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Computer/DAC/Streaming-Audio auf der High End 2016 – Messebericht fairaudio

Inhaltsverzeichnis

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Computer/DAC/Streaming-Audio auf der High End 2016
mit Michael Bruß

Wenn man über die High-End-Szene eines sagen kann, dann, dass die Branche gefühlt in mindestens zwei verschiedene Richtungen läuft: Einerseits sind da die Traditionalisten, die mit Plattenspielern und Reel-to-Reel-Tapes glücklich werden und immer neue, extremere Variationen althergebrachter Technologien auf den Markt bringen. Andererseits verquicken sich Audio- und Computertechnologien immer mehr miteinander. Streaming hat dem Thema Digital-Hifi in den vergangenen Jahren nochmals ordentlich neue Impulse gegeben, und so vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendein Gerät mit Streamingfunktion und/oder Digitalwandler, oft gar in Verquickung mit einer Vorstufenfunktion, auf den Markt kommt. Da aber Streaming nicht alles ist, wollen wir im Folgenden auch an die eher konservativen Digitalnutzer denken – ebenso wie an die Hardcoreuser, die mit Hilfe ihres Rechners alles aus den Einsen und Nullen herausholen möchten.

Mytek Brooklyn DAC

Der Mytek Brooklyn DAC (2.000 Euro, seit kurzem im Handel erhältlich, https://mytekdigital.com) markiert die klassische Eierlegende-Wollmilchsau: Mytek klassifiziert den Brooklyn grundlegend als D/A-Wandler, was angesichts des Funktionsumfangs auch vollkommen verständlich ist. Neben PCM-Signalen mit bis zu 32 Bit und 384 kHz kann der Mytek Brooklyn auch DXD- und DSD-256-Signale verarbeiten und decodiert das neue MQA-Hi-Res. Er besitzt einen Femto-Clock-Generator und massig Anschlussmöglichkeiten:

Neben zwei koaxialen S/PDIF-Eingängen, dem obligatorischen USB-2.0-Port und einem optischen S/PDIF-Anschluss finden sich auch ein AES/EBU-Eingang, je ein Stereopaar symmetrischer und asymmetrischer Ausgänge sowie je ein Wordclock-Eingang und -Ausgang, wodurch sich mehrere Geräte für den Mehrkanalbetrieb in Reihe schalten (stacken) lassen. Die Femto-Wordclock erlaubt übrigens nur 0,82 Picosekunden Jitter … Die digitalen Eingänge lassen sich auch direkt über den USB-2.0-Port in einen Computer routen.

Marcin Hamerla ist Mitentwickler und -inhaber von Mytek
Marcin Hamerla ist Mitentwickler und -inhaber von Mytek

Der Mytek Brooklyn DAC besitzt darüber hinaus noch einen Phono-MM/MC-Eingang (Abschlusswiderstand fix bei 90 Ohm im MC-Betrieb) sowie zwei 6,3-mm-Klinkenausgänge, hinter denen ein Kopfhörerverstärker mit nahezu 0 Ohm Ausgangswiderstand, 500 mA Stromlieferfähigkeit und 6 Watt Leistung sitzt. Mit dem Mytek Balanced Headphone Adapter lassen sich Kopfhörer auch symmetrisch betreiben. Als ob das nicht genug wäre, kann der Brooklyn bei Bedarf auch als analoger Vorverstärker dienen und ist komplett fernbedienbar. Die Verarbeitung ist schnieke, das Design ansprechend und das LED-Display macht auch was her.

Kann auch Phono-MM: Der Mytek Brooklyn DAC
Kann auch Phono-MM: Der Mytek Brooklyn DAC

In eine ähnliche Richtung geht die Entwickler- und Ingenieursgruppe RME (http://www.rme-audio.de) mit dem ADI-2 Pro, der im August für 1.598 Euro beim Händler stehen wird. Der ADI-2 Pro kann sogar Signale bis 768 kHz im PCM-Format verarbeiten, und in Sachen DSD treibt er es bis 256fach. Auch von iDevices nimmt der ADI-2 Pro digitale Signal entgegen. Zudem kann er als A/D-Wandler und analoger Vorverstärker fungieren, verzichtet aber auf einen Phono-Eingang. Ein (symmetrischer) Kopfhörerverstärker ist auch an Bord.

RME ADI-2 Pro
RME ADI-2 Pro

Des Weiteren kann der RME ADI-2 Pro das Signal per parametrischem 5-Band-Equalizer bearbeiten und mit einem Low-Cut-Filter Elektronik und Lautsprecher vor potenziell schädlichem Rumpeln schützen. Die Umschaltung in die verschiedenen Betriebsmodi erfolgt übrigens automatisch, abhängig von den angeschlossenen Geräten. Interessant ist die Möglichkeit, den ADI-2 Pro auch mobil mit einem Akkupack zu betreiben. Bis zu 12 Stunden sollen so mit hochwertigen und leistungsfähigen Batterien möglich sein. So kann der RME ADI-2 Pro auch seine Talente als mobiles Messsystem ausspielen – schließlich liegt das Geschäftsfeld von RME (wie auch die US-Polen von Mytek) an der Schnittstelle zwischen professionellem Audio und Home-Hifi.

Michael Ullrich ist beim zuständigen Vertrieb Synthax im Produktmanagement tätig
Michael Ullrich ist beim zuständigen Vertrieb Synthax im Produktmanagement tätig

Rein auf private Endanwender zugeschnitten ist der in Deutschland entwickelte und produzierte Streamer xo|stream (2.980 Euro) von x-odos (lassen Sie sich bitte nicht vom leicht anderen Namen des Prototyps auf dem Foto verwirren, http://www.x-odos.com), der ab Juni 2016 zu haben sein wird:

Die Streaming-Bridge xo|stream
Die Streaming-Bridge xo|stream

Das massiv gearbeitete Gehäuse beherbergt keinen D/A-Wandler, sondern konzentriert sich laut Hersteller mit besten Bauteilen und cleveren Schaltungen rein aufs Streamen mit bis zu 192 kHz/24 Bit und DoP (DSD over PCM). Dabei kann er selbstverständlich Musik nicht nur vom hauseigenen xo|one Musicserver, von der NAS oder per USB von einer externen Festplatte, sondern auch direkt aus dem Netz zum Beispiel von Tidal oder Qobuz sowie aus dem mannigfaltigen Angebot des Internetradios abspielen.

Geschäftsführer der x-odos GmbH ist Christof Poschadel
Geschäftsführer der x-odos GmbH ist Christof Poschadel

Besonders interessant ist die erstmalige Implementierung des HighRes-Streamingdienstes Virtualvault von Highresaudio. Der erlaubt nämlich das Streamen von Material bis zu 192 kHz/24 Bit – vorausgesetzt, man hat eine entsprechend schnelle Internetanbindung und hat sich das zu streamende Material zuvor im Highresaudio-Shop gekauft. Eine Flatrate gibt es zur Zeit dafür noch nicht. Dafür kann man die digitale Variante des jeweiligen Booklets direkt auf dem nativ integrierten Highresaudio-Shop auf sein iDevice laden und in hoher Auflösung darin schmökern. Die dafür entwickelte App ist besonders schnell (beeindruckend schnell, möchte ich nach der Demo durch den Firmeninhaber sagen) und lässt sich sehr intuitiv bedienen.

CD-Spieler Neodio Origine S2
Alte Digitalschule: Der reine CD-Spieler Neodio Origine S2

Der französische Hersteller Neodio (www.neodio.fr/en/) hebt sich von den drei bisher genannten Neuigkeiten in zweierlei Hinsicht deutlich ab. Sein in München erstmalig präsentierter CD-Player Origine S2 hat nämlich mit den ganzen Sperenzchen der Streaming- und All-In-One-Fraktion gar nichts am Hut. Stattdessen ist der S2 ein reiner CD-Spieler, auch wenn er über ein DVD-ROM-Laufwerk verfügt. Firmenchef und Entwickler Stephane Even will dem guten Klang nicht per, wie er es ausdrückt: „Overengineering“ auf die Spur kommen, sondern setzt darauf, die physikalischen Effekte zu erforschen, die den Klang beeinträchtigen können – dabei stößt er immer wieder vor allem auf Mikrofonieeffekte als Hauptursache für schlechte Resultate.

Stephane Even: Firmenchef und Entwickler von Neodio
Stephane Even: Firmenchef und Entwickler von Neodio

Daher ist das 25 kg schwere Gerät ähnlich wie ein analoger Plattenspieler aufgebaut: Mehrere Lagen unterschiedlicher Materialien (Aluminium, Edelstahl, HIMACS, Kupfer und Plexiglas) sollen Resonanzen im Zusammenspiel mit den hauseigenen B1-Gerätefüßen effektiv unterbinden. Zusätzlich setzt Even beim DAC-Chip auf den schon leicht in die Jahre gekommenen Crystal CS4398, der seiner Meinung nach aber klanglich unschlagbar sei. Das größte Geheimnis aber liege in der Clock des Neodio Origine S2: Stephane Even setzt keinen Quarzoszillator ein, sondern einen eigens entworfenen Schaltkreis, der die Probleme der Kristalle (hochfrequentes Rauschen, das Störungen im Signal verursacht), die er für den „typischen, nervigen Digitalklang“ (Zitat) verantwortlich macht, ausmerzen soll. Und in der Tat hat die Vorführung der Combo aus Living-Voice-Lautsprechern, Kondo-Elektronik und dem Origine S2 zum meiner Meinung nach besten Klangresultat der High End 2016 geführt. Der Preis für dieses auch optisch hinreißende Stück Ingenieurskunst: 35.000 Euro.

Musicscope von Xivero
Ziemlich cooles Stück Code: Musicscope von Xivero

Ziemlich genau am entgegengesetzten Ende der Preisskala steht Musicscope des deutschen Spezialisten Xivero (https://www.xivero.com/de). Für 29 Euro haben die Düsseldorfer ein ziemlich cooles Stück Code geschrieben, das den Spieltrieb jedes geneigten Hifiisten befriedigen dürfte. Im ersten Moment ist Musicscope (für MacOS und Windows) ein Analysewerkzeug, das als „Audio-Mikroskop“ die Qualität von digitalen Musikdateien und analogen Quellen überprüft und das Ergebnis visualisiert. Bis auf AAC unterstützt Musicscope alle Dateiformate bis 384 kHz/32 Bit und DSD 512.

Lars Inger - Geschäftsführer bei XiVero
Lars Inger – Geschäftsführer bei XiVero

Alle machbaren Messungen aufzuführen, würde den Rahmen sprengen, daher hier nur die wahrscheinlich wichtigsten: Einmal erkennt man mit Musicscope sofort anhand der visuell dargestellten echten Bandbreite eines Musikstücks, ob es sich tatsächlich um eine High-Res-Aufnahme oder nur um eine hochgerechnete 44,1/16-Aufnahme handelt. Dann kann man sich die THD- und Jitterwerte des verwendeten D/A-Wandlers anzeigen lassen, und – besonders hilfreich – Inter-Sample Peaks (Übersteuerungen, die die Wiedergabequalität in Form von Verzerrungen beeinträchtigen können) erkennen und mit Hilfe einer Zusatzsoftware namens Audio Repair (9 Euro) entfernen. Die Musicscope Cloud erlaubt es Usern, in die Cloud hochgeladene Messungen anderer Nutzer einzusehen. Noch ein Perk: Man kann sich selektiv Frequenzbereiche anschauen/anhören und zum Beispiel erkennen, um was für eine Störung im Signal es sich dort nun wirklich handelt. Nebenbei können Analogis mal schnell die Konstanz und Geschwindigkeit ihres Plattenspielers überprüfen. Für 29 + 9 Euro meiner Meinung nach ein echter No-Brainer.

Audioquest Dragonfly:
Audioquest Dragonfly: Kopfhörerverstärker für USB-Schnittstellen

Last but not least kommen wir zu den neuesten Versionen alter Bekannter, den Audioquest Dragonfly (www.audioquest.de), – ihres Zeichens USB-Stick-große USB-DACs und Kopfhörerverstärker – die jetzt in einer Black– beziehungsweise Red-Variante erhältlich sind. „Was ist anders?“, fragte ich Audioquest-Vertriebsmann Richard Drees (Bild). Nun, ein entscheidender Vorteil der beiden Neuen sei der der USB-2.0-Richard Drees Audioquestkompatible Chipsatz von Microchip, der den Texas Instruments TAS 1020B ablöst und der es nun auch erlaubt, beide Libellen direkt an portablen Geräten einzusetzen, da die neuen Chips deutlich weniger Energie benötigen und so die Akkus des Smartphones nicht über Gebühr beanspruchen.

Auch besitzen beide Dragonflies nun einen anderen Wandlerchip (ESS 9016 32-Bit im Red und 9010 im Black), doch beschränkt man sich in Sachen HighRes immer noch auf 96 kHz/24 Bit – einerseits für den einen oder anderen schade, andererseits kommt man so ohne Treiber aus. Eine weitere Neuerung beim DragonFly Red: Die Spannung der Ausgangsstufe wurde auf satte 2.1 V statt der bisherigen 1,2 V angehoben, was auch den Betrieb mit leiseren Kopfhörern ermöglicht. Einen weiteren großen Unterschied, der den Preisunterschied zwischen Black und Red entscheidend mit erklären dürfte, gibt es noch: Statt der analogen Lautstärkeregelung des Black kommt im Red eine digitale 64-Bit-Bit-Perfect-Steuerung zum Einsatz.

Audioquest

Messebericht: High End 2016

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