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Neben der sympathischen Atmosphäre in den Werkshallen bietet die Linn Factory noch ein ganz besonderes Schmankerl namens Linn Home.
Im Linn Home spielen die verschiedenen Linn-Systeme unter realen Wohnraumbedingungen
In einer elegant eingerichteten kompletten Wohnungsumgebung mit Schlafzimmer, Arbeitszimmer, Wohn-/Essareal und offener Küche spielen die neuesten Produkte von Linn unter realen Bedingungen. Von der Kompaktanlage Linn Kiko bis hin zum Akubarik-Exakt-System – hier passt nicht nur optisch einfach alles.
Zwei weitere, akustisch stärker optimierte Hörräume bieten dann professionelle Bedingungen zur Beurteilung von Komponenten unter Idealbedingungen, und in einem dritten Hörraum darf eigentlich keiner rein, weil hier Prototypen und Top-Secret-Geräte gehört werden. Zum Zeitpunkt meines Besuchs jedoch residierte ein Pärchen Linn Keltiks in diesem Raum, aktiv angetrieben und mit der Exaktbox ausgestattet – famoser Spaß! Ein letzter Hörraum schließlich hielt eine Überraschung parat: Ein Paar B&W Nautilus samt externer aktiver Frequenzweiche, befeuert von gleich zehn Linn Klimax Monoendstufen. Aber von vorne:
Den ersten Eindruck davon, was das neue System kann, gab ein Linn-Akudorik-Exakt-Setup. Die kompakten Vier-Wege-Lautsprecher füllten einen der akustisch optimierten Hörräume schon im normalen Zustand (aktiv getrennt und angetrieben, aber ohne digitale Regelung über Exakt) gut aus, hatten aber ein wenig Mühe, die komplexen Klänge des Dunedin Consort zu trennen. Auch fehlte untenrum etwas Fülle – dachte ich. Kam die Bearbeitung mit dem Exakt-System hinzu, lösten sich die einzelnen Strukturen nicht nur viel besser voneinander ab, sondern auch von den Lautsprechern, die akustisch nun völlig verschwunden waren. Und obwohl der Gesamteindruck der von gesteigerter Präzision und größerer Sauberkeit im Klangbild war, verlieh das Exakt-System den klassischen Klängen gleichzeitig mehr Volumen und Fülle. Erstaunlich!
Ganz ähnliche und teilweise (je nach Musikmaterial) noch sehr viel drastischere Ergebnisse erlebte ich auch mit den Linn Akurate samt Exaktbox sowie nochmals mit den Akudorik, dieses Mal aber im großen, offenen Wohnraum. Immer war das Ergebnis das von ungleich besserem musikalischem Timing, offenerer, greifbarerer Räumlichkeit, deutlich gesteigerter Sauberkeit und höherer Auflösung bei gleichzeitig zurückgehendem Stressfaktor. Die Wiedergabe wird neutraler und dynamisch feiner abgestuft.
Wirklich die Kinnlade heruntergefallen ist mir jedoch bei der Demonstration der B&W Nautilus ohne und mit der Exaktbox. Dieser legendäre Lautsprecher ist eine Designikone, klar, aber er klingt auch gut. Relativ. Okay, ganz ehrlich, heutzutage gibt es für viel weniger Geld ebenbürtige Lautsprechersysteme. Dennoch war ich sehr gespannt – und dann erst mal derbe enttäuscht. Dick, unbeweglich, versumpft, belegt und dennoch grell klang es mit den aktiven Originalweichen der Nautilus, trotz der vorgeschalteten Linn-Elektronik im sechsstelligen Preisbereich. Ja, der Raum war vielleicht der am wenigsten als Hörraum gedachte, aber dennoch – es tönte selbst in Anbetracht dessen gar schauder-schrecklich! Schneller Wechsel auf die Exaktboxen aus der Klimax-Familie, die nun die aktiven Frequenzweichen der B&W ersetzten – und die Sonne ging auf. Der mumpfige Bass in Amy Whitehouse’ „Like Smoke“ hat eine Frischzellenkur hinter sich, die selbst die skandalöse Chanteuse bei einem ihrer legendären Trunkenheitskonzerte wieder aufgerichtet hätte, irgendjemand hat der Nautilus unbemerkt einen neuen Hochtöner eingebaut, und gefühlt stehen die Lautsprecher nun zwei Meter weiter auseinander. Außerdem hat da wer den Kinovorhang vor den Treibern weggenommen und die Wand hinter den Lautsprechern eingerissen. Wirklich unglaublich!
Phil Budd (Senior Acoustic Engineer) hat mit Exakt 20 Jahre Arbeit gekrönt und sich damit auch einen persönliche Traum erfüllt (Foto: Ulrich Michalik)
Zugegeben, Linn Exakt ist (heute noch) ein teurer Spaß. Mit dem Einstiegsset Akudorik Exakt liegt man bereits bei 20.795 Euro, die Standlautsprecher Akubarik Exakt kosten 30.500 Euro, und für den Gegenwert eines Klimax-Exakt-Systems (59.500 Euro) stellen leitende Angestellte sich einen voll ausgestatteten 5er-BMW in die Garage. Die für upgradwillige Linn-Besitzer gedachten Exaktboxen kosten ebenfalls nicht gerade unerhebliche Summen (4.800 Euro für die Akurate Exaktbox, 11.900 Euro für eine Klimax Exaktbox), und da sind die Endstufen noch nicht mit drin. Doch wird die Technologie langsam aber sicher auch in die Majik-Familie durchsickern, und mit größerer Verbreitung (auch über andere Hersteller?) könnten sich die Kosten weiter reduzieren, so dass im Idealfall ein Einstieg bei unter 1.000 Euro realistisch sein könnte (man wird ja noch träumen dürfen!). Auch wenn das Prinzip des digital angesteuerten Aktivlautsprechers nicht völlig neu ist: Das Gesamtpaket überzeugt, denn meines Wissens gibt es ein vergleichbar umfangreiches, komplettes und durchdachtes System zur Zeit nirgendwo sonst – schon gar nicht auf diesem Qualitätslevel.
Ian Wilson (Senior Electronics Engineer) erläutert die Linn Akudorik Exakt
So long, see y’all next time!
Man merkt es vielleicht, so ein bisschen jedenfalls: Der Besuch bei Linn hat mich tief beeindruckt. Nicht nur, dass die Produkte, allen voran das Exakt-System, überzeugende und teilweise überraschende Leistungen zeigten, und dass ein lange gehegter Traum mit diesem Besuch in Erfüllung ging – nein, gerade und vor allem die Menschen hinter Linn waren es, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Ihre Gastfreundschaft und Offenheit, ihr immer spürbarer Enthusiasmus für die eigenen Produkte, die in sich ruhende Atmosphäre in der gesamten Produktion, das hatte ich so nicht erwartet. Und mit größerer Professionalität hätte der gesamte Aufenthalt ebenfalls nicht geplant werden und ablaufen können.
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Firmenbericht: Linn Products