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Klangeindrücke auf der High End 2017

Inhaltsverzeichnis

  1. 6 Klangeindrücke auf der High End 2017

von Martin Mertens
Wie in jedem Jahr war die High End wieder eine Leistungsschau. Die Aussteller überboten sich förmlich mit Superlativen. Raumhohe Lautsprecher, zentnerschwere Verstärker, erdbebensichere Plattendreher oder Digital-Quellen, die aussehen wie das Cockpit eines Raumschiffs. Das alles gerne mit Preisschildern im fünf- oder sechsstelligen Bereich dekoriert. Beim Gang durch Hallen und Räume konnte man zum Teil den Eindruck gewinnen, als Normalverdiener mit einem normalen finanziellen Budget und einem durchschnittlichen Wohnzimmer als Hörraum außen vor zu bleiben. Ich habe meinen Fokus deshalb in diesem Jahr auf halbwegs bezahlbare Anlagen gelegt. Das schöne ist, dass es auch hier Spannendes zu entdecken gab!

SteinMusic

Groß aufgefahren: SteinMusic

Fangen wir mit der Ausnahme bei meiner Selbstbeschränkung an. Seit 1982 bereichert SteinMusic (www.steinmusic.de) die Hifi-Szene mit verschiedensten Produkten, die auch mal in den Bereich der Parawissenschaften driften. In diesem Jahr präsentierte die Firma aus dem Ruhrgebiet allerdings sehr reelle Neuheiten. Im Zentrum stand dabei ganz klar eine Range neuentwickelter Lautsprechermodelle und hier speziell das neue Spitzenmodell TopLine XL samt Subwoofer XL. Was zunächst aussieht wie die schiere Materialschlacht, hat System. Die Lautsprecher vereinen Erkenntnisse, die man in der professionellen Beschallungstechnik mit Line-Arrays und Open-Baffle Konzepten gemacht hat. Das Ganze klang an der ebenfalls neu entwickelten Elektronik wohltuend unaufgeregt, selbstverständlich und in meinen Ohren extrem authentisch. Egal ob abgrundtiefe Bässe (angeblich kam das System im Vorführraum bis 17 Hz runter) oder zarter Hochton – alles war einfach da, ansatzlos, stressfrei, unglaublich dynamisch. Für mich ganz großes Kino. Groß sind allerdings auch die Preise: Die TopLine XL werden voraussichtlich 128.000 Euro, die Subwoofer nochmal 88.000 Euro kosten. Dagegen mutet der Vollverstärker High Line 1 Integrated mit 12.800 Euro schon preiswert an. Der Preis für den Media-Player, der sich noch im Entwicklungsstadium befindet, stand auf der Messe noch nicht fest.

SteinMusic TopLine XL samt Subwoofer XL

SteinMusic: ansatzlos, stressfrei, dynamisch

Das erste Direkt-Lautsprechermodell, das Heco (www.heco-audio.de) vor einigen Jahren vorstellte, war eigentlich nur als Studie gedacht. Die Nachfragen nach den ungewöhnlichen, vom Design her polarisierenden Lautsprechern nahmen allerdings so zu, dass aus der Studie schnell ein Serienmodell wurde, das aufgrund seines Erfolges schlussendlich auch nicht lange allein blieb. So folgte auf den Zwei-Wegler Direkt die große Drei-Wege-Box Direkt Dreiklang.

Heco Direkt Einklang

Heco Direkt Einklang

Auf der diesjährigen High End präsentierte Heco nun ein kleineres Modell, das mit einem 210-mm-Breitbänder bestückt ist und folglich Direkt Einklang heißt. Am ebenfalls neu vorgestellten Röhren-Hybrid-Vollverstärker RV4 von Magnat (www.magnat.de – zum Test des Vorgängers: Magnat RV3) legte der kleinste Direkt-Spross so was von los, dass es jedem Hörer fast automatisch ein Grinsen ins Gesicht zauberte. So eine wunderbar direkte, vielleicht ganz dezent ruppige, dafür umso mitreißendere Ansprache bieten fast nur Breitbänder. Die Direkt Einklang ist auf jeden Fall die direkteste Direkt. Als Zuspieler diente im aufgebauten Setting der bewährte CD-Player Magnat MCD 1050. Die Preise: Heco Direkt Einklang – circa 2.000 Euro, Magnat RV4 – 3.000 Euro, Magnat MCD 1050 – 1.600 Euro.

Heco Direkt Einklang und Magnat RV4 an CD-Player Magnat MCD 1050

Heco Direkt Einklang an Magnat RV4 an CD-Player Magnat MCD 1050

Die italienische Firma Coral ist eigentlich auf Car-Hifi abonniert. Mit der Marke Indiana Line (deutscher Vertrieb: www.dietmar-hoelper.de) haben die Turiner aber auch HiFi-Lautsprecher im Angebot, die zudem erfreulich niedrig bepreist sind. So niedrig, dass sie leider häufig unterhalb des Radars audiophiler Zeitgenossen bleiben. Zu Unrecht, denn hier kommt in Sachen Chassis einiges an Know-how zum Einsatz; durch die Fertigung in China sind zu diesen Preisen auch sehr ordentlich verarbeitete Gehäuse möglich. Entsprechend konnte mich das zweitgrößte Lautsprecher-Modell, die Indiana Line Diva 650, für sich einnehmen. Nein, eben nicht mit Qualitäten, wie man sie im Car Hifi kennt und die sich vornehmlich auf den Bassbereich beschränken. Die Diva 650 klangen vielmehr wunderbar ausgewogen, musikalisch und boten insgesamt eine Performance, wie ich sie von einem Paar Standlautsprecher für 1.250 Euro nie erwartet hätte. Dabei dürfte die hauseigene Elektronik, bestehend aus dem Vollverstärker Indiana Line Puro 800 (925 Euro) und dem CD-Player Indiana Line Puro CDP (625 Euro) ihren Anteil gehabt haben. Leider stellt Indiana Line die Elektronik-Komponenten nicht mehr her. Im Handel gibt es nur noch Restposten. Wer hier zuschlägt, macht sicherlich ein Schnäppchen.

Indiana Line Diva 650

Indiana Line Diva 650 im Soundcheck

Totem Acoustic aus Kanada, im deutschsprachigen Raum durch die High End Company (www.highendcompany.ch) aus der Schweiz vertreten, führte zusammen mit der deutschen Manufaktur Accustic Arts (www.accusticarts.de) vor. Chef und Mastermind von Totem, Vince Bruzzese, lies es sich auch in diesem Jahr nicht nehmen, seine Neuheiten persönlich vorzustellen. Dabei hielten sich seine neuen, schlanken und eleganten Tribe Tower (6.000 Euro) physisch zunächst seitlich im Hintergrund, während sich im Vordergrund die viel mächtigeren Element Metal breit machten, sodass jeder Zuhörer diese für den mächtigen, raumfüllenden Klang verantwortlich wähnte. Nach den ersten Demostücken enthüllte Herr Bruzzese, dass in Wirklichkeit die Tribe Tower am mächtigen Accustic Arts AMP III (13.500 Euro) spielten. Der Klang war einnehmend: mächtige Bässe, die man den kleinen Säulen wirklich nicht zugetraut hätte, eindringliche Stimmen, energiereicher Hochton. Ganz klar ein Klangbild für genussvolles Hören. Als Zuspieler dienten das CD-Laufwerk Accustic Arts Drive II mit D/A-Wandler Accustic Arts Tube DAC II (zusammen 13.890 Euro) im Verbund mit dem Vorverstärker Tube Preamp II (8.000 Euro).

Totem & Accustic Arts

Highfidele Combo: Lautsprecher von Totem Audio & Elektronik von Accustic Arts. Links im Bild: Totem-Mastermind Vince Bruzzese

Der nordrhein-westfälische Vertrieb IAD (www.iad-audio.de) führte die neuen Lautsprecher-Spitzenmodelle Epica Calliope vom in Prag beheimateten Hersteller Xavian (12.000 Euro) am großen Besteck von Luxman (Vorverstärker C-900, Endstufe M-900, SACD-Player D-08u, je 15.000 Euro) vor. Der Klang der Kette war schlicht beeindruckend. Klar, durchhörbar und extrem detailreich mit einer begeisternden räumlichen Abbildung machten die neuen Xavian an der bewährten Luxman-Elektronik klar, dass die Tschechen mit italienischen Genen (Xavian-Gründer Roberto Barletta ist Italiener) auch weit oben im High-End-Bereich ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben. Angesichts ihrer klanglichen Performance kann ich die Calliope nur als preiswert bezeichnen. Für mich die Überraschung und der „Geheimtipp‟ der Messe.

Xavian Epica Calliope

Xavian Epica Calliope

Luxman Vorverstärker C-900, Endstufe M-900, SACD-Player D-08u

Lauter Luxmänner: Vorverstärker C-900, Endstufe M-900, SACD-Player D-08u

Am Rande des Trubels in Halle 1 gab es noch eine Perle zu entdecken: Die kanadische Firma Radial Engineering, in Deutschland im Vertrieb von Robert Ross (www.robertross.de). Unter den Markennamen Hafler und Dynaco entwickeln und produzieren die Kanadier HiFi-Produkte.

Hafler & Dynaco & T+A

Temperamentvolles Trio: Hafler & Dynaco & T+A

Auf dem Stand spielte der von einem Laptop versorgte Hafler HA75, ein Kopfhörerverstärker mit USB DAC (1.600 Euro), an der neu entwickelten Dynaco-Röhren-Endstufe ST-70 (3.500 Euro) und entlockte einem Paar sonst eher nüchterner T+A Pulsar ST 20 Lautsprechern (2.900 Euro) einen wunderbar breiten, federnden amerikanischen Drive, der unmittelbar in Bauch und Beine ging. Vielleicht nicht für jeden, aber wer ein Faible für amerikanische Röhrenverstärker und deren speziellen Sound hat, wird bei Dynaco vergleichsweise preiswert bedient. Spaß machte das Ganze auf jeden Fall, es klang in sich schlüssig und brachte einen an die passende Musik näher heran als manche High-End-Kette der sechsstelligen Preisklasse.

Röhren-Endstufe Dynaco ST-70

Röhren-Endstufe Dynaco ST-70

Messebericht: High End 2017

  1. 6 Klangeindrücke auf der High End 2017

Über den Autor

Equipment

Analoge Quellen: Laufwerk: stst Motus 2 Tonarm: stst Vertex Tonabnehmer: Zyx Yatra

Digitale Quellen: D/A-Wandler: Antelope Zodiac+, North Star Design Supremo CD-Player: North Star Design CD-Transport (Laufwerk)

Vorstufen: Hochpegel: EAR Yoshino 868 mit NOS-Röhren Phonoverstärker: Musical Fidelity MX-VYNL

Endstufen: Bryston 4B³

Lautsprecher: Valeur Audio Micropoint 4 SE, Genelec 8020

Kopfhörer: AKG K702, AudioQuest Nighthawk, Beyerdynamic T 51p, fabulous earphones Basic Dual Driver, Sennheiser HD8 DJ

Kopfhörerverstärker: Opera Consonance Cyber 20 mk2, SPL Phonitor mini

Kabel: Lautsprecherkabel: Cardas Clear Light NF-Kabel: Cardas Clear Light Digitalkabel: AudioQuest Coffee

Rack: Lovan Sovereign, Tiglon TMB-10E (Gerätebasis)

Zubehör: Stromfilter: Audioplan FineFilter S, Mehrfachsteckdose PowerStar S, Gerätefilter PowerPlant S, Netzleitungen PowerCord

Größe des Hörraumes: Grundfläche: 17 m² Höhe: 2,6 m

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