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Messerundgang Klangbilder 2017 (Teil 2)

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Messerundgang Klangbilder 2017 (Teil 2)

Als eingefleischter Kopfhörer- und Mobil-HiFi-Fan darf für mich bei so einer Messe natürlich auch diese Sparte nicht zu kurz kommen.

FiiO X7 II DAP und F9 Hybrid-In-Ears

FiiO X7 II DAP und F9 Hybrid-In-Ears

Von der mittlerweile auch in Europa bekannten Marke FiiO (Vertrieb: https://nt-global.de) standen dieses Mal zwei Neuheiten parat: der neue Andoid-DAP (Digital Audio Player) FiiO X7 II und die Hybrid-In-Ears F9. Mit dem X7 II hat FiiO den Nachfolger des erfolgreichen X7 mit vielen von der Community gewünschten Detailverbesserungen auf den Markt gebracht. Die „Zwei“ im Namen deutet einige hardwareseitige Aufstockungen an: So wurden statt 1 GB beim neuen Modell nun 2 GB RAM verbaut. Der interne Speicher ist von 32 GB auf 64 GB angewachsen; der X7 II hat nun auch zwei Speicherkartenplätze. Zu dem 3,5-Millimeter-Klinkenausgang gesellt sich ein symmetrischer 2,5-mm-Output. Auch der DAC-Chip von Sabre wurde erneuert. So arbeitet im X7 II der ESS9028PRO als Digital-Analog-Wandler. Die Pro-Variante hat gegenüber der Mobilversion 9028Q2M den Vorteil eines höheren Signal-Rausch-Abstandes und einer niedrigeren THD. Den etwas höheren Stromverbrauch des Chips kompensiert FiiO mit einem größeren Akku (3800 mAh) mit Quick-Charge-Funktion, um dennoch eine Laufzeit von über acht Stunden erreichen zu können. Gleich geblieben sind hingegen die wechselbaren Verstärkermodule, mit denen der Player optimal an die angeschlossenen Kopfhörer angepasst werden kann.

Mit dem ebenfalls unlängst vorgestellten Drei-Treiber-Hybrid-In-Ear FiiO F9 hat man auch gleich einen geeigneten, hochwertigen Spielpartner aus dem gleichen Hause zur Hand. Der F9 ist FiiOs erster In-Ear mit Balanced-Armature-Treibern: Bei dem Zwei-Wege-Design wird neben einem konventionellen dynamischen Treiber (9,2 Millimeter Durchmesser) für den Bass ein Doppelkammer-BA-Treiber für Mitten und Höhen verwendet. Getragen wird der In-Ear mit dem Kabel über dem Ohr. Die Kabel selbst sind wechselbar und mittels MMCX-Stecker mit dem In-Ear verbunden. FiiO legt zudem noch ein symmetrisches Kabel für den Anschluss an 2,5-Millimeter-Balanced-Buchsen bei. Der In-Ear ist mit dem Hi-Res-Audio-Label zertifiziert und genügt somit dem hohen Standard der Japan Audio Society. Das Gehäuse des FiiO F9 ist aus Aluminium gefertigt und in Rot und Schwarz erhältlich. Sowohl der X7 II als auch der F9 sind ab sofort im ausgewählten Fachhandel zu Preisen von 749 Euro (X7 II) und 119 Euro (F9) zu haben.

Wieder zurück in Europa, genauer gesagt in Österreich, erwarteten mich im nächsten Raum die neuen Zwei-Wege-Koaxial-Lautsprecher des Steirers Wolfgang Paltauf. Die über hifi-tuning vertriebenen, etwas über einen Meter hohen Standlautsprecher beherbergen ein Koaxialsystem. Der Übertragungsbereich deckt mit 45 Hz bis 22 kHz weitestgehend das menschliche Gehör ab. Mit einer Empfindlichkeit von 94 dB/W/m sollte auch ein leistungsschwächerer Röhrenverstärker mit den Boxen gut zurechtkommen. Und das tat er auch, wie der Lautsprecher eindrucksvoll an der ebenfalls neuen Röhrenelektronik von Wolfgang Paltauf bewies. Die Koaxe spielten sehr frei und platzierten die Interpreten tatsächlich im Raum statt bei den Boxen. Ein Vorteil, der sicher auch dem Chassis-Prinzip zu verdanken ist. Als Zwei-Wege-System ohne einen dedizierten Tieftöner kamen die Lautsprecher zwar nicht ganz so tief in den Keller wie manche Drei-Wegler, bei der Raumabbildung und Ortungsschärfe suchte das System aber auf der Messe seinesgleichen.

Paltauf-Anlage

Anlage von Wolfgang Paltauf

Im Nebenraum stellte Herr Paltauf schließlich seinen Kopfhörerverstärker für Stax-Elektrostaten vor. Neu daran war das komplett auf Siebelkos verzichtende Netzteil mit Gleichrichterröhre. Dass die Kopfhörer mit dieser Verstärker-Netzteilkombination um Welten besser klangen als an den Standard-Verstärkern von Stax, davon konnte ich mich selbst überzeugen.

Paltauf-Coax-LS

Wolfgang Paltaufs Koax-Lautsprecher

Der Standlautsprecher ist für um die 5.490 Euro direkt über Wolfgang Paltauf oder von hifi-tuning beziehbar. Für den Kopfhörerverstärker mit neuem Röhren-Netzteil werden 3.990 Euro verlangt.

Wie jedes Jahr ganz hinten in der Eck-Suite präsentierte Sennheiser (https://de-de.sennheiser.com) seine neuesten Produkte. Darunter waren heuer drei Kopfhörer. Die zwei In-Ears IE 80 S und IE 800 s und der offene Over-Ear HD 660 S.

Thomas Fuchs von Sennheiser Austria mit dem neuen IE 800 S

Thomas Fuchs von Sennheiser Austria mit dem neuen IE 800 S

Beim IE 800 S wird, wie schon beim Vorgänger, auf Keramik als Gehäusematerial gesetzt. Klanglich hat sich vor allem im Bass und bei den Höhen etwas getan. Klang der IE-800 noch recht hell und teilweise etwas zu präsent in den Höhen, wurde der IE 800 S, ähnlich dem HD 800 S, etwas weniger aggressiv getuned. Der Tieftonbereich wurde ebenfalls angehoben, was dem einen oder anderen Hörer genehmer vorkommen mag, den IE 800 S für mich persönlich aber etwas zu bassbetont machte.

Sennheiser HD 660 S

Sennheiser HD 660 S

Die große Neuerung, auf die sicher schon viele audiophile Kopfhörer-Freunde gewartet haben, gab es aber bei den Over-Ears. Der viel gelobte und schon etliche Jahre unverändert auf dem Markt befindliche HD 650 bekam endlich einen würdigen Nachfolger: Der Sennheiser HD 660 S wurde sowohl optisch als auch klanglich an die neue S-Linie angepasst. So kommt der HD 660 S statt in beige-grauem Glanzdesign im mattschwarzen Kunststoffgewand daher. Die Nennimpedanz wurde von 300 Ohm auf die Hälfte reduziert und auch die Membran wurde neu gefertigt. Sennheiser bietet für den HD 660 S erstmals Kabel mit dem von Sony entwickelten 4,4-Millimeter-Pentaconn-Stecker an, um auch den symmetrischen Anschluss, zum Beispiel am hauseigenen Kopfhörerverstärker HDV 820, zu gewährleisten.

Die drei neuen Kopf- beziehungsweise Ohrhörer sind ab sofort im Handel zu Preisen von 349 Euro (IE 80 S), 499 Euro (HD 660 S) und 999 Euro (IE 800 S) erhältlich.

Rahmenprogramm

Auch dieses Jahr gab es bei den Klangbildern wieder ein umfangreiches Rahmenprogramm mit CD-Präsentationen, Konzerten und sogar innovativen Erfindungen. Von zwei Stationen war ich besonders angetan.

Messe-Initiator Dr. Ludwig Flich (3.v.l.) mit den Philharmonic Five

Messe-Initiator Dr. Ludwig Flich (3.v.l.) mit den Philharmonic Five

Zum einen war das die Vorstellung des neuen Albums Mission Possible des Klassik-Quintetts Philharmonic Five. Die aus vier Streichern und einem Pianisten der Wiener Philharmoniker bestehende Musikgruppe fand sich mit Messe-Organisator und Musikkritiker Dr. Ludwig Flich zusammen. Diskutiert wurde über das neue Album der fünf Philharmoniker und das Gesagte anschließend mit Beispielmusik auf den Lautsprechern von Aramis Acoustic demonstriert.

philharmonic-5Unter anderem wurden für die Aufnahme des Albums Film-Titelmelodien (Harry Potter u. a.) vom vielstimmigen Orchester auf die vier Streicher und Klavier umgeschrieben. Andere Interpretationen verwoben alte Folksongs und Jazz miteinander, wie etwa das Medley aus Green Sleeves und einem Chick-Corea-Stück. Der Titel des Albums (auf Amazon anhören) lehnt sich übrigens an das ebenfalls enthaltene Werk „Mission Impossible“ aus dem gleichnamigen Film an. Philharmonic-Five-Gründer Tibor Kovác erklärte die Titelwahl damit, dass seine Mission, aus bekannten Liedern neue Eigeninterpretationen zu machen, doch möglich, also „possible“ sei.

Zweites Messehighlight stellte für mich eine Diskussionsrunde mit den Erfindern einer neuen Schneidetechnik für Schallplatten dar. Bei der sogenannten HD-Vinyl (https://hdvinyl.org) wird in der Vinylproduktion statt eines gewöhnlichen Stampers, der die Rillen der Schallplatte mittels physischem Werkzeug mit Tonmaterial „füllt“, ein extrem genauer Laser verwendet. Initiatoren dieser neuen Methode sind unter andern der Unternehmer Günter Loibl und der Mastering-Engineer Horst Pfaffelmayer. Der Plan ist, ein Vinylformat produzieren zu können, das einerseits eine längere Spieldauer gewährleistet und andererseits eine höhere Amplitudenaussteuerung ermöglicht – und somit mehr Dynamik bietet. Die neu mit Laser geschnittenen Schallplatten werden laut Loibl voraussichtlich auch mit normalen Tonabnehmern ohne Probleme abspielbar sein. Diskutiert wurde im Ausstellungsraum von Hauer Analog.

Dr. Ludwig Flich, Günter Loibl, Franz Hauer und Horst Pfaffelmayer (v.l.n.r.)

Dr. Ludwig Flich, Günter Loibl, Franz Hauer und Horst Pfaffelmayer (v.l.n.r.)

Ein Sample einer mit Laser geschnittenen Schallplatte war zwar noch nicht bereit – man rechnet, wenn alles nach Plan verläuft, mit Produktionsbeginn in circa einem Jahr –, Franz Hauer, Firmengründer von Hauer Analog, nutzte aber die Gelegenheit, um die klanglichen Unterschiede zwischen zwei aus unterschiedlichem Material gefertigten Schallplatten zu demonstrieren. Die Wiedergabekette hatte dabei etwas Besonderes zu bieten. Das von einem Hauer-Plattenspieler wiedergegebene Signal wurde nicht komplett analog verarbeitet, sondern mittels eines A/D-Wandlers (Gold Chamber Manufacturing) nach der Phonoentzerrung digitalisiert, um anschließend in die Aktivlautsprecher Kii Three eingespeist zu werden. Und tatsächlich, die unterschiedliche Materialwahl bei der Pressung ein und desselben Musikstücks konnte man sehr deutlich hören.

Auf die erzielten Fortschritte und auch auf die Klangbilder 2018 bin ich deshalb ganz besonders gespannt und sage deshalb gerne: Auf Wiedersehen!

Messebericht: Klangbilder 2017

  1. 2 Messerundgang Klangbilder 2017 (Teil 2)

Über den Autor

Equipment

Digitale Quellen: D/A-Wandler: Benchmark DAC1 USB, FiiO E10 Computer/Mediaplayer: PC mit Win 7, Foobar 2000 inklusive ASIO-Plugin

Kopfhörer: Audeze LCD-2, AKG K550, AKG K702, Audiofly AF160, Beyerdynamic DT880 600 Ohm, Creative Aurvana Live! 2, Edifier H850, Fabs Fabulous Ears Basic Dual Driver, Fischer Audio Consonance, Fischer Audio FA-003Ti, HiFiMAN HE-350 Massdrop Edition, Sennheiser HD800S, Ultimate Ears UE200vi

Kopfhörerverstärker: Benchmark DAC1 USB, Burson Audio Soloist SL, FiiO E10, FiiO E17, Nuprime HPA-9

Mobiles HiFi: Cowon iAudio 7, Rockbox Sandisk Sansa Fuze V2, Sandisk Sansa Clip+

Zubehör: Sonstiges: sBooster VBus² USB-Spannungsentkoppelung

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