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WLAN/Wi-Fi

Inhaltsverzeichnis

  1. 4 WLAN/Wi-Fi

Das Schwergewicht WLAN schlägt beide zuvor genannten Drahtlostechniken – zumindest bei der Vielseitigkeit. Ein drahtloses Netzwerk mittels der per IEC-Standard vorgeschriebenen Wireless Network Technology ist nichts anderes als das kabelgetragene Local Area Network (LAN, sogenannte Ethernet-Technik), welches aber kabellos per Funk im 2,4 oder 5 GHz-Band die Kommunikation von Computern ermöglicht. „Computer“ ist in diesem Fall relativ zu lesen, weil auch Netzwerkstreamer, Heimkino-Receiver oder Smartphones WLANs nutzen können; sie verhalten sich eben wie Computer.

Aktueller verbreitet implementierter WLAN-Standard, der unter anderem die Festlegung der maximal verfügbaren Bandbreite regelt, sind IEC 802.11n und ac mit einer Brutto-Bandbreite von im Idealfall 1,3 Gbit/s bei IEC 802.11ac. Alle im WLAN gleichzeitig vorhandenen Geräte teilen sich diese Bandbreite – in der Regel gleichberechtigt. Beim Kauf von Geräten sollte also darauf geachtet werden, dass alle den gleichen WLAN-Standard unterstützen. Wie ich schon früher in einem fairaudio-Artikel beleuchtet habe, liegt die theoretische Bandbreite des noch am weitesten verbreiteten n-Standards in der Praxis, also mit räumlichen Hindernissen, effektiv bei circa 15 MByte/s. Aktuelle HiRes-Audioformate in zum Beispiel 24 Bit/192 kHz benötigen unkomprimiert (zum Beispiel WAV-Format) 576 kByte/s stabile Bandbreite, also circa 600 kByte mit allem Drum und Dran. Das ist etwa 1/30 dessen, was technisch problemlos in einem WLAN mit aktueller Technik geht.

Naim Mu-So

Sinn und Zweck eines WLANs ist ein ganz anderer als bei den auf multimediale Inhalte spezialisierten und optimierten Schnittstellen Bluetooth und Airplay: Ein WLAN überträgt jegliche Daten bis zur Grenze seiner Bandbreite und unterbricht diese Übertragung nur bei komplettem Verbindungsabriss (stattdessen wird lieber die Bandbreite reduziert). Allein die beteiligten Softwares regeln, was sie mit diesen Daten anfangen. Daher kann ein WLAN auch als Träger mehrerer Direktverbindungen von Computern dienen, ohne dass der Nutzer darauf schließen zu vermag, welche Daten in welcher Form übertragen werden. Bei Bluetooth hingegen kennt man den Zweck und den Codec (z. B. AptX), bei Airplay auch.

Als Beispiel sei das reine Datenstreamen von UPnP-Server-Inhalten von einem Network-Attached-Storage-Laufwerk (NAS, auch Netzwerkfestplatte) genannt. Dessen Musik- oder Videodateien empfängt eine Software (oder eine Firmware in einem Netzwerkstreamer) über das WLAN – dasselbe WLAN nutzt aber eine andere Software oder ein Streamer auch, um zum Beispiel per eigens spezifizierter Schnittstelle auf Spotify oder WiMP zuzugreifen, um deren Angebot zunächst zu streamen, dann intern weiter zu verarbeiten und letztlich ebenfalls einen DAC zu füttern. Ein WLAN ist ein reines Transportmedium, welches keine Unterscheidung der zu übertragenden Daten vornimmt, sondern WLAN-Einstellungen an einem Computernur per sogenanntem Internet Protokoll (ein Datenübertragungsstandard, abgekürzt IP) Computer miteinander verbindet. Airplay dagegen ist eine multimediale Schnittstelle, die die damit übertragenen Audiodaten ebenfalls auf Basis des IP über das WLAN transportiert.

WLANs müssen zudem konfiguriert werden und da sie Zugang zu Ihren Computern bieten, sollten sie per Passwort, festzulegen am DSL-Router, geschützt werden. Dieses Passwort benötigen alle Geräte, um auf das Netzwerk zuzugreifen. Das Werkspasswort steht auf dem Typenschild des Routers und ist damit per se unsicher. Das Passwortsetzen erfordert etwas Mut und Zeit, sich damit zu beschäftigen – aber auch ein Computer/Tablet/Smartphone für die Weboberfläche des Routers ist nötig, denn dort werden die Einstellungen vorgenommen, die bei jedem Routermodell unterschiedlich zu erreichen sind, aber immer in Handbüchern erklärt werden. Übrigens: Mit dem Passwort für den Zugriff auf den Router per Weboberfläche ist nicht dasselbe gemeint!

An den einzelnen Geräten, die sich im WLAN befinden, muss dann dieses vergebene WLAN-Passwort eingegeben werden. Wi-Fi Protected Setup (WPS) ermöglicht allerdings auf Knopfdruck die Aufnahme von Geräten ohne Passworteingabe, also mit automatischer Übertragung desselben ins WLAN. Aber man muss das auch wissen und kann es nur zeitweise am Router aktivieren. Die neuen Geräte finden das WLAN danach von allein und loggen sich ein beziehungsweise speichern das WLAN-Passwort. Die Aufnahme von Geräten ohne Passworteingabe schaltet sich dann nach wenigen Minuten von selbst wieder aus.

Das Konfigurieren ist womöglich auch ein Grund, warum Aktivlautsprecher mit Drahtlosschnittstellen wie zum Beispiel Dynaudios Xeo-Serie Airplay nicht unterstützen – man müsste sie ja zunächst ins Netzwerk respektive WLAN bringen, was entsprechende Hardware und Bedienelemente in irgend einer Art erfordert. Naim Audio, um bei dem Beispiel zu bleiben, hat die WLAN-Frage elegant gelöst, indem Sie eine mir bisher unbekannte Möglichkeit ab iOS 7 (aktuell ist Version 8) nutzen, ohne dass man das WLAN-Passwort manuell angeben oder WPS aktivieren müsste. Dafür wird am Mu-So einfach mit einem mitgelieferten spitzen Metallstift eine versteckte Taste gedrückt, während ein iOS-Gerät eingeschaltet ist. Man wartet kurze Zeit und eine LED am Mu-So zeigt die erfolgreiche Wlanisierung an. Unter iOS muss dann in der WLAN-Einstellung noch per Fingertipp einmalig bestätigt werden, dass ein neuer Airplay-Lautsprecher eingerichtet werden soll. Das war’s.

Propietäre Drahtlostechnik

Da wir schon so halb bei diesem Thema sind, seien zum Schluss herstellereigene, also nicht standardisierte Drahtloslösungen erwähnt. Sie konkurrieren mit Bluetooth und Airplay, sind mangels verlustbehafteter Datenreduktion klangstärker als Bluetooth ohne AptX und leichter einzurichten beziehungsweise zu pflegen als Airplay, weil alles auf Knopfdruck automatisch oder ab Werk installiert wird: High-Endig klangstark (maximal 24 Bit bei 96 kHz) spielen zum Beispiel die genannten aktiven Dynaudio-Xeo-Lautsprecher mittels Set-Top-Box, die Computer per USB-Kabel oder Digitalspieler per S/PDIF (wieder Kabel) oder gar analoge Geräte (natürlich per Kabel) an drahtlos angebundene Lautsprecher koppelt: Die Box digitalisiert das Audiosignal bei Bedarf und funkt es im eigenen Xeo-Netzwerk mit einem WLAN-angelehnten Standard auf 2,4- beziehungsweise 5-GHz-Band verlustfrei auch an mehrere Xeo-Lautsprecher gleichzeitig (Stereo und Multiroom). Diese wiederum wandeln das Signal und verstärken es.

Ganz ähnlich verhält es sich mit den Geräten von Sonos, die ebenfalls eine nicht standardisierte Funktechnik auf Basis von WLAN nutzen, um Stabilität und Klangstärke zu gewährlisten. Dabei kann ein vorhandenes WLAN genutzt oder ein eigenes von einem Sonos-Gerät aufgespannt werden. Die Sonos-Empfänger und auch die Abspielgeräte wie Smartphones (mit Sonos-App) finden diese Netze und nutzen die Sonos-Empfänger als Wiedergabegeräte mit dynamischen Lautsprechern und Class-D-Verstärkern, ganz ähnlich wie Bluetooth oder Airplay. Gesteuert wird die Wiedergabe direkt in der Sonos-App oder am Empfänger.

Zum Schluss sei noch mal zusammengefasst, welche Eigenschaften die drei Drahtlostechniken bieten:

Airplay

Bluetooth

WLAN

Reichweite

Abhängig vom WLAN, > 100 m

Circa 10 m

> 100 m

Datenrate
für Audio

Netto 120 Mbit/s, abhängig vom WLAN

Netto 2,1 Mbit/s

Netto 660 Gbit/s (ac)

Multiroom-Fähigkeit

Ja

Nein

Ja

Installations-
und Pflege-aufwand

Abhängig vom WLAN, isoliert betrachtet
sehr gering

Sehr gering

Anfänglich hoch,
dann gering

Mobil ohne
Strom nutzbar

Ja, zeitlich begrenzt
durch Akku

Ja, zeitlich begrenzt
durch Akku

Ja, zeitlich begrenzt
durch Akku

Verbreitungs-
grad

Hoch

Höher
als Airplay

Sehr hoch

Klang

max.
CD-Niveau

max.
CD-Niveau

HiRes-fähig

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Computer-Audio: Drahtlos-Technik und HiFi

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