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Abacus electronics: Hörraum und Messraum – Besuch bei Abacus – Artikel fairaudio

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Abacus electronics: Hörraum und Messraum - Besuch bei Abacus - Artikel fairaudio

Abacus electronics: Endmontage, messen und hören

Als nächstes ging es in die Montagehalle – den größten Raum, den die Herren Sonder aufzubieten haben. Entsprechend passiert hier eine ganze Menge. Und dazu noch sehr Entscheidendes. Denn wenn man einen Platz als den endgültigen Geburtsort für alle Produkte des Hauses bezeichnen kann, dann diesen hier, wo sämtliche Lautsprecher und Elektronik endmontiert und verpackt werden. Die Serienfertigung aller Geräte – auch der highendigen Ampollo-Verstärker und Concert-Grosso-Boxen – erfolgt wie bereits angedeutet auf Lager. Größere Stückzahlen in einem Fertigungslos abzuwickeln sei effizienter und zeitige Kostenvorteile, gibt sich Karl-Heinz Sonder überzeugt. Zudem sei für den Kunden (fast) alles sofort lieferbar.

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Die Montagehalle: Der endgültige Geburtsort aller Abacus’schen Audio-Preziosen

Und damit eben auch effizient zusammengeschraubt, -gelötet und -geklebt werden kann, liegen wesentliche Bauteile – etwa die Seitenwände des Ampollo-Verstärkers wie im unteren Bild zu sehen – griffbereit in den Regalen der Montagehalle.

Abacus electronics Firmenbericht
Seniorchef samt Seitenteil. Letzteres wird irgendwann mal einen fertigen Ampollo zieren

Die „Griffbereitschaft“ gilt freilich ebenso für die Kleinen, so zum Beispiel für die Ingredienzien des Ampino-Verstärkers:

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Niedlich – die künftige Rückwand eines Ampino-Verstärkers

Wenngleich es an diesem Tag wie erwähnt kein Herumkommen um die Concerto Grosso gab: So stand auf dem Produktionsplan unter anderem die Endmontage der Endstufenmodule, derer es vier pro Box gibt. Logisch, auch diese arbeiten – was für sämtliche Verstärkerschaltungen des Hauses gilt – nach dem grundsätzlichen Abacus-Prinzip („Transkonduktanz-Verstärker“), bei dem der „Saft“ an den Kollektoren und eben nicht Emittern der Ausgangstransistoren abgezapft wird (siehe dazu auch das abschließende Interview). Herausforderungen bei dieser Technologie sind unter anderem eine verstärkte Schwingungsneigung bei sehr hohen Frequenzen und die Temperaturentwicklung. Beides habe man aber bereits seit langer Zeit bestens im Griff, so Hanno Sonder.

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Herr Ulf Bollmann macht sich an Concerto-Grosso-Endstufenmodulen zu schaffen

Ah, halt, so ganz unter der Produktionsgrasnabe liefen die Kleinen an diesem Tag dann doch glücklicherweise nicht: Dafür sorgte Herr Costin Ruse, seines Zeichens ausgebildeter Zerspanungsmechaniker und zudem offenbar sowas wie ein autodidaktischer Meisterkoch, der bei feierlichen Anlässen entsprechend bevorzugt in die Küche abkommandiert wird. „Viel zu selten, allerdings!“, tönte es aus dem Hintergrund, als ich Herrn Ruse gerade vor die Linse nahm. Da sehen einige Kollegen wohl noch Optimierungsbedarf. Und so hieß es für Herrn Ruse statt Kochlöffelschwingen eben „C-Box bauen“, sprich die Hochtöner des Boxenbestsellers für die Endmontage vorbereiten.

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C-Box statt Galadinner: Herr Costin Ruse bei der Zubereitung von C-Boxen

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An die Strippen genommen – Hochtöner der Abacus C-Box

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Hochtönerpralinenschachtel

Als Resultat der Aktivitäten des Kollegen Ruse sonnten sich schließlich einige ganz junge C-Boxen im Werkstattneonlicht. Und zwar in den Sondereditionen „Black Smith“ und „Sunrise“. Ja, bei den preisgünstigeren Modellen seien die Kunden mutiger, was die Farbwahl angeht – und die farbenfrohen Kleinen meist ruck zuck wieder weg, so die Erfahrung bei Abacus. Je größer die Modelle aber, desto konservativer geben sich die Kunden im Hinblick auf die Optik, schwarze oder weiße Ausführungen würden dann zunehmend dominieren.

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Sonnenaufgänge und schwarze Schmidts – some like it colourful

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Auf die lange Bank geschoben: Der diplomierte Karosseriebauer Cosma Coman und eine lange Reihe A-Box-Elektronik. Darauf, dass sämtliche Kollegen universell einsetzbar sind, legt man bei Abacus großen Wert

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Die Fertigungstiefe geht bei Abacus so weit, dass man sich bisweilen sogar das Styropor für die Verpackungen selbst zurechtschneidet

Die Herren Sonder tönten ja, wir erinnern uns, dass bei der Entwicklung „Hören“ genauso wichtig wie „Messen“ sei. Aber wo spitzen die Abacusse denn ihre Lauscher, sprich fühlen ihren Zöglingen akustisch auf den Zahn? Nun, praktischerweise liegt der Ort des Hörens in enger Nachbarschaft zur Endmontagehalle. Vollends akustisch optimal erscheint es mir zwar nicht, verschiedene Boxen so eng nebeneinander fürs Probehören aufzureihen, aber die Sonders sind eben durch und durch passionierte Pragmatiker – warum also groß highendiges Bohei machen? Zumal die Lautsprecher, die ich mir fürs Probehören wünschte – die Concerto Grosso, na logo! – eindrucksvoll aufspielten: Tiefreichend, kontrolliert, ausnehmend dynamisch, hochaufgelöst und neutral erklang es. Keine Boxen für romantische Warm- oder Weichhörer, sondern eher für den, äh, maskulin-kernigen Audiophilen. Wenngleich ein kurzes Hören in fremder Umgebung sowieso nur einen groben Eindruck liefern kann.

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Vorführ-/Hörraum im Hause Abacus – Kunden werden hier ebenfalls gerne empfangen

Und warum stehen da Lautsprecher mit Manger-Wandlern herum – die führt Abacus doch gar nicht? Weil gezeigt werden soll, dass die hauseigene Verstärkerelektronik auch die etwas ansteuerungskritischeren Biegewellenwandler sicher im Griff hat. Man liefere entsprechende Kits für Selbstbauer, bekomme aber auch Aufträge für den Umbau beziehungsweise die Aktivierung von 109er-Zeroboxen von Manger. Der Preis hierfür richte sich nach dem Modifikationsaufwand, liege aber in jedem Fall unter 1.000 Euro, versichern die beiden Abacus-Chefs.

Um aber bei aller Hörerei noch einmal aufs Thema „Messen“ zurückzukommen: Für die diesbezügliche Endabstimmung liefert der unmittelbar angrenzende schalltote Raum gute Dienste. In der finalen Entwicklungsphase wird meistens, so Hanno Sonder, zwei Lautsprecherpaaren eines Typs parallel an die Wäsche gegangen: Ein Pärchen macht dann im Vorführraum von sich hören, das andere darf im schummrig-grauen Messraum direkt ins Mikro singen. So lassen sich Schwachstellen und vor allen Dingen deren Ursachen am leichtesten identifizieren und definieren. Erst wenn die Performance in beiden Räumen passe, habe ein Lautsprecher die Chance tatsächlich in Serie zu gehen.

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Akustik-Messlabor mit Messdienern

Abacus electronicsFür erste Fotos von fertig entwickelten Modellen hat man sich ein kleines „Studio“ eingerichtet

„Morgens in die Werkstatt, abends wieder raus“, hieß einer der Abacus’schen Grundsätze, die wir im Rahmen unseres Besuchs kennenlernen durften. Ähnliches sollte dann – nach etwa fünf Stunden Firmen-Cruising – auch für mich gelten. Natürlich nicht, ohne vorher noch ein paar Fragen los zu werden. Also legen wir die Beine hoch und machen es uns abschließend noch für ein Interview mit Herrn Sonder senior gemütlich …

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