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Sonoro Meisterstück Gen2

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Lösungswege
  2. 2 Interview mit Geschäftsführer Christoph Keller

Der Firmenname „Audio Pro“ (https://www.audiopro.de/) sagt bereits alles: Das Unternehmen bedient Profis – darunter Musikstudios, Bühnenbauer, Tonmeister und Heiminstallateure. Mit den Lautsprechern von Genelec haben die Heilbronner aber auch etwas Spannendes für Audiophile im Angebot. Geht denn beides? Wo verlaufen die Demarkationslinien? Und warum hören Profis eigentlich so laut?

Neue Perspektiven

Die große deutsche Tageszeitung „Welt“ erlaubte sich neulich einen bösen Spaß. Sie schickte ihren besten Musik- und Opernkritiker nach – Wacken, zum Heavy-Metal-Festival. Was da wohl für neue Perspektiven herauskommen? Nun ja, der Mann war schlau und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen – war aber doch überrascht von den hohen Pegeln, die den Fans entgegenschlugen.

Audio Pro - Logo und Schriftzug

Man achte auf die Unterzeile: „Solution Center“. Hier werden Lösungen gestrickt – der direkte Kontakt zu den Profiausrüstern und Musikern ist essentiell für die Firmenphilosophie

Nun vergleiche ich mich zwar nicht mit dem Kollegen der „Welt“, aber angesichts dieser Reportage über Audio Pro kann ich seine Gefühle nachvollziehen. Auch Profis hören laut. Sehr laut, verglichen mit uns (mir?) High-End-Sensibelchen jedenfalls. Ich habe der Versuchung widerstanden, den Schallpegelmesser am iPhone zu aktivieren, aber ein Peak von um die 110 Dezibel gehörte zum Wohlfühlstandard – zumindest bei den Live-Vorführungen im Außenbereich der „Hausshow“. Die „Solution Days“ sind sozusagen das kleine Wacken des großen deutschen Profi-Ausstatters.

Prägend

Doch warum beschäftigen wir uns eigentlich mit dieser Company? Weil sie mächtig ist und die technische Basis von Klangschöpfungen auf deutschen Bühnen und in Tonstudios prägt. Zudem geht es natürlich um die alte, faszinierende Frage: Wie viel vom Sound des Studios lässt sich in unseren heimischen Hörraum übertragen? Was geht verloren, was ist den Profis überhaupt wichtig? Erster Spoiler: Kabel sind es wohl eher weniger.

Blick ins Lager von Audio Pro Heilbronn

Nur für den Größeneindruck: In zwei Lagern hält Audio Pro über 600 Quadratmeter an Fläche bereit. Mit hohem Durchsatz, darunter auch klassische Marken, die auch im HiFi eine Rolle spielen wie AKG, Genelec und JBL

Viele deutsche High-End-Vertriebe und -Hersteller können nur davon träumen, was bei Audio Pro Realität ist. Es gibt zwei gewaltige Lager, eines im Zentralgebäude selbst und noch ein weiteres, etwas außerhalb gelegenes – 600 Quadratmeter Fläche sind prall gefüllt mit Kartons aller Größen, es herrscht beständiges Kommen und Gehen. Über 60 Mitarbeiter sind für Audio Pro unterwegs – intern wie extern. Das Gründungsdatum liegt im Jahr 1998, doch Audio Pro geht zurück auf eine Firma namens Audio Export, die entstand, als die Beatles noch zusammen musizierten, 1969.

Manpower & Gabelstapler im Lager von Audio Pro Heilbronn

Manpower & Gabelstapler im Lager von Audio Pro Heilbronn

Gesund

Audio Pro scheint höchst gesund, lebendig und eine Macht in der deutschen Pro-Szene zu sein – deren Arme wie erwähnt auch in den „Heimanwender“-Bereich hineinragen. Schließlich haben die Heilbronner unter anderem Genelec im Vertrieb. Die „Kultlautsprecher“ aus Finnland sind in vielen Varianten und Größen erhältlich, oft mit Aluminiumgehäuse – und meistens sind sie minutiös auf den Hörraum einmessbar.

Marcel Schechter von Genelec

Marcel Schechter ist der Sendbote für Genelec in Deutschland. Kuschelig hält er hier einen Monitor für das kleine Tonstudio im Arm. Es geht auch größer, viel größer

Auf der High End in München zeigte sich die Marke bewusst außerhalb ihres angestammten Studio-Lebensraums. In 120 Farben gibt’s die „The Ones“-Lautsprecher der Finnen nun – offenbar wollen sie die Wohnzimmer erobern und nicht mehr nur unter der Flagge des Geheimtipps segeln. Audio Pro hilft und heizt mit an.

Marcel Schechter von Genelec zeigt die Farbvarianten der The-Ones-Lautsprecher

Welche Farbe darf es denn – passend zur Innenausstattung – sein? Schon auf der High End in München zeigte Genelec, dass man in die Wohnzimmer will

So auch Christoph Keller, der Geschäftsführer von Audio Pro, der sich darüber freut, dass die Umsätze so stark sind (deutlicher wird er in unserem Interview unten). Was, zugegeben, wohl weniger am „Wohnzimmermarkt“ liegt, sondern an starken Trends wie Immersive Audio, Auracast und Dolby Atmos. Im Pro-Bereich sind das große Themen – die in unserer High-End-Stereo-Gemeinschaft noch nicht wirklich angekommen sind.

Spitzentreffen

Einmal im Jahr gönnt sich Audio Pro ein Spitzentreffen – mit den Kreativen, den Fachjournalisten, den Interessierten und den großen Marken. Wir waren da und staunten. Einerseits über die Pegel (wir sprachen darüber) und das volle Haus, andererseits über die Präsenz der Big Player.

Audio Pro Solution Center - Rückseite

Einmal im Jahr lädt Audio Pro zu den „Solution Days“. Profis, aber auch jeder Interessierte ist willkommen. Wem es drinnen zu heiß wird, der entspannt draußen. Aber Vorsicht: Zweimal am Tag wird die Outdoor-Anlage auf Maximum hochgefahren

Natürlich zeigte Genelec seine Schmuckstücke zum Anfassen, hatte aber auch ein großes Studio für die Unterschiede zwischen dem Stereo- und dem Dolby-Atmos-Mix eingerichtet. SSL brachte Mischpulte mit, so groß wie mancher Menschen Badezimmer-Fläche. Und JBL toppte alles: ein Spagat vom portablen Mixing-Arbeitsplatz bis hin zur Fernfeld-Beschallung über riesige, hängende Lautsprecher-Arrays, die in 3D-Simulation den gewaltigen Parkplatz von Audio Pro beschallten. Schon wieder diese unstillbare Lust an hohen Pegeln ….

Audio Pro Hauptquartier von außen mit JBL-Instalation

Da staunen selbst Profis: Hochdefinierter Sound für große Flächen ist auch draußen möglich. JBL beschallte mit einer 3D-Simulation den riesigen Parkplatz von Audio Pro

Interview mit Geschäftsführer Christoph Keller

Der Audio-Pro-Geschäftsführer Christoph Keller über einen Boom hinter (vor) dem High-End-Markt, über nette Schweizer Geldgeber und eine Ukulele an der Wand.

Christoph Keller - Der Chef von Audio Pro

Christoph Keller – Der Chef, der von sich selbst sagt, er sei eher „Dirigent“. Seinem Orchester bei Audio Pro gehören 60 Mitspieler an

fairaudio: Wir sitzen hier auf dem Parkplatz von Audio Pro – in einem Festzelt zwischen Lagerhallen und Gabelstaplern. Das wirkt nicht unbedingt wie ein Ort, an dem Lifestyle und Leidenschaft zu Hause sind. Täuscht der Eindruck?

Christoph Keller: Ja, so mag es auf den ersten Blick wirken, aber es täuscht tatsächlich. Auch wenn wir ein klassischer Distributor – also kein Hersteller – sind, lebt dieser Ort von den Menschen, die mit viel Leidenschaft und Engagement dabei sind. Viele im Team sind seit Jahren hier, und gar nicht mal wenige sind „gescheiterte Musiker“, wie man so schön sagt … Diese gemeinsame Liebe zur Musik, ob als Aktiver oder leidenschaftlicher Hörer, verbindet uns und sorgt für ein ganz besonderes Gemeinschaftsgefühl.

fairaudio: Dann werden Sie selbst auch infiziert sein – wollten Sie einmal Musiker werden?

Christoph Keller: Tatsächlich ja, mein Traum war es, Gitarrist zu werden. Ganz klassisch, mit Konzertgitarre, ohne Verstärker. Das war mein Berufsziel, aber für die Solokarriere hat es letztlich doch nicht gereicht. Stattdessen bin ich dann in die technische Richtung gerutscht – und heute bin ich hier. Aber eine Ukulele hängt immer noch an der Wand in meinem Homeoffice.

Mischpult von Solid State Logic be Audio Pro in Heilbronn

Mal in die Tasten greifen? Ober besser in die Regler: Solid State Logic rückte mit kleinen wie raumgreifenden Mischpulten an. Auf dem Foto hier ein kleines Modell

fairaudio: Musikfan, Gitarrist, nun führen Sie ein Wirtschaftsunternehmen. Wie romantisch ist das noch?

Christoph Keller: Nicht besonders. Wir gehören einem privaten Finanzinvestor, da ist das Ziel klar: Geld verdienen. Ich verstehe meine Rolle als eine Art Dirigent – ich muss diese nüchternen, betriebswirtschaftlichen Ziele für das Team in sinnvolle Aufgaben übersetzen. Und das täglich.

„Dr. Pop“ mit einer Stand-up-Show bei den Solution Days von Audio Pro

Party muss sein. Vor dem großen Übergang in den Sonnenuntergang gab „Dr. Pop“ seine Stand-up-Show. Ein Star auf Social Media mit überraschenden Musikbeispielen. Wussten Sie, dass Karel Gott die Stones gecovert hat?

fairaudio: Wie fühlt sich die Rolle eines Distributors im heutigen Pro-Markt an?

Christoph Keller: Sehr gut. Wir sind Bindeglied zwischen Herstellern und Fachhändlern – nehmen also so eine Art Sandwich-Position ein. Aber wir verstehen uns nicht als bloße „Box-Mover“, sondern als „Value-Added“-Distributor. Das heißt: Wir liefern nicht nur Produkte, wir liefern Lösungen – mit Beratung, Planung, Marketing, Schulungen und allem, was nötig ist, damit ein Produkt abheben und fliegen kann. Und wir machen das sehr gezielt, mit wenigen, strategisch ausgewählten Marken.

fairaudio: Eine dieser Marken ist Genelec. Versucht der Hersteller aktuell verstärkt in den Consumer-Markt zu gehen?

Christoph Keller: Genelec ist nach wie vor sehr stark im professionellen Bereich – Studios, Podcast, Broadcast. Der Consumer-Markt spielt demgegenüber eher eine Nebenrolle, vor allem im Bereich ambitionierter HiFi-Hörer. Ein großes Standbein von Genelec ist heute zudem die Installation – besonders mit der smarten IP-Serie, die über ein einziges Ethernet-Kabel alles überträgt: Strom, Audio, Steuerung. Da sehen wir große Wachstumschancen, nicht zuletzt, weil Genelec dort noch recht frisch unterwegs ist.

Genelec auf den Solution Days von Audio Pro im eigenen Studio

Der ganz große Aufbau. Genelec reservierte sich auf den Solution Days ein eigenes Studio für den Vergleich vom Stereo- zum Dolby-Atmos-Mix – mit den großen Punktschallquellen-Hauptmonitoren 8381A an der Front. Druckvoll und eindrucksvoll

fairaudio: Wem gehört Audio Pro aktuell?

Christoph Keller: Unser Eigentümer ist ein Finanzinvestor mit Sitz in der Schweiz – Ufenau Capital Partners. Die Gruppe, zu der wir gehören, umfasst mehrere Länder: Deutschland, Österreich, die Schweiz, Benelux und England. In diesen Regionen agieren wir mit eigenen Teams – lokal verankert und mit Kenntnis der jeweiligen Märkte.

fairaudio: Das Lied des Kaufmanns ist die Klage, heißt es. Wie laufen die Geschäfte bei Ihnen? Gibt’s Grund zur Klage?

Christoph Keller: Nein, wir sind insgesamt sehr stabil unterwegs. Die Pandemie war für uns gar nicht die größte Herausforderung – schwieriger war die Zeit danach, mit all den Problemen in der Lieferkette. Manche Produkte mussten neu designt werden, weil Chips nicht mehr verfügbar waren. Hier haben sich die Vorteile eines agilen Partners wie Genelec gezeigt – die haben extrem schnell reagiert. Das schaffen viele große Hersteller nicht.

Im Workshops von Audio Pro Heilbronn

Wir sind ganz Ohr. Natürlich veranstaltet Audio Pro auch Workshops – zu den einzelnen Herstellern oder wie hier mit der Frage: Wie bekomme ich meine Song-Idee bis zum Spotify-Release?

fairaudio: Strebt Ihre Gruppe ungebrochen nach Wachstum?

Christoph Keller: Natürlich wollen wir wachsen – das muss man auch, wenn die Kosten steigen. Es gibt klare strategische Wachstumspläne: organisch mit bestehenden Marken, aber auch durch Zukäufe. Zuletzt haben wir etwa die Firma Kain Audio in Österreich übernommen. Wichtig ist dabei: Wir bleiben unserer Kernkompetenz treu – dem Vertrieb. Produktion ist nicht unser Ziel.

fairaudio: Bei Stichwort „Finanzinvestor“ denken viele gleich an „Heuschrecke“ – wie ist Ihre Erfahrung mit den Schweizern?

Christoph Keller: Ich komme ursprünglich aus einem inhabergeführten Mittelstandsunternehmen, war also durchaus skeptisch. Aber unser Investor agiert auf Augenhöhe, vertraut uns, gibt Freiraum. Wir nutzen Synergien da, wo sie sinnvoll sind – zum Beispiel durch ein zentrales Lager für Harman-Produkte. Gleichzeitig setzen wir auf lokale Teams, die die Sprache und den Markt verstehen. Das war auch der Grund für den Kauf von Kain Audio – wir wollten unseren Service in Österreich verbessern.

JBL Professional Lautsprecher in der Ausstellung bei Audio Pro

Welches Modell darf es denn sein? Was sich kein Händler aus dem HiFi-Sektor zutrauen würde – Audio Pro wagt es: Alle versammelten JBL Professional Lautsprecher an einer Wand. Dazu die grünen Zwerge für die Gartenbeschallung im künstlichen Blumenbeet

fairaudio: Wo sehen Sie sich in Ihrer Rolle?

Christoph Keller: Ich bin Geschäftsführer für Markt und Strategie – das bedeutet: Ich bin viel unterwegs, im direkten Austausch mit unseren wichtigsten Herstellern und Kunden. Man muss ein Gefühl für den Markt entwickeln. Manchmal erzählen uns die Leute, wie super alles läuft – aber da lohnt es sich, genau hinzuhören und tiefer zu bohren.

fairaudio: Und die Leidenschaft für Produkte ist ungebrochen?

Christoph Keller: Ja, die ist nach wie vor sehr groß. Viele unserer Produkte – sei es AKG, JBL oder Genelec – haben eine sehr interessante Geschichte. Die Beatles haben ihre Musik mit manchen dieser großen Markennamen gemacht! Das erzählen wir gerne weiter, denn genau das macht unseren Job so besonders.

Impression aus Bad Wimpfen

Gleich über den Hügel – und man steht in der maximalen Schöne-Welt-Idylle (nicht ironisch gemeint): Bad Wimpfen ist einen Ausflug wert. Hier residierten schon Kaiser und Könige. Und die Gäste von Audio Pro

fairaudio: Und wird bei all dem geschäftigen Treiben überhaupt noch Ukulele gespielt?

Christoph Keller: Nein, leider nicht. Sie hängt hübsch und still an der Wand …

Kontakt:

Audio Pro Heilbronn Elektroakustik GmbH
Pfaffenstraße 25
74078 Heilbronn / Deutschland
Telefon: +49 7131 2636 0
E-Mail: info@audiopro.de
Web: https://www.audiopro.de/

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Dynaudio Contour 20 BE

Firmenbericht: Audio Pro Heilbronn

  1. 1 Lösungswege
  2. 2 Interview mit Geschäftsführer Christoph Keller

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