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Messerundgang High End 2017, Teil 2

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Leidenschaftlich laut & leise
  2. 2 Messerundgang High End 2017, Teil 2
  3. 3 Computer, DAC & Streaming-Audio auf der High End 2017
  4. 4 Plattenspieler und Analoges auf der High End 2017
  5. 5 Kopfhörer, Amps, In-Ears, DAPs auf der High End 2017
  6. 6 Klangeindrücke auf der High End 2017

von Ralph Werner
Von bekannten und bewährten bis hin zu neuen, unkonventionellen Konzepten – die High End bietet dem Audiophilen alljährlich die ganze Bandbreite unserer Leidenschaft für guten Klang. Und bisweilen kommt Ungewöhnliches aus ungewohnter Ecke – nämlich von alten Bekannten! Aber schön der Reihe nach:

Jörg Wähdel von Betonart Audio

Jörg Wähdel von Betonart Audio

Ganz entspannt lächeln konnte Jörg Wähdel – nicht allein deswegen, weil er einen der begehrten „Newcomer“-Stände ergatterte, die die High End Society ausgewählten jungen Unternehmen kostenfrei anbietet, sondern vor allem, weil er mit seinen Lautsprechern reges Interesse beim Publikum weckte, was angesichts des großen Mitbewerberfeldes ja keine Selbstverständlichkeit ist.

Nomen est omen: Betonart Audio baut aus Beton ...

Nomen est omen: Betonart Audio baut aus … Beton

Der in Leimen bei Heidelberg ansässige Diplom-Physiker und Eigner der Firma Betonart Audio (www.betonart-audio.de) produziert Lautsprecher aus … nun, das können Sie sich bestimmt schon denken. Die Hauptgründe für den Einsatz dieses Materials, das sonst eher auf Baustellen denn im Lautsprecherbau gesichtet wird, liegen im hohen Gewicht und der extremen Steifigkeit, die es bietet. Lautsprechergehäuse aus „High-Performance-Gussbeton“, wie Wähdel den Werkstoff nennt, resonierten so gut wie gar nicht – und das sei natürlich eine hervorragende Basis für eine sehr reine und dynamische Musikwiedergabe.

Jörg Wähdel neben seiner Diversa - ein teil- bzw. vollaktives Vierwegesystem

Jörg Wähdel neben seiner Diversa – ein teil- bzw. vollaktives Vierwegesystem

Derzeit umfasst das Line-up von Betonart Audio sechs Lautsprecher (darunter ein Sub), die preislich von circa 3.300 bis 16.000 Euro reichen – wobei Anlieferung, Aufstellung und Einmessung immer inkludiert sind. Letzteres ist natürlich nicht immer nötig: Die beiden kleineren Modelle Alpunto und Syno beispielsweise sind passive Boxen. Doch bei den teil- und vollaktiven Lautsprechern – wie etwa dem zweitgrößten Modell Diversa (ab 9.480 Euro), neben dem Jörg Wähdel im obigen Bild zu sehen ist – empfiehlt sich das schon, denn das für den Betrieb nötige, externe Verstärkermodul Mago (2.850 Euro) besitzt einen leistungsfähigen DSP, mit dem auch eine Raumeinmessung möglich wird, und sei es „nur“ für den Bassbereich.

Die (Teil-)Aktivierung der Lautsprecher erfolgt über das externe Verstärkermodul Mago

Die (Teil-)Aktivierung der Lautsprecher erfolgt über das externe Verstärkermodul Mago

Die Betonart Audio Diversa ist ein Vierwegesystem im geschlossenen, zweiteiligen Gehäuse, mit vier Basstreibern pro Kanal und je einem AMT-Treiber für die obersten Lagen, der d’Appolito-artig von zwei Mitteltönern flankiert wird. Kann gut sein, dass wir uns das bei fairaudio mal ganz genau anhören werden …

Aber ungewöhnliche Lautsprecherkonzepte gibt es nicht nur von jungen Marken, sondern auch von sehr etablierten – Heco (www.heco-audio.de) tritt den Beweis an. Vor gut zwei Jahren wunderte sich der eine oder andere, was der vermeintliche Mainstreamanbieter denn nun treibt: Die Heco Direkt trat mit breiter Brust auf die Boxenbühne und überraschte so manchen. Auch wir waren im Test sehr angetan, was nicht zuletzt ein fairaudio’s favourite Award unterstreicht.

In der Bildmitte: Hecos Messeneuheit, die Direkt Einklang

In der Bildmitte: Hecos Messeneuheit, die Direkt Einklang

Letztes Jahr wurde mit der Heco Direkt Dreiklang dann der große Bruder vorgestellt – und dieses Jahr war in München der Prototyp der kleineren Direkt Einklang zu sehen und zu hören. Der Name kommt nicht von ungefähr: In Hecos neuestem Streich kommt tatsächlich ein 8-Zoll-Breitbandchassis zum Einsatz, das den gesamten Frequenzbereich verantwortet. Die Membran des Treibers wird aus sogenanntem „Kraftpapier“ (einer langfaserigen Papiersorte) gefertigt und trägt in ihrer Mitte einen kleinen Konus, der den Hochton übernimmt. Bis man die endgültige, klanglich optimale Form dieses Schwirrkonus gefunden habe, sei ein langer Prototyping-Weg beschritten worden, so Entwickler Martin Groß. Die Heco Direkt Einklang soll im August 2017 verfügbar sein – für einen Paarpreis von 2.000 Euro.

Entwickler Martin Groß mit den Messeneuigkeiten: links-hinten der Hybrid-Vollverstärker Magnat RV-4, rechts lugt dei Heco Direkt Einklang ins Bild

Entwickler Martin Groß mit den Messeneuheiten: links-hinten der Hybrid-Vollverstärker Magnat RV-4, rechts lugt die Heco Direkt Einklang ins Bild

Angesteuert wurde die wirkungsgradstarke Einklang (94 dB/W/m) übrigens vom Nachfolger des ebenfalls von uns getesteten Magnat RV-3 – der folgerichtig das Kürzel RV-4 trägt. Magnats (www.magnat.de) neuer Hybrid-Vollverstärker soll in ein-zwei Monaten für circa 3.000 Euro auf den Markt kommen und wurde nicht nur eingangsseitig modernisiert – man hat ihm je einen optischen und elektrischen S/PDIF-Eingang (bis 24 Bit/192 kHz) sowie ein Bluetooth-Empfangsmodul (aptX) spendiert –, sondern auch in der Vor- und Endstufe: So sollen jetzt qualitativ hochwertigere, nach Militärspezifikationen selektierte Doppeltrioden Verwendung finden sowie Ausgangstransistoren von Sanken, die dem Amp zwar zu weniger Leistung verhelfen als der Vorgänger sie besaß (2 x 150 statt 200 Watt), gleichwohl aber für ein dynamischeres Klangbild sorgen, so Martin Groß von Voxx.

Der Magnat RV-4

Der Magnat RV-4: Der Hybridverstärker besitzt nun auch digitale Eingänge

Apropos Dynamik: Mit der hat ein Lautsprecher wie die Gran Gioia MK II sicherlich keine Probleme, und bestimmt würde die aktuelle Blumenhofer Acoustics (www.blumenhofer-acoustics.com) auch am Magnat-Verstärker beeindruckend spielen – das wäre allerdings schon allein wegen der Preisdifferenz ein ungewöhnliches Set-up, schließlich liegt die „Große Freude“ bei nicht ganz so freundlichen 50.000 Euro. Trotz des famosen Preisschildes des auf der High End Premiere feiernden neuesten Hornlautsprechers der bayrischen Manufaktur waren offenbar schon zwei Paare verkauft, als ich im Blumenhofer-Raum aufschlug.

Im Raum von Blumenhofer Acoustics spielte die neue Gran Gioia MKII

Im Raum von Blumenhofer Acoustics spielte die neue Gran Gioia MKII

Die glücklichen Besitzer dürfen sich über einen 38-cm-Woofer für den Tiefmittel- und einen 1,4-Zoll-Kompressionstreiber für den Mittelhochton-Bereich freuen, die beide auf ein Fronthorn arbeiten. Das obere Horn lässt sich durch eine aufwendige Mechanik präzise verschieben, was dem Time-Alignement der Treiber zueinander dient.

Blumenhofer Acoustics Gran Gioia MK II

Blumenhofer Acoustics Gran Gioia MK II

Der Aufbau des Lautsprecherkorpus der Gran Gioia MK II erinnerte mich stark an den der Blumenhofer Genuin FS1 MK II, allerdings fällt er noch größer aus als bei dem Modell, das mit zu unseren Redaktionsreferenzen zählt. Übrigens: Blumenhofers Grand Gioia war auch im Raum von Octave Audio zu erleben.

Ein 15-Zöller-Bass plus Hochtonhorn, das wäre durchaus nach Ihrem Geschmack – aber preislich soll das Ganze doch bitteschön etwas mehr auf dem Teppich bleiben!? Nun, das geht durchaus – schauen Sie sich einmal bei Unison Research (www.unison-research.de) um, die Italiener haben ja nicht nur Röhrenelektronik im Programm (wie beispielsweise den zuletzt getesteten Unison Triode 25), sondern auch Lautsprecher.

IN der Bildmitte zu sehen: die Unison Research MAX 2, bestückt mit einem 38er-Bass und Hochtonhorn

In der Bildmitte zu sehen: die Unison Research MAX 2, bestückt mit 38er-Bass und Hochtonhorn. Rechts daneben die MAX 1

In München präsentierte der TAD Audiovertrieb den neuesten Schallwandler des Hauses, den MAX-2, den Kollege Martin Mertens schon vor anderthalb Jahren während eines Firmenbesuchs in Italien als Prototyp kennenlernen durfte. Gut 60 kg wiegt dieser Unison-Lautsprecher pro Stück und gehört mit einem Kennschalldruck von 96 dB/W/m zu den sensitiven Vertretern der Lautsprecherzunft. Für solch ein Konzept in dieser Größenordnung wirkt der Preis von 7.499 Euro dann doch relativ … wie heißt es so schön? Kompetitiv.

Überhaupt hatte der HiFi-Vertrieb TAD so einige Neuigkeiten mit im Gepäck – eine der vielleicht unscheinbareren, aber nicht minder interessanten, hört auf den Namen Excalibur. Die zurzeit drei Tonabnehmer, die sich unter der neuen Marke versammeln, sind tatsächlich Eigenentwicklungen von TAD (www.tad-audiovertrieb.de). Entstanden seien sie aus dem Wunsch nach bezahlbaren Oberklasse-Systemen, die gut zur Firma und den von ihr vertriebenen Rega-Plattenspielern passen.

Die Excalibur-Tonabnehmer von TAD

Die Excalibur-Tonabnehmer von TAD

Die Excalibur-Pickups nennen sich Green, Blue und Black (und kleiden sich entsprechend) – während die beiden erstgenannten MCs einen künstlichen Diamanten mit elliptischem Schliff besitzen und sich vornehmlich durch die Ausgangsspannung unterscheiden, doch dasselbe kosten, nämlich 499 Euro, sind fürs Excalibur Black noch mal 200 Euro extra fällig. Dafür bekommt man dann eine Shibata-geschliffene Diamantnadel, eine etwas bessere Kanaltrennung (28 dB statt 25 dB) sowie einen laut Specssheet in den Höhen ausgedehnteren Frequenzgang (bis 35000 Hz statt 25000 Hz) geboten. Das Black liefert eine niedrigere Ausgangsspannung, die mit 0,5 mV aber immer noch im „gesunden“ Bereich liegt.

Schon vor längerer Zeit angekündigt, kommt sie nun bald in den Fachhandel – die Rede ist von Naims (www.naimaudio.com) neuer Uniti-Serie. Der erste All-in-one-Player der Briten, der NaimUniti, kam 2009 auf den Markt und basierte noch auf einem Audivo-Streamingboard. Seither sei viel passiert und Naim habe nicht zuletzt kräftig in eine eigene Streamingplattform investiert, die deutlich leistungsfähiger sei, so Thomas Kunzler vom Naim-Vertrieb. Zu den neu vorgestellten Features zählen unter anderem Google Cast for Audio, AirPlay und Bluetooth aptX HD. Ebenfalls praktisch: Die Uniti-Player können jetzt auch als Musikserver für andere UPnP-Abspielgeräte im Netzwerk dienen.

thomas Kunzler von Music Line präsentierte in München Naims neue Uniti-Serie

Thomas Kunzler von Music Line präsentierte in München Naims neue Uniti-Serie

Die Uniti-Reihe besteht aus drei All-in-one-Verstärkern (Uniti Nova: ab 4.998 Euro, Uniti Star: ab 3.998 Euro und Uniti Atom: ab 2.198 Euro) und einem Musikserver (Uniti Core: 2.348 Euro). Markantestes äußerliches Kennzeichen der Player dürfte der große, wirklich schön gemachte (und sich ebenso anfühlende) Lautstärkesteller auf der Oberseite der Komponenten sein – man kennt ihn schon von Naims Referenzvorstufe Statement NAC S1 sowie dem Wireless-Musiksystem Mu-so.

Pegelsteller auf dem Naim Uniti All-in-one-Player

Pegelsteller auf dem Naim Uniti All-in-one-Player

Das mittlere Gerät, Uniti Star, besitzt übrigens als einziger der drei Player auch ein CD-Laufwerk – damit lassen sich nicht nur Silberscheiben abspielen, sondern auch rippen. Ab Ende Juli 2017 sollen alle Uniti-Familienmitglieder verfügbar sein, den Anfang macht der „kleine“ Atom, der schon zwei Monate früher in die Läden kommt.

Etwas ganz anders zeigte der finnischer Studioausrüster Genelec (www.genelec.de) in München – wobei … in gewisser Weise kann man die neue Lautsprecherserie „The Ones“ ja auch als All-in-one-Lösung ansehen, nur mit umgekehrten Vorzeichen: Statt eines Lautsprechers – logisch! – braucht‘s hier nur noch einen Zuspieler. Der Rest ist integriert, inklusive Verstärker, DAC und Raumeinmessungstool, das per DIP-Schalter oder Mess-Set plus Genelecs eigener GLM-Software bedient werden kann. Die Aktivboxen lassen sich analog wie digital ansteuern, letzteres ist der wohl konsequenteste Weg.

Genelecs Lautsprecherserie The Ones. Gut zu sehen das Koas-Chassis in der Mitte und die charakteristischen Schlitze oben und unten, über die einen gerichtete Basswiedergabe möglich werden soll

Genelecs Lautsprecherserie The Ones. Gut zu sehen die Koax-Chassis in der Mitte und die charakteristischen Schlitze oben und unten für die Basswiedergabe

Das große Modell Genelec 8351 hatten wir vor zwei Jahren im Test – erstmals in München zu sehen waren die beiden kleineren Varianten dieses doch ziemlich radikal am Punktschallquellenideal orientierten Lautsprecherkonzepts (ein zentral platziertes Mittelhochton-Koaxialchassis wird mit einer gerichteten Basswiedergabe über die definierten „Schlitze“ oben und unten kombiniert). Marcel Schechter vom deutschen Genelec-Vertrieb Audio Export freute sich über die Neuzugänge:

Marcel Schechter vom deutschen Genelec-Vertrieb Audio Export

Marcel Schechter vom deutschen Genelec-Vertrieb Audio Export

Preislich starten die neuen, in den Farbvarianten Anthrazit, Schwarz und Weiß erhältlichen Genelec-Boxen ab 4.590 Euro für die 8331 und ab 5.796 Euro für ein Paar des mittleren Modells 8341. Sicherlich: Das ist nicht geschenkt. Aber man bekommt, wie gesagt, ja auch etwas mehr geliefert als nur einen Lautsprecher. Man füge einen Computer mit entsprechender Soundkarte oder einen Musikserver/Streamer hinzu – fertig ist die (Minimalisten-)Anlage.

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  3. 3 Computer, DAC & Streaming-Audio auf der High End 2017
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