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Computer/Streaming-Audio auf der High End 2015 – Messe-Report fairaudio

Inhaltsverzeichnis

  1. 5 Computer/Streaming-Audio auf der High End 2015 - Messe-Report fairaudio

Computer/Streaming-Audio auf der High End 2015
mit Michael Bruß

Manchmal in den vergangenen 20 Jahren hatte es so ein wenig den Anschein, als ob das High-End- und HiFi-Lager sich in zwei Gruppen aufspaltete, von denen jede jeweils für sich behauptete, den allein selig machenden Weg zum Klangglück gefunden zu haben. Auf der einen Seite waren da die Retro-Traditionalisten, die im aufkeimenden Vinylboom ihre Mono-Schallplatten reaktivierten, mit Röhrenverstärkern die Kosten der Zentralheizung zu senken versuchten und Hörner nur breitbandig akzeptierten. Auf der anderen Seite standen die Innovationssuchenden, die nie zufrieden waren mit dem, was das Rack hergab, und die mit Feuereifer immer wieder das neuste Gadget mit noch mal etwas höherer Auflösung an die Class-D-Verstärker klemmten.

Heute sieht das alles anders aus: Da spielen winzige Digitalverstärker an Eckhörnern, und selbst Vertriebe, die Digitales ehedem nur mit der Kneifzange angefassten, spielen heute mit hochpreisigen Gerätschaften der 0/1-Fraktion. Überhaupt sind äußere Abmessungen und Gewicht der Geräte gerade im Digitalbereich nicht mehr ein Maß für Qualität. Auch und gerade im niedrig- und mittelpreisigen Bereich und für mobile Anwendungen konnte die High End 2015 mit so einigen interessanten Neuigkeiten aufwarten. Natürlich feierte aber auch der klassische, highendige Gegenentwurf im massiven Alublock fröhliche Urstände …

AudioQuest Beetle
Der Name macht Sinn: Der AudioQuest Beetle sieht auch
genau so aus

Dass AudioQuest (www.audioquest.com) bereits seit längerem nicht aussschließlich Kabel produziert, dürfte ja hinreichend bekannt sein. Mit dem DragonFly DAC haben die Amerikaner einen Volltreffer gelandet und geradezu einen Trend zur Verbesserung der Wiedergabe am Rechner gesetzt. Nun launchen sie gleich zwei interessante Neuerscheinungen, den Jitterbug und den Beetle. Der Beetle ist ein wirklich kleiner Desktop-DAC mit Bluetooth-Fähigkeiten. Er kann das drahtlose Signal sogar asynchron verarbeiten, was bisher (meines Wissens) eher teureren Wandlern vorbehalten war. Mit nur 149 Euro (voraussichtlich) spielt der AudioQuest Beetle aber in einem fast schon für den Massenmarkt geeigneten Preisbereich. Er bietet zusätzlich einen USB- sowie Toslink-Eingang, die beide Signale mit bis zu 24 Bit/96 kHz verarbeiten können. Der Wandlerchip ist ein bestens beleumundeter ESS 9010, der mit drei Einstellungen für das Digitalfilter ausgestattet ist.

Jitterbug
Hier krabbelt nichts mehr: Der Jitterbug bereinigt das USB-Signal

Der Jitterbug versteht sich aufs Großreinemachen des Datenstroms aus der USB-Schnittstelle des Rechners – auch von allerlei durch den Netzstrom eingeflossenem Unrat – und zudem darauf, dessen Paketfehler zu eliminieren, bevor er es an angeschlossene Portis oder DACs weiterleitet. Für 49 Euro wird er voraussichtlich zu haben sein. Jitterbug und den Beetle sollen in ein bis zwei Monaten auf dem deutschen Markt erhältlich sein.

Soulution 760
Klar und rein gezeichnet: Dem Soulution 760 sieht man sein enormes Preisniveau nicht wirklich an, aber darauf kommt es auch nicht an

Gänzlich auf der entgegengesetzten Seite der Preisskala angesiedelt ist ein ziemlich extremer, dabei aber optisch eher unauffällig daherkommender eidgenössischer Wandler. Der 760 von Soulution (www.taurus.net) ist ein D/A-Wandler mit Streamingfunktionalitäten und integrierter Vorstufe, bei dem selbstverständlich nur die besten Zutaten eingeflossen sind. Zwar ist der Schweizer erst ab September zu haben, doch wer sich schon mal mit Soulution beschäftigt hat, dürfte hier feuchte Finger kriegen. Natürlich kommt auch hier die Zero-Phase-Technologie von Soulution zum Einsatz, dank der selbst minimalste Zeitfehler in der analogen Filterstufe des D/A-Wandlers eliminiert werden. Die verwendeten Clocks arbeiten nicht wie gewöhnlich mit der fundamentalen Oszillationsfrequenz des Quarzes, sondern mit dessen drittem Oberton (circa 100 MHz), was zwar extrem schnelle Verstärkerstufen im Oszillationskreis notwendig macht, aber auch ein sehr geringes Phasenrauschen mit sich bringen soll.

Soulution 760

Apropos schnell: Auch in der Ausgangsstufe lässt man es alles andere als gemütlich angehen. Die Ausgangsstufe des Soulution 760 D/A-Wandlers arbeitet mit einer internen Frequenzbandbreite von 40 MHz. In der Wandlersektion selbst werden Burr-Brown PCM 1792 Wandlerbausteine benutzt, die bis zu einer maximalen Frequenz von 384 kHz getaktet werden können. Natürlich ist der Soulution konsequent in Doppel-Mono-Bauweise ausgeführt, und die Speicherkapazität der audiophilen Kondensatoren im Netzteil von über 500.000 µFarad stellt eine beinahe unerschöpfliche Impulsleistung in Aussicht. Das ganze Paket in seiner fast schon unscheinbaren Verpackung lässt sich seinen Preis von 50.000 Euro nicht wirklich ansehen, doch wir hoffen mal, dass der monetäre Einsatz beim Kauf des 760 sich in entsprechender musikalischer Befriedigung niederschlagen wird. Interessierte Kunden haben voraussichtlich noch bis September 2015 Zeit, die Anzahlung zusammenzusparen.

Merging Nada
Der Merging Nadac ist ein No-Nonsense-Gerät mit sinnvollen und mannigfaltigen Features

Eines der interessantesten Produkte auf der High End war preislich dann schon etwas bodennäher angesiedelt, auch wenn das (wie ja fast alles) relativ ist. Merging (http://nadac.merging.com) aus der schönen Schweiz ist einer der bedeutendsten Hersteller von Aufnahme- und Studioequipment für hochauflösende Musik weltweit. Firmengründer Claude Cellier blickt unter anderem auf zehn Jahre Erfahrung bei Nagra zurück. Der Merging Nadac ist ein netzwerkfähiger Streamer/Wandler, der entweder als Stereo-Gerät oder mit acht Ausgängen zu haben ist. Das deutet schon auf die flexible Verwendbarkeit zum Beispiel als Wandler in einer 7.1-Konfiguration hin. In der Tat kann der Nadac so ziemlich alles verarbeiten, was es unter dieser Sonne so zu wandeln gibt, bis hin zu 384 kHz PCM und DSD256 im Stereobetrieb (mit 8 Kanälen über AES/EBU angefüttert bis 196 kHz). Digital rein geht es über Ethernet, AES/EBU, optisch oder koaxial.

Merging Nada
Der Merging Nadac im Einsatz

Eine weitere Besonderheit des Merging Nadac ist, dass er ein proprietäres Übertragungsprotokoll namens Ravenna verwendet, das von ALC Networx in München entwickelt wurde. Dabei handelt es sich um eine Lösung, die Audiodaten in Echtzeit in IP-basierten Netzwerken distribuieren kann. Hier in die Tiefe zu gehen, würde den Rahmen dieses Textes in beträchtlichem Maße sprengen, interessierte Leser sollten unter www.alcnetworx.de weiterlesen. Interessant ist auf jeden Fall die Preisgestaltung: Die 8-Kanal-Variante liegt nämlich mit 8.900 Euro nur 400 Euro über der Stereoausführung – bis auf die zusätzlichen Ausgangsbuchsen in XLR und RCA sehen beide Geräte identisch aus. Der Merging Nadac ist ab sofort erhältlich.

AVM MP 3.2
Der AVM MP 3.2 (unten) kommt ohne Röhrenstufe aus

Auch aus deutschen Landen gab es digitale Neuigkeiten zu vermelden. Die Audio-Video-Manufaktur, besser bekannt unter dem schlichten Kürzel AVM (www.avm-audio.com), präsentiert mit dem MP 3.2 und dem MP 5.2 zwei brandneue CD-/Streaming-Player, die, wie von AVM gewohnt, massiv viele Features und qualitativ hochwertige Bauteile auf engstem Raum versammeln. Beide arbeiten mit Wolfson-WM8741-Wandlerchips, erfreuen sich eines eigens von Teac für AVM entwickelten, reinen CD-Laufwerks und sind voll streamingfähig. Bezüglich der abspielbaren Formate kann man sich als PCM-Hörer beruhigt zurücklehnen, denn quasi alle Codecs werden unterstützt – über LAN bis zu 24 Bit/192 kHz.

AVM MP 5.2
Elegant wie gewohnt: Alle AVM-Geräte (hier der MP 5.2 mit Röhrenstufe) sind in Silber, Schwarz oder gegen Aufpreis mit Chromfront zu haben

Der MP 5.2 besitzt im Gegensatz zum flacheren MP 3.2 eine AVM T83-Röhre im Signalweg. Demnächst soll es auch einen Ovation MP 6.2 (transistorbasiert) geben, der optimal mit dem ebenfalls ab September 2015 erhältlichen Vollverstärker A 6.2 zusammenpassen soll. Preislich liegen die Streamer/CD-Player zwischen 4.300 Euro für den MP 3.2 und 6.990 Euro für den noch nicht erhältlichen MP 6.2. Dazwischen liegt der MP 5.2 für 5.300 Euro. MP 3.2 und MP 5.2 sind in Silber und Schwarz bereits erhältlich – wie immer gibt’s gegen Aufpreis auch eine Chromfront.

Mark Levinson ML585
Mark Levinson ML585
Liebgewonnene Designsprache bei Mark Levinsons Vollverstärker-Flaggschiff ML585

Mark Levinson (www.sunaudio.de) hat in den frühen Jahren meines Daseins als HiFi-Fan meine Phantasie und den Haben-Wollen-Reflex angeregt wie kaum eine andere Marke. Umso bedauerlicher, dass die Produkte aus dem Harman-Konzern in den letzten etwa 10 Jahren gefühlt immer weniger Marktpräsenz zeigten. Dass der Harman-Konzern in diesem Jahr so umfangreich auf der High End ausgestellt hat, dürfte aber womöglich ein dezenter Fingerzeig auf zukünftige Entwicklungen sein. So oder so faszinierte mich aber ein Gerät, das zwar nur halb ins Thema „Digitales“ gehört, aber eben immerhin doch zu 50 % …

Der ML 585 ist ein Monster von Vollverstärker, der eine starke Duftmarke nicht zuletzt aufgrund seines fest integrierten Digitalteils setzt. Für 14.000 Euro erhält der geneigte Kunde ab sofort nicht nur „grandiose Messwerte“ (O-Ton Harman), sondern auch 200 Watt pro Kanal, 2-Ohm-Laststabilität, ein interne Frequenzweiche zur Integration in 2.1-Systeme, die besten Sabre-ESS-Wandlerchips sowie die Fähigkeit, mit dem ML 585 alle möglichen Formate mit bis zu 192 kHz Auflösung und 32 Bit Worttiefe abzuspielen. Dass der Levinson absolut makellos verarbeitet ist und einfach nur zum Niederknien aussieht, versteht sich von selbst. Toll, dass Levinson wieder D/A ist!

Mark Levinson ML585
Der ML 585 akzeptiert so ziemlich jede Form des Digitalsignals

Messebericht: High End 2015

  1. 5 Computer/Streaming-Audio auf der High End 2015 - Messe-Report fairaudio
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