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Blumenhofer Acoustics
Demnächst im Test:

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Leidenschaftlich laut & leise
  2. 2 Messerundgang High End 2017, Teil 2
  3. 3 Computer, DAC & Streaming-Audio auf der High End 2017
  4. 4 Plattenspieler und Analoges auf der High End 2017
  5. 5 Kopfhörer, Amps, In-Ears, DAPs auf der High End 2017
  6. 6 Klangeindrücke auf der High End 2017

Nicht selten laut und stickig und stets begleitet von der latenten Gefahr, sich auf 29000 Quadratmetern Blasen an den Füßen einzufangen: Warum gibt man sich eine Messe wie die Münchener High End überhaupt, könnte man sich als kognitiv halbwegs normal austarierter Mensch fragen. Nun, Leiden & Leidenschaft sind ja allein begrifflich schon wie Pat & Patachon miteinander verbunden und jeder, der sich auch nur halbwegs für Musik und deren avanciertere Wiedergabe interessiert, wird wohl auch die sechsunddreißigste High End trotz nicht immer ganz perfekt abgestimmter Vorführungen, teils suboptimaler Frischluftzufuhr und abgewetzter Schuhsohlen als ein einzigartiges highfideles Schlaraffenland empfunden haben.

Auch wir hatten uns vom 18. bis 21. Mai unter die offiziell 538 Aussteller und insgesamt 21412 Besucher der Münchener High End gemischt – und haben einen Teil der gewonnenen Eindrücke in diesen sich über sechs Seiten erstreckenden Messebericht einfließen lassen.

Legen wir gleich los mit einem allgemeinen Messerundgang, um uns ab Seite drei enger abgesteckten Themenbereichen zu widmen wie Streaming/Computer-Audio, Phono, Kopfhörertechnik und last but not least ausgewählten Klangimpressionen von der High End 2017. Das genaue Inhaltsverzeichnis, mit dem sich auch bequem springen lässt, finden Sie jeweils oben und unten auf dieser sowie den folgenden Seiten.

Messe-Rundgang über die High End 2017
mit Jörg Dames

Genuin Nimbus High End Messe 2017

Genuin Nimbus: außen schlicht, innen vollsymmetrisch und doppel-mono-bestückt, mit Innenverdrahtung aus Gold und Silber

Alten Bekannten zu begegnen, an die man allerbeste Erinnerungen hat und die sich seit dem letzten Zusammentreffen offenbar auch noch merklich weiterentwickelt haben, macht einen besonders neugierig: Die Ende 2011 getestete Sauermann-Stereoendstufe gehört zu jenen Verstärkern, auf die ich besonders gerne zurückblicke. Mit über 400 Watt Leerlaufleistungsaufnahme war der Amp allerdings ein echtes Energieluder – für mich persönlich schon ein veritabler Wermutstropfen. Umso erfreulicher war es zu erfahren, dass Gerd Sauermann seine Technologie zum einen weiter evolutioniert hat und zum anderen im Rahmen eines Projekts mit dem Cottbusser Vertrieb/Hersteller Genuin Audio (www.genuin-audio.de) den Genuin Nimbus hat entstehen lassen: Optisch schlichter, deutlich weniger stromgefräßig (um 80 Watt im Leerlauf) und dabei mit 7.950 Euro um 550 Euro günstiger als sein Urahn. Ein besonderes Schaltungskonzept mit voneinander unabhängiger Spannungs- und Stromverstärkung (der komplette Spannungshub erfolge dabei in Class-A, so Gerd Sauermann) machen nicht zuletzt eine minimale Gegenkopplung trotz hohen Dämpfungsfaktors (ca. 16 Milliohm Ausgangsimpedanz) und eine extrem kurze Signaldurchlaufzeit möglich – gemessen von den Eingangs- bis zu den Ausgangsklemmen liege diese bei gerademal 20 Nanosekunden. Zudem fördere das Schaltungskonzept eine hohe Resistenz gegenüber den Einflüssen der Lautsprecherlast, der Genuin Nimbus soll bis unter 2 Ohm zuverlässig laststabil arbeiten.

Gerd Sauermann & Thomas Wendt Genuin Audio

In Doppelmono: Gerd Sauermann und Thomas Wendt. Ein Plattenspieler und Musikserver gehören ebenfalls zum neuen Produktportfolio

Zum Thema „alte Bekannte“ passte es dann am Stand des in Ingolstadt beheimateten Vertriebs Mach One (www.machone-classics.de) auf ein Pärchen Zu Druid mit seiner charakteristischen Bestückung aus Breitbänder und Hochtöner zu treffen. Die Mk4-Version hatten wir vor 10 Jahren im Test, die neuste, ab Juli erhältliche Druid schmückt sich mit einem Mark 6 (10.500 Euro). Im Vergleich zur Mk5-Version (die nicht abgelöst wurde, sondern parallel läuft: 8.500 Euro) weisen die 6er insbesondere eine optisch zwar ähnliche, im Detail aber deutlich avanciertere Gehäusekonstruktion auf: Entwickler Sean Casey nannte in seinen Erläuterungen Analogien zu den Rümpfen von Rennbooten – das neue Gehäuse basiere auf einem Carbon-Fiberglas-Konzept, sei mithin leichter, fester und verfüge über ein besseres Dämpfungsverhalten, nicht zuletzt würden dadurch klangschädliche Energiespeichereffekte minimiert. Komplett neu entwickelte Treiber stehen ebenfalls auf der Habenseite: Das Breitbänder/Hochtöner-Duo sorge im Zusammenspiel mit der effizienten Weiche für eine – typisch Zu Audio – in zweistelligen Ohmgefilden verlaufende, verstärkerfreundliche Impedanz und einen Wirkungsgrad von 101 dB/W/m.

Zu Druid Mk6 mit Sean Casey auf der High End Messe

Sean Casey mit Zu Druid Mk6

Ebenfalls am Stand von Mach One, aber kein alter Bekannter, da vielmehr absolut neu am Start und demgemäß erstmalig auf der High End: Beaudioful (www.beaudioful.com). Die Ingolstädter haben sich auf HiFi-Racks spezialisiert, die man komplett am Firmenstandort herstelle, selbst die Spikes produziere man in Eigenregie – sämtliche Zulieferteile sollen aber ebenfalls aus der Region stammen, wie mir der Mitgründer und Diplom-Maschinenbauer André Schwager erklärte.

Beaudioful Rack auf der Messe High End

So beaudioful!

Die Racks sind modular aufgebaut und wahlweise mit 107 cm oder 53 cm breiten Ebenen mit schmutzabweisendem SaRaiFo-Furnier (Save the Rainforest) erhältlich. Indischer Apfel, Makassar, Palisander etc. stehen als Designs unter anderen zur Verfügung, produziert aus schnellwüchsigen Holzarten wie etwa Pappel oder Linde. Sämtliche Ebenen sind beidseitig furniert und können – falls es doch einmal wider Erwarten zu Kratzern kommt – entsprechend beidseitig eingesetzt werden. Die Preise stehen noch nicht endgültig fest: Ein großes Rack mit vier Ebenen wird aber voraussichtlich im Bereich von > 2 kEuro liegen.

Andre Schwager Beaudioful High End 2017

André Schwager und das Beaudioful-Rack

Design und Möbel – da können einem nicht zuletzt Lautsprecher von Progressive Audio (www.progressiveaudio.de) in den Sinn kommen. Zumindest jene aus der Edition Serie, denn die Essener haben freilich auch Elektronik und Zubehör im Programm sowie konventionell designtere Schallwandler am Start als die auf der High-End-Messe ausgestellten Extrem 4 Edition.

Ralf Koenen High End München

Komm in meinen Arm: Ralf Koenen und seine Progressive Audio Extrem 4 Edition

Deren Gehäuse basiert auf Elementen des schweizerischen Büromöbelherstellers USM Haller, wobei dessen typische, optisch markante Stangenstruktur von Progressive Audio mit einem speziellen Sand befüllt wird. Aber auch die Gehäuseplatten sind nur äußerlich USM Haller. Hinter ihrer vier Millimeter starken Metalloberfläche befinden sich eine versteifende Materialschicht sowie – und das ist im Sinne der Resonanzoptimierung wieder urtypisch Progressive Audio – zehn Millimeter dickes Acryl. Entwickler Ralf Koenen betont, dass die Edition-Serie sowieso mitnichten ein reiner Design-Gag sei, sondern seine Entwicklungen stets dem Form-follows-Function-Prinzip folgen würden. Mir fällt dazu ein, dass einige DIYler klanglich auf HiFi-Racks schwören, die auf USM-Haller-Elementen basieren, die klangversessenen Tüftler von Acapella Audio Arts bieten sogar eine professionelle Racklösung (La-Musica-Projekt) auf USM-Haller-Basis an.

Progressive Audio Extrem 4 Edition

Die Abstimmung des rückseitig abstrahlenden Bassreflexsystems der Progressive Audio Extrem 4 Edition lässt sich per beweglichem Rohreinsatz leicht feintunen

Die sonstigen Rahmendaten der – übrigens rein passiven – Lautsprecher: Knapp 180 Zentimeter hoch, 80 kg (Stück) sowie 22.000 Euro (Paar) schwer. Ein Wirkungsgrad von 89 dB/W/m sowie eine bei 4,7 Ohm linear verlaufende Impedanz sollen laut Ralf Koenen auch Röhrenverstärkern das Leben leicht machen.

Nubert nuVero 170 Exclusiv

Nubert nuVero 170

Und wenn wir gerade schon bei Boxen-Lulatschen deutscher Provenienz sind: Nubert (www.nubert.de) gab auf der High End ebenfalls alles andere als klein bei und präsentierte mit den nuVero 170 seine neuen – ja genau: 170 cm in die Höhe schießenden – Lautsprecherflaggschiffe. Die je 65 Kilogramm wiegenden Säulen folgen – ein Novum bei Nubert – einem Vierwege-Prinzip: Die Aufteilung in Bass, Höhen sowie einen unteren und oberen Mitteltonzweig ermögliche, dass die Treiber noch zielgenauer auf ihre jeweiligen Arbeitsbereiche angepasst arbeiten können. Geringere Bündelungseffekte und die verminderte Anregung von Raummoden bzw. Gefahr von Dröhnen würden zu den weiteren Meriten der Nubert nuVero 170 zählen. Räumliche Plastizität und Basskompetenz ebenso: Bis zu 23 Hertz (-3 dB) sollen die 170er nach unten langen können, realisiert durch neuentwickelte 20-cm-Ultra-Langhub-Tieftöner. Wohl bekomm’s …

Nubert nuPro 170 auf der High End 2017

Die Nubert nuVero 170 sowie die kompakten nuVero 60 in der Sonderedition „Exclusiv“ . Als Standardfarben werden Diamantschwarz, Kristallweiß und Goldbraun angeboten

Wer es noch besonderer mag: Die Nubert nuVero 170 werden zusätzlich in einer Sonderedition namens Exclusiv zu haben sein. Die frontseitig wahlweise mit goldenen oder silbernen Schallwänden versehenen Lautsprechergehäuse werden dazu in Handarbeit mit einem aufwändig vernähten Texturmaterial (Skai Sotega) mit Nappaleder-Anmutung bespannt. Die Preise: 7.400 Euro für die Standardausführungen, 8.900 Euro für die Exclusiv-Modelle – beide Varianten sollen voraussichtlich ab Spätsommer dieses Jahres an den Start gehen.

Phonosophie PAS 1 auf der High End Messe

Das Gehäuse des PAS 1 kommt in der Phonosophie-typischen Halbschalenkonstruktion und ausschließlich in Schwarz daher

Eindrucksvolle Lautsprecher hin oder her – häufig sind es ja die kleinen Dinge, die zählen: Wie etwa die neue Streaming-Bridge (ohne integrierten DAC, mit vorhandenen Wandlern kombinierbar) PAS 1 aus dem Hause Phonosophie (www.phonosophie.de), die lediglich 22 Zentimeter in der Breite sowie knapp 35 Zentimeter in der Tiefe misst, nichtsdestotrotz aber zusätzlich mit einem Server bzw. einer internen 2-TB-Festplatte von Seagate (SSD optional) aufwartet. Quasi als Allesfresser konzipiert, werden alle gängigen Formate bis hoch zu PCM 384 kHz und DSD 512 verdaut und Streamingdienste wie Tidal oder Qobuz unterstützt. Der PAS 1 sei zudem „Roon ready“, so Phonosophie.

Phonosophie PAS 1 Rückseite

Das Heck des Phonosophie PAS 1

Die Steuerung kann zum Beispiel mit gängigen UPnP-Apps (eine eigene Phonosophie-App gibt es nicht) oder browserbasiert erfolgen. Und wer Ingo Hansen kennt, wird sich wohl nicht darüber wundern, dass im Inneren ein Ringkerntrafo nach alter Väter Sitte statt eines Schaltnetzteils die Umspanndienste verrichtet. Mindestens genauso wichtig für die Audioqualität sei das auf Musikverwaltung/-bereitstellung optimierte Betriebssystem auf Linux-Basis.

Ingo Hansen und Cliff Baier

Die Türen stehen offen: Ingo Hansen und der federführende Entwickler Cliff Baier

Und weil wohl gerade bei einem Server der Service nicht zu kurz kommen soll, bietet Phonosophie einen im Kaufpreis inbegriffenen Erstinstallationssupport per Fernwartung (Teamviewer) an, bei dem – sofern man möchte – sogar ein an die eigene Anlage angepasstes Klangfeintuning vorgenommen werden kann. Eine (kostenpflichtige) Fernwartung bei wider Erwarten im Nachgang auftretenden Problemen ist ebenfalls jederzeit möglich. So oder so verspricht Cliff Baier – der federführende Entwickler -, dass der mit 2.500 Euro ausgepreiste Phonosophie PAS 1 nach seiner Befreiung aus der Kartonage grundsätzlich nach 30 Sekunden in der Lage sei, erstmalig Musik abzuspielen.

Nomen est omen: Dass sich der aus der Stadt Lublin – grob anderthalb Autostunden vom nordöstlich gelegenen Warschau entfernt – stammende Hersteller hORNS (deutscher Vertrieb: www.lenhifi.de) auf Hornlautsprecher spezialisiert hat, lässt sich leicht erraten. Dessen Mutterunternehmen Auto-Tech wiederum besitzt besonderes Know-how bei der Produktion von speziellen Kunststoffteilen für die Automobilindustrie. Eine Kompetenz, die man bei dem Bau von Lautsprechergehäusen bzw. deren Formgebung offensichtlich voll ausreizt – manche Modelle wirken optisch richtiggehend spektakulär.

Horns Atmosphere auf der High End Messe

In der ersten Reihe die kompakten hORNS Atmosphere, unmittelbar dahinter die ebenfalls brandneuen hORNS Opera (23.000 Euro), ganz hinten mittig das Topmodell Universum

Die ganz frisch an den Start gebrachten und Premiere auf der High End feiernden hORNS Atmosphere (6.000 Euro, inklusive Ständer) folgen dagegen einer vergleichsweise konventionellen Designsprache, machen optisch gleichwohl dennoch was her und sind zweifelsohne auch technisch interessant. Nicht nur aufgrund des ab ungefähr 2000 Hertz einsetzenden – na klar – Horntreibers, sondern auch mit Blick auf die unteren Frequenzetagen: Trotz des rückseitigen dritten Treibers ist die Atmosphere nämlich ein Zweiwegler, der hintere Konus mithin eine Passivmembran (nicht zu verwechseln mit dem Terminus Passivlautsprecher) ohne Verbindung zur Frequenzweiche. Vielmehr wirkt die Passivmembran wie die darunter liegende Bassreflexöffnung im Zusammenspiel mit einem Helmholtzvolumen und  funktioniert im Grunde auch wie ein herkömmliches (hier zudem zusätzliches) Bassreflexsystem (Tuningfrequenz um 43 Hertz). Bei der hORNS Atmosphere lässt sich dieser Treiber vom Hörer zu- oder abschalten (indem per Schalter schlichtweg kurzgeschlossen wird) und somit der Bassbereich anpassen: „Mit“ klingt es satter und tiefreichender, „ohne“ knackiger, mehr auf den Punkt. Sicherlich auch mit Blick auf die Anpassung an die eigene Raumakustik ein hilfreiches Feature. Dazu passt, dass die hORNS Atmosphere bewusst so abgestimmt wurde, dass sie vergleichsweise gerichtet abstrahlt, was zwar einen engeren Sweetspot nach sich zieht, aber eben raumakustische Einflüsse im Zaum hält.

Horns Atmosphere Rückseite

Hinten und vorne: hORNS Atmosphere

Noch kleiner, aber mit großem „oho“ ging es am Stand des Essener Vertriebes Audionext (www.audionext.de) zu: Dort präsentierte man nämlich unter anderem den neuen In-Ear-Kopfhörer Audeze LCDi4. Als Entwicklungsmaßstab diente kein geringerer als der Over-Ear-Referenzhörer Audeze LCD4. Und so klang der in ein Magnesiumgehäuse gehüllte LCDi4 für meine Ohren fast schon sensationell locker-feinzeichnend bei – insbesondere angesichts der Tatsache, dass er eben „nur“ ein In-Ear ist – extrem guter Räumlichkeit. Mit einem wie auch immer gearteten typischen In-Ear-Sound hatte das Ganze jedenfalls nichts zu tun, man wähnte rein klanglich eher ausgewachsene, hochwertige Over-Ears auf seinen Ohren – stark.

Audeze LCDi4 auf der High End

Das Gehäuse des Audeze LCDi4 besteht aus Magnesium

Der LCDi4 arbeitet – wie bei Audeze nicht anders zu erwarten – nach dem magnetostatischen Prinzip: Die hauchdünne Folienmembran (20 Mikrometer), die aufgebrachten Leiterbahnen und die Neodym-N50-Magnete sind durchweg Eigenentwicklungen. Einige Specs: 35 Ohm Nennimpedanz, 105 dB/1mW Empfindlichkeit, 30-mm-Treiber und 2 x 12 Gramm Schwerkraftwirkung, die beim Tragen auch aufgrund der rutschfesten Ohrbügelkonstruktionen im wahrsten Sinne des Wortes nicht ins Gewicht fallen sollte. Das wird eher mit Blick auf die nötige Investition und womöglich das eine oder andere Portemonnaie passieren: 3.000 Euro beträgt die UVP. Ein Probehören sei aber so oder so allein schon aufgrund der „Bewusstseinserweiterung“ empfohlen – die Audeze LCDi4 werden in Deutschland ab Ende Juni erhältlich sein.

Audeze LCDi4

Ein der eigenen Ohrengröße angemessenes Ohrpassstück ist gerade bei einem In-Ear wie dem Audeze LCDi4 signifikant klangrelevant

Für ambitionierte Standlautsprecher wirken die 3.998 Euro, die der japanische Traditionshersteller Technics (www.technics.com/de) für ein Pärchen Grand Class SB-G90 aufruft, dagegen schon wieder recht bodenständig. 32 Kilogramm bringen die schmucken Dreiwegler auf die Waage. Den Mittelhochton verantwortet ein Koaxial-System – eine von Technics grundsätzlich favorisierte Lösung – Phasenlinearität und das Ideal der Punktschallquelle stehen bei Technics generell weit oben in den Pflichtenheften, wie Produktmanager Frank Balzuweit betonte.

Technics SB-G90 auf der High End Messe

Große Klasse? Technics Grand Class SB-G90

Eine weitere Besonderheit ist die zweite Schallwand der Technics SB-G90: Um Störeinflüsse und einhergehende Verzerrungen zu minimieren, sind sämtliche Treiber auf einer im Gehäuseinneren befindlichen, hinteren Schallwand verschraubt. Die Japaner versprechen sich hierdurch ein günstiges Resonanzverhalten des noch stabileren Gehäuses und „ruhiger“ arbeitende Chassis sowie letztlich einen wie die Pressemitteilung verheißt „kristallklaren, detailreichen und realistischen Sound“. Die schlicht-ansehnlichen, wertig verarbeiteten Technics SB-G90 werden im Verlauf des Juni in den Handel gebracht – und zwar ausschließlich in der Farbvariante Hochglanz-Schwarz.

Technics SB-G90 Koax

Technics Liebling: das Koax-System der Grand Class SB-G90

Eine persönliche Neuentdeckung erwartete mich schließlich bei Audio Reference (www.audio-reference.de). Wenngleich ich zugeben muss, dass ich da offenbar etwas verschlafen habe, wie mich später auch die fairaudio-Kollegen aufklärten: Der dänische Lautsprecherhersteller M&K Sound bereichert das Portfolio des Hamburger High-End-Vertriebs zwar tatsächlich ganz frisch, gleichwohl reichen die amerikanischen Ursprünge von M&K Sound bereits schlappe 40 Jahre zurück – die Aktivitäten sind aktuell in drei Geschäftsbereiche segmentiert: Studioausstattung, Installation (In-Wall-Systeme gehören u.a. ebenfalls zum Programm) und Home-HiFi.

Lars Johannsen, 2510P Stereolautsprecher, Subwoofer X12 von M&K Sound

Kraftvoll dynamisch ging es bei M&K Sound zu, sowohl die menschliche wie die technische Performance betreffend – im Bild Geschäftsführer Lars Johannsen sowie u.a. zwei 2510P Stereolautsprecher (auf Ständern) und der große Subwoofer X12 (mittig auf dem Boden)

Bei der Vorführung auf der High End fielen mir zwei Dinge auf: Erstens der Schwung und die Leidenschaft mit denen Geschäftsführer Lars Johannsen seine aktiven Stereo-Lautsprecher und Subwoofer präsentierte und dabei immer wieder in die Knie ging, um sodann verschiedene, teils um 20 Kilogramm wiegende Speakerkonstrukte kraftvoll Richtung Auditorium zu recken. Zweitens der Sound der Kombination aus zwei aktiven MPS-2510P-Stereolautprechern (360 Watt je Kanal, 5.600 Euro/Paar) und des mächtigen, fast 40 Kilogramm wiegenden X12-Subs (400 Watt, Dual-12-Zoll-Treibersystem, 3.500 Euro): Hochakkurat, transparent, feindynamisch & feinsinnig, aber ohne jeglichen Anflug von technischem Beiklang, zudem in Sachen Grobdynamik und Tieftonkompetenz extrem (!) lässig und souverän. „Irgendwie wie live“, flüsterte mir der gerade zufällig neben mir stehende Kollege Fritz Schwertfeger zu. Genau.

M&K Sound 2510P High End Messe

Aktivposten: M&K Sound MPS-2510P

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