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Interview mit Karl-Heinz Sonder von Abacus electronics – Artikel fairaudio

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Interview mit Karl-Heinz Sonder von Abacus electronics

Karl Heinz Sonder
Karl-Heinz Sonder – Gründer und Seniorchef von Abacus electronics

fairaudio: Kein Twen mehr – Abacus feierte dieses Jahr seinen Dreißigsten. Wie ging’s eigentlich los damals in den wilden 80ern?

Karl-Heinz Sonder: 1983 ging’s los. Angefangen hat’s als AUDIO PRO Deutschland GmbH, eine autonome deutsche Tochter der AUDIO PRO AB in Schweden. Die gibt’s längst nicht mehr, aber alte HiFi-Hasen erinnern sich an die legendären Aktivlautsprecher, die A4-14 und die Subwoofer, besonders den B2-50. Aber selber was bauen, eigene Produkte? – Kein Gedanke.

Wenn Sie an die damalige HiFi-Welt denken, mal ganz spontan aus dem Bauch heraus: Was hat sich für Sie beziehungsweise Abacus seitdem hauptsächlich verändert, was sind die entscheidendsten Entwicklungen? Klar, es gab noch keine Onlinemagazine und deren Redakteure, die komische Fragen stellen …

Damals – auf jedem Dorf gab es ’nen Hifi-Laden, mindestens einen, und darin Freakverkäufer mit großen Herzen und ganz viel Ahnung. Der kaufmännische Hintergrund war eher nicht so ausgeprägt. Um es kurz zu machen – es kamen die Blöd- und Geizmärkte und neue Vertriebsformen machten das Rennen. Die Kleinen blieben dabei auf der Strecke.

von Abacus electronics

Im Zusammenhang mit Abacus fällt ja häufig auch der Name Rieder. Wie ist dieser Name denn in die Abacus’sche Historie und Produktwelt einzuordnen?

Jochen Rieder. Ende 1983, im Winter, ziemlich spät schon – das Telefon klingelt. Ich wollte gerade nach Hause, nahm aber – wie es sich gehört – trotzdem ab. Und wieder mal war einer dran, der einen Verstärker erfunden hat, der alles in den Schatten stellt, was es bisher zu hören gab. Das gab’s damals öfter, die Story kannte ich schon. Wieder so einer …

Aber immer höflich – wenigstens fragen kann man ja mal: „Und wie machen Sie das?“ Da erklärt der Mensch mir doch „meine“ Verstärkerschaltung, die ich Jahre vorher als Student nicht zum Funktionieren gebracht hatte, als ich mit der Besessenheit eines Weltverbesserers der Überzeugung war, alle Welt baue falsche Transistorverstärker und ich müsse allen zeigen wie es richtig geht. Kurz, ich habe monatelang mein ganzes Taschengeld verpulvert, weil die Transistoren immer schneller im Himmel waren als ich den Stecker ziehen konnte.

Vermeintlich wusste ich jetzt, warum die anderen alle „falsche“ Transistorverstärker bauten; wenn man’s richtig macht, fliegt der in die Luft. Die Ursache war mir auch ganz klar: Dieser Verstärker ist zu schnell, so schnell, dass er sich selbst zerstört.

Und jetzt kommt dieser Mensch und will mir weismachen, dass es doch geht … Was soll ich sagen? Wir haben uns verabredet. Am nächsten Tag kam Jochen Rieder, so hieß er, mit einer Holzkiste, wo er seinen Verstärker eingebaut hatte. Schnell meinen Lieblingslautsprecher dran. Und der tönte plötzlich in einer neuen Liga.

14 Tage später hatten wir gemeinsam fünf Verstärker-Prototypen zusammengeschustert. Die gingen an die Redaktionen der damals ziemlich wichtigen HiFi-Magazine. Und einer landete in der Redaktion „Der Spiegel“. Der Spiegel war damals noch so etwas wie die Verkörperung der Wahrheit. Und der schrieb, dieser neue deutsche Verstärker für unter 1.000 Mark töne besser als die zum Teil über 10.000 Mark teuren Boliden der Konkurrenz. Man habe einfach die Endtransistoren auf den Kopf gestellt; das sei das Geheimnis beim Abacus.

Ich hab‘ alle in dem Glauben gelassen, obwohl mir eigentlich klar war, dass nicht Abacus, sondern die anderen die Transistoren falschrum einlöten … Das war dann wohl die Geburtsstunde von Abacus.

von Abacus electronics

Für Entwicklung und Design zeichnet nach wie vor aber ausschließlich das Duo „Gründer-Vater & Sohn“ verantwortlich?

Nicht ganz richtig! Bei Abacus sind immer alle dabei. Allein drei Radio- und Fernseh-Meisterbriefe von gestandenen Kollegen hängen hier an der Wand. Diese Kompetenz und Erfahrung nicht zu nutzen, wäre doch bescheuert. Aber inzwischen unbestritten die Nummer eins im Abacus-Labor ist der Junior, mein Sohn Hanno. Kein Wunder, der konnte noch nicht laufen, da wusste er schon, an welcher Seite es am Lötkolben heiß ist.

Warum gab es eigentlich so lange kein richtig dickes High-End bei Abacus? Sagen Sie bloß nicht, dafür sind Sie eigentlich zu vernünftig … 🙂 Der Ampollo war ein erster Fingerzeig, die Concerto Grosso machen mit einem Stückgewicht von fast 80 kg ihrem Namen wahrlich alle Ehre. Wie geht es in Sachen „dicke Dinger“ weiter, wird Abacus in Zukunft Yachten wie Roman Abramowitschs „Ecplise“ ausstatten?

Jeden Tag vernünftiges und bezahlbares HighEnd ausliefern, bringt mehr Spaß als mit Paradiesvögeln zu dealen. Aber „dickes HiFi“, wenn Abacus draufsteht, ist ja eigentlich immer noch vernünftig und bezahlbar. Wir haben uns lange geweigert, richtig dickes High-End-HiFi zu machen. Aber all die Jahre wurden viele Freunde nicht müde, uns zu ermuntern, doch mal was Fettes zu bauen. Irgendwann war der Widerstand gebrochen … Das Ergebnis war dann der Ampollo. Und mal ehrlich – ist das nicht ein Prachtkerl?

Und nun die „Concerto Grosso“? Wo sie jetzt fertig ist und so schön musiziert – können Sie sich vorstellen, dass wir alle einen Mordsspaß haben und obendrein auch ein bisschen stolz sind?

Und was Abramowitsch betrifft und dessen mehr oder weniger christliche Seefahrt – wenn auf der schnuckligen Segelyacht meines Freundes Christian auf dem Helgoland-Turn Abacus C-Boxen musizieren, wäre ich am liebsten mit an Bord.

Firmenbericht: Abacus electronics

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