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Klangeindrücke auf der High End 2018

Inhaltsverzeichnis

  1. 6 Klangeindrücke auf der High End 2018

mit Martin Mertens

Darüber, dass die Rubrik Klangeindrücke heißt, bin ich sehr froh. Denn im Messerummel der High End zu verlässlichen Klangbeurteilungen zu kommen, ist schlicht unmöglich. Das liegt zum einen am regen Betrieb. Auch in diesem Jahr ging es, trotz größtenteils schönstem Sommerwetter und einem Spiel von Bayern München am Samstag, hoch her. Da findet man in den Vorführräumen kaum die Ruhe zum ernsthaften Hören. Und dass man den Vorführenden dazu bewegen kann, vertraute Musikstücke zu spielen, ist auch eher selten.

Zum anderen möchten die Aussteller häufig ihre Flaggschiff-Modelle präsentieren. Die sind allerdings oft für die Größe der zur Verfügung stehenden Räume überdimensioniert. So kommt es, dass viele Anlagen bei Weitem nicht ihr wirkliches Klangpotenzial ausspielen können.

Natürlich konnte ich nicht alle Vorführungen besuchen. Und natürlich gibt es Aussteller, denen schon in den vergangenen Jahren eine überzeugende Vorstellung gelungen ist und die ich nicht jedes Jahr an dieser Stelle präsentieren möchte. Insofern ist das Folgende nur eine kleine, nicht repräsentative Auswahl von Vorführungen, die ich aus verschiedenen Gründen für erwähnenswert halte:

Im Messeraum von ATC

Im Messeraum von ATC

Den englischen Hersteller ATC (www.audiotra.de) hatte ich bisher nicht auf dem Schirm. Was bestimmt zum Teil auch am eher wenig aufregenden Äußeren der ATC-Lautsprecher liegt. Die neue „Special Edition-Serie“ versucht es mal mit Designelementen. Design ist allerdings nicht wirklich die zentrale Stärke der Engländer. Klang dagegen sehr wohl.

Lautsprecher ATC SCM150SE

Zu hören gab es das mittlere Modell der Special-Edition-Baureihe, die SCM150SE, in der aktiven Version (es gibt die Lautsprecher auch passiv) im Zusammenspiel mit dem hauseigenen CD-Player/Vorverstärker/DAC CDA2 Mk2. Dieses recht schlanke Set-up spielte im vergleichsweise großen Vorführraum absolut souverän, präzise, hoch neutral und doch musikalisch auf. Dieser Klang machte sofort klar, dass ATC aus dem Profisektor kommt und sich die Lautsprecher auch als Monitore fürs Mixing und Mastering einsetzen lassen. Die ATC-Lautsprecher kosten in der normalen Version SCM1050ASLT, die ohne zusätzliche Designelemente auskommt, doch technisch und klanglich der vorgeführten SCM150SE entspricht, 32.800 Euro das Paar, der ATC CDA2 Mk2 ist dagegen mit 3.300 Euro regelrecht preiswert.

Audioquest (www.audioquest.de) ist als Spezialist für Kabel bekannt. Vergleichsweise neu sind neben den Netzkabeln die Stromfilter im Sortiment der Amerikaner. Und so stand die Wirkung der Niagara 5000 (4.495 Euro) und Niagara 7000 (8.995 Euro) genannten Netzfilter im Vordergrund der Vorführung.

Vorführung bei AudioQuest

Vorführung bei AudioQuest

Interessanterweise war das leistungsfähigere Niagara 7000 der Quelle und dem Vorverstärker vorgeschaltet – Musikserver X-Odos xo|one, Sugden CD-Player/DAC Masterclass PDT 4 (4.850 Euro) und Vorstufe Sugden Masterclass LA-4 (3.950 Euro) –, das „kleinere“ Niagara 5000 den Mono-Endstufen Sugden Masterclass MPA-4 (11.100 Euro/Paar), die wiederum zwei B&W 800 (30.000 Euro) antrieben. Klar, dass hier nur Spitzenkomponenten aus dem Audioquest Kabelprogramm zum Einsatz kamen.

Audioquest

Der Klang? Wuchtig und dynamisch, wie ich es der Kombination aus Sugden und B&W ehrlich gesagt nicht zugetraut hätte. Wobei ich bisher auch nie Komponenten der Sugden-Masterclass-Serie gehört habe. Doch nach meinen Erfahrungen mit Komponenten der A21-Serie hätte ich das Ganze wärmer und weniger kontrolliert erwartet – und nicht einen solchen Durchzug in allen Frequenzbereichen. Ob es an den Netzfiltern lag? Das Gesamtergebnis war auf jeden Fall eine absolut überzeugende Vorstellung für alle, die Dynamik, Attack und Schub zu schätzen wissen.

Vorführanlage bei Auralic

Vorführanlage bei Auralic

Auch die Digital-Spezialisten von Auralic (www.audionext.de) waren auf der High End mit einem eigenen Raum vertreten. Neben der Tatsache, dass die High End nun mal die weltweit führende Messe für hoch- und höchstwertige Unterhaltungselektronik ist, dürfte ein weiterer Grund für den Messeauftritt darin gelegen haben, dass Deutschland für Auralic eine besonderer Rolle spielt: Die Geschäftspartner Xuanqian Wang und Yuan Wang lernten sich 2008 bei einem Konzert in der Waldbühne Berlin kennen, was den Anstoß für die Gründung von Auralic gab.

Auralic

Zu hören gab es in München die neu überarbeiteten Versionen der Auralic-Klassiker Aries G1 (2.200 Euro) und Vega G1 (3.800 Euro). Der Aries G1 übernimmt dabei als „Streaming-Transporter“ die Bereitstellung der digitalen Musikdaten, die der „Streaming-DAC“ Vega G1 auf höchstem Niveau wandelt. Neu im Bunde war die Master-Clock Leo GX (ab 7.700 Euro), die den ultra-präzisen Takt dazugab. Die Lautsprecher von Ryan Speaker aus Kalifornien sind in Europa nicht erhältlich – was schade ist. Denn das Ganze machte deutlich, dass Xuanqian Wang und Yuan Wang letztendlich die Musik am Herzen liegt und die aufwendige Technik „nur“ Mittel zum Zweck ist. Bei weitgehend neutralem Klang (mit einer Tendenz ins Warme, die ich am ehesten den Lautsprechern zuschreiben würde), höchster Auflösung, präzisen Klangfarben und sauberen Transienten war das Ganze hoch musikalisch und wirkte keinen Deut technisch. Beeindruckend.

Ok, Apertura (www.haertel-vertrieb.de) habe ich schon im letzten Jahr in meinen Höreindrücken vorgestellt. Doch auch in diesem Jahr hat mich die Vorführung der Franzosen begeistert. Als Lautsprecher kam ein Prototyp der überarbeiteten Edena, die Edena Evolution heißen wird, zum Einsatz. Das Modell soll im Herbst in Serie gehen und wird um 10.000 Euro kosten.

Apertura

Die vorgeführten Vorserienmodelle spielten unglaublich souverän und breitbandig. Der Bändchenhochtöner bot eine irre Auflösung und eine faszinierende Hochtondynamik, am unteren Ende ging der Tiefmitteltöner richtig weit runter und sorgte für ein Bassfundament, das man den schlanken Säulen kaum zutrauen wollte. Dazwischen plastisch und sehr konkret, beinahe greifbar abgebildete Stimmen – mir hat das Ganze extremen Spaß gemacht. An der tollen Performance hatten der Vollverstärker I1 des Schweizer Edelherstellers CH Precision sowie der Plattenspieler Monaco v2.0 von Grand Prix Audio, der in Deutschland zurzeit keinen Vertrieb hat und mit einem Preis von 37.500 US-Dollar in dieser Kette den Vogel abschießt, ihren Anteil.

Messeraum von Magnat, Heco und Oehlbach

Messeraum von Magnat, Heco und Oehlbach

Ebenfalls analog, jedoch preislich deutlich bodenständiger, ging es bei Magnat und Heco (www.magnat.de | www.heco-audio.de) zu. Es ist kein Geheimnis, dass die ehemaligen Konkurrenten Magnat und Heco seit Langem unter einem Dach sind, das der Firma Voxx International gehört. Und so spielten die neuesten Versionen von Hecos Celan Revolution 9 (Mattweiß: 1.700 Euro, Schwarz-Hochglanz: 2.000 Euro) einträchtig am bekannten, von uns schon getesteten Magnat Vollverstärker RV-4 (3.000 Euro).

Eine kleine Sensation: der neue Magnat Plattenspieler MTT 990

Eine kleine Sensation: der neue Magnat Plattenspieler MTT 990

Als Quelle diente eine kleine Sensation: der brandneue Magnat Plattenspieler MTT 990, ein Direkttriebler, der mit System (AT95) und Staubschutzhaube komplett für 1.000 Euro zu haben ist. Die Kette bewies eindrücklich, dass man auch für unter 6.000 Euro absolut ernst zu nehmendes High End bekommt. Es klang kraftvoll, dynamisch, mit einer Tendenz ins Warm-Analoge. Insgesamt war der Klang auf jeden Fall sehr musikalisch und kultiviert. Für meinen Geschmack eine ideale Anlage, mit der man auf hohem Niveau glücklich werden kann.

Zum Schluss wird es preislich dann noch mal recht ambitioniert. Die französische Firma Totaldac (www.totaldac.com) führte das digitale „Frontend“ aus Totaldac Server/NAS (4.990 Euro), DAC D1-Twelve (28.500 Euro) und Vorverstärker D1-Driver (Preis steht noch nicht fest) an Absolare 845 Push-Pull-Mono-Endstufen mit Elrog-Röhren (in Deutschland nicht erhältlich, circa 50.000 Euro) vor, die wiederum die neuen Totaldac Lautsprecher D150-Speaker (46.000 Euro) samt passender Subwoofer (6.500 Euro) ansteuerten.

Im Totaldac-Messeraum

Im Totaldac-Messeraum

Das Bild lässt es erahnen: Es ging hochdynamisch zu. Diesbezüglich dürfte das Setting auf der High End die Maßstäbe gesetzt haben. Die horngeladenen Breitbänder gingen im Zusammenspiel mit der ordentlichen Membranfläche der Tieftöner so was von ab, dass es einem fast die Sinne hätte rauben können. Dabei ging es gleichzeitig unglaublich fein und präzise zu. Nicht selten hat man ja den Eindruck, dass sehr dynamische Lautsprecher sich keine Zeit für Details lassen und über Feinheiten hinweggehen. Genau das tat diese Anlage nicht und hat mir damit so ziemlich den Atem verschlagen.

Tataldac

Messebericht: High End 2018

  1. 6 Klangeindrücke auf der High End 2018

Über den Autor

Equipment

Analoge Quellen: Laufwerk: stst Motus 2 Tonarm: stst Vertex Tonabnehmer: Zyx Yatra

Digitale Quellen: D/A-Wandler: Antelope Zodiac+, North Star Design Supremo CD-Player: North Star Design CD-Transport (Laufwerk)

Vorstufen: Hochpegel: EAR Yoshino 868 mit NOS-Röhren Phonoverstärker: Musical Fidelity MX-VYNL

Endstufen: Bryston 4B³

Lautsprecher: Valeur Audio Micropoint 4 SE, Genelec 8020

Kopfhörer: AKG K702, AudioQuest Nighthawk, Beyerdynamic T 51p, fabulous earphones Basic Dual Driver, Sennheiser HD8 DJ

Kopfhörerverstärker: Opera Consonance Cyber 20 mk2, SPL Phonitor mini

Kabel: Lautsprecherkabel: Cardas Clear Light NF-Kabel: Cardas Clear Light Digitalkabel: AudioQuest Coffee

Rack: Lovan Sovereign, Tiglon TMB-10E (Gerätebasis)

Zubehör: Stromfilter: Audioplan FineFilter S, Mehrfachsteckdose PowerStar S, Gerätefilter PowerPlant S, Netzleitungen PowerCord

Größe des Hörraumes: Grundfläche: 17 m² Höhe: 2,6 m

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