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Kopfhörer, Amps, In-Ears, DAPs auf der High End 2017

Inhaltsverzeichnis

  1. 5 Kopfhörer, Amps, In-Ears, DAPs auf der High End 2017

High End 2017 Messe Kopfhörer

von Thomas Kopanz
Ganz und gar nicht analog ging es auf der diesjährigen High End im Kopfhörer- und Mobilbereich zu. Durch Entwicklungen und Fortschritte bei der drahtlosen Übertragung springen immer mehr Hersteller auf den Wireless-Zug auf, der mit dem Bluetooth-Codec aptX-HD und dem Sony-eigenen Format LDAC für hochauflösende Musikübertragung kräftig an Aufwind erfuhr.

Mytek Clef

Firmengründer Michal Jurewicz und sein neuestes Werk: der Mytek Clef

So überraschte es mich dennoch, dass der amerikanische, für Studio- und seit einiger Zeit auch Hifi-Equipment bekannte Hersteller Mytek Digital (www.mytekdigital.com) einen sehr kompakten, mobilen Prototyp eines Kopfhörerverstärkers samt Bluetooth-Empfänger und Digital-Analog-Wandlung präsentierte. Der sichtlich von seiner Entwicklung begeisterte Gründer der Firma und gebürtige Pole Michal Jurewicz, erklärte mir bis ins kleinste Detail den großen Funktionsumfang des Clef genannten Amps. Neben der Verstärkung mit 2,2 Volt Ausgangsspannung und einer recht niedrigen Ausgangsimpedanz von 1 Ohm, besitzt das kleine, ergonomisch geformte Kästchen auch noch eine hochwertige D/A-Wandlung, die PCM-Signale bis zu 32 Bit/384 kHz und DSD bis DSD128 wiedergeben kann. Darüber hinaus unterstützt der Clef – wie auch der aktualisierte High-End-Kopfhörerverstärker und DAC Manhattan II – das unter anderen beim Streamingdienst Tidal angebotene Format MQA für High-Res-Streaming.

Mytek Clef

Mytek Clef

Die eigentlichen Stärken des Clef liegen allerdings in der mobilen Nutzung. So ist er in der Lage, nahezu jeden kabelgebundenen Kopfhörer in ein drahtloses Bluetooth-Headset zu verwandeln. Der batteriebetriebene Verstärker besitzt nämlich neben der Bluetooth-Empfangs- und Sendeeinheit, welche Daten sowohl im aptX, aptX-HD als auch LDAC-Bluetooth-Codec entgegennimmt, auch ein integriertes Mikrofon, das wahlweise als Headset zum Telefonieren oder auch für Noice-Cancelling (!) verwendet werden kann. Natürlich kann der integrierte Akku nach einer Betriebsdauer von bis zu 8 Stunden via USB-Buchse aufgeladen werden. Über dieselbe Buchse wird auch der DAC mit Daten vom Computer befeuert. Wenn sich der veranschlagte Preis von 299 Euro mitsamt diesem Funktionsumfang bewahrheiten sollte, hat Mytek für die geplante Auslieferung im Oktober ein sehr heißes Eisen im Feuer. Für mich auf jeden Fall eines der potenziellen Highlights der diesjährigen Messe.

MA750 Wireless

RHA MA750 Wireless

Auch die für ihre hochwertig verarbeiteten In-Ears bekannte Firma RHA (www.rha-audio.com) hatte mit den beiden neuen dynamischen Bluetooth-In-Ears MA650 Wireless und MA750 Wireless kabellose Lösungen am Start. Beide Systeme weisen auf der Rückseite der Gehäuse Magneten auf, um sie bei Nichtbenutzung bequem sichern zu können. Der mit 150 Euro etwas höherpreisige RHA MA750 Wireless ist wie sein kabelgebundener Bruder RHA MA750i aus Edelstahl gedreht. Das Gehäuse des MA650 Wireless wird hingegen aus nicht weniger hochwertigem Aluminium gefertigt und mit 99 Euro gerade noch unter der für viele Konsumenten wichtigen 100-Euro-Marke angesiedelt. Klanglich entspricht der MA750 Wireless weitestgehend dem MA750i, besitzen beide doch identische Treiber. Der MA650 Wireless ist eine komplette Neuentwicklung und setzt ebenfalls auf einen dynamischen Treiber.

RHA MA650 Wireless

Per zusätzlicher Magnetkraft – von den Antrieben freilich entkoppelt – aneinander haftende RHA MA650 Wireless

Eine universell einsetzbare 3-Tasten-Fernbedienung (u.a. Android, iOS) und eine recht lange Akkulaufzeit von 12 Stunden, mit der man locker über einen ganzen Arbeitstag kommen sollte, weisen zudem beide Modell auf. Der vergleichsweise langen Akkulaufzeit geschuldet ist der Einsatz eines Verbindungskabels zwischen beiden Kanälen. Das mit weichem Silikon überzogene Kabel beinhaltet unter anderem den großen Akku. Angenehmer Nebeneffekt: Die In-Ears können nicht so leicht verlorengehen und das gesamte Handling wird durch das Tragen um den Nacken auch erleichtert. Getragen werden die RHA MA750 Wireless mit dem über dem Ohr geführten Kabel, was zur Zugentlastung und für geringere Kabelgeräusche sorgt. Käufer des RHA MA650 Wireless müssen hingegen mit der standardmäßigen Tragweise mit den Kabeln nach unten vorliebnehmen. Durch die leichteren Aluminiumgehäuse ist dies aber problemlos möglich.

Auch Beyerdynamic (www.beyerdynamic.de) – seit nunmehr über 80 Jahren im Kopfhörergeschäft aktiv – konnte sich dem Trend zur Kabellosigkeit nicht verwehren und stellte seinen neuen High-End-In-Ear Xelento Wireless vor. Der eigentliche Hörer bliebt technisch im Vergleich zum kabelgebundenen Xelento mit Teslatechnik und dynamischem Treiber unverändert. Neu ist das in einem Akku mit Bluetooth-Receiver endende Kabel, welches zusätzlich zum normalen 3,5-Millimeter-Klinkenkabel mitgeliefert wird. Unterstützung für das neue aptX-HD gibt es obendrein. Die Akkulaufzeit wird mit 5,5 Stunden angegeben, bevor das Bluetooth-Modul per Micro-USB erneut aufgeladen werden muss. Der Kostenpunkt für die Wirelessversion beläuft sich auf 1.199 Euro. Besitzern des kabelgebundenen Xelento sei gesagt, dass Beyerdynamic darüber nachdenkt, das Bluetoothkabel auch separat anzubieten.

Beyerdynamic Xelento Wireless

Beyerdynamic Xelento Wireless

Im gleichen Atemzug mit Beyerdynamic wird häufig auch Sennheiser (www.de.sennheiser.com) erwähnt. Der ebenfalls deutsche Traditionshersteller hatte auf der High End neben u.a. dem schon fast obligatorischen HE-1 seinen neuen DAC/Kopfhörerverstärker HDV 820 am Start. Nein, die Farbe Mattschwarz ist nicht die einzige Neuerung an diesem Amp. Auf technischer Ebene wurde ebenfalls so einiges verändert. So besitzt der Sennheiser HDV 820 nun einen 32-Bit-DAC von ESS Technologies. Allerdings noch den älteren Top-Chip Sabre 9018S. Anschlussseitig sticht besonders die neue Kombi-Klinkenbuchse hervor, die auch einem Dreipol-XLR-Stecker Platz bietet. Rechts neben dem symmetrischen 4-Pol-XLR-Ausgang befindet sich schließlich gar eine Weltneuheit. Ein vollsymmetrischer 4,4-Millimeter-Pentaconn-Anschluss. Der von Sony entwickelte und von der JEITA (Japan Electronics and Information Technology Industries Association) ins Leben gerufene Standard soll vor allem die Vielfalt bei symmetrischen Steckverbindungen reduzieren und so einen Standard sowohl für stationäre als auch für mobile Anwendungen schaffen. Wie und ob sich diese Anschlussart durchsetzen wird, bleibt noch abzuwarten.

Sennheisers HDV 820

Sennheiser HDV 820

Leider ist der Sennheiser HDV 820 wie der ältere HDVD 800 auf ein optimales Zusammenspiel mit dem hauseigenen Flaggschiff HD800(S) getrimmt und mit einer recht hohen Ausgangsimpedanz von ca. 40 Ohm etwa für niederohmige Kopfhörer und In-Ears eher suboptimal. Mit 2.399 Euro wird der HDV 820 darüber hinaus kein billiges Unterfangen, aber preislich zum HD800S durchaus passen.

DiDiT DAC212SE

DiDiT DAC212SE im Betrieb mit Dot-Matrix-Display

Eine für mich noch recht unbekannte Marke erwartete mich am Stand von DiDiT High End (www.didit-highend.com) Der DAC212SE kann zurecht als das Schweizer Taschenmesser der niederländischen Firma bezeichnet werden. Neben der Funktion als DAC kann der DAC212 auch als vollsymmetrischer Vorverstärker herhalten, leider nur für digitale Quellen. Von entsprechenden Anschlüssen besitzt das Multifunktionsgerät aber reichlich. Neben einem USB-Eingang weist er noch zwei S/PDIF-Inputs im Cinch-Format sowie einen optischen Eingang auf. Aber auch ein recht selten gesehener I²S-Eingang im HDMI-Format ist vorhanden. Darüber hinaus befindet sich aktuell auch noch eine Version des DAC212SE mit Streamingfähigkeit in Entwicklung. Gesteuert wird das kleine Multitalent, bei dem das Gehäuse überdies aus einem Block Aluminium gefertigt wurde, komplett über die mitgelieferte Fernbedienung. Über diese lassen sich nicht nur die Lautstärke und die Eingangswahl regeln, sondern auch die analogen Ausgänge (variabel oder fix) und der Gainfaktor des Verstärkers. Angezeigt werden die Funktionen über ein rotes Dot-Matrix-Display. Ganz so günstig ist der DAC212SE bei diesem Funktionsumfang natürlich nicht, schlägt der DiDiT DAC212SE doch mit 3.995 Euro zu Buche.

Die Internals des DiDiT DAC212SE inkl. Streamingmodul

Die Internals des DiDiT DAC212SE inkl. Streamingmodul

Am Messestand des deutschen Distributors NT-Global (www.nt-global.de) gab es ebenfalls ein paar Neuheiten zu entdecken. So wurde der neue DAC/Kopfhörerverstärker CMA400i von Questyle präsentiert. Wie der schon im letzten Jahr vorgestellte CMA600i arbeitet der kompakte Desktop-Amp mit einer von Questyle entwickelten Stromverstärkung. Dabei glänzt der kleinere CMA400i bei den Kopfhörerausgängen mit einer nochmals erweiterten Anschlussvielfalt. Neben dem symmetrischen 4-Pin-XLR-Anschluss und der unsymmetrischen 6,35-Millimeter-Klinkenbuchse bietet er noch einen kleinen 2,5-Millimeter-Klinkenausgang für symmetrische Kopfhörerstecker, wie sie des Öfteren bei hochpreisigen In-Ears zu finden sind. Der etwas kleineren Bauform und dem geringeren Preis zum Opfer gefallen sind die analogen Cinch-Eingänge auf der Rückseite des Verstärkers. Der Questyle CMA400i kann im Gegensatz zum Questyle CMA600i also ausschließlich mit digitalem Material gefüttert werden. Angesichts des mit 799 Euro fast um die Hälfte reduzierten Preises erscheint mir dies aber nur als ein kleiner Wermutstropfen. Der CMA400i ist, und das dürfte sicher einige erfreuen, übrigens das erste Produkt von Questyle, welches in Matt-Schwarz erhältlich ist!

Questyle CMA400i

Questyle CMA400i mit Sicht auf das Schaltungsdesign

Auch die beiden neuen mobilen DAPs (Digital Audio Player) FiiO X5 III und iBasso DX200 wurden am NT-Global-Stand ausgestellt. FiiOs neuer Spross stellt im Produktportfolio dabei die neue hauseigene Referenz in der gehobenen Mittelklasse dar. Die bereits dritte Generation des X5 besitzt erstmals ein 4‑Zoll-Touchdisplay. Die Auflösung von 480 x 800 Pixel zählt dabei zum Standard in dieser Klasse. Mit Android 5.1 hat FiiO jetzt auch im mittleren Preissegment auf das Google-Betriebssystem umgestellt (bisher war nur der X7 mit Android ausgestattet). Hardwareseitig kann der X5 III auf einen 1,4 GHz schnellen Quad-Core-Prozessor von Rockchip, unterstützt von 1 GB RAM, zurückgreifen. Die Digital-Analog-Wandlung übernehmen gleich zwei AK4490N via Dual-Mono-Betrieb. Neben dem 32 GB umfassenden Onboard-Speicher kann der Platz für Musik noch mittels zweier Micro-SD-Karten mit jeweils bis zu 256 GB erweitert werden. Kopfhörer und In-Ears können am X5 III sowohl mittels 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse als auch über einen bei heutigen DAPs schon fast zum guten Ton gehörenden symmetrischen 2,5-Millimeter-Klinkeneingang angeschlossen werden. FiiO veranschlagt für den X5 III einen Preis von 449 Euro.

FiiO X5 III

FiiO X5 III in rot

Der iBasso DX200 stellt hingegen, zumindest was die Technik anbelangt, derzeit eine der interessantesten Neuerungen bei mobilen DAPs dar. Ähnlich wie der X5 III wird auch der DX 200 mittels Android betrieben, allerdings in der etwas neueren Version 6.0. Sowohl mit Blick auf die CPU-Kerne als auch auf den RAM und den internen Speicher fährt der DX 200 aber größer auf (8-Core-CPU, 2 GB RAM, 64 GB ROM). Das Display ist mit 4,2 Zoll ebenfalls etwas größer, die Auflösung mit 768 x 1280 höher. Als DAC kommt das neue Topmodell von ESS zum Einsatz, der Sabre 9028 Pro, und das gleich doppelt. Somit kann der iBasso Musiktitel bis zu einer Bitrate von 32 Bit/384 kHz in PCM und DSD-Files bis DSD512 wiedergeben. Bei der Verstärkerwahl nahm sich iBasso offenbar den X7 von FiiO zum Vorbild: Beim DX200 wird ebenfalls auf auswechselbare Verstärkermodule mit unterschiedlichen Verstärkungsfaktoren gesetzt. Derzeit ist nur das AMP1-Modul erhältlich. Dieses besitzt neben einem 3,5-Millimeter-Klinkenausgang für Kopfhörer noch einen fixen Line-Ausgang, ebenfalls als 3,5-Millimeter-Klinke ausgeführt, sowie eine symmetrische 2,5-Millimeter-Klinkenbuchse. In Zukunft will iBasso freilich noch weitere Module anbieten. Der Preis ist mit 999 Euro höher veranschlagt als beim FiiO X5 III. Verfügbar sind der iBasso DX 200 als auch der FiiO X5 III ab sofort bei den jeweiligen Fachhandelspartnern.

FiiO X5 III (links) und iBasso DX 200 (rechts)

FiiO X5 III und iBasso DX 200 (rechts) im Größenvergleich

Im ähnlichen Preissegment (1.099 Euro) wie der DX200 angesiedelt, ist ein neuer Player von Astell & Kern (deutscher Vertrieb: www.headphone-company.com). Der auf den Namen A&K KANN hörende DAP besitzt im Vergleich zu vielen Konkurrenzprodukten eine Besonderheit. Neben den Internals für die Wiedergabe und Digital-Analog-Wandlung wurde die Verstärkung der Signale auf eine eigene Platine ausgelagert. Vorteil dieses Designs soll eine wesentlich höhere Verstärkerleistung mit einer Ausgangsspannung von bis zu 7 Vrms sein und die Leistung deshalb auch für leistungshungrige Magnetostaten oder sogar für den einen oder anderen Lautsprecher ausreichen. Anschlussseitig besitzt der A&K KANN zwei geregelte Kopfhörerausgänge und ungeregelte Line-Ausgänge im Klinkenformat. Diese sind jeweils für unsymmetrische 3,5-Millimeter – bzw. symmetrische 2,5-Millimeter-Stecker geeignet. Zudem besitzt das Kraftpaket neben dem Micro-USB-Anschluss zur Verwendung als DAC auch einen USB-C-Port mit Fast-Charge-Unterstützung: Schnelle Datenübertragung und eine vier Stunden kurze Ladezeit des großen 6200-mAh-Akkus sind auf der Habenseite zu verbuchen. Bedient wird der im Heavy-Duty-Design gehaltene Player sowohl über das 4 Zoll große Touch-Display als auch über große physische Tasten. Die Lautstärke wird über ein neues, für die Ein-Hand-Bedienung optimiertes Drehrad geregelt.

Astell&Kern AK KANN

Astell&Kern KANN

Im High-End-Segment probiert es Astell & Kern mit einer neuen Modellbezeichnung. Der Astell & Kern Ultima SP 1000 genannte DAP ist der offizielle Nachfolger des früheren Topmodells AK380. Der SP 1000 wurde hinsichtlich der verwendeten Technik wesentlich aufgebohrt. Statt des Dual-Core-Prozessors im AK380 kommt im neuen Modell ein Octa-Core von Samsung zum Einsatz. Das Display wurde von 4 Zoll mit 480 x 800 Pixeln auf 5 Zoll mit 720 x 1280 Pixeln gestreckt. Brandneu ist auch der DAC-Chip von AKM: Der AK4497EQ wird im Dual-Mono-Betrieb angesteuert und bietet mit 120 dB einen nochmals höheren Signal-Rauschabstand. Zusätzlich zu dem unsymmetrischen 3,5-mm- und symmetrischen 2,5-mm-Klinkenausgang besitzt der A&K Ultima SP 1000 auch noch einen optischen 3,5-mm-Digitalausgang. Wie der neue KANN lässt sich auch der Ultima SP1000 mittels Fast-Charging laden. Die mit 3700 mAh angegebene Akkukapazität soll eine Wiedergabezeit von bis zu zwölf Stunden ermöglichen. Interessantes Detail am Rande: Die Lautstärkeregelung wurde der Krone einer klassischen Armbanduhr nachempfunden. Wie der AK380 wird auch der neue Astell & Kern Ultima SP 1000 in einer Sondervariante mit Vollkupfergehäuse zu haben sein. Der Preis wird 3.990 Euro betragen.

Astell & Kern Ultima SP1000

Astell & Kern Ultima SP1000

Der A&K KANN ist ab sofort im zertifizierten Fachhandel verfügbar. Für den A&K Ultima SP1000 wird ein Releasetermin Anfang Juni angepeilt.

Aber natürlich gibt es auch über einige analoge Neuigkeiten und Aktualisierungen etwas zu berichten:

So war auch der Kopfhörerverstärker-Guru Blaž Erzetič aus Slowenien mit seiner komplett aktualisierten Kopfhörerverstärkerlinie der Marke Erzetich Audio (www.erzetich-audio.com) auf einem Messestand vertreten. Mit rot gefärbtem Bart und barfuß erklärte er mir die Neuerungen der verschiedenen Verstärker. So weisen die mit 499 Euro (Bacillus), 799 Euro (Bacillus Tilia) und 999 Euro (Perfidus) ausgepreisten Amps nun eine Frontabdeckung aus Aluminium statt Plexiglas auf. Hinzu kommen noch stabilere hintere Anschlussbuchsen. Aber auch im Inneren wurde einiges verändert. So wurden (unter anderem) beim Topmodell Deimos (4.000 Euro) im Vergleich zur Vorgängerversion bessere Kondensatoren und eine leicht aufgewertete Stromversorgung verbaut. Die Anschlussvielfalt hält sich bei den Verstärkern in Grenzen. Bei den Modellen Bacillus, Bacillus Tilia und Perfidus wird nur ein Cinch-Paar für den Anschluss an diverse analoge Quellen oder externe DACs geboten. Beim Deimos sind noch zwei XLR-Buchsen für den symmetrischen Zugang verbaut. Ganze drei Ringkerntransformatoren mit flankierenden 43000 µF Siebkapazität (pro Kanal) sind für die gleichmäßige Stromversorgung zuständig. Bei der unmittelbaren Verstärkerschaltung wurde auf ein möglichst kopfhörerunabhängiges Verstärkungsverhalten geachtet. So sollen auch verschieden spezifizierte Kopfhörer die gleiche Ausgangsleistung zur Verfügung gestellt bekommen, ungeachtet davon, ob es sich um einen 8-Ohm-In-Ear oder einen 600-Ohm-Magnetostaten handelt.

Verstärker-Guru Blaž Erzetič mit seinem Flaggschiff Deimos

Verstärker-Guru Blaž Erzetič mit seinem Flaggschiff Deimos im Vordergrund

Die Lautstärkeregelung erfolgt bei den drei kleineren Modellen mittels eines ALPS-Potentiometers. Beim Deimos wurde eine 64-stufige Digitalregelung mittels eines Stufendämpfungsgliedes (Widerstandskette) gewählt. Die Materialienwahl ist mit Lindenholz (Bacillus Tilia, Deimos) und Aluminium (komplettes Verstärker-Lineup) recht hochwertig ausgefallen. Zudem wurde bei den verschiedenen Modellen bewusst darauf hingearbeitet, spezifische Klangcharaktere zu kreieren. Die Palette reicht von “Silky neutral, slightly warm” (Bacillus Tilia) über “Neutral and wide with a fast note” (Deimos) und “Slightly bright” (Bacillus) bis hin zu “Bright and quick” (Perfidus). Geordert werden können alle Verstärker über die Website des Herstellers. Man gewährt auf die Verstärker übrigens ganze fünf Jahre Garantie.

Magnetostatischer Prototyp von Final

Magnetostatischer Prototyp von Final

Nomen est omen: Passend zum Abschluss meines Rundgangs muss noch der japanische Kopfhörerspezialist Final Audio Design (deutscher Vertrieb: www.sintron-audio.de) erwähnt werden (s.a. unseren Test des Sonorous III). Als Überraschung hatte man in München den Prototyp eines Magnetostaten am Start. Untypisch für Final Audio, da alle der bisherigen großen Kopfhörer auf dem dynamischen Prinzip basieren. Das magnetostatische Schallwandlungsprinzip wird von Final mit einer als „Air Film Damper“ bezeichneten Konstruktion kombiniert. Ich nehme an, dass es sich bei dieser Dämpfung um eine ähnliche Lösung handelt, wie sie schon bei den dynamischen Modellen als „B.A.M.“ zum Einsatz kommt. Das was die Kopfhörer in der Rohfassung von sich gaben, war schon recht anhörbar. Allerdings versicherte mir ein Mitarbeiter von Final, dass noch intensiv an der Abstimmung, besonders der des Hochtonbereiches gearbeitet und auch das Chassis noch angepasst werde. Preislich soll sich das zukünftige Topmodell von Final um die 3.000 Euro bewegen und voraussichtlich im September Marktreife erlangen. Auf das Endergebnis werde ich auf jeden Fall mit Spannung warten.

High End 2017

Messebericht: High End 2017

  1. 5 Kopfhörer, Amps, In-Ears, DAPs auf der High End 2017
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