
Messebericht: High End Vienna 2026
Next level
von Ralph Werner
Okay – das hier ist anders. Kaum hat man die U-Bahn an der Station Kaisergarten/VIC verlassen und folgt der Beschilderung zur HiFi-Messe, die dieses Jahr – sorry: heuer – erstmals in Wien ihre Pforten öffnete, fällt der Unterschied ins Auge: Alles wirkt großzügiger, urbaner und wolkenkratzerlastiger als in München. Ja, fast schon Dubai-mäßig (okay, nicht ganz) präsentiert sich die österreichische Hauptstadt rund um die „UNO-City“, in der die gleichnamige Organisation einen ihrer Amtssitze unterhält. Direkt daneben befindet sich das Austria Center Vienna, kurz ACV – jener Ort, an dem vom 4. bis 7. Juni 2026 zur großen audiophilen Vollversammlung, sprich zur High End Vienna 2026, eingeladen wurde.


Dort angekommen, setzt sich der Eindruck fort. Anders heißt hier vor allem: moderner und weitläufiger. Fünf übereinanderliegende Ebenen werden bespielt, hinzu kommen mehrere Hallen, die weitgehend an das Setting im Erdgeschoss des Münchner MOC erinnern.

Die genannten Ebenen des ACV sind allerdings so großzügig dimensioniert, dass die Atmosphäre eine völlig andere ist als in den Atrien des MOC. Gut so: Die Aussteller haben mehr Platz und beschallen sich weniger gegenseitig. Statt Luft zum Schneiden gibt es klimatisierte Professionalität. Statt Gedränge und Rummelplatz-Atmosphäre: Ruhe und Sitzgelegenheiten. Okay, bisweilen läuft man 50 Meter durch lange Flure und vermutet bereits das Ende der HiFi-Messe – bis dann doch der nächste Aussteller auftaucht. Im Wiener ACV ist eben alles etwas weniger dicht gepackt.

Dass mancher Besucher sein Wunschziel angesichts der Größe der Location nicht sofort finden konnte, wurde seitens der netten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der High End Society allerdings professionell aufgefangen – gefühlt stand alle 100 Meter jemand bereit, der einem den Weg weisen konnte. Vielen Dank dafür – und ganz generell für die gute Organisation.
Wir von fairaudio waren natürlich mit von der Partie – und einen Teil unserer Eindrücke aus Wien finden Sie im folgenden Messereport: vier Messerundgänge von vier Autoren – drei zur High End 2026 mit Fokus auf klassische HiFi-Anlagen und einer zur parallel stattfindenden Kopfhörer-Show „World of Headphones“. Wir wünschen viel Spaß! Übrigens: Über die Inhaltsverzeichnisse oben und unten auf der Seite können Sie bequem zu den einzelnen Kapiteln springen.
Messerundgang High End 2026 mit Ralph Werner

Dann gehen wir den Messerundgang doch einmal von vorne beziehungsweise alphabetisch an: A wie analog, A wie AFI. AF … was? Na – Audio Fidelity Improvement, oder eben kurz AFI. Jenes gemeinsame Projekt von Oliver Wittmann (der vom bekannten Stuttgarter Studio) und Dr. Ulrich Kathe zwecks Begradigung unbotmäßig welligen Vinyls. Plattenauflegende fairaudio-Leser erinnern sich: Wir hatten den Plattenbügler AFI Flat.Duo vor ziemlich genau einem Jahr im Test und „planierten“ was das Zeug hält. Nun gibt es Nachwuchs, denn der dritte AFI-Plattenbügler ist am Start, er nennt sich AFI Flat.Solo und bildet den Einstieg ins Programm.

Wie der Nachname „Solo“ schon nahelegt, lässt sich mit ihm immer nur eine Platte behandeln – im Gegensatz zum getesteten Duo, der zwei aufnehmen kann. Zusatzfeatures wie die Temper-Funktion und die Temperatur-Justage sind beim AFI Flat.Solo eingespart worden, ansonsten gleicht der Bügler dem Duo aber sehr und insbesondere die präzise Temperaturverteilung und -führung, nicht zuletzt beim definierten Abkühlprozess (eine Behandlung dauert circa 2,5 Stunden), sollen ihn zu einem echten Asset für Vinyl-Aficionados machen. Apropos „einsparen“: Preislich liegt der AFI Flat.Solo bei 1.490 Euro und damit 700 Euro unter dem Duo und gut 2.300 Euro unter dem Flaggschiff Flat.2.
Sind die Platten dann erst einmal plan, legt man sie umso lieber auf. Gleich mehrere neue Gelegenheiten dazu stellte die Erlanger Analogschmiede Clearaudio (https://www.clearaudio.de/) in Wien vor – und tatsächlich fällt es schwer, sich für die spektakulärste zu entscheiden. Hm, wie wäre es mit diesem Dreher hier:

Wer unseren Test des Clearaudio Celebrity Al Di Meola Edition interessiert zur Kenntnis genommen hat, aber doch eher auf robustere Gitarrenriffs steht, wird dem Rammstein Turntable wohl eher zugeneigt sein. Das auf 1000 Stück limitierte Modell basiert auf Clearaudios bewährter Concept-Plattform und wurde designtechnisch in Zusammenarbeit mit den deutschen Schwermetallern konzipiert. Ja, dieser Industrial-Look passt gut. Man achte auf Feinheiten wie die Slipmat und das gebrandete Tonabnehmersystem.

Die dimmbare LED-Beleuchtung des Clearaudio Rammstein Turntable ist in Rot und Weiß zu haben – ab Oktober soll das gute Stück im Handel sein, Preispunkt: 1.990 Euro. Nettes Detail am Rande: Der Clearaudio Rammstein wird in einer Holzkiste geliefert, die anschließend zur Aufbewahrung von Schallplatten dienen kann.

Etwas früher am Start, nämlich ab Sommer, zugleich günstiger (1.499 Euro) und farbenfroher ist allerdings dieser Dreher hier:

Der Clearaudio GT compass ist laut Hersteller im „Pixel-Design“ gehalten, versteht er sich doch als – Gaming-Plattenspieler. Ja, das gibt’s. Ab jetzt. Gamer seien nämlich durchaus an Vinyl interessiert, so Florian Weidhase von Clearaudio, allein schon das Artwork der Plattencover spreche die Zocker-Zielgruppe auffallend oft an – und Gaming-Soundtracks landeten regelmäßig auf Vinyl, was man als Zeichen deute. Jetzt jedenfalls kann der geneigte Gamer standesgemäß den DJ geben – mit oder ohne LED-Beleuchtung unterm Teller, immer aber auf Basis der Compass-Plattform. Den Einstiegs-Plattenspieler von Clearaudio hatten wir übrigens schon vor gut einem halben Jahr zu Gast.

Wer es hingegen klassischer mag, aber trotzdem flexibel bleiben möchte, darf sich auf die Elevation-Serie der Erlanger freuen, die im vierten Quartal dieses Jahres an den Start gehen soll. Zu den Highlights der beiden Plattenspieler namens Clearaudio Elevation 45 und Elevation 55 zählen ein schwungradgestützter Antrieb für hohe Rotationsstabilität, die optische Drehzahlkontrolle mit dem sogenannten „Natural Flow“-Algorithmus sowie die Kompatibilität mit 9- und 10-Zoll-Tonarmen. Der Elevation 45 besitzt einen 45 Millimeter starken Plattenteller, der Elevation 55 – Sie raten ganz richtig – ein 55-mm-Exemplar.

Interessant ist das Design-Konzept: Die Clearaudio Elevation kommen mit austauschbaren Rahmen, die das Aussehen entscheidend ändern. Massive Hartholz-, Furnier- und Lackausführung wird es geben. Das Ganze, wie gesagt, gegen Ende des Jahres, zu Preisen von um die 5.000 Euro (Elevation 45) beziehungsweise 7.000 Euro (Elevation 55).

Eine weitere bedeutende deutsche Analogmanufaktur kam mit Neuheiten im Gepäck nach Wien – Transrotor (https://transrotor.de/).

Neben der neuen Option, die Tonarme des Hauses wahrhaft highendig mit Air-Kabeln von In-akustik auszustatten, zeigten die Bergisch Gladbacher vor allem den Transrotor Scala her.

Der Scala basiert auf dem bewährten Max-Laufwerk, sieht dann aber doch sehr anders aus, nicht zuletzt wegen der beiden verschiebbar gelagerten Tonarmboard-„Flügel“ links und rechts und der optionalen Basis aus Acryl.

Ohne diese – und ohne Arm – fängt’s mit dem Transrotor Scala bei 4.500 Euro an, in der Ausstattung wie auf der Messe zu sehen, landet man bei 8.000 Euro (inklusive Konstant-1-Netzteil). Macht schon ordentlich was her, der neue Transrotor.



Das gilt auch für den neuen Flaggschiff-Phonovorverstärker von Soulnote (https://www.soulnote.audio/), den E-3MC, der eher wie ein dicker Vollverstärker aussieht – und auch so viel wiegt: 26 Kilogramm sind für einen Entzerrer nicht eben wenig.

Hierzu tragen gleich drei Trafos (Leistungsaufnahme >500 VA) ihr Scherflein bei und natürlich das Gehäuse, das reichlich massiv wirkt. Aber auch wackelig – was freilich ein Feature, kein Bug ist: Der Verstärkerblock, die Schnittstellen, die Kaltgerätebuchse sowie Boden- und Top-Platte sind beweglich gelagert. Hierdurch soll das Gehäuse von mechanischen Spannungen entlastet werden, wovon sich die Japaner eine natürliche und offene Musikwiedergabe versprechen. Das ist typisch für die Japaner, beim Vollverstärker aus der Serie 3, der der Soulnote E-3MC ebenfalls angehört, ist es ähnlich (mehr dazu hier). Und der „entspannte“ Ansatz setzt sich im Innern fort, so werden beispielsweise die Platinen bewusst nur an drei Seiten fixiert, wie mir Krey Baumgartl vom deutschen Vertrieb IAD verrät.

Eine richtiggehend überbordende Impedanz-Auswahl ist beim Soulnote E-3MC nicht vorgesehen, doch die sechs möglichen Abschlusswiderstände dürften in den allermeisten Fällen reichen, hinzu kommen für MM-Systeme noch die üblichen 47 kOhm plus drei Kapazitätsoptionen. Ich wage allerdings zu bezweifeln, dass allzu viele MMs an diesen Edel-Entzerrer angeschlossen werden, schließlich zielt er mit seinem Preisschild von 19.990 Euro doch auf sehr ambitionierte Analoghörer, und die dürften MC-Systeme präferieren. Wie dem auch sei – gegen Herbst soll der Soulnote E-3MC in die Läden kommen. Wir tragen uns schon mit Testgedanken.
Zeit für einen kleinen Exkurs beziehungsweise eine Exkursion: Nicht alle Hersteller, die in Wien mit dabei waren, waren gleichzeitig auch im Austria Center Vienna vertreten. Manche fanden dort keinen Raum, andere orientierten sich gleich anders.
So etwa das Team von Dali (https://www.dali-speakers.com/de/), das neben der bekannten Lautsprechermarke Elektronik von NAD und Bluesound verantwortet und im Hotel Meliá Vienna, ungefähr fünf Laufminuten von Kongresszentrum entfernt, präsentierte. Das Messe-Highlight war diesmal nichts klassisch Audiophiles, sondern eine streamingfähige All-in-One-Lösung – die allerdings unter audiophilen Gesichtspunkten entworfen wurde.

Der knapp 70 Zentimeter breite „Riegel“ bietet nicht nur ein gefälliges Design und gute Konnektivität inklusive Streaming über die proprietäre BluOS-Plattform, sondern kommt mit einem hohen klanglichen Anspruch. Den will der neue Dali Vega mit insgesamt zehn Chassis, zwei Passivmembranen und 400 Watt Gesamtleistung ins Werk setzen – und mit smarten Technologien wie dem sogenannten „Adaptive Stereo Enhancement“. Das offenbar gut funktioniert, wovon ich mich während einer Vorführung des Vega überzeugen konnte: Der Unterschied zwischen gehörter Bühnengröße und der Kompaktheit des Dali Vega ist regelrecht verwirrend.


Der Vega soll im September verfügbar werden, es gibt ihn in einer helleren und in einer dunkleren Ausführung, und der Preis reflektiert den Anspruch: 2.999 Euro. Zeichnet sich hier eigentlich ein Trend zu Highend-One-Box-Lösungen ab? Erst kürzlich hatten wir ähnliche Konzepte von Marantz und Primare im Test.
Auf halben Weg zwischen dem Hotel Meliá und dem ACV liegt das „Tech Gate Vienna“, und ebendort lud Aqipa in eine Listening Bar namens „The Secret Spin“ ein. Inspiriert von japanischen „Jazz Kissa“-Locations wurde hier ein stilvoller Raum zur Präsentation der Audiomarken des Vertriebs geschaffen – im Fokus: die japanischen Marken Teac und Esoteric. Das passt.

Die mittlere Produktlinie von Teac (https://www.aqipa.com/) – die Reference 500 – wurde jüngst um drei Modelle ergänzt, erfahre ich von Produktmanager Jasper Bol. Aufzuzählen sind da der kräftige, rein analoge Headphone-Amp Teac HA-507 (1.899 Euro), der mit 2 x 6700 mWatt Leistung auch fordernde Kopfhörer befeuern können sollte, der CD-Transport Teac PD-507T (1.299 Euro) sowie der allerneueste Streich, der Netzwerk-Transport Teac NT-507T (1.799 Euro).

Ein ziemlich reinrassiges Produkt, verzichtet es als Streaming Bridge nicht nur auf einen DAC, sondern kann D/A-Wandler lediglich über USB beschicken. Das dürfte freilich der gängigste Weg sein und Reduktion aufs Wesentliche kann sich lohnen. Eingangsseitig lässt sich das Signal neben WiFi über „normales“ Ethernet sowie optisch, sprich SFP-Netzwerkverbindung, zuführen. Natürlich ist der Teac NT-507T Roon Ready und versteht sich mit einschlägigen Streaminganbietern, die Connect-Dienste von Qobuz und Tidal sind ebenfalls mit von der Partie.

Ein paar Gänge hoch schalten muss, wer sich in Teacs schöne Schwester Esoteric verguckt. Das große Besteck in Aqipas Listening Bar sah allerdings auch lecker aus. Ziemlich frisch am Start bei Esoteric (https://www.aqipa.com/) ist der Streaming-DAC/Pre namens N-05XE (14.500 Euro) – der Nachfolger des ursprünglichen N-05XD, den wir seinerzeit im Test hatten und heftige Grobdynamik-Fähigkeiten sowie einen veritablen Power-Bass attestierten – und die zu ihm passende Class-A-Endstufe Esoteric S-05XE (15.000 Euro), die für 2 x 30 Watt an 8 Ohm gut ist und mit dem N-05XE unter anderem via proprietärem ES-LINK verbandelt werden kann, der beim Signaltransport auf Strom statt Spannung setzt, natürlich aus klanglichen Gründen.

Auch das Flaggschiff der Esoteric-Netzwerkplayer, der Grandioso N1, war zugegen: Zu dessen technischen Highlights zählen eine eigenentwickelte, diskret aufgebaute Wandler-Architektur, die Stromversorgung mit fünf voneinander unabhängigen Netzteilen sowie ein kompromissloser Gehäuseaufbau (der schnuckelige Streamer kommt auf knapp 28 Kilogramm Lebendgewicht) inklusive „Semi-Floating-Top-Panel“ – ähnlich wie bei Soulnote wird der Gehäusedeckel bei ihm aus klanglichen Gründen nicht fest verschraubt. Preislich landen wir mit dem Esoteric Grandioso N1 bei 43.000 Euro.
Wieder zurück im ACV begegne ich dem nächsten Flaggschiff, diesmal fürs andere Ende der Kette, sprich: für die Endverstärkung.

Luxman (https://www.luxman-deutschland.de/) feierte in Wien mit den brandneuen Top-Monos B-100 Centennial sein hundertjähriges (!) Firmenjubiläum, und diese Brummer sehen wirklich standesgemäß aus. Knapp 60 Kilogramm bringen sie pro Stück auf die Waage, zugleich sind sie 55.000 Euro schwer – gottseidank als Paar, wobei das ja auch eine Nummer ist – und leisten, wenn’s drauf ankommt, 1000 Watt an 1 Ohm, dürften somit auch an „bösen“ Lautsprecherlasten souverän agieren.

An gängigen 8-Ohm-Speakern kommen die Luxman B-100 Centennial auf 125 Watt, was gar nicht mal sooo muskulös wirkt – die „ersten“ 25 Watt werden dabei im Class-A-Modus bereitgestellt, so die Japaner. Doch wie wir alle wissen, ist vor allem Stabilität der Leistung wichtig, und hierfür sollen unter anderem der 1250-VA-EI-Transformator im Zusammenspiel mit 160000 µF Siebkapazität Sorge tragen. Pro Mono, versteht sich.

Wer im Luxman-Line-up die passende Vorstufe dazu sucht, wird bei der C-10X (19.990 Euro) fündig und als kongeniale Quelle darf auf den neuen SACD-Player und DAC Luxman D-100 Centennial fürs gleiche Geld verwiesen werden. Und schon hat man eine hübsche Anlage zum gerade eben noch fünfstelligen Eintrittskurs … fehlen nur noch ein paar anständige Lautsprecher.
Ob die neuen von Acapella Audio Arts (https://www.acapella.de/) zur japanischen Edel-Kette gut passen würden, kann ich nicht sagen, spielten sie doch an der hauseigenen Verstärkerelektronik der Duisburger, der Vor-End-Kombination Acapella Enérgeia, die schon zur High End vor zwei Jahren präsentiert wurde.

Preislich würde es mit dem Luxman-Gespann ja fast besser passen, liegt ein Pärchen der neuen, hochgewachsenen Acapella La Campanella Alto 2 MK II doch bei „lediglich“ 67.000 Euro, während der Rest der Anlage in der Soundkabine der Duisburger das Preisschild Richtung halbe Millionen katapultieren ließ, wozu der neue Pink-Faun-Server und den MSB-Wandler The Cascade ebenfalls ihr Scherflein beitrugen. Doch einerlei – was mir hier zu Ohren kam, gehört zum Besten, was ich auf der ganzen Messe erleben durfte. Und das ausgerechnet in einer Soundkabine!

Nun, offensichtlich haben sich Richard Rudolph und Marc Lindike, der den Vertrieb der traditionsreichen Lautsprecher besorgt, viel Mühe gegeben; besonders beeindruckend fand ich die Durchzeichnung im absoluten Tiefbass selbst bei ganz geringen Lautstärken sowie die Lebendigkeit und völlige Homogenität des Klangbildes. Vielleicht ist letzteres ja auch kein Wunder, schließlich ist diese La Campanella Alto 2 MK II ein Zweiwegler, wenn auch einer der anderen Art, der das proprietäre hypersphärische Horn über vier Oktaven spielen lässt, was besagter Homogenität nicht abträglich sein sollte.

Über und unter diesem Horn verrichten je vier 6,5-Zoll-Woofer ihren Dienst, und das dürfte wiederum die Performance im Tiefton erklären, wird so doch eine Zylinderwelle beziehungsweise Ankopplung an den Raum möglich, die den Lautsprecher vorgeblich auch für schwierigere Grundrisse und Umgebungen geeignet machen soll. Ich durfte das ja schon mit der Acapella High Campanile 2 erleben und habe für einen Test der La Campanella Alto 2 MK II deshalb den Finger gehoben. Übrigens: Die normale, halb so hohe, sprich mit vier statt acht Bässen ausgestattete Acapella La Campanella 2 wurde ebenfalls überarbeitet und trägt nun das MK-II-Signet – nicht nur in der Höhe, auch preislich landet man ziemlich genau bei der Hälfte, nämlich bei 34.000 Euro/Paar.

Welcome to the jungle – einen der originellsten und entspannendsten Messeauftritte hatte Dynaudio (https://dynaudio.de/) am Start, wurden die Besucher doch in einem abgedunkelten und stilvoll mit zahlreichen Pflanzen drapierten Vorraum aufgenommen, hinter und zwischen denen über das „The Bookshelf“-Modell zart-zwitschernder Vogelgesang erklang. Fast schon mehr Wellness-Oase denn HiFi-Stand, und gerade deshalb so gelungen und Gesprächsthema auf der Messe.

Intelligent in der Mitte des Dschungels als Interessewecker platziert, zog ein „Balken“ von knapp zwei Metern Länge und beweglich gelagerten – und sich bewegenden – Holzlamellen die Blicke auf sich.

Das war die eine Neuigkeit, die die Dänen mitgebracht hatten – und mit der Vermutung, dass es sich bei der Dynaudio Opus One wohl um eine Soundbar handeln dürfte, lag man ganz richtig. Freilich eine der highendigen, potenten Art.

Bestückt mit vier Doppelbässen, 14 Mittel- und sechs Hochtönern, angefeuert von insgesamt 1500 Watt, erklang der Riegel weit mehr als amtlich. Der Preis ist es allerdings auch: 13.000 Euro. Zunächst will man das gute Stück in zwei Märkten – Dänemark und China – einführen, und nach den dort gesammelten Erfahrungen weitersehen.

Spannender für uns als Highend-Audio-Magazin ist allerdings die zweite Neuigkeit: Die Dänen haben ihre Confidence-Serie überarbeitet und im vierten Quartal soll sie beim Fachhandel stehen. Die drei künftigen Modelle tragen ein „i“ zur Kennzeichnung, hören also auf die Namen Dynaudio Confidence 20i, 30i und 50i. Preislich liegen wir hier bei 15.000 (inklusive Stand), 25.000 respektive 35.000 Euro. Das große 60er-Modell entfällt.

Neben einem Facelift, der die Lautsprecher noch dezenter als zuvor wirken lässt (beispielsweise wird der Namenszug nun „Schwarz auf Schwarz“ gesetzt), wurde natürlich die Technik überarbeitet. So soll der neue Esotar-3i-Kalottenhochtöner dank noch engerem Magnetspalt und neu entwickeltem Ferrofluid mit deutlich verbesserter Viskosität die Performance in den hohen Lagen abermals steigern, die DDC-3-Schallführung vornehmlich in der Horizontale überzeugender auftreten und sogenannte „UltraPrecision Array“-Widerstände auf der Frequenzweiche für eine Steigerung der Präzision bei der Erreichung des gewünschten Zielwertes um den Faktor zehn sorgen.

Die Idee ist so simpel wie effektiv: Statt eines einzigen Widerstands mit einem bestimmten (großen) Wert zu verbauen, setzt Dynaudio auf eine Verschaltung mehrerer kleinerer Widerstände, wie man sie sonst eher innerhalb von Elektronik finden kann, sodass Ohm-Wert und Belastbarkeit für diese Form der Anwendung erreicht werden, doch eben mit deutlich geringerer Streuung um das Ziel herum. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir später im Jahr das eine oder andere Modell der neuen Confidence-i-Serie bei uns zu Gast haben werden.
Das gilt auch für eine weitere dänische Lautsprecher-Manufaktur: OePhi (https://www.audio-offensive.de/). Fünf Jahre jung, in der Nähe von Kopenhagen beheimatet, tritt die Firma von Gründer und Eigner Joakim Juhl sympathisch und selbstbewusst auf.

Neben dem Flaggschiff Reference 3.5 gibt es vier Qualitätslevel beziehungsweise Linien, die jeweils einen Monitor und ein Standmodell umfassen. Den Einstieg ins Programm bietet die im letzten Jahr gelaunchte Lounge 2, die für 3.000 Euro schon zentrale OePhi-Tugenden wie den „Low energy storage“-Ansatz für den Hochtöner, das Kabinett und die Frequenzweiche mitbringen soll, zudem Punkt-zu-Punkt verlötet und intern mit Solid-core-Kabeln kontaktiert wird. Apropos: Kabel stellt man bei OePhi ebenfalls her.

In der Hörkabine des OePhi-Stands spielte hingegen die Transcendence 2.5 (9.495 Euro) auf, ein Standlautsprecher, der mit zwei Woofern von Purifi Audio bestückt ist, die je auf ein eigenes Volumen spielen und rückseitig mit zwei Bassreflexkanälen ventiliert sind, was laut Juhl für eine deutlich bessere Bassperformance sorgt. Insbesondere in UK hat sich OePhi schon einen guten Namen gemacht, hierzulande ist wohl noch ein wenig Aufbauarbeit nötig. Die will Uwe Heile von der Audio Offensive gerne leisten, der Vertriebsmann ist großer OePhi-Fan – und Deutschland-Distributor.

Messerundgang High End 2026 mit Jörg Dames
Eine der Botschaften der diesjährigen High End in Wien: HiFi darf auffallen. Farbe und Design spielen eine größere Rolle. Selbst konservative Lautsprecherhersteller, die sonst gerne auf Schwarz, Weiß oder ein Holzfurnier setzen, bekennen vermehrt Farbe. Statt Geräte möglichst schlank und schüchtern im Wohnraum verschwinden lassen zu wollen, rücken Lautsprecher und Elektronik als Einrichtungsgegenstände in den Fokus, die eigenständig wirken dürfen. Wir werden uns im Folgenden einige ansehen – und natürlich auch anhören.

So etwa am einladend weitläufigen und offenen Stand von Elac (https://elac.com/de), der genug Raum und Luft bot, die zum 100-jährigen Firmenjubiläum präsentierten tönenden Preziosen standesgemäß in Szene zu setzen, sehr schön. Und die waren nicht eben wenige: Von einem Bluetooth-Lautsprecher (NAVA 100), einem kultigen Retro-Radiowecker RD 100 (249 Euro, ab Juli) über Plattenspieler und limitierte Lautsprecher bis hin zu kleinen (Debut Reference) und großen Schallwandler-Referenzen (Concentro L 809) war (fast) alles dabei.


Sie kennen sie bestimmt auch: Die unverkennbaren Kompaktlautsprecher mit Metallgehäuse von Elac finde ich generell absolut spannend, Kollege Viktor hatte sich die BS 312.2 nach seinem Test sogar spontan gekauft. Die auf 250 Paare limitierten Elegant 100 (ab September, 1.998 Euro inklusive Abdeckung und extra Holzsockel) sind eine technische Weiterentwicklung (wirbelstromminimierte Polkerne, Van-den-Hul-Verkabelung) mit sehenswerten Farbgebungen (allein der blaugrüne Farbton „Teal“ beziehungsweise Petrol).


Optisch überrascht haben mich auch die Elac Debut Reference: Aufbauend auf den Debut 3.0 kommen diese mit überarbeiteten Gehäusen und natürlich Treibern – Sound soll selbstredend nach wie vor oberste Priorität haben – und wirken auf mich gerade in den Versionen „Titanium“ und „Grün“ mit den Kunstlederoberteilen so edel, dass man kaum auf einen Paarpreis von nur 858 Euro (für die Kompaktlautsprecher, ab Herbst lieferbar) tippen würde. Ich bin sehr gespannt darauf, ein Paar (es gibt auch einen Standlautsprecher und Center) bei uns zum Test begrüßen zu dürfen, wo es dann freilich nicht ausreichen wird, nur gut auszusehen …

Audiophiles Highlight am weitläufigen Elac-Stand waren die Elac Concentro L 809 (ab Jahresende, 66.000 Euro), Nachfolger der Superbox Concentro mit ihrem „weiter gedachten Koax-System“, wie sich die beiden Entwickler Skarff Kiebach (Akustik) und Volker Neumann (Mechanik) ausdrücken. Ja, die zwölf (vorher: sechs) kleinen und damit besonders partialschwingungsarmen und effizienten Konusse sind Mitteltöner, die den Elac-typischen AMT-Hochtöner umzingeln. Die vom Hörer einstellbare Bündelung der Abstrahlung und damit Anpassung an die Raumakustik bietet nun noch mehr Möglichkeiten, zusätzliche Push-Push-Basstreiber bürgen überdies für noch mehr Basssouveränität.

Und Dröhnfreiheit: Basstreiber weiter voneinander entfernt, sprich oben und unten an den Boxen zu positionieren, befördert eine günstigere Raumanregung. Ein Lautsprecher mit sehr viel proprietärer, ingenieurgetriebener Technik und unverwechselbarem, bestimmt auch polarisierendem Design – ein echtes Statement.

Und auch die schwäbischen Kollegen von Nubert (https://www.nubert.de/) gehen das Thema Design gekonnt an, lediglich über die Positionierung und Größe des Logos auf den Fronten ließe sich vielleicht streiten: Schnickschnackfrei mit klaren Linien und einer Prise „Retro“ zeigt sich die neue Ambient Line, die bereits auf den ersten Blick unverkennbar anmutet.

Spannend werden zunächst einmal die Streaming-Vorstufe Nubert nuControl X-2 (4.490 Euro) sowie die Endstufe Nubert nuPower A-2 (3.690 Euro), reine Stereogeräte im klassischen Vollformat, die bereits vorbestellbar sind und zum Test einbestellt wurden; die Auslieferung beginnt gegen Ende des Monats.

Nubert entwickelte die Endstufe bewusst als auf die Spitze getriebenes klassisches Class-AB-Konzept mit für eine gewisse Klangsüffigkeit bürgenden MOSFET-Transistoren sowie einem Schaltnetzteil als Energielieferant, das mal eben für bis zu drei Kilowatt Leistung gut ist. Da zappeln die dimmbaren VU-Meter mit Nachdruck – und der stolze Besitzer musikversunken im Takt seiner Lieblingsalben auf dem Hörsofa.

Die Nubert nuControl X-2 lässt sich – wie sollte es anders sein – digital beschicken (unter anderem AES/EBU, USB-B, Toslink, RCA). Und das bis zu 768 kHz/32 Bit. Überdies hat die nuControl X-2 AirPlay 2, Roon Ready, Spotify Lossless, Deezer, Qobuz, Tidal Connect und Bluetooth auf dem Streaming-Zettel – sowie den hauseigenen Funkstandard HighRes-X-Connect, mit dem sie in kabellosen Kontakt zu Nuberts Aktivlautsprechern tritt.
Damit nicht genug: Eine Raumeinmessung ist ebenfalls mit an Bord. Schön, dass bei so viel Digitalismus die Schwaben auch an einen Phono-Eingang (MM/MC) dachten. Und an grundsätzliche audiophile Werte: Analoge und digitale Schaltungsparts arbeiten räumlich separiert mit dedizierten, geschirmten Netzteilen, und die Lautstärkeregelung vollzieht sich selbstverständlich analog, aber keineswegs mittels eines schnöden, verschleißanfälligen Potis, sondern mittels eines digital angesteuerten Cirrus CS3318.

Und wenn wir schon so schön im Flow sind: auf zum nächsten deutschen Lautsprecherhersteller (https://www.canton.de/), der das Äußere nicht aus dem Blick verliert. Die grazilen Design-Lautsprecher aus Cantons Puro-Reihe wären mir persönlich ja schon wieder zu spillerig und unscheinbar, die Farbvariante Rosé, die von CEO Christoph Kraus initiiert wurde, der sich wiederum von einer guten Freundin inspirieren ließ, ist aber eine farbenfrohe Ansage, die ich nur gutheißen kann.

Spannender finde ich dennoch natürlich die Ankündigung einer neuen Townus-Serie, die gegen Ende des Jahres spruchreif werden soll. Sie rekrutiert sich zunächst aus einer Kompaktbox (Townus 31), zwei Standlautsprechern (Townus 91 und 101) sowie Center, Subwoofer und Wandlautsprecher. Die Paarpreise für die drei erstgenannten Modelle bewegen sich zwischen 1.300 und 3.700 Euro. In der Modellhierarchie Cantons ordnet sich die Townus-Serie unmittelbar unter der kürzlich überabeiteten Vento-Serie ein. By the way: Lesen Sie doch gerne den kurzweiligen Bericht unseres Kollegen Andreas Günther über den Launch der neuen Canton Vento.

Bereits die Townus 100 aus der bisherigen Serie erfreute in unserem Test mit einem euphonischen Klangbild und sehr erwachsenem Basstiefgang. Die neue Townus-Serie blickt nun noch stärker nach oben zu den größeren Serien. Die hessischen Entwickler um Chef-Tekkie Frank Göbl verzichten zwar auf gebogene Gehäusewände, lediglich die Kanten sind verrundet (was nicht zuletzt interferierende Schallreflexionen vermindert), die Treiber der künftigen Townus- und aktuellen Vento-Lautsprecher sind aber die gleichen, inklusive des gut beleumdeten Black-Ceramic-Hochtöners. Und ebendiese Treiber sind dann auch fast das Einzige, was an der neuen Townus-Serie schwarz sein muss. Siehe Fotos. Mein Favorit ist gelb.

Und der Favorit in Sachen Verstärkerelektronik scheint für Canton aktuell die badische Manufaktur AVM (https://avm.audio/de/) zu sein: Bei der Vorführung machte man jedenfalls gemeinsame Sache und ließ die hochamtliche und immer wieder gerne gehörte Canton Reference GS Edition (50.000 Euro) von feisten – AVM muss sich ja zum vierzigsten Firmenjubiläum etwas gönnen – Ovation-MA-8.3-S-Monos (je 1.200 Watt) befeuern.

Etwas realistischer, aber immer noch absolut highendig: der ebenfalls als Jubiläumsamp auf den Weg gebrachte Streaming-Vollverstärker AVM Ovation AS XL (34.500 Euro), den die Malscher als „konsequente Weiterentwicklung unserer großen Ovation-Philosophie“ feiern. Die klassischen Werte: Class A/AB, 2 x 400 Watt, 1000-VA-Ringkerntrafo, 24 Hochleistungs-MOSFETs pro Kanal, insgesamt 540.000 Mikrofarad Siebkapazität – alles verpackt in einem gewohnt edlen Aluminiumgehäuse mit den opulenten Maßen 43 x 44 x 25 Zentimeter (BxTxH). Die digitale Sphäre des AVM’schen Wonneproppens: HiRes-Streaming inklusive DSD via Spotify Connect, Qobuz Connect, Tidal Connect MAX oder Webradio mittels hauseigener RC-X-App.

Die Pressekonferenzen von Audio Reference (https://www.audio-reference.de/) zählen zu den Events, die man als HiFi-Schreiber unbedingt mitnimmt. Für mich gilt das umso mehr, da unter anderem Wilson Audio zum Beritt des Hamburger Edel-Vertriebs gehört und ich die Lautsprecher aus Utah sehr schätze. Die neue Wilson Audio Autobiography (1 Million Euro) werde ich mir nie leisten können, bewundere sie live aber natürlich gerne.

Der Löwenanteil der Hardware der Autobiography wurde komplett neu entwickelt, so auch die Treiber; von ihr dürften sich künftig so einige Technologien neuer Wilson-Lautsprecher ableiten. Entscheidend sei, so Daryl Wilson, aber auch der vergleichsweise schlichte Umstand, dass man die Schallwand des Fünf-Wege-Systems relativ kompakt halten konnte, was auf die Phasenkohärenz („Zeitrichtigkeit“) einzahlt, auf die die Amerikaner bekanntermaßen großen Wert legen. Und na klar: Die Wilson Audio Autobiography ist ebenfalls ein gänzlich unschüchternes Designstatement, das freilich ordentlich polarisiert.

Im Rahmen der Audio-Reference-PK, die wie gewohnt auch mit zahlreichen anderen Neuigkeiten aufwartete, hatte ich überdies Gelegenheit, mit Walt Zerbe (Director of Global Business) und Chad Kautz (Director of Engineering) von Perlisten Audio zu sprechen. fairaudio hatte schon einige Perlisten-Lautsprecher im Test, und entgegen landläufiger Meinung empfinde ich diese – nach gebührender Einspielzeit wohlgemerkt – klanglich keineswegs als analytisch, sondern eher auf der euphonischen, seidigen Seite zu Hause und nicht zuletzt mit Blick auf die räumliche Abbildung sehr ansprechend. Genauso entwickelt und sieht offenbar auch Perlisten seine Schallwandler, wie mir die beiden Herren bestätigten. Und bestimmt werden auch die – nomen est omen – pechschwarz gehaltenen Perlisten S7t Black Edition wieder diese Richtung einschlagen.

Wobei „Black Edition“ nicht allein auf den Düster-Look abstellt, sondern gegenüber der „normalen“ S7t, dem etatmäßigen Flaggschiff von Perlisten, verfeinerte Treiber, ein größeres Gehäuse, integrierte Seitenteile aus Aluminium, ein spezielles Isolations-/Dämpfungssystem und weitere neue Features beinhaltet. Noch geringere Verzerrungen und weniger thermische Kompression seien ebenso die hörenswerte Folge wie ein verbessertes Transientenverhalten sowie mehr Mitteltonklarheit, versprechen mir Walt & Chad.
Szenenwechsel: Keine Lautsprecher, keine bunten Farben oder speziellen Editionen, dafür drei frische Jungs, pardon: Ingenieure und Freunde aus Xi’an, die mit ihrer Firma Matrix Audio (https://3-h.de/) zudem frisch beim renommierten Hamburger Vertrieb Drei H untergekommen sind. Und das ist gut so, der Ruf von Matrix Audio ist exzellent, außerdem hat die Story hinter der Marke eine schöne Street Credibility: vom Hobby und reiner Liebhaberei über einen Lieferanten von DACs und Kopfhörerverstärkern für die DIY-Szene bis hin zu einem Unternehmen mit heuer 45 Mitarbeitern, von denen etwa die Hälfte in Forschung und Entwicklung aktiv ist.

Aktuell fertigt man neben digitalen Zuspielern und DACs auch Switches, Verstärker und Zubehör. Kollege Thomas Kopanz hat sich während unseres Besuchs am Messestand einem Kopfhörerverstärker angenommen (mehr dazu im Kopfhörerteil dieses Messeberichts), ich selbst hatte mich in den Streaming Transport NT1 (5.000 Euro) verguckt.

Ja, die Matrix-Geräte sehen technisch aus, die gut gemachten Aluminiumgehäuse verströmen allerdings ein ebenso unverkennbares wie zeitlos cooles Flair – das trifft absolut meinen Geschmack. Zudem finde ich das Thema „puristische, wandlerlose Streamer“ eh spannend, wobei das Display des NT1 schon wieder etwas Großzügiges hat. Klassische Ingredienzien wie ein Ringkerntrafo, auf Sorgfalt bedachte Lösungen wie eine vom digitalen Teil isolierte, dedizierte Stromversorgung für die speziell für Audioanwendungen entwickelte USB-DAC-Schnittstelle oder das amtliche Clock-System, das auch einen externen Taktmodus (10 MHz, 50 Ω, Sinus- oder Rechteckwelleneingang) ermöglicht, lassen highendige Performance erwarten.
Einen Blick in die Zukunft des Designs von Audiogeräten warf Creative Director Begüm Tomruk mit von ihr (und natürlich dem ganzen Harman-Design-Team) entworfenen Ausblicken in Gestalt eines Denon-Verstärkers (https://www.denon.com/de-de/) oder minimalistischer, aber eben doch ins Auge fallender Lautsprecherdesigns. Der aktuellen Denon-Home-Serie kamen bereits einige Ableitungen aus den Entwürfen zugute, wenn ich es richtig verstanden habe.


Die D5-Generation der 800 Serie Diamond von Bowers & Wilkins (https://www.bowerswilkins.com/de-de/) und ihre neuen Farbvarianten Stealth Black, Warm White, Light Walnut und Dark Walnut sind zwar ebenfalls brandneu, aber schon fest in der Gegenwart verankert. Die D5 sollen klanglich gegenüber den D4 ein neues Level erreichen, verspricht der Traditionshersteller aus dem südenglischen Worthing – Happy Birthday und die besten Wünsche zum 60. Firmenjubiläum noch mal an dieser Stelle! Geblieben ist die typische Hochtonfrische, wie man der Vorführung akustisch entnehmen durfte.

Und wenn sich auch alle Blicke immer schnell auf das Aushängeschild B&W 801 D5 (50.000 Euro) richten, umfasst die 800 Serie Diamond doch weitere sechs – zum Teil deutlich Normalo-Wohnraum-verträglichere – Modelle: nämlich die Zwei-Wege-Regallautsprecher 805 D5 (12.000 Euro) sowie die Drei-Wege-Standlautsprecher 804 D5, 803 D5 und 802 D5. Fürs Heimkino gesellen sich dazu die Center HTM81 D5 und HTM82 D5.

Die technischen Optimierungen sind noch zahlreicher und betreffen unter anderem die Deckplatte aus Aluminium, das Space-Frame-Bracing-System mit parallelen Aluminiumverstrebungen an der Rückwand, die Gehäusesockel mit ihrer Kombination aus Schichtdämpfung und Massedämpfung, die Treibereinfassungen mit massiven Aluminiumprofilen (Enhanced Matrix), das durchlässigere Hochtönergitter für die Diamantkalotten, avancierte Treibermotorsysteme und vor allem auch das Mitteltönergehäuse aus Aluminium für die 804 D5 (18.000 Euro).

Die D5-Generation der 800 Serie Diamond verfüge „über das leistungsstärkste und mechanisch ‚leiseste‘ Gehäuse, das Bowers & Wilkins je gebaut hat“, versprechen die Briten. Durch die geballte Kompetenz des nördlich von Worthing gelegenen Forschungs- und Entwicklungszentrums in Southwater könne man die akustischen Auswirkungen des Lautsprechergehäuses besonders gut diagnostizieren und durch gezielte Anpassungen minimieren, nicht zuletzt das rückseitige Space-Frame-Bracing spiele hier eine große Rolle.
Ich höre einige Leser schon wieder kritisch murmeln, dass sich die Preise so stark nach Norden bewegen. Nun, wer mehr ausgibt, sollte mehr bekommen, aber was Cambridge Audio (https://www.cambridgeaudio.com/eur/de) mit seinen in den Lackvarianten gerade mal 1.399 Euro (das Pärchen wohlgemerkt) kostenden Cambridge Audio L/R M akustisch auf die Beine stellt, ist ein Beispiel dafür, dass selbst sehr gutes Audio so preiswert ist wie wohl nie zuvor.

Nicht nur tieftonseitig erstaunte der angenehm satte Sound der Cambridge Audio L/R M, auch die Ausgewogenheit und die ebenso offene wie stressfrei-saubere Präsentation überraschten mich ziemlich. Eine der für mich erfreulichsten Vorführungen der Messe – schön auch, dass man Radiohead auflegte.

Und: Die englischen Aktivlinge (2 x 150 Watt je Box) haben die StreamMagic-Plattform der vierten Generation intus und verstehen sich von Haus aus mit Diensten wie Tidal Connect, Spotify Connect Lossless, Qobuz Connect, Amazon Music, Deezer oder Internetradio sowie freilich auch auf Roon Ready, UPnP, Google Cast und Apple AirPlay 2. Ach ja: Eine MM-Phonostufe sowie Line- und Digitaleingänge (auch HDMI-eARC) machen die Cambridge Audio L/R M nahezu zur Komplettanlage.

Auch technisch muten die Cambridge Audio L/R M überraschend komplex an, es gibt zum Beispiel mehr Treiber, als man zunächst denkt: Am Lautsprecherboden bläst ein extra Woofer (Polypropylen) südwärts, den Bassmittelton besorgt ein Konus mit Aluminium-Membran, die Höhen eine 28-mm-Kalotte aus dem gleichen Material.

Und an den Wangen der Lautsprecher sitzen keine Designgags, sondern die Tieftonwiedergabe befördernde Passivtreiber. Und nicht nur die bekannte StreamMagic-Plattform ist proprietär, alle Treiber sind (bei dem Preis natürlich in China produzierte) Eigenentwicklungen – siehe die Bilder. Die Serie umfasst übrigens drei Lautsprechermodelle: Die L/R X (2.099 Euro) ist von gleicher Qualität, aber noch etwas größer als die L/R M. Die L/R S (499 Euro) hingegen ist nicht nur kleiner und für den Schreibtisch prädestiniert, sondern hat auch technisch weniger proprietäre Zutaten abbekommen.

Als hochzufriedener Besitzer eines Canever Audio ZeroUno SSD muss ich natürlich auch stets bei Canever (https://www.canever.engineering/) vorbeischauen, wo ich doch gleich die Lautsprecherlastigkeit meines Berichts etwas ausgleichen kann. Weit gefehlt: Mein Blick fällt sogleich auf die kompakten Sound Solution Harmony ONE, die in Wirklichkeit noch einmal viel besser aussehen als auf meinen Fotos. In Zusammenarbeit mit Altin Lile von Sound Solution sind nämlich die Harmony ONE entstanden, und Mario Canever zeichnet für die elektronischen Parts auch der aktiven Variante verantwortlich, die mit 17.400 Euro überraschenderweise 3.000 Euro günstiger ausfällt als die aufwendige Passivvariante. Die zugehörigen skulpturalen Ständer sind jeweils inkludiert.

Hochtonseitig mit einem ViaWave DRT-145 bestückt, stammen die Konusse der 43 Zentimeter hohen Kompaktlautsprecher von Satori. Genau, das Karomuster der Membranen kennt man unter anderem von Perlisten Audio: Bei dieser Konstruktion werden Karbonfasern zu ultradünnen Bändern gepresst und mit einem minimalen Anteil an Epoxidharz miteinander verwoben; maximale Steifigkeit bei minimalem Gewicht lautet natürlich auch hier das typische Entwicklungsziel. Die Schallwand des wunderschönen Gehäuses besteht aus Massivholz, der Rest aus mit Fiberglas durchsetztem MDF. Sehens- und ganz bestimmt hörenswerte Handwerkskunst aus Italien abseits allen Mainstreams.

Apropos abseits: Auch außerhalb des Austria Center Wien fanden einige spannende Events und Präsentationen statt. So lud bereits am Mittwoch ATR – Audio Trade (https://www.audiotra.de/) ins stilvolle Vienna Ballhaus (ganz in der Nähe lebte und arbeitete früher Sigmund Freud) ein und schuf einen nahezu festlichen Rahmen mit Essens- und Weinbegleitung.
Man traf dort nicht nur das ATR-Team und ATR-Chef Markolf Heimann, der die eigentliche Konferenz moderierte, sondern überdies einige Vertreter, Entwickler und Chefs aus dem Markenberitt von ATR.


Beispielsweise Daren Orth, CTO von Rotel, und Peter Kao, CEO von Rotel, dessen Großonkel das Unternehmen im Jahre 1961 gründete. Ja, Rotel ist immer noch ein japanisches Familienunternehmen, wenngleich man eine eigene Fabrik in China betreibt. Dieser entstammen auch der neue Vollverstärker und CD-Player (generell wieder stärker im Kommen) aus der Prestige-Reihe, die eine bezahlbarere und portablere Brücke zu den Topmodellen des Hauses bilden sollen.

Der Class-AB-Verstärker Michi Prestige X430 (4.999 Euro) leistet aber immer noch bis zu wuchtigen 210 Watt pro Kanal an 8 Ohm. Die Basis dafür bildet ein großzügig dimensioniertes Netzteil mit hausgemachtem Ringkerntransformator, Rotel ist generell für eine hohe Fertigungstiefe bekannt. Um über USB, koaxiale und optische Schnittstellen eingehende Signale kümmert sich ein ESS-Sabre-ES9039Q2M-DAC, freilich gibt es zudem mehrere Analogeingänge und sogar einen Phonoeingang (MM). Das große Farbdisplay mit VU-Meter-Darstellungen oder Spektrumanzeige sorgt für ein gewisses Flair des ansonsten bewusst schlicht gehaltenen Designs. Im Michi Prestige Q430 wandelt hingegen ein ESS Sabre ES9028PRO – möglichst ungestört dank eines vibrationsarm gelagerten Laufwerks sowie eines aufwendig geregelten Netzteils. Neben Cinch- und XLR-Ausgängen verfügt der Q430 zudem über einen koaxialen Digitalausgang, der Player kann somit auch als reiner Transport dienen.

Die italienische Marke Gold Note ist ganz neu im ATR-Portfolio, geschätzt für ihre sympathisch gepreisten Made-in-Italy-Geräte. Im Zuge des Wechsels zu ATR seien die Preise der 10er-Serie sogar um 10 Prozent gesunken. Frisch an den Start brachten die Italiener indes die komplett überarbeitete, mit Alu-Frontplatte ausgestattete 5.2-Serie, die sich aus einem Phono-Pre, einem Kopfhörerverstärker, CD-Player (natürlich!), einer Streaming-Vorstufe und einem für alle Geräte der Serie kompatiblen externen Netzteil rekrutiert. Alle Preise der 5er-Geräte bleiben gegenüber der Vorgängerserie konstant.


Fragt man Firmengründer Maurizio Aterini nach den grundsätzlichen technischen Besonderheiten seiner Lösungen, wird es schnell emotional, und vielleicht ist genau das auch das Leitbild für den Sound von Gold Note: Es gehe allein um Musik, ums originalgetreue Extrahieren der Signale; neben der Materialauswahl sei das Schaltungsdesign wichtig – und etwa die Schaltungsperipherie eines DAC-Chips wichtiger als der Chip selbst. Die kompakten Maße der Geräte – die 5.2-Serie ist 20 Zentimeter schmal – seien dem Ansinnen geschuldet, dass sie sich auch in kleinere Wohnungen einfügen sollen, wobei Signor Aterini wohl unter anderem gewisse schwedische Möbel im Hinterkopf hat …

Die Franzosen von Esprit Audio (https://www.hifi-mg.de/) schickten mir ganz frisch drei Lautsprecherkabel aus der G-10-Kabelserie zu, die ich noch genau hören will, die aber einen ersten vielversprechenden Eindruck machen und nicht zuletzt so hervorragend verarbeitet wirken, dass sich selbst unsere nicht sonderlich highfidele Fotografin zu einem lobenden Kommentar hinreißen ließ. Esprit Audio werden viele Leser wohl noch nicht richtig auf dem Schirm haben, mir ging es genauso – und das, obwohl das Team um CEO Richard Cesari, der das Unternehmen bereits 1997 gründete, mittlerweile auch spannende Lautsprecher reinsten klassisch-audiophilen Wassers herstellt.

Und zwar die Standlautsprechermodelle Lisa (38.000 Euro) und Amelia (19.800 Euro) sowie die kompakten Stella (6.800 Euro), die live noch einen viel wertigeren, edleren Eindruck machen als auf den Fotos. Die Amelia will ich in den kommenden Monaten unbedingt einmal nach Berlin einladen: Ein Zwei-Wege-System mit Mundorf-AMT, 20-cm-Bassmitteltöner von SEAS mit Alnico-Motor (Magnetlegierung aus Aluminium, Nickel, Kobalt und Eisen) sowie einem ohne inneres Dämpfungsmaterial auskommenden, auf einem Aluminiumsockel ruhenden Gehäuse, das in aufwendiger Sandwich-Bauweise gehalten wurde: Außen und innen aus MDF – ja, wir haben es hier im Grunde mit einem zweiten inneren Gehäuse zu tun – befindet sich mittig eine Bitumenschicht.

Die Vorführmusik von Esprit geriet zwar etwas schwulstig-romantisch, dennoch beeindruckte mich die Reinheit und der unangestrengte Feinsinn des Gebotenen, es tönte feindynamisch schnell und gleichzeitig zart; mit eine der überzeugendsten Vorführungen, denen ich in Wien beiwohnen durfte.
Messerundgang High End 2026 mit Martin Mertens
Der Umzug der High End nach Wien hat einige Veränderungen mit sich gebracht. Es galt, sich in neuen Räumlichkeiten zu orientieren – an dieser Stelle ein großes Lob an die Veranstalter beziehungsweise die zahlreichen Servicekräfte, die einem immer sofort sagen konnten, wo ein Raum zu finden war und wie man auf dem kürzesten Weg dorthin kam. Dass das Ganze etwas weitläufiger war als in München und dass man ab und zu auch mal Strecken durch fast leere Gänge laufen musste, fand ich persönlich nicht schlimm. Dem standen aus meiner Sicht deutliche Vorteile gegenüber dem MOC entgegen. So beeinflussten sich die Vorführungen gegenseitig weniger und die Luft war im ACV besser als in den Münchner Hallen.

Der Wechsel nach Österreich hatte auch einige Veränderungen seitens der Aussteller beziehungsweise der ausgestellten Marken zur Folge. Einige deutsche Vertriebe, die internationale Marken in München präsentiert hatten, waren auf der Wiener High End 2026 nicht präsent. Und in einigen Fällen fehlten die von ihnen betreuten Marken in Wien. Eine Audio-Messe ohne beispielsweise McIntosh oder Sonus Faber (in Deutschland im Vertrieb von Audio Components) war schon seltsam. Andere Marken, die gewöhnlich zusammen ausgestellt haben, weil sie in Deutschland von einem Vertrieb betreut werden, führten getrennt oder in anderen Kooperationen auf. Doch insgesamt gab es auf jeden Fall ein breites Spektrum an spannenden Vorführungen.
Fangen wir gleich ziemlich weit oben an. Normalerweise bin ich kein Fan von Monster-HiFi. Wobei ich natürlich weiß, dass es Menschen gibt, die das Glück haben, große Hörräume zu besitzen, die sie standesgemäß beschallen wollen. Und das geht eben nicht immer mit HiFi-Komponenten für übliche Wohnzimmergrößen.

Das weiß man offenbar auch beim dänischen Lautsprecherhersteller Peak Consult (https://3-h.de/). Waren die bisherigen Modelle Sonora, Sinfonia und El Diablo (zwischen 25.000 bis 65.000 Euro) durchaus noch wohnzimmertauglich, gab es ganz oben bisher nur das Top-Modell Dragon Legacy (185.000 Euro). Die ziemlich große Lücke zwischen den „kleinen“ Lautsprechern und dem Topmodell hat Peak nun mit der auf der High End 2026 vorgestellten SunFyre überbrückt – zumindest ein bisschen.

Die SunFyre kosten stolze 150.000 Euro, darunter wollten es die Dänen dann wohl doch nicht tun. Die neuen „kleinen Großen“ klangen auf jeden Fall beeindruckend und, was mir besonders gut gefiel, angemessen großzügig, aber nicht aufgeblasen. Oft stellen richtig „dicke“ Anlagen das Klanggeschehen mehr oder minder stark vergrößert dar, sodass zum Beispiel Sänger unrealistisch groß klingen. Die hier vorgeführte Anlage tat das nicht. Ja, das war großer Klang, aber eben frappierend realistisch. Vorgeführt wurden die Lautsprecher mit Verstärkern von CH Precision, digitalen Quellgeräten von Innuos und Kabeln von Chord.

DREI H (https://3-h.de/) feierte – beinahe nebenbei – noch einen eigentlich aufsehenerregenden Neuzugang: Harbeth, lange unter der Obhut von Input Audio, wird jetzt von den Hamburgern betreut. Bernd Hömke, dem Input Audio gehört, hat den Vertrieb von Harbeth an DREI H übergeben, weil er zukünftig etwas kürzer treten will. Ein großer Schritt, denn dass Harbeth seit vielen Jahren eine feste Größe auf dem deutschen HiFi-Markt ist, ist zu einem erheblichen Maße dem beständigen Engagement von Herrn Hömke zu verdanken, der sich weiterhin um seine anderen Marken kümmern wird. Gejubelt hat Herr Hömke vor allem darüber, dass er nun keinen Messeauftritt mehr organisieren muss.
Selbstverständlich hatte DREI H auch die neuesten Entwicklungen aus dem Hause Harbeth dabei. Neben der Umstellung der etablierten, passiven Harbeth-Modelle auf neue XD2-Versionen mit überarbeiteten RADIAL-Membranen haben die Engländer vor zwei Jahren mit der NLE-1 ihren ersten aktiven Lautsprecher vorgestellt. Auf der diesjährigen High End hatte Alan Shaw, Eigner und Entwickler von Harbeth, die neue aktive NLE-3 dabei.

Während die NLE-1 kompakte Zwei-Wege-Lautsprecher (siehe Test) sind, bei denen die Elektronik rückseitig ins Gehäuse eingebaut ist, handelt es sich bei den NLE-3 um nicht mehr ganz so kompakte Drei-Wege-Lautsprecher, bei denen die Elektronik – Frequenzweiche und Verstärker – extern als Einzelgeräte mitgeliefert werden. Auf der Rückseite der NLE-3 befinden sich drei Paar Lautsprecherterminals, über die die einzelnen Chassis mit den jeweiligen Verstärkern verkabelt werden. Bei der Frequenzweiche setzt Harbeth auf moderne Digitalelektronik mit DSP, die eine umfangreiche Anpassung des Klangs an den Raum und Hörgewohnheiten ermöglicht. Beim Verstärker handelt es sich um eine Mehrkanal-Endstufe, die mit Class-D-Ncore-Modulen von Hypex ausgestattet ist. Harbeth plant, die NLE-3 später auch in einer Version ohne Verstärker anzubieten, sodass Käufer Verstärker ihrer Wahl einsetzen können – wobei zum Betrieb der NLE-3 dann mehrere identische Verstärker benötigt werden. Die Harbeth NLE-3 kommen als Komplettsystem mit Elektronik zu einem Preis von circa 32.000 Euro auf den deutschen Markt.

Dass das Austria Center Vienna ein paar große Räume mehr als das MOC in München bot, nutzten einige Hersteller, um hier auch mal richtig großes Besteck vorzuführen – wie etwa Cessaro (https://www.cessaro.de/home). Die deutsche Firma ist in Deutschland selbst gar nicht sooo bekannt, im Ausland dafür aber umso besser beleumundet. Das ist verständlich, schließlich repräsentiert Cessaro doch „Made in Germany“, wie man sich das vorstellt.

Alle Modelle werden mit extrem hoher Fertigungstiefe in Deutschland entwickelt und produziert. Aber klar, in Deutschland werden sich trotz hoher Millionärsquote wohl nur wenige Menschen Lautsprechersysteme wie das in Wien vorgestellte System Zeta III leisten, das mit insgesamt vier aktiven Basseinheiten rund 800.000 Euro kostet.

Einen völlig anderen Weg schlug Horns aus Polen ein, in Deutschland durch Len HiFi (https://www.lenhifi.de/) in Duisburg vertreten. Obwohl Horns mit der Universum auch recht beeindruckende Hornlautsprecher im Angebot hat, standen auf der High End 2026 in einem eher kleinen Raum lediglich ein Paar der kompakten Atmosphere (6.600 Euro) inklusive Ständer (800 Euro), die von einem kompakten Röhrenverstärker, einem Qualiton A35 (4.700 Euro) von Audio Hungary, angetrieben wurden. Und das war es. Auch wenn es wenig zu sehen gab – es gab umso mehr zu hören: Das Setting spielte wunderbar homogen mit einer kleinen Tendenz in Richtung vollmundig-kraftvoll und insgesamt sehr differenziert und langzeithörtauglich. Schön, dass sich mal jemand getraut hat, HiFi für Normalverdiener in den Fokus zu stellen.

Len HiFi selbst war auch auf der High End 2026 vertreten. Hier spielte ebenfalls ein Audio-Hungary-Vollverstärker, allerdings der, wie ich finde, noch spannendere Qualiton 300B (9.950 Euro). Wie der Name schon verrät, ein Röhrenverstärker, der mit der legendären 300B-Röhre arbeitet. Pro Kanal bringen es hier zwei 300B auf eine Leistung von 25 Watt, was den Amp schon deutlich universeller einsetzbar macht als die zahlreichen 300B-Verstärker, die mit nur einer Triode in einer Single-Ended-Class-A-Schaltung auf sieben bis acht Watt kommen. Bemerkenswert ist auch, dass Audio Hungary in Verbindung mit den 300B eine Auto-Bias-Schaltung einsetzt und dass die Lautstärkeregelung über ein relaisgesteuertes Widerstandsnetzwerk erfolgt.

Als Signalquelle setzte Len HiFi vornehmlich auf analog. Als Laufwerk kam ein J. Sikora Aspire mit KV9-Tonarm zum Einsatz (zusammen 7.500 Euro), eine Kombination, von deren Qualitäten ich mich schon in einem Test überzeugen konnte, die Phonovorstufe kam ebenfalls von Audio Hungary, eine Qualiton Phono (3.500 Euro). Alternativ stand noch Digitalelektronik von Linnenberg in den Startlöchern. Auch die eingesetzten Lautsprecher waren alles andere als Mainstream: Die Robin von Soundspace Systems (https://www.soundspacesystems.com/) aus Berlin (50.000 Euro), die mit einem hohen Wirkungsgrad von 97 dB/W/m aufwarten, entpuppten sich als superbe Spielpartner für den Qualiton-Verstärker, wobei die seitlich eingebauten Zehn-Zoll-Bässe der Robin aktiv angesteuert werden.
Apropos jenseits des Mainstream: Auf der High End 2026 hat sich unter anderem eine Allianz aus Brodmann-Lautsprechern (wir hatten neulich die F2 im Test) und Digitalelektronik von Ideon Audio ergeben, die es gleich in zwei Räumen zu hören gab. Anstifter dieser spannenden Kombination war die Audio Agency (https://audio-agency.net/) aus Neuss, die beide Marken in Deutschland vertreibt.

Im Untergeschoss des ACV hatten die Joseph Brodmann Signature JB175 (ab 95.000 Euro) in Kombination mit den neuen Joseph Brodmann Signature JB175 Active Bass Towers (ab 80.000 Euro) Premiere. Die ungewöhnlich aussehenden Lautsprecher, hinter deren spezieller Konstruktion die Entwickler-Legende Hans Deutsch steckt, strotzen nur so vor Besonderheiten. Um diese auch nur ansatzweise zu beschreiben, bräuchte es allein schon einen mehrseitigen Text.

An dieser Stelle nur so viel: Die Tiefmitteltöner sitzen auf den Gehäuseseiten, und bei der Gehäusekonstruktion handelt es sich um eine Weiterentwicklung des von Hans Deutsch bereits Anfang der 1970er Jahre – und seitdem kontinuierlich weiterentwickelten – Hornresonator-Prinzips. Da die JB175 im Bass eine recht niedrige Impedanz besitzen, kann man sie auch in einem speziellen Biwiring-Modus betreiben, wobei ein Verstärker beziehungsweise Kanal dann jeweils den halben Lautsprecher antreibt – also einer für eine Kalotte und die linken Tiefmitteltöner, der andere die zweite Kalotte und die Tiefmitteltöner der rechten Seite. Die dritte Kalotte lässt sich nach Bedarf dazuschalten, etwa dann, wenn die Raumakustik mehr Hochtonenergie verlangt. Man kann den Lautsprecher aber auch konventionell, mit einem Verstärker(zweig) pro Box antreiben, wenn der Verstärker stabil genug ist, um die niedrige Impedanz zu handhaben. Bei den Active Bass Towers handelt es sich um DSP-gesteuerte Subwoofer, die eine feinfühlige Anpassung an die Raumakustik erlauben. Als Signalquelle diente bei der Vorführung der „Über-DAC“ Axiom von Ideon Audio (180.000 Euro), ein Cost-no-object-Gerät, mit dem Ideon Audio in Sachen D/A-Wandlung an die Grenzen des technisch Machbaren geht und dessen Technik in drei Gehäusen untergebracht ist, die zusammen rund 130 Kilogramm auf die Waage bringen. Die Verstärkerelektronik stammte von EMM-Labs.

Einen völlig anderen Weg geht Ideon Audio beim flammneuen Streaming-DAC Nous (circa 24.000 Euro), den es auf der ersten Etage des ACV zu hören gab. Das Gerät ist der erste Vertreter einer neuen Produktlinie und stellt gewissermaßen eine Abkehr von der bisherigen Philosophie der Griechen dar. Zwar bleiben sie ihren technischen Prinzipien – überdimensionierte, aufwendig gefilterte Stromversorgung, mehrstufige Jitter-Bereinigung und eine eigene Software für die DAC-Chips – treu, doch während es bei den bisherigen Geräteserien verschiedene Ausbaustufen in Form mehrerer Komponenten gab – Streamer, Reclocker, DAC –, vereinen die neuen Geräte alles in einem Gehäuse.

Ideon Audio argumentiert, dass sich die Signalverarbeitung zwischen den verschiedenen Bereichen so noch besser aufeinander abstimmen ließe. Der Ideon Nous – Streamer, DAC, Reclocker in einem Gehäuse – verfügt zusätzlich über analoge Eingänge und eine Lautstärkeregelung, sodass er auch eine Vorstufe ersetzen kann. Es soll in Zukunft auch eine Version ohne analoge Eingänge geben. Auch bei dieser Vorstellung arbeitete Ideon mit Brodmann zusammen, hier spielten die Brodmann Vienna Classic VC7 (ab 28.000 Euro).
Dass man auch deutlich preiswerter sehr ordentlich Musik hören kann, zeigte WOD Audio (https://wodaudio.com/) mit den neuen Lautsprechermodellen Toscana des italienischen Herstellers Rosso Fiorentino (4.000 Euro). Ein selbst entwickeltes Koaxialchassis in Zusammenarbeit mit einem nach unten abstrahlenden Basstreiber lieferte ein sehr homogenes, eingängiges und differenziertes Klangbild, das nach deutlich mehr klang, als es der aufgerufene Preis erwarten ließ. Dazu beeindruckten die Toscana mit der wirklich hervorragenden Verarbeitungsqualität, die alle Lautsprecher der Italiener auszeichnet.

Mein Fazit von dieser Messe: Ich freue mich auf die nächste High End im Austria Center Vienna. Vielleicht findet sich ja auch noch die ein oder andere Marke ein, die in diesem Jahr noch skeptisch Distanz gewahrt hat. Ganz davon abgesehen ist Wien einfach eine tolle Stadt. Servus, Baba und Grüß Gott für 2027!
Kopfhörer & Mobilaudio auf der High End 2026 mit Thomas Kopanz
Die Fülle an kopfhörerspezifischen Neuigkeiten wollte dieses Jahr auf der High End Vienna kein Ende nehmen. Die Hersteller im Personal-Audio-Bereich hatten sich mit ihren neuen Komponenten gefühlt über die gesamte Messefläche ausgebreitet. Bei nahezu jedem zweiten Stand waren Kopfhörer oder Kopfhörerverstärker namhafter Marken zu hören und zu sehen.
Auch wenn Astell & Kern (https://headphone.shop/de/) bereits letztes Jahr mit dem SP4000 einen mobilen Edel-DAP präsentierte, der derzeit sowohl technisch als auch vom Funktionsumfang seinesgleichen sucht, konnte mich der koreanische Hersteller auch heuer wieder überraschen und stellt mit dem SP4000T eine Variante mit integrierten Röhren vor. Der Digital Audio Player beherbergt insgesamt vier Röhren des Typs Raytheon JAN6418. Die Betriebsmodi lassen sich zwischen Triode, Ultralinear und Pentode umschalten, was im mobilen Bereich einzigartig ist. Selbst die Stromstärke, die an den Röhren anliegt, kann angepasst werden. Von den vier AK4499EX-DACs haben allerdings nur mehr zwei im Gehäuse Platz gefunden. Nicht nur für den Röhrenliebhaber sicher verkraftbar.

Der zweite Neuzugang bei Astell & Kern hört auf den Namen PD20 und hat ebenfalls ein einzigartiges Feature an Bord. Diesmal ist aber nicht die Hardware das Besondere, sondern die Möglichkeit, mittels eines im DAP integrierten Hörtests, der in Kollaboration mit Audiodo entwickelt wurde, den optimalen Klang für den eigenen Hörgeschmack zu finden. Den Ansatz kennt man zwar bereits von Kopfhörerherstellern wie Beyerdynamic (MOSAIC), im Player jedoch ist die Personalisierung vom Kopfhörer unabhängig und somit breiter einsetzbar. Der integrierte 160-stufige Equalizer ermöglicht zudem ein sehr feines Klangtuning. Dafür, dass der Astell & Kern PD20 auch grundsätzlich gut musiziert, sorgen die vier ES9027Pro-DACs und die Triple-Amp-Technologie, bei der zwischen Class-A-, AB- und Hybrid-Modus umgeschaltet werden kann.

Preislich wird der Astell & Kern SP4000T bei zirka 3.300 US-Dollar liegen und im Juli auf den Markt kommen. In Deutschland wird der Player voraussichtlich einen ähnlichen Preis anpeilen. Der Astell & Kern PD20 ist bereits erhältlich und kann für eine UVP von 1.799 Euro erworben werden.
Weiter geht’s mit dem Röhrenspezialisten Cayin (https://cayin.com/). Dass die chinesische Manufaktur seit der High End 2025 untätig gewesen wäre, kann man bei den vielen Neuheiten sicher nicht behaupten. Natürlich gibt es auch hier Mobilaudio zu sehen und zu hören. Der Cayin N8iii ist der neueste – aber sicher nicht kleinste – High-End-DAP des Hauses und mit zwei Nutube-6P1-Doppeltrioden ausgestattet. Intern ist der Player vollsymmetrisch aufgebaut und kann zwischen zwei verschiedenen Röhrenmodi sowie einem Transistormodus umgeschaltet werden. Er bietet vier der neuen AKM-AK4499EXEQ-Wandler und kann am symmetrischen Ausgang Kopfhörer mit bis zu 1.285 mW befeuern. Der auf 500 Stück limitierte Player ist ab sofort für 4.280 Euro (Aktionspreis: 3.999 Euro) bei Cayin Deutschland erhältlich.

Cayin ist überdies auf den Retrotrend rund um die Compact Disc aufgesprungen. Mit dem mobilen CD-Player CP6 hat Cayin ein besonderes Stück Technik im Angebot. Der sehr kompakte Player kann nicht nur im Akkubetrieb über längere Zeit für musikalischen Hochgenuss sorgen. Eine CD-Ripping-Funktion sowie Bluetooth-Sender und -Empfänger sind ebenfalls an Bord. Für den Kopfhörerenthusiasten gibt es obendrein noch einen symmetrischen 4,4-Millimeter-Pentaconn- sowie einen unsymmetrischen 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss. Erwartet wird das Schmuckstück im August 2026 für etwas weniger als 1.000 Euro.

Mit Blick auf klassische Kopfhörerverstärker bot Cayin den HA-1A MK3 auf, die neue Iteration des Entry-Level-Kopfhörerverstärkers. Mit zwei JJ12AU7 beziehungsweise ECC82 und zwei Electro-Harmonix-Röhren bestückt, kann der Single-Ended-Class-A-Verstärker Kopfhörer mit bis zu 2.800 mW (XLR-Out) versorgen. Erwartet wird der kompakte Amp Mitte August zu einem Preis von 1.298 Euro.

Keine Messe vergeht bei mir, ohne auf dem Stand von FiiO vorbeizuschauen. Neben dem bereits für 699 Euro über NT-Global im DACH-Raum beziehbaren Digital Audio Player M33 mit R2R-DAC stach für mich besonders der neue dedizierte Kopfhörerverstärker heraus. Noch ohne Namen machen sich die inneren Werte wie ein dicker Ringkerntrafo oder eine Ausgangsleistung von zweimal 1.000 mW schon einmal gut. Äußerlich verfolgt FiiO klar die Retro-Designlinie der K15- und K17-Verstärker-/DAC-Kombinationen und bietet neben fünf Gain-Stufen auch separate Regler für Bass und Höhen an. Falls FiiO den angepeilten Preis von 300 US-Dollar bis zum Release Ende August beziehungsweise Anfang September hält, kann der potente Headphone Amp sicher zu einem Leckerbissen der Einsteigerklasse avancieren.


Mit dem FT15, einer Weiterentwicklung von FiiOs erstem magnetostatischen Kopfhörer FT5, peilen die Chinesen außerdem eine neue Referenz im 500-Dollar-Bereich an. Bereits um einige Monate verzögert, soll der offene Over-Ear schließlich im August das Licht der Kopfhörerwelt erblicken.

Hochwertiges auf die Ohren gab es selbstverständlich auch am Stand von AudioNext (https://www.audiodomain.de/), wo wie schon im vergangenen Jahr der amerikanische Headphone-Guru und Sympathieträger Dan Clark antrat, um einen Vortrag über seine neueste Errungenschaft, den Dan Clark Audio Aeon Core, zu halten. Dabei handelt es sich um einen geschlossenen Over-Ear-Kopfhörer mit planarmagnetischen Treibern. Das Besondere an diesem Kopfhörer ist nicht etwa bloß die hervorragende Verarbeitung mit einem Gehäuse aus mattem Aluminium und Echtholzfurnier oder die bereits bekannte, sehr bequeme Kopfbandkonstruktion.

Ganz besonders stolz ist der US-Amerikaner darauf, dass es ihm gelungen ist, zusammen mit dem Erfinder der Harman-Kurve, Sean Olive, die ursprüngliche Kurve, die auf einem alten Kunstkopf mit Zwislocki-Ohren gemessen wurde, auf moderne Messsysteme wie den „Brüel & Kjær Type 5128“-Kunstkopf zu übertragen und so Ungenauigkeiten und Fehler – beispielsweise eine hörbare Frequenzsenke im oberen Messbereich – zu vermeiden. Die Kopfhörer bieten im Vergleich zu seinen früheren Entwicklungen ein etwas präsenteres, aber dennoch angenehmes, leicht warmes Timbre mit tief hinabreichendem Bassbereich.
Das Beste daran ist aber der Preis: Der Dan Clark Audio Aeon Core soll Mitte Juni, also ab sofort, zu einem Preis von 999 Euro im Handel verfügbar sein.
Im ersten Stock, im Raum von Eversolo, erwarteten mich zudem von der Schwesternmarke Luxsin besondere Schmankerl. Mit dem B9 wurde ein neuer Kopfhörerverstärker mit integriertem R2R-DAC vorgestellt. Dieser soll eine Alternative für jene Musikliebhaber darstellen, die das tendenziell organischere Sounding eines DACs mit Widerstandsnetzwerk gegenüber den bereits verfügbaren integrierten DAC-/Amp-Kombinationen X8 und X9 bevorzugen. Ab Oktober sind dann auch ein reiner Kopfhörerverstärker (BH9) und der R2R-DAC BD9 verfügbar. Das Gimmick: Der Lautstärkeregler des BD9 ist abnehmbar und als Fernbedienung nutzbar. Der Preis für die beiden Einzelgeräte steht noch nicht fest. Gemeinsam wird jedoch eine UVP von 2.500 Euro angestrebt. Der Luxsin B9 soll 1.500 US-Dollar kosten und ab dem vierten Quartal erhältlich sein.


Letztes Jahr musste sich Axel Grell (https://de.grellaudio.com/) noch mit einem Messestand vor dem Eingang des MOC in München begnügen. In Wien konnte er seinen frisch aus der Taufe gehobenen OAE-2 präsentieren. Das Konzept eines kompromisslos offenen Kopfhörers ist nach dem Erfolg des Vorgängers OAE-1 gleich geblieben. Verbessert wurden die interne Dämpfung, das Kopfband und natürlich das Sounding. Klang der OAE-1 noch recht dunkel und in den Höhen etwas zurückhaltend, konnte man sich im dritten Stock der diesjährigen High End davon überzeugen, dass der OAE-2 wesentlich näher an der Harman-Kurve liegt. Der offene Over-Ear klang dementsprechend präsenter im Hochton und zeichnete insgesamt ein tonal realistischeres Klangbild. Durch die extrem angewinkelten Treiber und das offene Design hebt sich die räumliche Darstellung deutlich von anderen Kopfhörerkonstruktionen ab.

Hatte Axel Grell beim OAE-1 noch keinen Vertrieb in Deutschland – das mittlerweile eingestellte Unternehmen Massdrop besaß einen Exklusivvertrag mit ihm –, kann der Kopfhörer-Guru dieses Jahr Sieveking Audio als Partner für den deutschsprachigen Raum verkünden. Der Grell OAE-2 ist ab sofort im ausgewählten Fachhandel für 499 Euro verfügbar.
Normalerweise werden Unternehmen, die sich primär auf Lautsprecher spezialisiert haben, von meinen Kollegen abgedeckt. Im Falle von Klipsch musste ich dieses Jahr aber eine Ausnahme machen, da der US-amerikanische Hersteller nach gefühlter Ewigkeit wieder ins Kopfhörersegment drängt. Mit dem neuen Premium-Line-up Atlas HP-1 (Bluetooth ANC), HP-2 (geschlossener Over-Ear) und HP-3 (halboffener Over-Ear) will Klipsch im Personal-Audio-Bereich wieder Boden auf die Konkurrenz gutmachen.
Viel ist zu den neuen dynamischen Kopfhörern noch nicht bekannt. HP-2 und HP-3 sind kabelgebunden und sollen sich für den Musikgenuss zu Hause eignen. Besonders das Topmodell HP-3 konnte mich klanglich mit seinem leicht voluminösen Bassbereich und den seidigen Höhen überzeugen. Der interessanteste Kopfhörer des Trios, der Bluetooth-Over-Ear HP-1, war auf der Messe leider nicht zugegen. Der geplante Marktstart für die beiden kabelgebundenen Modelle soll Ende 2026 erfolgen. Die Bluetooth-Version wird vermutlich erst Anfang 2027 spruchreif. Preislich bewegen sich die hervorragend verarbeiteten Over-Ears voraussichtlich zwischen 700 Euro (HP-1) und 1.400 Euro (HP-3).


Ein echter Wow-Faktor bot sich meinen Augen und Ohren im Untergeschoss des Austria Center Vienna bei Matrix Audio (https://3-h.de/). Als Early Adopter ihres ersten Produktes, des M-Stage HPA-1, der mittlerweile stolze 16 Jahre auf dem Buckel hat und zahlreiche Evolutionsstufen durchlaufen hat, war es mir natürlich eine Freude zu sehen, dass sich der chinesische Hersteller wieder auf seine Wurzeln im Kopfhörerverstärker-Bereich besonnen hat.
Das Unternehmen wandelte sich im Laufe der Zeit vom Budget-Anbieter zum Premium-Hersteller von Netzwerk-Streamern und DACs. Das zeigt sich auch beim neuen Kopfhörerverstärker Matrix NA-1. Dieser reiht sich nahtlos in die bereits verfügbaren Komponenten der N-Line ein, bestehend aus Netzwerk-Transport (NT-1) und DAC (ND-1). Der symmetrische Verstärker ist vollkommen diskret aufgebaut und bietet neben einem massiven Ringkerntrafo zur Stromversorgung – die Versorgung für den Stand-by-Betrieb ist vom eigentlichen Netzteil separiert – mit bis zu 18 Watt am symmetrischen Kopfhörerausgang mehr als ausreichend Leistung selbst für schwer anzutreibende Kopfhörer. Verfügbar sein wird der Matrix NA-1 in Kürze zu einem Preis von rund 2.500 US-Dollar; in Deutschland wird Matrix Audio vom bekannten Drei-H-Vertrieb aus Hamburg distribuiert.

Recht unscheinbar und noch in der Prototypenphase zeigte sich zudem Elektronik, wie man sie von den Anfängen der Marke kennt: Ein integrierter DAC/Kopfhörerverstärker mit Vorverstärkersektion soll die etwas preisgünstigere T-Serie ergänzen. Das voraussichtlich auf den Namen TD-1 hörende Kombigerät soll sich preislich unter den 1.800 US-Dollar des Netzwerk-Transporters TT-1 ansiedeln. Der Verkaufsstart ist für September 2026 geplant.

Sehr interessant für mich, am Messestand aber etwas an den Rand verbannt, war das neue kabellose Audeze Maxwell-2-ANC-Bluetooth-Headset. Der bereits ohne ANC erhältliche planarmagnetische Over-Ear mit abnehmbarem Mikrofon wurde in der zweiten Version sowohl klanglich verbessert (SLAM-Technologie) als auch um wichtige Funktionen erweitert. So entwickelte man zur Optimierung der Sprachqualität einen KI-gestützten Filteralgorithmus, der über das Mikrofon für mehr Klarheit bei der in der Gaming-Welt wichtigen Kommunikation sorgen soll. Ein neues, breiteres und gelochtes Kopfband bürgt zudem für mehr Komfort und bessere Durchlüftung.

Verbunden wird der Kopfhörer entweder über einen mitgelieferten Wireless-Dongle, per USB-C-Kabel oder via Bluetooth (Auracast, LE Audio, LDAC und AAC). Ein nettes Gimmick stellen die austauschbaren Gehäuseschalen dar, die in verschiedenen Farben und Mustern erhältlich sind. Die Version mit ANC filtert nun auch Außengeräusche gekonnt heraus. Der Maxwell 2 ohne ANC ist für 426 Euro (PlayStation-Version) beziehungsweise 480 Euro (Xbox-Version) erhältlich. Die ANC-Version soll im kommenden Monat für jeweils 100 Euro Aufpreis auf den Markt kommen. Vertrieben werden die Kopfhörer von Audeze in Deutschland über Mega Audio.

Genau auf dem Stand des hiesigen Distributors (https://www.megaaudio.de) gab es auch die neuen Fostex-Over-Ears TH910 (geschlossen) und TH919 (offen) zu bewundern. Die mechanische und klangliche Weiterentwicklung der bekannten TH900-Serie soll vor allem durch einen definierteren Tieftonbereich sowie eine um 20 Prozent leichtere Konstruktion überzeugen. Der komplett überarbeitete 50-mm-BioDyna-Treiber, die neu konstruierte Sicke und die Wahl einer Magnesiumlegierung anstelle von Aluminium für einige mechanische Bauteile zeichnen für diese Verbesserungen verantwortlich.
Das beim geschlossenen TH900 aufgebrachte Fostex-Logo musste beim TH910 einer glatten, rillenlosen Form weichen. Ebenfalls neu sind die Ohrpolster: Diese wurden für einen angenehmeren Sitz sowohl hinsichtlich ihrer Form (abgeschrägt) als auch beim Material (zweischichtiger Urethan-Schaum) optimiert.

Sowohl der geschlossene Fostex TH910 als auch der offene Fostex TH919 sind selbstverständlich mit dem bekannten edlen Urushi-Lack überzogen und für 3.273 Euro (TH910) beziehungsweise 3.545 Euro (TH919) erhältlich.
New Kids on the Block
Etwas abseits vom Messetrubel, in einer Zwischenaula im Untergeschoss, wurden die Start-ups der HiFi-Welt positioniert. Ganze drei der insgesamt sechs Hersteller hatten sich auf Kopfhörer und deren Besonderheiten spezialisiert. Besonderheiten deshalb, weil sie alle eines vereint: ungewöhnliche Konzepte, um den Kopfhörermarkt aufzumischen.

Den Anfang machten True Stereo Labs (https://truestereolabs.com/) mit ihrem gewagten Ansatz, ein mechanisches Crossfeed mittels zusätzlicher Treiber zu erzeugen. Dabei sitzt jeweils ein Treiber pro Seite außerhalb des Kopfhörerchassis am Ende eines Schallkanals, der vor das Ohr führt und laufzeitkorrigiert das jeweilige Signal des anderen Kanals wiedergibt. Heißt: Am rechten Ohr wird das linke Signal zusätzlich eingespeist und vice versa.
Abgesehen von der noch keineswegs finalen Klangabstimmung funktionierte das Crossfeed-Konzept bereits erstaunlich gut. Zumindest die Optik ist jedoch gewöhnungsbedürftig. Die beiden Gründer haben auch schon einen ambitionierten Zeitplan und Preis im Auge: Bereits im Oktober soll der finale Kopfhörer zu einem stolzen Preis von 1.400 Euro über Kickstarter verfügbar sein.

Weiter ging es mit einem planarmagnetischen Treiberkonzept auf Glasbasis von Hoxit Audio (https://www.hoxit.sk/). Das junge Unternehmen aus der Slowakei möchte mit der Glasmembran die Nachteile der großen Membranfläche, die für Magnetostaten notwendig ist, eliminieren. Hierdurch soll über die gesamte Fläche ein stabileres Schwingverhalten gewährleistet werden. Zudem will man mit dem härteren Material Verformungen entgegenwirken, die bei Kunststoffen mit der Zeit auftreten können.
Noch steckt das Konzept tief in der Entwicklung, was beispielsweise eine zerbrochene Demo-Membran zeigte. Positive Ansätze bietet Hoxit allerdings mit dem bereits beim ersten Kopfhörer V1 realisierten modularen Aufbau, bei dem Einzelteile für Reparaturen oder Klangupdates ausgetauscht werden können. Derzeit läuft noch bis Ende Juni eine Crowdfunding-Kampagne auf der Firmenwebsite. Wann, zu welchem Preis und ob das ambitionierte Konzept überhaupt auf den Markt kommen wird, steht allerdings noch in den Sternen.

Wesentlich näher am fertigen Produkt und zugleich deutlich weniger aufwendig zeigt sich die Kopfhörerkonstruktion der Kanadier von Head(amame) (https://headamame.com/). Der Head(amame) Pro verfolgt mit einem Treiber aus Glas ein ähnliches Konzept wie Hoxit, begnügt sich jedoch mit der wesentlich weiter verbreiteten klassischen dynamischen Treiberkonstruktion. Auch hier soll die Festigkeit des Materials für einen schnellen und präzisen Hub der Membran sorgen und das Signal dadurch exakter und unverfälschter wiedergeben.
Klanglich überzeugte mich dieses Konzept sehr. Auch der Preis hält sich mit 399 Euro im Rahmen. By the way: Allen Kopfhörern im Start-up-Bereich gemein ist ein 3D-gedrucktes Gehäuse.

Ich war nach dem Probelauf im Herbst 2024 mit der Finest Audio Show im Austria Center Vienna etwas verhalten, was den Erfolg der Umsiedlung von München nach Wien anging. Die erste reguläre High End in Wien konnte sich dafür mehr als nur sehen lassen. Besonders die weitere Verbreitung der Kopfhörer- und Mobile-Sparte machte mich heuer sehr glücklich. Auch die Atmosphäre wirkte weniger hektisch als noch in München, und man hatte gefühlt mehr Luft zum Atmen.
Wien, meine Heimatstadt, hat mich auch diesmal nicht enttäuscht, und ich blicke deshalb bereits mit Spannung auf das nächste Jahr, wenn sich in der Weltstadt der Musik wieder namhafte Hersteller der Audio-Branche die Hand geben.
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