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Phono – Made in Germany

Inhaltsverzeichnis

  1. 5 Phono - Made in Germany

Dass der Maschinenbau zu den führenden Industriezweigen Deutschlands zählt, ließ sich auch an anderen Stellen der High End 2010 ausmachen. Jedenfalls waren einige inländische Phono-Firmen zugegen, bekannte Größen darunter, aber auch junge Unternehmen:

Als relativer Newcomer darf die Marke Montegiro (www.montegiro.de) gelten, schließlich werden unter diesem Label erst seit gut drei Jahren Plattenspieler angeboten. Der Markenname und auch das Design lassen eher einen italienischen Standort vermuten – aber nein, die Dattenberg GmbH, welche die analogen Preziosen baut, hat ihren Sitz in Hattingen, man kann also durchaus von einem Ruhrpottgewächs sprechen. Mit der Formenschule des Gelsenkirchener Barocks hat das Ganze aber denkbar wenig gemein …

Montegiro Plattenspieler

In München feierte Montegiros neustes Geschöpf Premiere, der Suono – Italienisch für „Klang“ -, ein Laufwerk mit Doppelzarge aus schwarz eloxierten Aluminium und einem 7 kg Edelstahlteller plus Acryl-Auflage.

Montegiro Suono

Die untere Ebene des Suono trägt das Plattentellerlager, die obere hingegen die Tonarmbasis. Die Zargen sind überMontegiro Suono - Spikes höhenverstellbare Spikes mit oben eingesetzter Keramikkugel miteinander verbunden – aber eben auch voneinander entkoppelt, so Björn Merz von Montegiro, damit die – wenn auch geringen – Vibrationen des Tellerlagers nicht das Tonarmlager erreichen.

Zwecks weiterer Resonanz-bedämpfung sind die beiden Zargen zudem auf der Unterseite zum Teil ausgefräst und mit einer Mischung aus MDF, Acryl und einem Spezialkleber befüllt worden. Gerade dieser Kleber habe es in sich, der Trick bestehe darin, dass er im Laufe der Zeit eben nicht komplett aushärtet, sondern eine gewisse „Restzähigkeit“ behält – ein Umstand, dem Herr Merz einen wichtigen Dämpfungsbeitrag zuschreibt. Dieser „Dämpfungs-Mix“ findet deshalb auch auf der Unterseite des Plattentellers Verwendung.

Der Suono von unten

Der zugehörige Synchronmotor des Herstellers Klein Technik steht dabei völlig frei von der Zarge – er treibt den Teller über einen Flachriemen an und wird seinerseits von einem Zweiphasen-Sinusgenerator im externen Gehäuse mit Energie versorgt.

Montegiro Suono - Antrieb

Als reines Laufwerk ohne Tonarm liegt der Montegiro Suono bei 3.890 Euro – mit einem Feickert-modifizierten 10.5‘‘-Jelco-Arm an Deck kommt man auf 4.395 Euro.

Montegiro Suono

Als Newcomer lässt sich Transrotor (www.transrotor.de) nun kaum bezeichnen, eher schon als der „analoge Schwermetaller“ aus deutschen Landen, blickt man doch auf eine über dreißigjährige Firmengeschichte zurück. Freilich muss es nicht immer Metall sein, wie schon das Laufwerk Dark Star (siehe Test) bewiesen hat. Der dort verwendete Werkstoff namens POM findet auch beim neusten Dreher aus Bergisch Gladbach Verwendung, dem Atlas.

Transrotor Atlas

Zwar muss dieser Atlas nicht gleich – wie in der griechischen Mythologie – das ganze Himmelsgewölbe schultern, aber der Plattenteller hat auch schon ein ganz ordentliches Gewicht. Um genau zu sein: 20 kg. Man habe „mal etwas Großes, Schweres bauen wollen“, erfuhren wir von Herrn Räke. „Mal“ ist gut …

Transrotor Atlas - Plattenteller
Herr Räke beim Hanteltraining …

Damit diese Hantelscheibe auf Touren kommt, setzt Herr Räke gleich drei Motoren ein.

Transrotor Atlas - drei Motoren
Drei Motoren treiben das TMD-Lager an

Dies hat seinen Grund aber nicht nur im schieren Kraftbedarf, sondern bietet weitere Vorteile: Durch die dreieckige Anordnung rund um das Lager werden einseitige Zugkräfte vermieden – und damit im Zusammenhang stehende „Taumeleffekte“ des Lagers. Zudem gleichen sich gewisse Laufunruhen der einzelnen Motoren sozusagen „statistisch“ etwas aus. Die Antriebe werden von der Motorsteuerung Konstant M3 versorgt, die standardmäßig zum Atlas-Paket gehört – und eben gleich drei Spannungen generiert.

Eine weitere Besonderheit: Das Laufwerk verwendet das sogenannte Transrotor Magnet Drive Lager (TMD). Hierbei handelt es sich im Grunde um zwei Aluminiumscheiben, die über Kugellager gegeneinander verdrehbar sind und deren obere als Subteller dient, während die untere von den Motoren angetrieben wird und den Subteller über eine Magnetkupplung „mitzieht“. Die magentische Entkopplung des Antriebs vom Teller verbessere insbesondere die Flutter-Werte des Plattenspielers deutlich, so Herr Räke. Der Atlas ist für 12‘‘-Tonarme konzipiert worden (wenngleich 10-Zöller auch passen sollten). Als nacktes Laufwerk kommt man preislich auf 7.600 Euro, inklusive eines 12‘‘ Jelco-Arms und des MC Systems Merlo auf 8.800. Mit der auf dem Foto zu sehenden Ausstattung – Tonarm SME 5012 – landet man knapp unter 10 kEuro.

Für diejenigen, denen die klassische Transrotor-Optik mehr mundet, hält Herr Räke freilich eine weitere Neuigkeit parat:

Transrotor Rondino FMD

Der Rondino FMD besitzt eine Zarge aus Acryl und einen dicken, fetten Alu-Teller – das schaut doch gleich vertraut aus. Das End-Kürzel „FMD“ steht für Free Magnetic Drive – die aufwändigere Variante der oben beschriebenen Magnetkupplung, welche ohne verbindendes Kugellager auskommt und damit noch entkoppelnder wirken soll.

Transrotor Rondino FMD

Das Armboard des Rondino ist frei schwenkbar ausgeführt worden – hier passen alle Tonarmlängen drauf, im Zweifel auch noch ‘nen 14-Zöller. Ohne Arm liegt dieser Räke-Dreher bei 8.300 Euro, mit dem oben erwähnten Jelco 12‘‘er plus Merlo-Pickup bei 9.500 Euro.

SCwenkbares Armboard des Transrotor Rondino FMD

Acoustic Solid - Solid Micro

Nein, was Sie oben sehen ist kein originaler Micro Seiki, sondern ein Tribut an Micro Seiki – nämlich der neue Plattenspieler von Acoustic Solid (www.acoustic-solid.de) namens Solid Micro. Der 10 kg-Aluteller wird hier über einen Rundriemen angetrieben, der Motor inklusive der Steuerung sitzt auf der Zarge – eigentlich untypisch für die Geschöpfe des Herrn Wirth, aber mit einem freistehenden Antrieb wäre das Micro-Thema wohl auch verfehlt worden. Freilich wird der Motor über Gummipuffer von der Zarge entkoppelt.

Acoustic Solid
Herr Bruno Ferreni von Acoustic Solid

Typisch Acoustic Solid hingegen ist das Lager des Solid Mikro: Die Spezialität der Mittelfranken ist der gegossene Kunststoffgleitbelag der Lagerbuchse. Bei der Herstellung wird ein Spezialkunststoff direkt auf die Achse des Lagers gegossen – nach der Aushärtung verbleibt der Belag in der Lagerbuchse. Zu den Vorteilen der Technik gehören laut Hersteller: Ein wesentlich geringeres Lagerspiel als mit anderen Produktions-Techniken erreichbar; deutlich geringere Reibwerte und damit eine Minimierung des sogenannten Stick-Slip-Effektes; und nicht zuletzt eine gewisse akustische Dämpfung zwischen Teller und Lager und der mit ihm verbundenen Zarge, da hier eben nicht Metall-auf-Metall läuft, sondern Metall-auf-Kunststoff (und am Lagergrund: Keramikkugel-auf-Teflon). Ausgestattet mit dem hauseigenen Tonarm WBT 213 kostet der Solid Micro 4.500 Euro – bestückt mit dem WBT 211, ein Jelco-Derivat, hingegen 3.900 Euro.

Acoustic Solid - Solid Micro

Apropos Arme: Helmut Brinkmann (www.brinkmann-audio.de) präsentierte in München seinen neusten, den Tonarm 9.6. Wie die Zahl am Ende schon andeutet, ist dies der kürzeste im Portfolio, welches daneben noch die Tonarme 12.1 und 10.5 umfasst – und mit 2.500 Euro auch der günstigste.

Brinkmann Tonarm 9.6

Einige Bauteile wurden von den beiden anderen Brinkmann-Armen übernommen, wie beispielsweise der Lift, das Headshell, die Montagebuchse. Der 9.6er ist allerdings kein reiner Downsizing-Entwurf – insbesondere das Lager wurde neu entwickelt und unterscheidet sich deutlich von den längeren Tonarmen, die ein Doppelkardan-Gelenk verwenden.

Brinkmann - Tonarm 9.6 - Lager-Prinzip-Zeichnung
Prinzipzeichnung des Tonarmlagers

Der Tonarm 9.6 ist „im Prinzip“ ein Einpunktler, der über ein äußerst kleines Kugellager auf einer Stahlspitze ruht – allerdings werden vertikale Bewegungen des Arms zusätzlich auch von einem spielfrei vorgespannten kardanischen Lager geführt, während es in der horizontalen Ebene ein weiteres kardanisches Lager gibt, welches aber nur „lose mitläuft“, da es nicht vorgespannt und bewusst mit einem gewissen Spiel versehen wurde. Letztgenanntes Lager hat die Funktion, seitliches Taumeln zu verhindern, die wichtige (horizontale) Bewegungsfreiheit des Einpunktlers aber weiter zu gewährleisten. Die Vorteile beider Lagerprinzipien sollen so kombiniert ihre Stärken ausspielen können.

Brinkmann Tonabnehmer

Ebenfalls neu bei Brinkmann und passend zum 9.6er: der Tonabnehmer π. Der Micro Ridge-Schliff der Nadel sorge sowohl für eine lange Lebensdauer als auch für die exzellente Hochtonauflösung des Systems – und der Kreuzspulenträger mit Eisenkern an der „anderen Seite“ des Bor-Nadelträgers gebe eine recht hohe Ausgangsspannung von sich, so der Hersteller. Empfohlen wird ein Abschlusswiderstand von circa 600 Ohm. Der Preis des MC-Systems: 1.800 Euro. Auf dem Foto unten sieht man Arm und Pickup übrigens auf dem Brinkmann Laufwerk Bardo (5.000 Euro) montiert – ein direkt angetriebener Plattenspieler mit 10 kg Aluminiumteller, der für Tonarme von 9‘‘ bis 10.5‘‘ geeignet ist.

Brinkmann Bardo komplett

Messebericht: HIGH END 2010

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