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Extreme Lautsprecherkonzepte auf der High End 2015 – Messe-Bericht fairaudio

Inhaltsverzeichnis

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Extreme Lautsprecherkonzepte auf der High End 2015
mit Martin Mertens

Die High End ist auch immer eine Messe der Extreme. Viele Hersteller und Vertriebe sehen ihren Messeauftritt als Leistungsschau oder hoffen, dass ein Ölscheich oder ein russischer „Businessman“ in Kauflaune vorbeikommt. Entsprechend führen viele Aussteller ihre Spitzenmodelle vor oder haben diese zumindest ausgestellt. Auch wenn man sich als normaler Besucher diese Preziosen nicht unbedingt leisten kann, ist es doch spannend zu sehen, was für Exoten man mit genügend Kleingeld in der Tasche kaufen kann. Gerade im Bereich der Lautsprecher scheinen der Phantasie keine Grenzen gesetzt – weder was die Konstruktionen noch was die Preisgestaltung betrifft. Diese Tatsache war Anlass für einen ganz speziellen Rundgang auf der High End: Die Suche nach extremen Lautsprechern.

Realhorns

Das Thema Hornlautsprecher begegnete einem gleich im Atrium zwischen den Hallen 1 und 2 in Gestalt des eindrucksvollen Basshorns von Realhorns (www.realhorns.de), das hauptsächlich für die Beschallung großer Publikumsmengen gedacht ist.

G.I.P.Laboratory

Riesenhorn, die Zweite. Die japanische Firma G.I.P.Laboratory (www.gip-laboratory.com) hat sich auf den Nachbau alter Technik, bevorzugt von Western Electric, spezialisiert. Schön, dass der Inhaber des koreanischen Nobel-Herstellers Silbatone (www.silbatoneacoustics.com) ebenfalls ein Faible für alte Western-Electric-Produkte hat. Und so gab es im gemeinsamen Ausstellungsraum ein paar mächtige Hornkonstruktionen zu sehen. Unter anderem diese von Western Electric aus den 1930er-Jahren, die für die Beschallung kleinerer Theater bis hin zu einigen Hundert Zuschauern gedacht war – genau das Richtige für die Vorführung auf einer High-End-Messe …

Yamamura

Asiaten schienen generell ein Faible für alte Kinolautsprecher zu haben. Auch Yamamura Crawley (http://antekdesign.net) präsentierte alte Hornsysteme – die als Deko für die eigenen Produkte dienten.

Living Voice

Das aufwändigste Hornsystem für den „Heimgebrauch“, das auf der Messe zu sehen war, war wohl die Vox Olympian von Living Voice (www.bemax-audio.de), die in 2.000 Arbeitsstunden von fünf Handwerkern in reiner Handarbeit nach Kundenwünschen gefertigt wird. Das System besteht aus den Hauptlautsprechern und den aktiven Basseinheiten sowie der nötigten Elektronik und kostet rund eine Millionen Euro.

Cessaro

Auch immer gut, wenn es um große Hornsysteme geht: Cessaro (www.cessaro-horn-acoustics.com). Wer will, kann auch bei Cessaro eine Millionen für ein Hornsystem ausgeben. Bei dem vorgeführten System Beta II F-4 handelt es sich aber um ein „kleineres“ System für 250.000 Euro. In dem ausladenden „Sideboard“ im Hintergrund sind übrigens die Basshörner untergebracht. Die Aktivelektronik für die Basshörner ist im Preis inbegriffen. Bei den hübschen Air Two Röhren-Monoblöcken im Vordergrund, die den Mittel-Hochton versorgen, handelt es sich übrigens um neue Cessaro-Produkte, die in Verbindung mit der Firma Ypsilon (http://ypsilonaudio.de) aus Griechenland entwickelt wurden. Original NOS Western-Electric-Röhren, Übertrager aus Silberdraht und sechs separate Netzteile treiben allerdings auch hier den Preis auf 250.000 Euro. Die passende Vorstufe Air One gibt es schon für 46.000 Euro …

Vienna Physix

Sowohl schon fast bezahlbar als auch durchaus wohnraumfreundlich sind dagegen die Diva Grandezza der österreichischen Firma Vienna Physix (www.viennaphysix.at). Das Ganze geht natürlich nur unter Verzicht auf ein Basshorn. Damit das Basschassis im Bassreflexgehäuse in Sachen Lautstärke mit den Hörnern mithalten kann, wird es aktiv von einem 500-Watt-Class-D-Verstärker befeuert. Die erforderliche Elektronik sitzt im Sockel. Die gesamte Konstruktion ist keine 1,2 Meter hoch und sieht extrem schick aus. Die würde sich in meinem Hörraum bestimmt gut machen. Bei einem Preis von 35.000 Euro das Paar muss ich aber wohl noch ein bisschen sparen.

Lansche Audio

Bei den Cubus MkII setzt auch Lansche Audio (www.lansche-audio.com) im Mittel- und Hochton auf Hörner. Wobei dem exklusiven „Corona“-Ionenhochtöner immer ein Horn vorgesetzt ist. Bei der Cubus kommt auch im Mittelton ein Horn zum Einsatz, hier mit 50 Zentimetern Durchmesser. Im Bass agiert ein hart aufgehängter 46-cm-Tieftöner. Die schicken Lautsprecher kosten 65.000 Euro.

Classic Audio

Und nochmal Hörner im Mittel- und Hochton. Diesmal im Bass durch zwei Tieftöner ergänzt, wobei einer zum Boden, der andere nach vorne abstrahlt. Eine Besonderheit ist der Treiber für das Mittelton-Horn. Der hat eine 4-Zoll-Beryllium-Membran und verwendet als Magnet eine Feldspule. Das Magnetfeld wird hier durch eine von Gleichstrom durchflossene Spule anstelle eines Permanentmagneten erzeugt. Der Vorteil ist die enorme Feldstärke und der damit einhergehende hohe Wirkungsgrad des Treibers. Der Lautsprecher hat eine Impedanz von 16 Ohm und einen Wirkungsgrad von 107 dB und ist ideal für das Zusammenspiel mit anspruchsvollen Röhrenverstärkern. Für 45.000 Euro darf man sich bei der T-3.4 Project von Classic Audio (www.himmlisch-hoeren.de) wünschen, in welches Furnier die Technik gewandet wird.

Kyron Audio

Was den Wirkungsgrad betrifft sind Open-Baffle-Systeme meist das Gegenteil von Hörnern. Dafür klingen sie häufig ungemein frei und unkomprimiert, wie die Kronos von Kyron Audio (http://kyronaudio.com.au) aus Australien eindrucksvoll beweisen. Ein DSP samt Aktivelektronik gleicht die Schwächen des Systems aus und ermöglicht eine Anpassung an den Hörraum. Die Schallwandler sehen mindestens so gut aus wie sie klingen, werden vermutlich aber nicht ganz günstig sein. Was die Kronos in Europa kosten, war nicht zu erfahren.

Mit der Swing präsentierte Wolf von Langa (www.wolfvonlanga.com) eine spannende Mischung aus Open-Baffle-Lautsprecher und Horn, bestückt mit Feldspulen-Chassis. Großen Wert legt von Langa darauf, dass hier kein DSP das Musiksignal beeinflusst und kein Gehäuse für Kompressionen sorgt. Ganz preiswert ist diese Form von Purismus freilich nicht: 59.800 Euro.

KOS Natursteintechnik

Gehäuse aus Stein stehen in dem Ruf, besonders ruhig zu sein und sich wenig in die Musikwiedergabe einzumischen. Die KOS Natursteintechnik treibt das Ganze auf die Spitze. Anstatt ein Gehäuse aus Steinplatten zusammenzukleben, nimmt man hier einen massiven Gesteinsblock und höhlt ihn aus. Daher der Name der Lautsprecher: Monolith. Vor der Bearbeitung wiegt der Steinrohling – zur Wahl stehen schwarzer Granit oder weißer Marmor – rund 1000 kg; die fertige „Box“ bringt es immer noch auf 300 kg. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Orthopäden oder Statiker. Preis: 60.000 Euro.

Musicalstones

Nicht ganz so massiv, aber mit 105 kg immer noch schwergewichtig, fallen die Lautsprecher von Musicalstones (www.musicalstones.com) aus Italien aus. Das Spitzenmodell Michelangelo (wie sonst?) stand in einer Ausführung aus weißem Marmor (was sonst?) in der Vorführung. Für die aufgerufenen 34.000 Euro das Paar bekommt man nicht nur die schicken Steingehäuse, sondern auch einiges an Technik geboten. Auf der Rückseite befindet sich etwa ein weiteres Basschassis, die Mittel-Hochtoneinheit ist durch ein „Alphagel“ genanntes Material vom restlichen Gehäuse entkoppelt, der Schall der nach unten strahlenden Reflexöffnung wird durch einen Diffusor aus massivem Aluminium verteilt.

Fischer & Fischer

Im Reigen der Schwergewichtler darf natürlich der deutsche Hersteller Fischer & Fischer (www.fischer-fischer.de) nicht fehlen. In Südwestfalen wird seit jeher Schiefer abgebaut und natürlich bestehen die Lautsprechergehäuse des Unternehmens aus Schmallenberg/Bad Fredeburg aus Schiefer. Die neueste Inkarnation des Modells SN 770 arbeitet im Hochton mit einem Air-Motion-Transformer (AMT). Für 28.600 Euro bekommt man hier immerhin zwei mal 160 kg Schiefer ins Hörzimmer gestellt.

Ambitious Audio Design

Auch massiv, aber aus Alu, sind die Ambitious 2 von Ambitious Audio Design (http://ambitiousaudiodesign.com). Für den Zweiwegerich mit zwei Tiefmitteltönern mit Diamant-Membranen und einem Bändchen-Hochtöner in D’Appolito-Anordnung werden samt Ständer 200 kg Aluminium zerspant. Übrig bleibt ein Lautsprecher von rund 70 kg – für immerhin 80.000 Euro das Paar. Damit macht er so ziemlich das Rennen um den teuersten Kompaktlautsprecher der Messe. Made in Denmark.

Rossofiorentino

Die große Florentia von Rossofiorentino (überflüssig zu erwähnen, dass es sich um eine italienische Firma handelt: www.rossofiorentino.com) arbeitet zumindest im Mittel-Hochton-Part als Open-Baffle-System. Anstelle eines Mittel-Hochton-Gehäuses gibt es eine schalldurchlässige Stoffbespannung. Die Bässe arbeiten dagegen in geschlossenen Volumina. Die Italiener folgen dabei dem Trend, den Bass durch eine Aktivelektronik zu kontrollieren. Die beiden 300 Millimeter messenden Tiefbasstreiber und der 250-Millimeter-Treiber für die oberen Bässe werden durch je einen 750-Watt-Verstärker befeuert. Angesichts des getriebenen Aufwandes und der wirklich exzellenten Verarbeitung erscheinen die aufgerufenen 80.000 Euro für ein Paar noch beinahe realistisch.

Göbel

Klingen unglaublich gut, sind unglaublich schön und unglaublich gut verarbeitet – kosten leider aber auch unglaublich viel Geld: die Lautsprecher von Göbel (www.goebel-highend.de) mit ihren exklusiven Biegewellenwandlern im Mittelhochton-Bereich. Die vorgeführten Epoque Reference kosten 175.000 Euro, der Subwoofer Epoque Baforce zwischen den Lautsprechern nochmal 88.500 und wer gerne die passenden Lautsprecherkabel hätte, darf weitere 10.000 Euro drauflegen.

Kharma

Mit einem Preis von 173.000 Euro ist die Nachfolgerin der Exquisite Midi Grand zwar nicht das größte Modell des niederländischen Herstellers Kharma (www.kharma.com), dafür aber das erste, das komplett mit den neuen „Enigma“-Chassis bestückt ist. Die zeichnen sich durch den massiven Einsatz von Kohlefasern aus – nicht nur in den Membranen, sondern auch bei den Chassiskörben.

Estelon Extreme

Die zweifellos eleganteste Erscheinung unter den richtig großen Lautsprechern der Messe war die Estelon Extreme (http://www.wodaudio.de). Die Höhe des Lautsprechers lässt sich je nach Hörumgebung in fünf Stufen zwischen 177 und 207 Zentimetern variieren, das Ganze ist 79 Zentimeter breit, 82 Zentimeter tief, 250 Kilogramm schwer und 170.000 Euro teuer.

Raidho

Auch ein sehr elegantes „Dickschiff“ ist die dänische Raidho D5 (www.gaudios.eu), die für freundliche 220.000 Euro ihrem Eigner nicht zuletzt exklusive Chassis-Technologie bietet.

mbl

Darf natürlich auf keiner High End fehlen: Die imposanten Radialstrahler, die seit Jahren das Markenzeichen der Berliner Edel-Manufaktur mbl (www.mbl.de) sind. Hier das Spitzenmodell mbl 101 X-treme. Klar, dass so edle Technik nicht für umsonst zu haben ist. In der vorgeführten Ausführung „Piano Black“ kostet das vollaktive System 202.000 Euro.

Messebericht: High End 2015

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