter. Dazu kommen zwei speziell für Ferrum Audio vom renommierten Filterhersteller HQ Player entwickelte Filter. Ganz besonders sei eine – so verstehe ich es – „soziale Komponente“ bei der Filternutzung: Mit Dynamic Digital Filtering (DDF) gebe man den Wandla-Usern die Möglichkeit, über ihre Lieblingsfilter abzustimmen. Diese Daten verwende man dann dazu, die beliebtesten Filter zu ermitteln und durch neue zu ersetzen. So erlange man auf der Basis echter User-Erfahrungen ein besseres Verständnis dafür, was Filter mit dem Klang machen. Interessant!

Blick ins Innere des Ferrum Wandla

Blick ins Innere des Ferrum Wandla

Intern verarbeite man die Signale vollsymmetrisch – ein XLR-Ausgang steht zur Verfügung – und symmetriere eingehende RCA-Analogsignale. Eingangsseitig stehen digital alle Türen offen, von S/PDIF optisch und koaxial über AES/EBU und USB-C bis hin zu I2S. Per USB-C und I2S sind Formate bis zu 768 kHz und 32 Bit möglich. Wer noch mehr aus dem Ferrum Wandla rauskitzeln möchte, kann das Netzteil Hypsos über die proprietäre Ferrum-Power-Link-Verbindung (FPL) anschließen.

Der Wandla kann auch als Vorverstärker mit IR-Fernbedienung dienen. Dazu hat Ferrum Audio zwei digital gesteuerte Pegelsteller für die analoge oder digitale Lautstärkeregelung eingebaut. Der Ferrum Audio Wandla wird ab Juni 2023 für 2.795 Euro zu haben sein.

Bei den Portugiesen von Innuos (https://innuos.com/) feiert der Pulsar Europapremiere. Bei ihm handelt es sich um einen reinen Netzwerk-Streamer, der die Pulse-Linie nach oben hin abrundet, zu der als weitere Mitglieder Pulse und PulseMini zählen. Er kann, so Innuos-Co-Gründer und Entwicklungsleiter Nuno Vitorino, im Trickle-Down-Prinzip auf die geballte Erfahrung aus der Entwicklung des großen Statement-Streamers zurückgreifen – verzichtet allerdings auf die Server-Funktion des Top-Modells.

Nuno Vitorino, Co-Founder und Entwicklungsleiter bei Innuos, präsentierte die Streamingbridge Pulsar

Nuno Vitorino, Co-Founder und Entwicklungsleiter bei Innuos, präsentierte in München unter anderem die Streamingbridge Pulsar

In Sachen Look und Verarbeitung steht er dem Statement allerdings in kaum etwas nach: Sein glasperlengestrahltes Gehäuse besteht aus Aluminium und kann silber oder schwarz eloxiert bestellt werden. Hübsch! Richtig interessant wird es dann unter der Haube. Der Pulsar besitzt ein nach Innuos-Spezifikationen gefertigtes ARC6-Stromversorgungsmodul mit aktiver Gleichrichtung, Mundorf-Kondensatoren mit über 130.000 µF, eine große Spule und einen 300-VA-Ringkerntransformator mit einem epoxidgefüllten Kern, der Vibrationen dämpfen soll, sowie einer magnetischen Abschirmung mit einem beschichteten SYN-SHIELD-Kupferband zwischen den Wicklungen – und dann sei das Ganze noch mit schwarzem Mylar-Tape umwickelt worden. Sehr praktisch ist zudem, dass der Innuos Pulsar bereits einen kompletten PhoenixUSB-Lite-Reclocker (den externen Reclocker hatten wir im Test) integriert hat, der hier von einem speziell angefertigten CX-Regulatormodul mit Strom versorgt werde, so Nuno.

Der Pulsar besitzt zwar eine SSD, die beinhaltet allerdings nur das Innuos-Betriebssystem, das ebenfalls erneuert wurde. Es ermögliche nun ein komplettes Library-Management und beinhalte die native Integration des HighresAudio-Streamingdienstes. Sehr konsequent: Die SSD ist nun ein Single-Level-Cell-Modul, das im Gegensatz zu den üblichen Triple-Level-Cell-Modulen eine bessere Haltbarkeit gewährleisten soll. Die SSD wird wie der Re-Clocker und das Mainboard aufwendig von einem unabhängigen CX-Regulatormodul mit Strom versorgt.

Innuos Pulsar Streaming-Bridge, Frontseite

Im Innuos Pulsar ist eine Version des hauseigenen USB-Reclockers integriert

Auch mechanisch hat Innuos Hand angelegt: Man habe die asymmetrisch angeordneten Füße des Innuos Pulsar strategisch so platziert, dass sie den Vibrationen aus Luft- und Trittschall möglichst viel Widerstand leisten und das Gerät optimal isolieren. Die ersten Innuos Pulsar sind gerade auf dem Weg zu den Händlern und können dort zu einer unverbindlichen Preisempfehlung von 5.499 Euro pro Stück erstanden werden. Ein Test ist in Planung.

Mit gleich mehreren Neuigkeiten trumpft Ideon Audio (https://www.cm-audio.net/) aus Griechenland auf der diesjährigen High-End-Messe auf. Da wäre einmal ein aufwendiges USB-Kabel mit dem schönen Namen „Siren“, das in zwei Tagen Arbeit handgefertigt werde und sogar eigens entwickelte und selbst gefertigte USB-Stecker besitze. Im Inneren komme sauerstofffreies Kupfer mit einer Silberbeschichtung zum Einsatz, das von einer speziell ausbaldowerten Mischung aus Baumwolle und Wolle isoliert werde. Für ein 1-Meter-Kabel muss der geneigte Kunde etwa 1.700 Euro veranschlagen.

George Ligerakis, CEO von Ideon Audio

George Ligerakis, CEO von Ideon Audio

Preisintensiver wird’s beim neuen, 22.000 Euro teuren Re-Clocker „Absolute Time Signature“, der zur Top-Serie der Griechen gehört, dem bisherigen Nicht-Signature-Modell in jeder Hinsicht überlegen sei und trotz seines weiterhin schlichten, wenn auch bombastisch gut verarbeiteten Gehäuses das Maß der Dinge in Sachen digitaler Präzision biete, so George Ligerakis, CEO und Co-Gründer von Ideon Audio. Erwähnenswert sind die drei voneinander unabhängigen Re-Clocker für USB, Toslink und S/PDIF koaxial, so könnten auch ältere Digitalgerätschaften wie zum Beispiel CD-Player vom „besten und hochwertigsten Taktgeber der Welt“ profitieren.

Das neu Eos-Trio von Ideon Audio: Eos DAC, Stream und Time

Das neu Eos-Trio von Ideon Audio: Eos DAC, Stream und Time

Noch etwas mehr Geld muss man für die neue Digital-Lösung namens „eos“ anlegen, bekommt dafür aber auch gleich drei Geräte. „Eos“ ist niemand anderes als die griechische Göttin der Morgendämmerung, und wenn der Name Programm sein soll, dann müsste die heilige Dreifaltigkeit aus eos Streamer (9.800 Euro, Streaming-Bridge inklusive Server-Funktion), eos DAC (9.500 Euro) und eos Time (6.800 Euro, Re-Clocker) den Sorgen ihrer frischgebackenen Besitzer ein erhellendes Ende bereiten. Dafür sorge vor allem die vollsymmetrische Architektur, eine speziell mit ESS entwickelte und auf den verwendeten Chip abgestimmte Software, der „beste, am weitesten entwickelte USB-Input-Chip überhaupt“, der zudem mit einer proprietären Software ausgestattet sei und keinerlei Latenzen hervorrufe, sowie die konsequent getrennte Stromversorgung für alle Baugruppen in allen Geräten und die Crystek-Femto-Clock des eos Time. Alle Geräte sind ab sofort bei Händlern des Vertriebs CM-Audio erhältlich. Unsere erste Begegnung mit den Digital-Gerätschaften der Griechen fand übrigens erst kürzlich statt (LINK).

Ähnlich viel Neues hatte Florian Mich vom DACH-Vertrieb für Aune (https://www.aune-store.com/) im Gepäck. Fast jedenfalls – leider ist der neue Streaming-Wandler Aune S10C im logistischen Prozess verlustig gegangen. Immerhin dürfen unsere Leser den Aune-Top-Wandler S9c für 699 Euro aber demnächst im Test entdecken, weshalb wir uns hier mit Details zurückhalten. Auf den Messestand geschafft hat es der Re-Clocker Aune SC1 Audio Clock, der dem Wandler mit einer maßgeschneiderten OXCO-Clock, einer unabhängigen Stromversorgung und synchronisierten, isolierten Ausgängen ein jitterfreies Taktgefühl mitgeben soll.

Aune SC1 Audio Clock

Aune SC1 Audio Clock

Für alle, die zum Motto „Gut & Günstig“ „Ja“ sagen, stehen die drei neuen Geräte der fünften Generation der Aune T-Serie bereit. Sie alle tragen gut sichtbar eine (ausschaltbare) Vakuumröhre im sehr kompakten Gehäuse, das kaum größer ist als zwei nebeneinanderliegende Zigarettenpackungen. Ab 189 Euro geht es los mit dem Bluetooth-Empfänger Aune Flamingo BD, der Bluetooth 5.1 aptX HD und LDAC versteht und sein Signal entweder lautstärkegeregelt analog oder digital ausgeben kann. Sogar in diesem kleinen Teil bietet Aune sieben Digitalfilter an.

Aune Flamingo DAC

Die Aune-Flamingo-DAC-Familie

Der Aune Flamingo DAC kommt ohne Bluetooth aus, bietet dafür aber je einen digitalen Koax- und USB-Eingang sowie einen Kopfhörerverstärker. Mit einer Auflösung von bis zu 32 Bit/768 kHz und DSD512 ist er zum Kurs von gerade mal 229 Euro sicherlich ein Preisbrecher – und wer den Test der X-Serie-Komponenten gelesen hat, weiß, dass dies bei Aune keineswegs große Klangeinbußen bedeuten muss. Auch beim Flamingo DAC lässt sich mit den Digitalfiltern spielen, während man auf den Austausch des OP-Amps wie im X8 verzichten muss. Schlussendlich wäre da noch der Aune Flamingo BT DAC, der dem Flamingo DAC noch einen Bluetooth-Empfänger hinzufügt. Auch er liegt mit 289 Euro im mehr als tolerablen Bereich.

Florian Mich besorgt in DACH-Raum den Vertrieb der Aune-Geräte

Florian Mich besorgt in DACH-Raum den Vertrieb der Aune-Geräte

Zu guter Letzt präsentiert Florian Mich noch den portablen Player und Kopfhörerverstärker Aune M1p für fast schon luxuriöse 369 Euro ohne und 399 Euro mit Bluetooth. Der Hi-Res-Musikplayer besitzt einen rein auf Audio-Wiedergabe spezialisierten Core und spielt Musikdateien mit bis zu 32 Bit Wortlänge und 768 kHz Taktfrequenz sowie DSD512 von einer Micro-SD-Karte mit bis zu 1 TB Speicherplatz ab. Anschließen lassen sich Kopfhörer mit unsymmetrischen 3,5-Millimeter-Klinkensteckern oder symmetrische 4,4- oder 2,5-Millimeter-Steckern. Die Bluetooth-Version arbeitet zudem als aptX-HD-Empfänger und -Sender. Da könnte der Autor glatt schwach werden …

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Messebericht: High End 2023 in München

  1. 3 Digital-HiFi & Streaming-Audio auf der High End 2023